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Verfahren zur Herstellung filmartiger Bänder aus Lösungen von Viskose
und ähnlichen Celluloseverbindungen, Gelatine u. dgl. Die Erfindung betrifft ein
Verfahren zur Herstellung filmartiger Bänder aus Celluloselösungen und ähnlichem
Ausgangsmaterial, bei dem die zur Bildung des Films dienende Masse auf ein Förderband
aufgebracht und von diesem der entstehende Film durch ein oder mehrere Fällungsbäder
hindurchgeführt wird. Im besonderen kennzeichnet sich das Verfahren nach der Erfindung
dadurch, daß die Wirkung des elektrischen Gleichstromes für die Fällung nutzbar
gemacht wird. Man hat den elektrischen Strom bei der Herstellung von Fäden aus Viskose
schon in der Weise angewendet, daß man ihn durch den in das Fällungsbad eingespritzten
Faden in dessen Längsrichtung hindurchleitet. Auch ist ein Verfahren zum Ausfällen
und Reinigen von Kunstseidelösungen bekannt, bei dem die Lösungen durch eine zwischen
Elektroden angeordnete Düse in ein schwach gesäuertes -Wasserbad gespritzt und der
gebildete Faden der Einwirkung des Stromes ausgesetzt wird.
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Erfindungsgemäß wird die elektrische Stromwirkung zur Herstellung
von filmartigen Bändern aus Cellulose oder Gelatinelösungen u. dgl. dadurch in neuartiger
und vorteilhafter Weise zur Anwendung gebracht, gebracht, nacheinander eine besondere
Einwirkung erst des alkalischen, dann des neutralen und zuletzt des saueren Teiles
des zwischen den Elektroden liegenden Bades stattfinden kann. Der Film wird zunächst
im schwach alkalischen Teil der Salzlösung koaguliert, gelangt dann in den neutralen
Teil des Bades -und wird hierauf der Wirkung des saueren Teiles des Bades ausgesetzt.
Die aufeinanderfolgende Einwirkung des alkalischen, neutralen und saueren Teiles
des Fällbades kommt dadurch zustande, daß durch den Einfluß des elektrischen Stromes,.
wie -in jeder @elektrolvtischen Zelle, das als Elektrolyt dienende Fällbad an der
Kathode alkalisch und an der Anode sauer reagiert, während zwischen den beiden Elektroden
ein dauernder Übergang von der alkalischen zur saueren Zone stattfindet und daher
das Bad im mittleren Teil neutral reagiert. Eine Durchmischung des Fällbades ist
bei geeigneter, nicht zu rascher Durchgangsgeschwindigkeit des Films nicht zu befürchten.
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Indem nach der Erfindung der Film auf einem Förderband mit der nötigen
Geschwindigkeit: oder auf einem genügend langen Wege durch den Bereich der elektrischen
Stromwirkung hindurchgeführt wird, ergibt sich eine sehr langsame und außerordentlich
gleichmäßige Koagulierung und eine hesonders günstige Härtung des Films. Ein weiterer
Vorteil besteht darin, daß die - alkalische und die sauere Behandlung -des Films
nicht wie sonst in zwei getrennten Bädern, sondern in einem einzigen Fällungsbad
-vorgencmrrieti
wird. Auch wird eine beiderseitige Fällung erreicht,
da die Badflüssigkeit durch die Poren des Förderbandes hindurchdringt und außerdem
das Förderband beim Aufbringen der Celluloselösung bereits mit einer dünnen Schicht
Fällmittel benetzt ist, die durch die Wirkung des elektrischen Stromes verstärkt
und aktiviert wird. Infolge der Verwendung eines Förderbandes ist dabei ein Reißen
und Einrollen des Films und eine Bildung von Schrumpffiguren vermieden, übelstände,
die bei der beiderseitigen Fällung mit Hilfe eng aneinanderliegender, den Film wechselseitig
führender kleiner Walzen leicht eintreten.
