DE17975C - Apparat zur Vermittel ung einer telegraphischen Verbindung von Eisenbahnzügen unter einander und mit den Stationen - Google Patents
Apparat zur Vermittel ung einer telegraphischen Verbindung von Eisenbahnzügen unter einander und mit den StationenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE rSl: Elektrische Apparate.
und mit den Stationen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 11. Mai 1881 ab.
Dieser Apparat ist auf alle Arten von Waggons anwendbar. Er beruht auf dem Princip, dafs
jeder gut leitende Körper im Contact mit einem anderen, von einem elektrischen Strom durchkreisten
Körper diesen Strom im Augenblick des Contactes ablenken,^ und demselben eine
ganz andere Richtung durch einen- Leitungsdraht ertheilen kann.
Der Apparat ist mit den nöthigen Organen, mit einer Batterie, einem Manipulator und
einem Receptor oder Zeichenapparat versehen.
Als telegraphischer Linie bedient sich Erfinder einer Schiene mit drei aus galvanisirtem Eisen
bestehenden Schieneneinlagen. Wenn über eine solche Schiene ein mit einem Metallreifen überzogenes
Rad aus Holz rollt, so werden von dem Metallreifen die durch die Schienen kreisenden elektrischen Ströme auf einen Leitungsdraht
übertragen, welcher alsdann die Ströme in den Zeichenapparat leitet. Um bei jeder Geschwindigkeit. des Zuges das Rad mit
der Schiene stets in Contact zu erhalten, ordne ich eine Feder an, welche einen continuirlichen
Druck auf das rollende Rad nach unten ausübt.
Auf beiliegender Zeichnung ist der Apparat in einer seiner Formen dargestellt. Form und
Construction desselben können und müssen nach der Waggoneinrichtung natürlich mannigfach
geändert werden.
Der Apparat kann nur von einer Station zur anderen functioniren, da nämlich an der Haltestelle
des Zuges auf einem Bahnhof die elektrische Verbindung oder die telegraphische Schiene unterbrochen ist.
Der Waggontelegraph wird am besten unmittelbar hinter dem Tender der Lokomotive
placirt. Der betreffende Waggon trägt eine galvanische Batterie, einen Manipulator und
einen Receptor (System Bröguet und andere).
Man kann mit Hülfe des Apparates nicht nur durch Zeichen telegraphiren, sondern auch,
wenn man einmal zwei auf derselben Bahn sich bewegende Züge annimmt, vollständige
Depeschen wechseln, Kenntnifs geben von der Entfernung des betreffenden Ortes, an dem der
Zug sich gerade befindet etc.
Jeder in Noth gerathende Zug kann sofort telegraphisch Hülfe requiriren, denn die telegraphische
Schiene, die, wie erwähnt, auf jeder Station unterbrochen ist, wird an ihrem Ende
durch einen Leitungsdraht mit den Telegraphenapparaten der Station verbunden, nach welcher
der Zug fährt.
Auf Bahnstrecken mit zwei Geleisen soll die telegraphische Schiene nur mit der Station
correspondiren, auf welche der Zug zufährt.
Für eingeleisige Bahnstrecken soll Communication nach beiden Enden hin stattfinden, aber
man mufs dann einen Specialstromunterbrecher anwenden, damit nur diejenige Station mit dem
Zuge in Correspondenz treten kann, auf welche zu der Zug fährt.
Anstatt als Contact mit der telegraphischen Schiene ein mit einem Metallreifen überzogenes
Rad anzuwenden, kann man auch directe Schleifcontacte benutzen.
In der in Fig. 1 und 2 dargestellten Anordnung
des Apparates bezeichnet b den Boden
eines Waggons; mit diesem sind Säulen a a' a"
fest vereinigt. Eine unten mit einer Gabel · versehene eiserne Spindel c erstreckt sich innerhalb
der ganzen Säulenhöhe und etwas über diese hinaus nach oben hin.
