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Verfahren zur Herstellung von wasserlöslichen Kieselsäure-Eiweißverbindungen.
In der Kieselsäuretherapie haben sich bei Arteriosclerose, Carcinotn und besonders
bei Tuberkulose Verbindungen der Kieselsäure mit Natrium gut bewährt, so daß sie
durch die Präparate mit organisch gebundener Kieselsäure bisher nicht ersetzt werden
konnten.
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-Nun ist das inetakieselsaure Natrium nur ,sehr schwer in einer in
Wasser leicht löslichen Form zu erhalten. Selbst das Handelsprodukt .Natrium silicicum
puriss. sic. löst sich in kaltem Wasser nur unvollkommen und auch in warmem Wasser
erst völlig, wenn man ihm die Menge Natrium in Form von Na OH beigibt, die genau
der Formel Na. Si 03 ,entspricht. Die Handelsprodukte enthalten alle mehr oder weniger
Polysilicat. So enthielt ein sich sonst durch Reinheit auszeichnendes Produkt statt
49,1 Prozent Si O, 58,o Prozent Si 02. .aus diesem Produkte ließ sich eine Lösung
von reinem äNatriummetasilicat nur in der Weise erzeugen, daß man auf ioo Teile
11,8 Teile Natriumhydroxyd in wäßriger Lösung zusetzte und erwärmte.
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Wegen dieser Schwerlöslichkeit des trokkenen sogenannten Natriummetasilicats
hat man vielfach Lösungen von Wasserglas (N atriumpolysilicat) verordnet, die aber
einen stets wechselnden Kieselsäuregehalt aufweisen und den Nachteil aller flüssigen
Arzneimittel besitzen. nur in Flaschen aufbewahrt in den Handel gebracht werden
zu können. Der größte Nachteil rler Natriumsilicate, sowohl des Metasilicats wie
des Polysilikats oder Wasserglases, besteht aber darin, daß sie in wäßriger Lösung
alkalisch reagieren.
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S c h u h b a u e r (Biochemische Zeitschrift [192o] Band 1o8, Seite
304) hat gezeigt, daß die offizinelle Lösung von Natriumsilicat selbst in reinster
Form infolge hydrolytischer Spaltung des Natriumsilicats freie Natronlauge enthält
und daher eine stark alkalische Reaktion aufweist, so daß sie bei innerer Anwendung
in der Therapie die Schleimhäute reizt und für empfindliche Patienten nicht verwendbar
ist. Ferner hat B r e e s t (Biochemische Zeitschrift [192o] Band ioB, Seite Sog)
nachgewiesen, daß Natriutnsilicat um so schlechter vom Organismus resorbiert wird,
je alkalischer seine Lösung ist.
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Nach vorliegender Erfindung werden sowohl die Nachteile der Flüssigkeit
des Präparates Lind des stets wechselnden Kieselsäuregehaltes sowie die unvollkommene
Löslichkeit des festen \Tatriumsilicats und seine starke Alkalinität beim Lösen
in Wasser dadurch überwunden, daß das N atriutrunetasilicat mit Eiweißstoffen von
saurem Charakter, wie N ucleoalbuminen oder Albuminaten, vereinigt wird, wobei neutrale
bis schwach saure, in warmem Wasser leicht lösliche Produkte entstehen, die in bequemer
Weise in trockener Form zu erhalten sind, im Gegensatz zum N atriutnrnetasilicat
des Handels luftbeständig
sind, kein Wasser anziehen und stets
den gleichen Gehalt an Kieselsäure besitzen.
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Auch aus der Wasserglaslösung des Handels, die nach dem Versetzen
mit der zur Bildung reinen Natriummetasilicats nötigen Menge Alkali weder durch
Eindampfen der Lösung im Vakuum noch durch Zusatz von Alkohol und Ausfällen mit
diesem Mittel in ein vollkommen wasserlösliches, festes und bequem dosierbares Produkt
übergeführt werden kann, wird durch Verbindung mit Nucleoalbuminen, wie z. B. Casein
oder Albuminaten, wie z. B. Lactalbuminat, sowie der erforderlichen Menge Alkali
ein für die Kieselsäuremedikation gut geeignetes Produkt gewonnen. Besonders durch
die Neutralität seiner Lösung ist das Caseinnatriummetasilicat dem festen und flüssigen
N atr iumsilicat des Handels überlegen und wird, wie nach den Beobachtungen von
B r e e s t zu erwarten, ausgezeichnet resorbiert.
