CH166170A - Verfahren zur Herstellung künstlicher Gebilde. - Google Patents

Verfahren zur Herstellung künstlicher Gebilde.

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CH166170A
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Leon Dr Lilienfeld
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Leon Dr Lilienfeld
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  Verfahren zur Herstellung     künstlieher    Gebilde.    Gegenstand vorliegender Erfindung ist  ein Verfahren zur Herstellung künstlicher  Gebilde, welches dadurch gekennzeichnet ist,  dass man auf eine Lösung eines     Oxyalkyl-          zellulosexanthats,    das erhalten wurde durch  Einwirkenlassen von Schwefelkohlenstoff  auf     Oxyalkylzellulose    in Gegenwart von  Alkali, eine Flüssigkeit einwirken lässt, wel  che auf die Lösung koagulierend und auf das  frisch koagulierte Material     plastizierend     wirkt.  



  Gemäss dem Verfahren der vorliegenden  Erfindung erzeugte künstliche Gebilde ha  ben, wie Versuche ergaben, eine zufrieden  stellende und in manchen Fällen sogar eine  vorzügliche Festigkeit im trockenen und im  nassen Zustand und eine für praktische  Zwecke ausreichende Geschmeidigkeit, Dehn  barkeit und Elastizität     und    sind dadurch den  bisher bekannten     Oxyalkylzelluloseprodukten     überlegen.  



  Die beim Verfahren gemäss der Erfin  dung verwendeten Lösungen von Oxalkyl-         zellulosexanthaten    werden vorteilhaft aus       Oxyalkylzellulosen    hergestellt, die gemäss  dem Verfahren der britischen Patentschrift       Nr.231807    gewonnen wurden.  



  Die Lösungen der     Oxyalkylzellulose-          xanthate        können    auf künstliche Gebilde, zum  Beispiel Fäden, entweder allein oder in Ge  meinschaft mit andern Kolloiden, wie zum  Beispiel     Zellulosexanthat,    verarbeitet wer  den.

   Man kann zum Beispiel eine Lösung  eines     Oxyalkylzellulosexanthats    mit Viskose  mischen oder     Zellulosexanthat        (sulfidierte          Alkalizellulose)    in einer Lösung eines     Oxy-          alkylzellulosexanthates    auflösen oder     ein          Oxyalkylzellulosexanthat    in Viskose auf  lösen oder Schwefelkohlenstoff in Gegenwart  von     Ätzalkali    auf ein aus einem     Oxyalkyl-          derivat    der Zellulose und Zellulose bestehen  des Gemisch     einwirken    lassen, das zum Bei  spiel erhalten wurde,

   indem man Alkali  zellulose mit einem     Halohydrin    unter solchen  Bedingungen behandelte, dass nur ein Teil  der     Alkalizellulose    in einen     Oxyalkyläther         der Zellulose umgewandelt     wurde,    und die  so erhaltenen Lösungen zur Durchführung  des Verfahrens gemäss der Erfindung ver  wenden.  



  Es können auch andere     alkalilösliche          Zellulosederivate    oder     alkalilösliche        Zellu-          losehydrate,    oder Eiweissstoffe oder Gelatine  usw. als Beimengungen zu den Lösungen der       Oxyalkylzellulosexanthate    verwendet wer  den.  



       Den    Lösungen der     Oxyalkylzellulose-          xanthate    oder ihrer Gemische mit     Zellulose-          xanthat    können geeignete     Weichmachungs-          mittel,    zum Beispiel Glyzerin oder ein     Gly-          kol    oder eine Zuckerart, wie Glukose, oder  Seife, oder     Türkischrotöl,    oder ein trocknen  des oder nicht trocknendes 01, oder elastisch  machende Mittel, zum Beispiel     ein.    Halogen  derivat eines zwei- oder mehrwertigen Alko  hols, insbesondere ein     Halohydrin,

      zum Bei  spiel ein     Dichlorhydrin    oder ein     Monochler-          hydrin    oder     Ithylenchlorhydrin    zugesetzt  werden.  



  Als besonders brauchbare     Koagulierungs-          und        Plastizierungsmittel    haben sich Flüssig  keiten erwiesen,     die    einen hohen Gehalt an  starker Mineralsäure besitzen, insbesondere  solche Bäder, die nicht weniger als 35       Schwefelsäuremonohydrat    oder eine in bezug  auf koagulierende und     plastizierende    Eigen  schaften     wirkungsgleiche    Menge einer an  dern Mineralsäure     enthalten.    Es können aber  auch andere, zugleich koagulierend und       plastizierend    wirkende Flüssigkeiten verwen  det werden, so zum Beispiel solche,

   die     Zink-          haloid    allein oder mit einer Säure gemischt  enthalten.  



