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Verfahren und Vorrichtung zur Gewinnung des Bastes von Nutzfasern
enthaltenden Pflanzenstengeln. Um von Nutzfasern enthaltenden Pflanzenstengeln die
Fasern zu gewinnen, hat man die Stengel kräftig mit Natronlauge behandelt. Die Natronlauge
zerstört die Rindenbestandteile, in die die Fasern eingebettet sind, und auch den
Zusammenhang der Rinde mit dem Stengel. Dadurch wird der ganze Zusammenhalt der
Rinde aufgelöst, und es ist mit den bisher bekannten Mitteln der Ablösung des Bastes
von dem Holzstengel nicht möglich, die Fasern frei von Rindenbestandteilen zu erhalten.
Man kann nicht getrennt vom Rindenschlamm die Fasern der weiteren Behandlung unterwerfen.
Fasern und Rinde lassen sich nur zusammen in einzelnen Stücken und Fetzen vom Stengel
herunternehmen, und wenn man diese einzelnen kleinen Stücke auf ein Beförderungsmittel
aufbringen will, so erhält man nur größere oder kleinere Rindenschlammbatzen, in
denen sich die Fasern mit befinden. Das für die Weiterbehandlung unbedingt erforderliche,
geordnete und parallele Auflegen des Bastes ist unmöglich.
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Man hat vorgeschlagen, der Natronlaugenbehandlung eine Behandlung
mit Sodalauge voranzusenden und die Behandlung mit Natronlauge erheblich abzukürzen.
Sie soll nur noch so lange einwirken, daß zwar der Zusammenhang innerhalb der Rinde
angegriffen wird, um die nachfolgende Aufschließungsarbeit etwas zu erleichtern,
daß aber doch noch viel Zusammenhang in der Rinde vorhanden ist, damit sie bei der
nachfolgenden Schälarbeit sich nicht auflöse, sondern ihren Zusammenhang bewahre.
Hierbei wird also durch die Sodalauge nur der Zusammenhang zwischen Bast und Holzstengel
gelöst. Der Bast läßt sich verhältnismäßig leicht mit Maschinen entfernen, da der
Aufbau des Bastes nicht wesentlich gestört ist, und es läßt sich der Bast mit den
in ihm befindlichen Fasern in geordneter, paralleler Lage auf ein Beförderungsmittel
aufbringen.
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Die Schwierigkeit liegt aber hierbei darin, daß die Rinde nicht genügend
zerstört ist, um die nachfolgende Aufschließungsarbeit ausreichend zu erleichtern.
Läßt man aber die Natronlauge länger. auf die Rinde einwirken, dann verliert die
Rinde den Zusammenhalt, und man kann den Bast bei der nachfolgenden Schälarbeit
auf der Schälmaschine nicht mehr in Streifen gewinnen, sondern nur noch in zusammengeschobenen
Klumpen und Batzen. Will man also den Bast auf dem zur Fasermaschine führenden Siebtuche
in Streifen gewinnen, so mußte man bislier von einer ausreichenden Vorbehandlung
des Bastes mit Natronlauge vor dem Abschälen des Bastes vom Stengel absehen. Das
hatte nun leider zur Folge, daß die Weiterverarbeitung des Bastes sehr erschwert
war und kein so schönes Fasergut ergab, als wenn man den Bast vorher mit Natronlauge
behandelt hatte.
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Die Schwierigkeit liegt also hier in der Behandlung des Bastes mit
Natronlauge. Man kann zwar den Bast auch nur mit Sodalauge behandelt verarbeiten.
Jedoch ist die Verarbeitung
wesentlich leichter, wenn Natronlauge
auf den Bast eingewirkt hat. Je länger diese Einwirkung stattfindet, um so leichter
geht die Weiterverarbeitung vonstatten. Hat man nun den Bast schon auf dem Beförderungsmittel
liegen, dann kann .die Natronlauge auf den Bast nur verhältnismäßig kurze Zeit einwirken,
da das Beförderungsmittel verhältnismäßig schnell läuft und infolgedessen ein Eintauchen
des Bastes in Natronlauge technisch und räumlich großen Schwierigkeiten begegnet,
zum mindesten, wenn der Bast eine hinreichend lange Zeit in die Natronlauge eingetaucht
werden soll.
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Die eigentliche Freilegearbeit besorgt immer die Natronlaugenbehandlung
im Zusammenhange mit der nachfolgenden Quetschung. Es ist die vorangehende Sodabehandlung
somit ein Umweg, und es ist das Ziel der vorliegenden Erfindung, mit der Natronlaugenbehandlung
allein auszukommen und doch den die Faser enthaltenden Bast in geordneter, paralleler
Lage auf dem Fördermittel zur Weitergabe an die weiteren Behandlungsstellen zu gewinnen.
