DE352845C - - Google Patents
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Description
Es ist seit langem bekannt, daß die Bleichwirkuing"
von Lösungen unterchlorigsaurer Salze außer durch Erwärmen auch durch
Ansäuern außerordentlich beschleunigt werden kann. Dies ist auch ohne weiteres erklärlich, weil beim Ansäuern der 'genannten
Salzlösungen freie unterchlorige Säure, gegebenenfalls auch freies Chlor gebildet
wird. Die Anwendung z. B. von Schwefelsäure oder Salzsäure führt leicht zu
freiem Chlor, während! sich die Einwirkung sohlwacher Säuren, wie Kohlensäure, Essigsäure
ui. a., leicht auf die Entbindung von unterchloriger Säure beschränken läßt. Die
Anwendung der letztgenannten Säuren wurde besonders empfohlen (vgl. z. B. Patent
31741), weil dabei die zerstörende Wirkung
freien Chlors auf die Faserstoffe vermieden wird'.
Obwohl eine derartige Beschleunigung der Bleichwirkuwg eine beträchtliche Ersparnis
an Zeit und' mitunter auch an Bleichmittel bedeutet, also erhebliche Vorteile für den
Großbetrieb zu versprechen scheint, und obwohl man in der Verwendung· schwacher Säuren
ein Mittel in der Hand hat, schädliche Einflüsse auf 'die Faserstoffe bei dieser Arbeitsweise
zu vermeiden, so hat dies Verfahrren doch keine allgemeine Anwendung gefun- den. Meistens verwendet man die unterchlorigsauiren
Salze noch in alkalischer Lösung und benutzt zur Beschleunigung der Bleiche lediglich ein Erwärmen der Lauge
auf etwa 300. Daß man diesem Verfahren den Vorzug gibt, muß auf den ersten Blick
befremdend1 erscheinen, weil dasselbe sich infolge erheblichen Dampfverbrauches teurer
stellt, und weil bei der erhöhten Temperatur auch immer die Gefahr eines schädigenden
Einflusses auf das Fasermaterial besteht. Eine Erklärung dafür findet sich aber in der
Tatsache, daß merkwürdigerweise die angesäuerte Hypochloritlösung in der endgültigen
Bleich/Wirkung- der erwärmten alkalischen Lösung häufig- nachsteht, obwohl das bekannte
Verhalten der freien unterchlorigen Säure das Gegenteil erwarten läßt. Behandelt man
beispielsweise ungebleichten Sulfitzellstoff einerseits mit einer durch Einleiten von CO2
angesäuerten Chlorkalklösung, anderseits mit erwärmter alkalischer Chlorkalklösunig, und
zwar so, d!aß in beiden Fällen gleichviel aktives
Chlor verbraucht wird, so pflegt die Bleichwirkung der alkalischen Lauge die
bessere zn sein.
Es wurde nun aber gebunden, daß eine der Behandlung mit dem erwärmten Hypochloritbade
noch erheblich überlegene Bl'eiohiwirkung erzielt wird1, wenn das Bleichlgut zunächst
mit angesäuerter und diann mit alkalischer Hypochloritlösung behandelt wird.
Dies zeigen z. B. folgende Vengleichsversu ehe:
a) Eine Probe Sufitzellstoff wurde mit
einem alkalischen Chlorkälkfoade, welches
15 Prozent Chlorkalk, auf d'en trockenen Stoff berechnet, enthielt, bei etwa 300 C behandelt.
Es wurden bei der Bleiche 12 Prozent Chlorkalk (vom Trockenstoff) verbraucht.
b) Eine gleiche Menge desselben Stoffes wurde mit 15 Prozent Chlorkalk bei gewöhnlicher
Temperatur behandelt; die Lösung war durch Einleiten von Kohlensäure angesäuert
worden. Auch hierbei wurden 12 Prozent Chlorkalk (auf Trockenstoff berechnet) verbraucht.
c) Eine gleich große Probe desselben Zellstoffes wurde zunächst mit 10 Prozent Chlor kalk
unter Ansäuern behandelt (verbraucht 7,25 Prozent). Dann wurde mit 5 Prozent Chlorkalk im alkalischen Bade bei etwa 300
weitergebleicht. Hierbei wurden verbraucht 3 Prozent Chlorkalk, im ganzen also 10,25
Prozent auf Trockenstoff berechnet.