  Nach bekannten, auf Fällung beruhenden  Methoden erhältliche Fäden können nicht als  plastische Gebilde bezeichnet werden. Plasti  zität kann man dem in Entstehung begrif  fenen, das heisst in Koagulation befindlichen  oder ganz frisch koagulierten . Faden nur  dann verleihen, wenn man ihn der Einwir  kung von Mitteln aussetzt, welche das Kol  loid, aus dem der Faden besteht, zur     Quel-          lung    zu bringen vermögen. Diese Eigen  schaft geht den     in    der Viskosekunstseide-         technik    üblichen Bädern, die bekanntlich in  der Regel nur einen     unter    20% liegenden       H,S04-Gehalt    aufweisen, zumeist ab.

   Im  Gegensatz hierzu ist das vorliegende Ver  fahren unter anderem dadurch gekennzeich  net, dass     Fällmittel    zur Anwendung gelan  gen, die das Arbeitsgut nicht     nur    fällen,  sondern auch     plastizieren,    das     heisst    zu hoch  gradiger     Quellung    bringen.  



  Wenn gewünscht, kann die Dehnbarkeit  der künstlichen Gebilde, insbesondere Fäden,  die nach dem vorliegenden Verfahren her  gestellt wurden, noch mehr erhöht werden,  wenn man sie mit geeigneten Schrumpfungs  mitteln, zum Beispiel solchen Schrumpfungs  mitteln behandelt, die keine auflösende Wir  kung auf den Faden haben, zum Beispiel mit       einigen    der     Schrumpfungsmittel,        wie    sie er  wähnt sind in den     britischen        Patentschriften     Nr. 321197, Nr. 32373<B>1</B> und Nr.     323732.     



  Ferner können die     Gebilde    verbessert oder  entfärbt werden, indem man sie mit einer  warmen oder heissen     Alkalisulfidlösung    be  handelt, die mindestens 5 %     Alkalisulfid     (berechnet als     Na2S.    9 H20) enthält oder mit  einer warmen oder heissen     Alkalihydrosulfid-          lösung    von äquivalenter Stärke.  



  Es ist unmöglich, jede     Bedingung-anzu-          führen,    die in jedem einzelnen Fall zum Er  folg führt, und es ist     notwendig,    durch Vor  versuche diejenigen     Arbeitsbedingungen    zu  ermitteln, die für eine bestimmte Zellulose  sorte ein bestimmtes     Oxyalkylzellulosexan-          that,        bestimmte    Einzelheiten des     Formungs-          und        Koagulationsvorganges,    zum Beispiel  Spinnvorganges, erfolgreiches Arbeiten ge  währleisten.  



  Die folgenden Beispiele veranschaulichen  die praktische Ausführung der Erfindung.  Die Teile bedeuten Gewichtsteile.  



  <I>Beispiel 1:</I>  Rohes     Oxyalkylzellulosexanthogenat,    da  durch hergestellt, dass man 100 Gewichtsteile       Monochlorhydrin    oder     Athylenehlorhydrin     auf aus 1000 Gewichtsteilen lufttrockener  Zellulose hergestellter     Alkalizellulose    ein  wirken lässt und das Reaktionsprodukt       xanthogeniert,    wird in einer     derartigen         Menge Wasser und     Natriumhydroxyd    ge  löst, dass die Lösung 6,5 bis 7 % der Aus  gangszellulose und 8 %     NaOH    enthält.

   Die  Lösung wird jetzt dreimal durch Baumwolle  filtriert, und wenn sie insgesamt 96 bis 100  Stunden gealtert ist, folgendermassen ver  sponnen:  Die Spinnlösung wird mit einer Ge  schwindigkeit von 3,3     em3    pro Minute durch  eine Platindüse mit 54 Löchern von 0,1 min  Durchmesser in ein Bad gepresst, das 65 bis  <B>73%</B> 11=S04 enthält und dessen Temperatur  16   C ist. Die Tauchlänge des Fadens in  der Schwefelsäure ist etwa 20 cm. Darauf  geht der Faden in die Luft über eine Länge  von     12,0    cm und wird auf einer Spule auf  gewickelt, die mit einer solchen Geschwin  digkeit umläuft, dass von dem Faden un  gefähr 18 m in der Minute abgezogen wer  den.