Durch das Ausscheiden der Sodalaugenbehandlung und kräftige Ausnutzung der allein
noch verbleibenden Natronlaugenbehandlung kann man die nachfolgende Arbeit des Kalanderns
und Beinspritzens sehr wesentlich erleichtern, die Maschine sehr viel schneller
als früher laufen lassen und dadurch einen erheblich größeren Ertrag erzielen. Auch
kann man mit geringerem Kalanderdrucke auskommen und dadurch die Faser mehr schonen.
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Es ist also die Aufgabe der Erfindung, den Bast, der am Nesselstengel
mit Natronlauge so lange gekocht ist, bis der innere Zusammenhang der Rindenbestandteile
gelöst ist und nur noch sehr lose, und zwar zum Abfallen lose, am Stengel hängt,
zuerst vom Stengel restlos abzulösen und ihn trotzdem dann in fortlaufender gleichmäßiger
Zuführung und in parallel und lang gelegten Streifen auf das Zuführungstuch zur
eigentlichen Fasermaschine aufzubringen.
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Man könnte nun den Bast nach der Natronlaugenbehandlung in bekannter
Weise einfach abspritzen. Dadurch gewinnt man aber den Bast nur in Klumpen und Batzen,
denn beim Abfallen vom Stengel ballt er sich zusammen und bringt die Fasern aus
ihrer geordneten Lage, die sie von Natur aus am Stengel haben: Es ist für die Durchführung
der Erfindung erforderlich, daß der durch die Vorbehandlung mit Natronlauge weich
und zusammenhanglos gewordene Bast sofort auf dasjenige Fördermittel geraten muß,
das ihn zur Weiterbehandlung führt. Es darf also nicht etwa zwischen Fördermittel
und Natronlaugenbehandlung die Behandlung in einer Schälmaschine liegen oder der
Bast in bekannter Weise in Wasser hinein abgespritzt werden. Es darf aber auch der
Stengel nicht gequetscht-werden. Hierdurch entstehen Risse und Spalten, in die sich
die Fasern hineinsetzen und aus denen sie nur schwer wieder zu entfernen sind.
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Bei der Lösung der Aufgabe muß ferner darauf geachtet werden, daß
die Faser vom Stengel restlos gewonnen wird. Es muß deshalb auf den vom Stengel
abzulösenden Bast von allen Seiten her eingewirkt werden, nicht nur von oben und
unten, sondern auch von der Seite her.
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Nach der Erfindung werden die mit Natronlauge kräftig vorbehandelten
Stengel dicht nebeneinander unmittelbar auf das Fördertuch zur Fasermaschine gelegt.
Die Stengel wandern dann auf dem Fördertuche unter hin und her gehenden Wasserstrahlen
hindurch, die senkrecht und auch seitlich die Stengel treffen und den größten Teil
des Bastes von ihnen ablösen und in langen Streifen neben den Stengeln auf das Siebtuch
niederlegen. Zum mindesten spritzen die Wasserstrahlen denjenigen Bast vom Stengel
ab, der sich oben und seitlich -vom Stengel befindet. Abspritzung der Stengel ist
an sich bekannt, neu jedoch ist es, daß bei der Abspritzung die Stengel schon unmittelbar
auf dem Fördertuch liegen, so daß sich der Bast in langen Bändern mit paralleler
Faserlage, soweit sie am Stengel hafteten, neben den Holzstengeln auf das Siebtuch
legt.
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Der unten am Stengel haftende Bast wird von den von oben kommenden
Wasserstrahlen nicht getroffen und wird zwar oft, aber nicht immer schon durch die
beschriebene Behandlung ablöst werden. Um das zu erreichen, ist es erforderlich,
die Stengel vom Siebtuche abzuheben und Wasserstrahlen auch auf die untere Stengelseite
wirken zu lassen. Diese Stengelabhebung und untere Wassereinwirkung stellt die zweite
Stufe des neuen Verfahrens dar. Hierzu wird die Steifigkeit des Stengelholzteiles
benutzt. In den Lauf des Fördertuches wird eine Knickung hineingebracht, der vordere
Teil der mitwandernden Holzstengel macht die Knickung nicht mit, der bereits abgelöste
Bast tut das aber, und eg wirken auf den frei ohne Unterlage vorwandernden Stengelteil
die kräftigen Eigenwirkungen der Spritzungen von oben ein, die weiere Bastteile
ablösen. Schließlich gerät der Stengel, nachdem er über und durch diese später erläuterten
Zwischenbehandlungen gelaufen ist, zwischen zwei gleich schnell laufende Fördertücher
und nach diesen in ein sehr schnell umlaufendes Walzenpaar, das ihn nach vorn hin
schnell herauszieht und auf ein Abführtuch legt.
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Auf der Zeichnung ist schematisch eine Vorrichtung zur Durchführung
des Verfahrens dargestellt. Der hintere rechte Auflageteil ist im Verhältnis zum
linken eigentlichen Behandlungsteil im Maßstabe wesentlich kleiner gehalten.