Die Spindel trägt oberhalb der Boderiwand einen ringförmigen Ansatz d, welcher .durch
eine gewundene Feder e oder eine sonstige elastische Zwischenlage nach unten geprefst
wird. Die Feder selbst liegt mit ihrem oberen Ende an einer von den genannten Säulen getragenen
Führungswand der Spindel. Das obere Ende der letzteren ist mit Schraubengewinde /
versehen; auf diesem Gewinde sitzt ein mit zwei Griffen versehenes Handrad g. In eine
Nuth h der Spindel, unterhalb des erwähnten Ansatzes d, tritt die Spitze einer in einer der
Säulen sitzenden Schraube i; dadurch wird jede Drehung der Spindel verhindert.
In den unteren Augen / / der Gabel k k der Spindel c ist eine Achse m, von einer Seite her
bis ungefähr Mitte der Länge durchbohrt, drehbar gelagert; auf dieser Achse, und in der
Gabel liegend, ist das auf der telegraphischen Schiene rollende, mit einem Metallreifen ο überzogene
Rad η befestigt.
Durch Drehung des erwähnten Handrades g kann man die Spindel c heben; eine Hebung
findet sofort dann statt, wenn die Radnabe auf das obere Verbindungsstück α der Säulen
sich aufsetzt, welches Stück als obere Führung der Spindel c dient. In diesem Falle hat die
Spannung der Feder e, sowie das Eigengewicht der Spindel die Tendenz, letztere nach unten
hin zu bewegen.
Aus der vorbeschriebenen Zusammensetzung des Apparates ersieht man, dafs eine Aufhebung
des Contactes des metallischen Reifens ο des Rades η mit der Telegraphenschiene / gar
nicht eintreten kann, wenigstens nicht bei den gewöhnlich vorkommenden Bahnunebenheiten
und Zuggeschwindigkeiten.
Das Rad «, welches von der Gabel k k umfafst
wird, ist von Holz, mit voller Scheibe oder mit Speichen construirt, und auf seinem
Umfang ist eine Nuth eingedreht, die hinreichend breit und tief ist, um einen Reifen aufzunehmen.
Die Seiten desselben sind durch Ringe von Metall eingefafst, deren einer q,
Fig. 2, zu folgendem Zweck losnelimbar ist.
In die Umfangsnuth des Rades sind drei Reifen ο aus Eisen eingelegt; dieselben sind
geschweifst, an den Seiten verzinkt und unter einander durch drei verzinkte Bolzen verbunden.
Behufs Einbringens der drei Reifen entfernt man die Seitenscheibe q\ eine passende Anzahl
von Bolzen dient nachher zur Vereinigung des Radkörpers mit seinem Reifen und Einfassungsring. Man kann übrigens auch statt dreier
Reifen ο einen einzigen anwenden. Die Achse m ist der Länge nach theilweise durchbohrt und
ihr äufserstes Ende trägt einen Knopf r, .der durch einen Draht in der genannten Durchs
bohrung der Achse m mit einem der Reifen ο elektrisch verbunden ist. Der Knopf r sitzt
auf einer Isolirplatte ί und liegt beständig an einem anderen halbkugeligen Knopf t, der von
einer Feder u gegen ersteren Knopf gedrückt wird und an einem Contactträger befestigt ist,
welch letzterer von der Gabel k der Spindel c getragen wird.
In Fig. 5 ist die Construction der Telegraphenschiene veranschaulicht. Dieselbe wird
aus drei seitlich verzinkten mittleren Eisenschienen xx gebildet, sowie aus zwei Seitenschienen
yy, deren ebene Flächen ebenfalls verzinkt sind. Diese fünf etwa von Meter zu
Meter durch Bolzen mit einander verbundenen Schienen ruhen auf einer über die Bahnschwellen
gelegten Holzunterlage w, auf der sie durch Schienennägel befestigt sind.
Eine solche Schiene kann man übrigens auch aus einem Theil oder höchstens aus zwei
Theilen herstellen; bei Anwendung von zwei Theilen hätte man dann blos die inneren
Flächen der beiden Schienen zu verzinken.
