DE286607C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
Vr 286607 — KLASSE iSa. GRUPPE
ADOLF KROLL sen. in LUXEMBURG.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 6. Februar 1914 ab.
Die bisher zur Vereinigung von Feingut in der Praxis verwendeten Verfahren haben im
allgemeinen gezeigt, daß die durch Feuer agglomerierten Erzeugnisse, wenn auch vielleicht
etwas schwerer durch Gas bei nachfolgender Verwendung im Hochofen reduzierbar, so doch
den bedeutenden Vorzug vor den andern, durch Zugabe von künstlichen Bindemitteln
erzeugten Briketts besitzen, daß die zuerst
ίο genannten, durch Feuer agglomerierten Produkte
nicht allein entschieden härter und gegen Zerfallen widerstandsfähiger, sondern
auch durch die zu ihrer Erzeugung angewandte hohe Agglomeriertemperatur bedeutend
angereichert sind, indem sie von Wasser, Kohlensäure, Schwefel, Arsen, Antimon, Zink
usw. zum größten Teil befreit werden. Mit welch großem Vorteil und in welcher Menge
von der Hochofenindustrie bisher die im Feuer entstandenen Puddel-, Schweiß-, Martin- usw.
Schlacken verhüttet worden sind, ist genügend bekannt und liefert den Beweis, daß
der Hochofen solches Material ganz besonders begehrt. Es ist daher folgerichtig, solche Materialien,
da sie im steten Abnehmen durch Verschwinden der eisenerzeugenden Puddel- und Schweißöfen sich befinden, jetzt eigens
herzustellen, um den Hochöfen ihren gewohnten Möller mit Schlacken wieder bieten zu
können.
Zu dem Zweck soll nachstehend beschriebenes Schlackenschmelzverfahren dienen unter
Verwendung von Feinerz, Gichtstaub u. dgl. als Ausgangsmaterial und geschmolzener Schlacke
als agglomeriertes Endprodukt. '
Zum Schmelzen des Feingutes mag nach Belieben irgendein hüttenmännischer Apparat
Verwendung finden, welcher erlaubt, die Hitze bis zu dem Grade zu treiben, daß die gewollte
Schmelzung eintritt.
Das zu Gebote stehende Feingut wird zu dem Zweck mit dem Brennmaterial gemischt,
und ist es vorzuziehen, feines Brennmaterial dazu zu wählen. Es genügen gewöhnlich sogar
Brennstoff abfalle, so z. B. Kokslösche, wie
sie bei Koksofenbetrieb in bedeutender Menge fällt und auch beim Entleeren der mit Koks
beladenen Eisenbahnwagen stets erhältlich ist. Diese Abfälle sind zu sehr niedrigen Preisen
käuflich und ermöglichen ein billiges Schmelzen, was um so mehr zu erstreben, als zum
Schmelzen bekanntlich eine größere Menge Brennmaterial nötig ist als zum Sintern. Um
das Schmelzen dieses Gemisches von Feingut und Brennstoff zu fördern und zu beschleunigen,
ist es angezeigt, die zur Verbrennung nötige Luft durch einen kräftigen Kamin hindurchzusaugen
oder mit mäßiger Pressung hindurchzublasen. Eine gewisse Gattierung des Feingutes ist oft besonders nützlich, um leichteres
Schmelzen zu erzielen; so z. B. mischt man zweckmäßig Hochofengichtstaub mit feiner
kieseliger Minette und Schwefel- oder Kupferkiesabbrände mitGichtstaub oder feiner Minette.
Die Zugabe des Brennstoffs ist so zu bemessen, daß bei der Schmelzung ein dauernder
Rohgang, wie man sich in der Sprache des Hochöfners ausdrückt, entsteht, denn es
ist bekannt, daß, wenn man, wie in diesem Falle, Kohlenstoff mit Eisenoxyden mischt
und das Gemisch gehörig erhitzt, in jedem Fall eine Reduktion des Eisenoxydes eintreten
muß und bei folgendem Schmelzen der
ίο Masse sogar metallisches Eisen sich von der
Gangart trennen würde. Es wird also bei dem Verfahren ein Moment eintreten, in welchem
Eisenoxyd, Eisenoxydul und metallisches Eisen vorhanden sind. Da aber der Zweck des neuen Verfahrens nur in der Agglomerierung
der Massen durch Schmelzen besteht, so wird zur Beendigung desselben ein großer Überschuß von Luft in die Masse eingeleitet,
um eine energische Oxydation hervorzurufen, wobei sich eine Art flüssiger
Frischschlacke wie beim Rohgang des Hochofens bildet. Die genannte Oxydation tritt
natürlich erst dann ein, wenn der größte Teil des Kohlenstoffs verbraucht ist, und vollzieht
sich dann auf Kosten des Sauerstoffs der im Überschuß eingeleiteten Luft. Aus dem Grunde ist also die Menge des zuzumischenden
Brennstoffs so gering zu bemessen, daß nur eine Rohschlacke, also ein stark eisenhaltiges
Gebilde entsteht, wodurch das neue Verfahren sich als eine künstlich erzeugte Rohschlackenbildung kennzeichnet.