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Die mit "Natronlauge vorbehandelten Stengel " werden dicht nebeneinander
unmittelbar auf das Zuführungstuch T bei A- aufgelegt und wandern
mit
ihm in der Pfeilrichtung vor. Sie laufen unter Spritzeinrichtungen 2 hindurch, deren
Rohre wagerecht, also senkrecht zur Bildebene hin und her gehen. Die Wasserstrahlen
treffen die Stengel senkrecht, lösen Bast von ihnen ab und legen ihn in langen Streifen
neben den Stengeln auf das Siebtuch T. Bei der Führungswalze 3 biegt das Siebtuch
T von seiner Richtung zwischen den Stellen i und 3 ab und läuft über weitere Führungsrollen
4 und 5. Die Entfernungen der Leitwalzen voneinander betreffen nur etwa den vierten
Teil der Stengellänge. Die Stengel sind in der Zeichnung strichpunktiert dargestellt.
Infolge der Steifigkeit der Holzstengel heben sich die vorderen Stengelteile vom
Fördertuche T ab. Ist das genügend geschehen, so kippt schließlich der Stengel nach
vorn über und infolgedessen hinten in die Höhe. Inzwischen ist er aber doch schon
weiter vorwärts gekommen, so daß er beim vorderen Niederkippen nicht mehr wieder
auf das Fördertuch gelangt und infolgedessen den bereits abgespritzten Bast nicht
wieder angreift oder verwirrt. Der Stengel trifft beim Niederkippen auf eine Leitwalze
8 mit höherer Umlaufgeschwindigkeit und wird dadurch an eine Walze 9 herangeführt,
während unterhalb dieser Walze von der Leitwalze 5 aus das Fördertuch T sich mit
verhältnismäßig scharfer Ablenkung nach unten wendet. Die Walze 9 läuft sehr rasch
und nimmt etwa am vorderen Stengelende noch haftenden Bast auf. Spritzrohre 2o sorgen
dafür, daß dieser Bast nicht an den Walzen kleben bleibt, sondern auf das Fördertuch
T geworfen wird.
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Aber auch hierdurch kann manchmal nicht aller Bast vom Stengel entfernt
werden. Es hängen manchmal doch noch Fasern, die infolge des vorangegangenen Spritzvorganges
umhergeschleudert worden sind, unmittelbar um den Stengel herum und bilden gewissermaßen
einen Ring. Häufig ist das nicht, aber nicht unmöglich. Solche Ringe hängen aber
niemals vorn am Stengel. Das voranlaufende Stengelkopfende ist hinter den Walzen
9 mit Sicherheit frei. Mit seinem vorderen Ende gelangt der Stengel zwischen ein
Tuchpaar, dessen oberer Strang S1 aus Metalltuch und dessen unterer Strang S2 aus
Stofftuch besteht. Beide Tücher laufen mit gleicher Geschwindigkeit um die Walzen
13 und 14 bzw. io, i1 und i2 um. Nach Austritt aus dem Tuchpaar S' und S2 tritt
das vordere nackte Stengelende zwischen die sehr schnell umlaufenden und mit Federdruck
aufeinander gedrückten Walzen 15 und 16. Der Stengel wird von diesen Walzen erfaßt
und mit großer Geschwindigkeit aus den Tüchern S' und S2 herausgezogen. Was etwa
an Bast am Stengel noch vorhanden war, wird bis auf die letzten und kleinsten Reste
an das Stofftuch S2 abgegeben.
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Auf seinen abwärts führenden Strang zwischen den Leitwalzen ii und
i2 wirkt die Spritzung 21. Der nach unten führende Strang des Fördertuches T nimmt
auch diese Bast- und Faserteile auf und bringt sie zur Fasermaschine.
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Die Behandlung der Stengel durch die Walzen 8 und 9 und durch die
Tücher S' und S2 liefert den an ihnen haftenden Bast nicht in Streifen. Dieser Betrag
ist aber gegenüber der Streifenablieferung durch die Spritzung 2 verschwindend gering
und übt auf die allgemeine Lage des Bastes und auf die Weiterbehandlung gar keinen
Einfluß aus. Wichtig aber ist, daß auch nicht der geringste Bestandteil an Fasergut
verlorengeht, sondern bis auf den letzten Rest auf das Fördertuch T gelangt.
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Die leeren Stengel werden vom Förderbande 18 abgeführt, und der gewonnene
Bast wird den Kalandern K der Fasermaschine zugeführt.
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Aus der Beschreibung der Vorrichtung ist deutlich der neue Gedanke
des Verfahrens zu erkennen. Der Bast wird vom vorbehandelten Stengel durch Abspritzung
in langen Streifen unmittelbar auf das Fördertuch T gebracht, kann. sich also gar
nicht erst in Batzen und Klumpen verwirren.