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Für das Verfahren nach der Erfindung kommen alle Celluloselösungen,
die anorganische Elektrolyte, wie Natronlauge, Schwefelsäure, Zinkchlorid, Calciumrhodanid,
Ku@-feroxydammoniak usw., enthalten, in Frage. Als Förderband dient zweckmäßig ein
mit Celluloid, Bakelit oder ähnlichen Stoffen imprägniertes Gewebe, das bei der
verhältnismäßig geringen Alkalität und Azidität des Bades ohne weiteres verwendet
werden kann. Die Führung des Förderbandes und des Films zwischen den Elektroden
erfolgt vorteilhaft derart, daß die Bahn senkrecht zur Stromrichtung in mehreren
Windungen verläuft. Da hochviskose Lösun.gen, wie Viskose u. dgl., zur Verwendung
kommen, ist ein Ablaufen der Lösung vom Förderband bei der Herstellung der filmartigen
Bänder nicht zu befürchten.
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Die Wirkung des elektrischen Gleichstromes kann erfindungsgemäß gleichzeitig
dazu benutzt werden, das Fällungsbad auf die erforderliche Temperatur zu bringen.
Zu diesen Behufe wird die Stromstärke oder der Elektrodenabstand oder die Badkonzentration
so bemessen, daß der elektrische Strom eine Heizwirkung ausübt, welche das Bad auf
die gewünschte Temperatur erwärmt. Die Anwendung der elektrischen Stromwirkung bei
der Filmherstellung in der Art der Erfindung bietet weiterhin die Möglichkeit, gleichzeitig
einen Farbstoff dem Film mit Hilfe des Stromes einzuverleiben und dauerhaft gefärbte
Filme zu erzielen. Es eignen sich hierfür sauere und solche Farbstoffe, die in Wasser
oder Alkali löslich und in Säuren unlöslich sind. Als Vertreter der ersteren ist
Alkaliblau zu nennen, als Vertreter der letzteren Dianilschwarz und alle wasser-
und alkalilöslichen Schwefelfarbstoffe. So kann z. B. in den alkalischen Teil des
Bades ein solcher Farbstoff gegeben werden, der sich darin löst und dort von dem
durchlaufenden Film aufgenommen wird. Gelangt dann die Filmbahn weiter in den saueren
Teil des Bades, so wird dort der im Film enthaltene gelöste Farbstoff infolge seiner
Unlöslichkeit in Säure in diesem fixiert.
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Die Zeichnung zeigt das neue Verfahren in einem Ausführungsbeispiel.
In dem Behälter i, in welchem sich das übliche, aus Natriumsulfat gebildete Fällbad
befindet, sind die beiden Elektroden z und 3 angeordnet, die an eine Gleichstromquelle
angeschlossen sind -und aus Metall, Graphit, Kohle o. dgl. bestehen können. Zwischen
diesen Elektroden wird das Förderband q., das außerhalb des Bades mittels eines
Gießers mit Filmmasse, z. B. Viskose, beladen wird, mittels Rollen 5 in mehreren
einen langen Weg bildenden Windungen durch das Bad hindurchgeführt. Das Fällbad
weist infolge des Potentialgefälles an der Eintrittsstelle eine alkalische Reaktion
auf, besteht also dort aus einem Lösungsgemisch von Natriumsulfat und Natriumhydroxyd,
dann läuft das Förderband mit der zum Teil koagulierten Viskose weiter und gelangt
in den mittleren Teil des Fällbades, der sich aus neutraler Natriumsulfatlösung
zusammensetzt. Bis dahin ist die koagulierende Viskosemasse noch löslich im Wasser,
wird aber in dem letzten Teil des Bades, welcher aus einem Lösungsgemisch von Natriumsulfat
und Schwefelsäure besteht, auch in Wasser unlöslich. Am Ende des Bades ist die Viskose
vollkommen durchgefällt und in Wasser unlöslich, so daß sie, vom Förderband gelöst,
durch die weiteren kalten und heißen Waschbäder geleitet werden kann.
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In den Antrieb des Förderbandes kann ein Geschwindigkeitsregler eingeschaltet
sein, der gestattet, die Laufgeschwindigkeit des Förderbandes nötigenfalls zu verlangsamen,
um die Ausnutzung der Bad- und Stromwirkung richtig einzustellen. Soll das Bad durch
den elektrischen Strom gleichzeitig geheizt werden, so wird die an die Elektroden
z, 3 gelegte Spannung entsprechend erhöht oder die Entfernung der Elektroden oder
auch die Konzentration des Bades verändert, bis die gewünschte Temperatur des Fällungsbades
erreicht ist und aufrechterhalten bleibt.