Für die Längenausdehnung läfst man einen passenden Spielraum an den Schienenstöfsen
und vereinigt dann die einzelnen Schienenenden durch einen verzinkten Draht z. Dieser kann
mittelst Klemmschrauben in ebenfalls verzinkten Löchern der Schienenenden befestigt werden.
Um die elektrische Schienenbahn von fremden Gegenständen zu reinigen, welche muthwillig
oder durch Zufall darauf gebracht werden könnten, kann man mit Hülfe einer von der
Tenderachse zu treibenden Frictionstransmission eine cylindrische Drahtbürste längs ihrer Oberfläche
in fortwährende Rotation versetzen.
Uebrigens kann man auch einen von der Tenderachse getriebenen Ventilator, dessen
Ausströmungsöffnung etwas schmaler als die Breite des Schienenkopfes sein müfste, dazu
verwenden; derselbe könnte dann unter fortwährendem Blasen dem Contactrad η des folgenden
Waggons vorauseilen und die Schienenbahn reinigen.
Die elektrischen Verbindungen werden folgendermafsen
hergestellt:
Der positive Leitungsdraht der Batterie, an
den der Manipulator eingeschaltet ist, führt ;an der Säule α nach abwärts, um sich an den
Contactträger V des Knopfes / anzuschliefsen;
von diesem Knopf t aus geht der elektrische Strom durch den Knopf r und den in Fig. ι
punktirt dargestellten Leitungsdraht nach dem Reifen ο des Rades n, .das den Strom dann
auf die telegraphische Schiene überträgt.
Der negative Leitungsdraht der Batterie wirST mit dem kupfernen Schuh einer Art Bremse
verbunden, der sich mit schwacher Reibung an den Umfang des Waggonrades . anlegt. , Ein
kleines Handrad, an das der den Apparat bedienende Telegraphist bequem gelangen kann,
ermöglicht. eine Verschiebung dieses Schuhes, so dafs hierdurch also eine Stromcirculation
stets mit Sicherheit hergestellt werden kann. Der Schuh wird auf der rechten Waggonseite
angebracht; auf der linken Seite kann man einen zweiten Kupferschuh anordnen, mit dem
der Leitungsdraht des negativen Poles des Empfängers verbunden wird. Auch dieser Schuh
kann dem betreffenden Waggonrade, wie vorbeschrieben, genähert werden.
Eine vollständige telegraphische Verbindung zwischen zwei Zügen erfordert zwei telegraphische
Schienenbahnen, und in betreffenden Waggons eines jeden Zuges je zwei Apparate, ähnlich dem vorbeschriebenen.
Sollte aufserdem die durch die Schienen der Fahrbahn mit der Erde hergestellte Leitung
nicht genügend sein, um das Kreisen des Stromes im negativen Poldraht der Batterie zu
unterhalten, so könnte man die Schienen beider Geleise durch verzinkte eiserne Leitungsdrähte
unter einander, etwa von 2 zu 2 km Entfernung, mit einem Leitungsdraht X verbinden,
der in einer Erdcontactplatte X1, Fig. 2, endet.
Die Schienenlaschen würden in diesem Falle als Conductoren dienen können, wozu sie dann
besonders verzinkt werden müssen, denn im gerosteten Zustand bieten sie nicht Sicherheit
genug für das gute Functioniren des Apparates.
In Weichen und Kreuzungen des Fahrgeleises mufs die telegraphische Schiene unterbrochen
werden; es findet dann Verbindung der Schienenenden durch isolirte Leitungsdrähte statt.
Man kann statt des Kupferschuhes, der gegen ein Fahrrad des den Apparat tragenden Waggons
leicht angedrückt wird, einen Metallbesen oder eine Metallbürste anwenden, welche auf der
Schiene sich reibt und dadurch ein sicheres Kreisen des galvanischen Stromes unterhält.
In Fig. 3 und 4 beiliegender Zeichnung ist eine Modification des Apparates dargestellt. Es
bezeichnet 1 eine Bürste oder einen Besen aus Metall; dieser Besen ist mit einer verticalen
Spindel 2 durch einen dreiarmigen Hebel 3 gelenkig verbunden. Die beiden horizontalen
Arme dieses Hebels sind mit zwei Zugstangen 4, 4 verbolzt, deren obere, durch den
Waggonboden hinaufreichende Enden mittelst Bolzen einen horizontalen, mit verschiebbaren
Gewichten 6, 6 belasteten Hebel 5 tragen.
