DE42893C - Verfahren zur Herstellung eines nitroglycerin- und dinitrocellulosehaltigen Sprengstoffes - Google Patents

Verfahren zur Herstellung eines nitroglycerin- und dinitrocellulosehaltigen Sprengstoffes

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DE42893C
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    • C—CHEMISTRY; METALLURGY
    • C06—EXPLOSIVES; MATCHES
    • C06B—EXPLOSIVES OR THERMIC COMPOSITIONS; MANUFACTURE THEREOF; USE OF SINGLE SUBSTANCES AS EXPLOSIVES
    • C06B25/00—Compositions containing a nitrated organic compound
    • C06B25/18—Compositions containing a nitrated organic compound the compound being nitrocellulose present as 10% or more by weight of the total composition
    • C06B25/24—Compositions containing a nitrated organic compound the compound being nitrocellulose present as 10% or more by weight of the total composition with nitroglycerine

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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT:
Zur Herstellung dieses Sprengstoffes bediene ich mich des Nitroglycerine, welches ich durch die bekannten Processe industriell erhalte. Zu diesem Product füge ich eine besondere Nitrocellulose, welche ich auf folgende Weise erhalte: Die Baumwolle oder Baumwollabfälle, welche zur Anwendung kommen, werden zuerst gereinigt, um alle fremden festen Körper, die darin vorkommen, zu entfernen. Darauf werden die gereinigten baumwollenen Fasern in einem Bade von Wasser mit 5 pCt. Salzsäure während ungefähr einer Stunde ausgewaschen. Die in den Fasern hierdurch entstehende Säure wird darauf neutralisirt, indem man dieselben in heifser Sodalauge auswäscht, worauf sie wieder in einem Säurebade von Wasser mit 3 pCt. Schwefelsäure getränkt werden.
Diese Vorbereitung der Fasern ist von grofser Bedeutung, indem dieselben hierdurch fähig gemacht sind, vollständig salpetrisirt zu werden, während sonst die salpetersaure Baumwolle, selbst die von Abel, immer etwas freie Cellulose enthält. Die bereiteten Fasern werden zuerst in eine Lösung von zweifach schwefelsaurem Natron mehrere Stunden hindurch getaucht. Das zweifach schwefelsaure Natron wird als Nebenproduct bei der Herstellung von Salpetersäure gewonnen. Nach dem Bade werden die Fasern - getrocknet und fein zerkleinert und dann in einer kalten Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure salpetrisirt.
Es entsteht hierdurch eine Dinitrocellulose, welche das Nitroglycerin absorbirt und damit einen Brei bildet, welchem ich in wechselnden Verhältnissen Schiffspech oder Asphalt, Harz, Schwefel, Holzmehl oder Dextrin zusetze. Unter Schiffspech verstehen wir einen Kohlenwasserstoff, der bei der gewöhnlichen Temperatur mehr oder weniger fest ist und welchen man als Nebenproduct bei der Destillation von vegetabilischem oder mineralischem Theer erhält. Asphalt ist das Bitumen oder Erdpech. Harz ist das Kolophonium oder ähnliche harzige Stoffe. Holzmehl ist einfach fein gemahlenes Holz; es kann zu meinem Zwecke durch Dextrin oder Stärkegummi ersetzt werden und dient zum Dickmachen der Mischung.
Die Verhältnisse werden weiter unten betrachtet werden und sind ungefähr für ein Durchschnittsproduct:
Dinitrocellulose 75 Theile, Nitroglycerin 5 Theile, Schiffspech oder Erdpech 6 Theile, Harz 2 Theile, Schwefel 5 Theile und Holzmehl oder Dextrin 7 Theile.
Ich bewirke die Mischung dieser Producte in Steingefäfsen oder irgend welchen anderen Apparaten auf folgende Weise:
Die Dinitrocellulose wird zuerst in dem Nitroglycerin aufgelöst, letztere durch ein Wasserbad auf 60° gehalten. Es bildet sich dann eine gallertartige Masse, welcher man das Harz und den Schwefel, beide in Pulverform, zusetzt, indem man einige Minuten rührt. Darauf wird das Holzmehl oder Dextrin, unter fortdauernder Umrührung, hineingemischt. Schliefslich wird das Schiffspech oder Erdpech zugesetzt und die ganze Masse 20 bis 30 Minuten hindurch geknetet.
Das Mischungsverfahren kann jedoch auch auf eine andere Art vorgenommen werden. Man kann das Schiffspech oder Erdpech, das Harz
und den Schwefel zusammenschmelzen und der flüssigen, gut gemischten Masse das Holzmehl oder Dextrin zusetzen. Es bildet sich dann eine gekörnte Masse, welche man mit der Mischung von Dinitrocellulose und Nitroglycerin knetet. Man kann auch die oben erwähnte Masse erstarren lassen und dann mahlen, um es der Mischung von Dinitrocellulose und Nitroglycerin zuzusetzen, worauf schliefslich das Holzmehl oder Dextrin hineingeknetet wird. Das Product, welches ich also erhalte, ist ein plastischer Teig von grofser Unempfindlichkeit für Stöfse und von einer mächtigen Wirkung infolge der beträchtlichen Gasentwickelung, welche von dem Freiwerden von Wärme herrührt, die durch die lebhafte Verbrennung während der Explosion erzeugt wird.
Es ist leicht, aus dem Vorstehenden die bedeutenden Vortheile zu entnehmen, die der sogenannte Baelen - Dynamit bei den verschiedenen Arbeiten bieten wird, bei welchen bisher schwarze Pulver oder andere Sprengstoffe verwendet wurden.
Infolge seiner Unempfindlichkeit gegen Stöfse können künftig die Transporte auf jedwedem Wege und das Versetzen der Bohrlöcher mittelst dieses neuen plastischen Sprengstoffes ohne irgend eine Gefahr ausgeführt werden; ferner bietet der B aelen-Dynamit alle Garantien der Sicherheit und Haltbarkeit in warmen Ländern und bei Arbeiten unter Wasser; infolge der innigen mechanischen Berührung der verschiedenen Elemente, welche in die Mischung eintreten oder eintreten können, indem die wirksamen Theile ganz mit einer Umhüllung bedeckt werden, welche undurchdringlich und wohl geeignet ist, ohne Zersetzung der Temperatur der verschiedenen warmen oder kalten Klimate zu widerstehen. Der Grad der Flüssigkeit des Schiffspechs oder Erdpechs kann in der That durch das Harz beliebig geregelt werden, und umgekehrt, und der Schwefel mit dem Holzmehl oder Dextrin gestatten, die Geschwindigkeit der Verbrennung dieses Stoffes zu beschleunigen oder zu verlangsamen.
Der Fabrikationsprocefs ist sehr einfach und die Anwendung bietet keine Gefahren, die man mit anderen Dynamiten zu fürchten hat, bei denen bisweilen Nitroglycerinausschwitzungen stattfinden, ein Uebelstand, welcher sich mit dem B aelen-Dynamit nie ereignen kann.
Wenn man diesen neuen Sprengstoff in der freien Luft entzündet, so geht die Verbrennung langsam und ohne Explosion unter Hinterlassung eines Rückstandes vor sich; dagegen ist die Verbrennung vollständig und heftig, wenn man in einem geschlossenen Raum operirt. Der sich entwickelnde Rauch, der übrigens nicht ungesund ist, im Gegensatz zu dem, welchen andere Dynamite entwickeln, verschwindet schnell in den Minengängen.

Claims (1)

  1. PATENT-An SPRUCH:
    Verfahren zur Herstellung eines nitroglycerin- und dinitrocellulosehaltigen Sprengstoffes, bestehend aus einer Mischung von 75 Theilen Dinitrocellulose, 5 Theilen Nitroglycerin, 6 Theilen Schiffspech oder Erdpech, 2 Theilen Harz, 5 Theilen Schwefel und 7 Theilen Holzmehl oder Dextrin.
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