Für den Beweis der Neuheit des Verfahrens mag ein Vergleich mit dem bekannten
Heberlein-Sinterverfahren und dem Patent 261784, Kl. 18 a, gemacht werden.
Es sei in dem Sinne hervorgehoben, daß das Heberlein-Verfahren ausschließlich zum Sintern
des Feingutes und nicht zum Schmelzen desselben geeignet und bestimmt ist. Das Heberlein-Verfahren mißt den Brennstoff so zu,
daß nur ein Sintern eintreten kann. Es ist auch wiederholt versucht worden, das Heberlein-Verfahren
durch großen Brennstoffzuschlag zu einem richtigen Schmelzverfahren auszubilden.
Hierbei bewirkte der starke Zuschlag an Brennstoff eine derartig starke Reduktion
des Erzkleins, daß ein regelmäßiger Hochofenbetrieb mit Ausschmelzen von Roheisen und
eisenarmer Schlacke eintrat. Dieses Ergebnis wurde von vornherein als der Zweck des Verfahrens
betrachtet und in der Tat auch erreicht. Bei dem vorliegenden Verfahren wird jedoch die Mitte eingehalten zwischen Sintern
des Feingutes und seiner vollständigen Trennung in Metall und Schlacke, indem es den
Vorgang durch Zugabe des Brennstoffs und der Menge der eingeleiteten Verbrennungsluft
so gestaltet, daß eine eisenreiche Schlacke durch eine Art dauernden Rohganges entsteht.
Das Einhalten dieser Mittelstufe, zwischen Sintern des mit Brennstoff gemischten
Feinerzes nach dem Heberlein-Verfahren und völligem Trennen des Gutes in eisenfreie
Schlacke und Metall, ist ein neues Verfahren des Agglomerierens von Feingut durch Erzeugung
einer geschmolzenen Eisenfrischschlacke.
Während das Sintern des Feinerzes unter Zumischung von Brennstoff und die Darstellung
von Roheisen, also die vollständige Trennung von Schlacke und Eisen bekannte Vorgänge
sind, bildet das vorliegende Verfahren, d. h. die fortwährende Hervorbringung einer
Eisenfrischschlacke behufs Zusammenbindung von Feinerz unter Zumischung von Brennstoff,
eine neue, bisher als unausführbar geltende Methode, da sie auf einer dauernden Einhaltung
des Rohganges beruht. Wenn die angeführte Methode nun an und für sich schon eine neuer Vorgang ist, so tritt noch der Umstand
als neu hinzu, daß die dauernde Führung eines Ofens auf Rohgang durch die Gegenwart
von Feinerzen ganz bedeutend erleichtert wird.
Bezüglich des Unterschiedes mit Patent 261784, Kl. 18a, sei folgendes hervorgehoben:
Der Unterschied zwischen dem vorliegenden Verfahren und dem Verfahren der Patentschrift
261784 besteht darin, daß bei ersterem in einem mit dem Gemisch von Feingut go
und Brennstoff angefüllten Schachtofen eine Schmelzung hervorgerufen wird, während bei
letzterem die Schmelzung in einem leeren Schachtofen vor sich geht.
Daher findet bei dem Verfahren des Patentes 261784 keine oder höchstens nur eine
untergeordnete Reduktion statt, da das Feingut mit. dem Brennstoff erst dann in Berührung
kommt, wenn der Brennstoff bereits selbst durch die schon bei seinem Eintritt in den
Ofenherd beigemischte Luft seiner reduzierenden Eigenschaften beraubt ist, während bei dem
beanspruchten Verfahren durch die Berührung des Brennstoffs mit dem Feingut eine erhebliche
Reduktion stattfindet. Diese unwillkommene Reduktion soll nun durch Zugabe eines großen Luftüberschusses möglichst in eine
Oxydation verwandelt werden, wobei zu bemerken ist, daß eine vollkommene Reoxydation
jedoch nicht zu erzielen ist. Die vorliegende Erfindung besteht somit darin, in einem mit
dem Gemisch von Feingut und Brennstoff angefüllten Schachtofen nicht wie sonst üblich
Roheisen zu erzeugen, sondern eine Frischschlacke.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zum Zusammenbinden von mit Brennstoff vermischtem Feinerz, Gicht-staub u. dgl. durch Schmelzen zu einer flüssigen Schlacke im Schachtofen, dadurch gekennzeichnet, daß das Schmelzen in einem mit dem Gemisch angefüllten Schachtofen vor sich geht, und zwar in der Weise, daß die durch das Gemisch von Feingut und Brennstoff geschickte Luft in so großem Überschuß verwandt wird, daß anfänglich gebildete, niedere Eisensauerstoffverbindungen in höhere übergeführt werden, und eine Roheisenbildung möglichst eingeschränkt wird.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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