Durch Verschiebung des einen oder anderen Gewichtes 6 kann man dem Besen oder der
Bürste eine der Fahrrichtung entgegengesetzte Neigung ertheilen und dadurch stets den Contact
mit der telegraphischen Schiene erhalten. Am besten benutzt man einen aus zwei Theilen
bestehenden Besen, wie ihn. Fig. 4 darstellt.
Seine metallischen Theile sind von dem übrigen Apparat zu isoliren und in leitende Verbindung
mit dem Manipulator oder dem Receptor zu bringen, sowie mit einem der Pole der Batterie,
wie es mit Bezug auf Rad η in Fig. 1 und 2
bereits geschildert worden. . ;■ .
An ihrem oberen Ende ist die Verticalspindel 2 mit Gewinde 7 versehen. Auf diesem
Gewinde ist ein Stellrad 8 drehbar, mit Einschnitten am Rand zum Einlegen einer Klinke 9
behufs Feststellung; durch entsprechende Drehung dieses Rades kann man die Spindel heben
oder senken und die Position der Bürste dadurch verändern.
Ein mit einer Trittplatte an seinem einen Ende versehener Hebel 10, der auf dem Waggonboden
drehbar gelagert ist und dessen anderes Ende an die Zapfen einer mit der Spindel fest
verbundenen Hülse sich anschliefst, gestattet ein augenblickliches Heben der Spindel, deren
unterer Theil in einer mit dem Waggonboden fest verbundenen Führungshülse 13 geführt ist.
Der obere Theil der Hülse, dicht unterhalb des genannten Stellrades 8, ist in einem von
Verticalstangen 14 getragenen Führungsstück gelagert.
Ebenso wie bei dem mit einem Contactrad versehenen Apparat kann man eine vollständige
telegraphische Verbindung auch in diesem Falle dadurch herstellen, dafs man zwei auf zwei
verschiedenen Schienen sich reibende Bürsten oder Besen in Anwendung bringt.
Claims (4)
1. Am Ende der sich mit dem Contactrad drehenden Achse m der Knopf t, welcher
die leitende Verbindung des positiven Poldrahtes der Batterie mit dem Metallreifen ο,
sowie der Schiene p und dem Telegraphenapparat der nächsten Station, auf welche
hin der Zug sich bewegt, während der Drehung des Contactrades erhält.
2. Die durch die Feder e der Spindel c bewirkte elastische Lagerung des Contactrades
11, um mit der Telegraphenschiene ρ den Contact bei den gröfsten vorkommenden
Bahnunebenheiten und Zuggeschwindigkeiten zu erhalten, in Combination mit einer Stellvorrichtung, bestehend aus dem Handrad
g auf dem oberen Schraubengewinde der Spindel c und der in die Nuth h hineinragenden
Schraube i zur Verhütung einer Drehung der Spindel.
3. Zur Herstellung einer telegraphischen Verbindung fahrender Züge unter einander, wie
auch mit den Stationen die Anwendung einer oder mehrerer Leitungsschienen im Fahrgeleise der Eisenbahnen auf einer isolirenden
Holzunterlage W, welche Leitungs-
schienen aus mehreren Theilen y y χ χ,
Fig. 5, bestehen, um eine gröfsere Sicherheit der Stromübertragung zu erreichen.
4. Zur Herstellung einer leitenden Verbindung des Waggontelegraphenapparates mit einer
solchen Telegraphenschiene eine Bürste oder ein Besen 1 aus Metall, mit der Spindel 2,
Fig. 3, gelenkig verbunden und durch den beschriebenen Mechanismus 3, 4, 11, 12,
10 etc. vom Waggoninnern aus handhabbar,
wodurch nach Belieben der Contact mit der Telegraphenschiene hergestellt oder aufgehoben, sowie die Bürste in geneigte
Richtung gebracht werden kann.
Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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