Die Bleiohwirkung war nun bei dem alkalischen Bade a erheblich besser wie beim angesäuerten
Bade b, und zwar trotz des geringeren Chlorverbrauches. Man hätte nach dem dargelegten Stand der wissenschaftlichen und
technischen Kenntnis vom Bleichprozeß erwarten müssen, daß c viel schlechter bleichen
würde als a, weil bei c ein Teil des gut wirkenden, warmen, alkalischen Bades a durch
das allein für sich schlechter wirkende angesäuerte Bad b ersetzt ist.
Die Mengenverhältnisse des Bleichmittels können auch umgekehrt wie bei dem angeführten
Beispiel gewählt werden, so daß man also auch mit weniger Chlorkalk sauer vorbleichen
«τκί eine größere Menge zur alkalischen
Nachbleiche verwenden kann. Im übrigen richtet sich die Ausführung des Verfahrens,
insbesondere hinsichtlich der zu wählenden Mengenverhältnisse, Temperatur,
Bleichd'auer usw. natürlich ganz nach der Art des zu bleichenden Stoffes und nach der gewünschten
iBleichwirkiung.
Die Erklärung für die durch die aufeinanderfolgende Behandlung mit dem sauren
und alkalischen Bade erzielte Mehrwirkung scheint darin zu liegen, daß die Bleiche mit
freier unterchloriger Säure zu Zwischenerze ugriissen der Oxydation führt, die leicht
und rasch nur durch, alkalisches Hypochlorit beseitigtl werden. Diese Erklärung macht es
auch verständlich, daß die Reihenfolge saueralkalisch für die beabsichtigte Wirkung erforderlich
ist, und1 diaß der umgekehrte Weg, ά. h. die Behandlung 'des Bleichgutes, zuerst
in einem alkalischen und dann erst in einem sauren Hypochloritbade (wie es z. B. im Patent
281581 vorgeschlagen ist) nicht zu dem gleichen Erfolg führt.
Unter sonst gleichen- Bedingungen, besonders
also bei gleichem Chlorverbrauch, wird nach dem neuen Verfahren eine erheblich bessere Bleichwirkuing, d. h. ein weißerer
Stoff erzielt wie bei der nur sauren bzw. nur alkalischen Bleiche oder wie bei umgekehrter
Reihenfolge der Bäder. Um dasselbe Weiß zu erzielen wie nach jenen Verfahren, kann man daher nach dem neuen Veifabren
Chlor und Dampf sparen Auch wird die Faser des Bleichgutes bei weitem nicht
so leicht angegriffen wie bei der ganz sauren Bleiche oder der sauren Nachbleiche nach
alkalischer Vorbleiche, weil das unter Umständen für die Faser gefährliche saure Bad,
also die freie unterchlorige Säure, nur im Anfang· des Bleichprozesses zur Anwendung
kommt, wo noch eine große Menge leicht oxydabler Substanzen vorhanden ist und die
freie unterchlorige Säure noch genügend Bleicharbeit an eben diesen Substanzen vorfindet.
Außerdem wird das Fasermaterial auch dadurch erheblich geschont, daß die
Bleiche nicht oder nur zum geringen Teil bei erhöhter Temperatur ausgeführt werden muß.
Es sei noch betont, daß die günstigen Wirkungen nur bei Verwendung von Hypochloriten!
erzielt werden, die ausschließliche Verwendung anderer Bleichmittel aber nicht in
Betracht kommt und auch die Mitverwendung solcher durchaus überflüssig· ist.
Man hat bereits vorgeschlagen, Gewebstoffe
vor der Chlorkalkfbleiche einer Behandlung mit schwefliger Säure zu unterwerfen. Diesem
Verfahren ist das neue Verfahren weit überlegen, da selbst dann noch ein erheblich
besseres Weiß erzielt wird, wenn man im ganzen weniger Chlor anwendet, als der
nach dem bekannten Verfahren anzuwendenden Menge von schwefliger Säure und1 Chlor
äquivalent ist.
Claims (1)
- P ATENT-AnSPRU C HVerfahren zum Bleichen von Faserstoffen, Geweben u1. dgl. mit Hypochloriten, dadurch gekennzeichnet, daß d'as zu bleichende Gut zunächst mit angesäuerter und darauf mit alkalischer Hypochloritlösung behandelt wird!.
Publications (1)
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Country Status (1)
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