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Stopfbüchsendichtung. Die zur Dichtung von Stopfbüchsen verwendeten
Packungen bestehen in der Regel aus Fasermaterial oder aus Metall. Die ersteren,
die als Weichpackung bezeichnet werden, lassen sich gut in die Stopfbüchsen einbringen,
sind jedoch, insbesondere bei Heißdampfbetrieb, sehr wenig haltbar. Metallpackungen
sind zwar weit haltbarer und können bei guter Beschaffenheit der Kolbenstangen und
bei genauer Einpassung auch gut abdichten; sie sind jedoch, da sie eingegossen oder
unter hohem Druck eingepreßt werden, so starr, daß sie eine nur geringe Schmierfähigkeit
besitzen und beim Anziehen der Stopfbüchsenbrille sich nur wenig in zur Kolbenstange
senkrechter Richtung ausdehnen, d. h. nicht genügend abdichten, ein Nachteil, der
besonders bei abgenutzten oder unebenen Kolbenstangen sehr störend ist. Außerdem
müssen für jede Größe einer Stopfbüchse besondere Packungen vorrätig sein, da sie
infolge ihrer Starrheit nicht verschiedenen Größen angepaßt werden können. Man hat
ferner die gleichzeitige Verwendung von Metall und Fasermaterial in den verschiedensten
Formen vorgeschlagen, wobei in der Regel das Fasermaterial dichten und das Metall
zur Verstärkung dienen sollte. Hierdurch wurde an der geringen Haltbarkeit des Fasermaterials
nichts geändert. Eine wirklich haltbare Dichtung kann nur erzielt werden, wenn das
Metall allein das Dichthalten bewirkt. Die Metallpackungen selbst hat man in verschiedener
Weise hergestellt, z. B. aus verhältnismäßig kurzen Metallstücken, wie Körnchen,
Blättchen oder Spänen, oder aus langen, flachen Metalldrähten. In allen Fällen wurde
das Metall unter hohem Druck e=ngepreßt oder eingestampft und vor oder nach dem
Pressen mit Schmiermittel versetzt. Um bei Verwendung von feinen Metalldrähten diese
leicht aufbewahren zu können, ohne daß sie sich verwirren, ist vorgeschlagen, sie
zu Bündeln zu vereinigen und diese lose zu verdrehen. Die hierdurch erhaltenen Erhöhungen
und Vertiefungen sollen sich beim Einstampfen der Drähte ineinanderlegen und dadurch
ein Gleiten der aufeinanderliegenden Schichten verhüten. In allen Fällen bildet
die Dichtung eine verhältnismäßig starre Metallmasse.
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Die Erfindung bezieht sich auf eine Stopfbüchsendichtung aus feinen
Metalldrähten, die im Gegensatz zu den bisherigen elastisch ist. Dies wird dadurch
erreicht, daß die aus nicht elastischem Metall bestehenden Drähte zu Schnüren und
diese zu einem Seil, das auf der Außenfläche geglättet ist, verdreht sind. Infolge
der Verdrehung zu Schnüren und dieser zu einem Seil erhalten die Drähte und das
Seil eine Elastizität, die beim Anziehen der Stopfbüchsenbrille sich in einer Ausdehnung
der Dichtung in zur Kolbenstange senkrechter Richtung äußert. Es legen sich die
Drähte gegen Kolbenstange und Stop:büchsenwandurig °elastisch an und bewirken dadurch
eine gute Abdichtung.
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Die Zwischenräume zwischen den Drähten können unmittelbar bei der
Herstellung des Seiles bequem mit Schmiermitteln (Fett, Graphit o. dgl.) gefüllt
werden oder können auch zunächst urigefüllt bleiben, um sich im Betriebe
mit
dem ablaufenden5chmiermittel zu sättigen. In jedem Falle ergibt die aus einem Metallseil
bestehende Dichtung eine außerordentlich große Anzahl von engen und engsten Fugen,
Formen und Kanälen, welche eine vollendete Labyrinthdichtung im Gegensatz zur einfachen
Flächendichtung gewährleisten, wie sie bei sonstigen Metallpackungen die Regel bildet.
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Vorteilhaft läßt man die das Seil bildenden Drähte aus Bleilegierung
u. dgl. unmittelbar beim Ziehen dieser Drähte durch ein graphithaltiges Bad o. dgl.
laufen, wodurch sie einen genügend starken Graphitüberzug annehmen, der nicht bloß
im Betriebe der Stopfbüchse nützlich ist, sondern auch die Arbeit des Drahtziehens
erleichtert.
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Die neue Packung kann als Seil von beliebiger Länge in den Verkehr
gebracht werden. Vorteilhaft wird der Durchmesser des Seiles den in der Praxis vorkommenden
Packungsstärken angepaßt. Selbstverständlich kann man aber auch eine stärkere Packung
mittels mehrerer Lagen eines dünneren Packungsseiles herstellen.
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Damit das Seil an der Kolbenstange und der Stopfbüchsenwandung ohne
Zwischenräume überall anliegt, wird es nach der Herstellung zwecks Erzielung einer
möglichst glatten Oberfläche nachträglich geglättet, indem es z. B. durch eine glatte
Düse oder zwischen glatten Platten oder Walzen hindurchgezogen wird. Statt rund
kann das neue Dichtungsseil auch eckig, z. B. als Quadratseil, ausgeführt werden.