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Es war nicht zu erwarten, daß das N atriummetasilicat seine Eigenschaften,'
weder bei Eindampfen im Vakuum noch bei Ausfällung mit Alkohol ein vollkommen wasserlösliches
Produkt zu geben, in Gegenwart des Caseins verändern würde. Offenbar wirkt das Casein
natrium als Schutzkolloid.
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Das in der Patentschrift 161842 beschriebene Produkt aus Casein, Soda
und Wasserglas, das. im Zeugdruck an Stelle von Hühnereiweiß Verwendung finden.
soll, ist durch große Klebkraft und Koagulationsfähigkeit ausgezeichnet, stellt
aber nicht, wie das Produkt des- vorliegenden Verfahrens, ein haltbares und nicht
hygroskopisches Pulver dar, dessen wäßrige Lösung neutral ist und reizlos resorbiert
wird.
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Beispiel. ioo Gewichtsteile Casein, die in iooo Gewichtsteilen Wasser
angeschlämmt sind, werden mit so viel einer konzentrierten Lösung von reinem Natriummetasilicat
- die aus Wasserglas durch Natronlaugezusatz oder aus dem Natriummetasilicat des
Handels durch Erwärmen mit der berechneten Menge verdünnter Natronlauge hergestellt
werden kann - versetzt, daß sich einige Kubikzentimeter der Mischung in etwa der
zehnfachen Menge heißen Wassers zu einer schwach milchig getrübten Flüssigkeit von
neutraler bis schwach saurer -Reaktion auflösen. Dafür sind etwa d. Gewichtsteile
Natriummetasilicat, auf reines trockenes Produkt gerechnet, erforderlich. Die so
erhaltene Lösung wird im Vakuum zur Trockene gebracht und der Rückstand ge= mahlen
und gesiebt. Das Caseinnatriummeta silicat stellt ein weißes Pulver dar, das mit
wenig kaltem Wasser stark aufquillt und sich 1
in heißem Wasser zu einer milchigen
Flüssigkeit von neutraler bis schwach saurer Reaktion auflöst.
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Zu dem gleichen Produkte kann man auch in der Weise gelangen, daß
man ioo Gewichtsteile Casein mit der zwei- bis dreifachen Menge starkem Alkohol
anschlämmt und in die Suspension 4 Gewichtsteile Natr iummetasilicat in konzentrierter,
frisch bereiteter Lösung unter starkem Umrühren einträgt. Man entfernt darauf den
Alkohol durch Filtration und Abpressen, trocknet den Rückstand, nachdem er nötigenfalls
zur Entfernung des Fettes mit Äther gewaschen ist, und mahlt ihn.
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An Stelle der Natriumverbindungen können auch die des Kaliums Verwendung
finden. Statt dem Wasserglas Casein und Natronlauge beizumischen, kann man auch
Caseinnatrium verwenden mit so viel Natrium, als zur Bildung eines reinen Natriummetasilicats
aus dem Wasserglas erforderlich wäre. Dabei genügt es, nur gerade so viel Wasser
in das Gemisch hineinzubringen, daß eine gleichmäßige Verteilung der Komponenten
gewährleistet ist.
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Wenn man als Eiweißstoff von saurem Charakter an Stelle von Casein
ein Albuminat, z. B. das aus koaguliertem Lactalbumin durch Lösung in Natronlauge
und Umfällung mit verdünnter Säure erhaltene Produkt, verwenden will, verfährt man
ganz ähnlich wie bei Anwendung von Casein. Jedoch sind in dem Falle nur 3,5 bis
3,7 Gewichtsteile Natriummetasilicat (Na. Si 0g) auf ioo Gewichtsteile Lactalbuminat-
erforderlich, um zu einem mit neutraler bis schwach saurer Reaktion in Wasser löslichen
Produkte zu gelangen. Im übrigen ist das aus Lactalbuminat und Natriummetasilicat
gewonnene Produkt dem aus Casein und Natriummetasilicat erhaltenen ganz ähnlich.