   In der     Luftdurchgangsstrecke    sind drei  gläserne Walzen winklig zueinander an  geordnet, so dass' der Faden bei dem Führen  über diese Walzen noch eine besondere  Streckung erhält. Der untere Teil der Spule  läuft in Wasser um, so dass die Schwefel  säure entfernt oder beträchtlich verdünnt  wird, sobald der Faden die Spule erreicht.  Die Fäden werden dann gewaschen, gereinigt  und in der üblichen Weise fertiggestellt. Der       derart    erhaltene Faden besteht aus Einzel  fäden von etwa 2 bis 2,5     Denier.     



  Gemäss diesem Beispiel kann man die  Menge der pro Minute aus der Spinndüse  tretenden Flüssigkeit, die Abzugsgeschwin  digkeit, die Anzahl und die Grösse der Lö  cher der Spinndüse nach Wunsch variieren.  Auch die obere und die untere Konzentra  tionsgrenze der Schwefelsäure,     sowie    die  Temperatur können in weiten Grenzen va  riieren.  



  So erhält man mit 1,.6 cm' Spinnlösung  pro Minute bei einer Spinndüse mit 100 Lö  chern von 0,08 mm und einem Spinnbad, das  61 bis<B>70%</B>     HZSO4    enthält, Einzelfäden mit  einem     Titer    von 0,6 bis 0,7     Denier.    In die  sem. Falle kann man auch mit<B>55%</B> Schwe  felsäure im Spinnbade gute Erfolge erzielen.       Bei    3 cm' Spinnlösung pro Minute und einer    Abzugsgeschwindigkeit von 30 m pro Mi  nute wird der     Titer    des Einzelfadens 0,6 bis  0,9     Denier,    während bei 6,6<B>cm'</B> Lösung pro  Minute und 40 m pro Minute Abzugs  geseUwindigkeit der     Titer    des Einzelfadens  1,2 bis 1,4     Denier    beträgt.

   Das Spinnbad  enthält in diesem Falle vorzugsweise 64       H2S047    doch werden auch mit 60% noch aus  gezeichnete Erfolge erzielt.  



  Verwendet man 3 cm' Spinnlösung pro  Minute, eine Spinndüse mit 24 Löchern von  0,1 mm Querschnitt, ein     Spinnbad    mit 61 bis  <B>70%</B>     H.S04,    während die Temperatur 0   C,  die Tauchlänge des Fadens 80 cm beträgt,  so ist der     Titer    des Einzelfadens etwa 4,5  bis 5     Denier.    Auch in diesem Falle kann  das Spinnbad weniger Schwefelsäure, zum  Beispiel<B>55%,</B> enthalten.  



  Bei 14 cm'     Spinnlösung    pro Minute mit  einer Abzugsgeschwindigkeit von 100 bis  120 m, während dem Faden keine besondere  Streckung gegeben wird, und die Tauch  länge 80 bis 100 cm beträgt, wird der     Titer     der Kunstseide etwa 10,9 bis 1     Denier    für  den Einzelfaden betragen.  



  An Stelle der Lösung des oben angege  benen rohen     Oxyalkylzellulosexanthogenats     kann man eine entsprechende Lösung ver  wenden, die ein durch     Xanthogenierung     eines mit Hilfe anderer     Mengen        Monochlor-          hydrin    oder mit Hilfe anderer     Halogen-          hydrine    bereiteten     Oxyalkylzellulose    her  gestelltes     Oxyalkylzellulosexanthat    enthält.  Bei dem Altern und Spinnen arbeitet man  in .der angegebenen Weise.  



  Bei dem Verarbeiten der Lösung eines  Produktes, das erhalten wurde durch     Xan-          thogenieren    des     Einwirkungsproduktes    von  200 oder 300 Teilen     Monochlorhydrin    oder       Athylenchlorhydrin    auf 1000 Teile Zellu  lose, verwendet man in den     Spinnbädern    vor  zugsweise eine etwas niedrigere Schwefel  säurekonzentration.  



  Bei Verwendung der Lösung eines     Oxy-          alkylzellulosexanthogenats,    hergestellt durch       Sulfidieren    einer Lösung, die 7 % eines       alkalilöslichen        Zelluloseglyzerin-    oder     Zellu-          loseglykoläthers    und 8 %     NaOH    enthält,      welche Lösung dadurch erhalten wurde,

   dass  das mit Schwefelsäure niedergeschlagene  Einwirkungsprodukt von 1000 Teilen Zellu  lose     Alkalilauge    und 200 Gewichtsteilen       a-Monochlorhydrin    oder 200 Gewichtsteilen       3.thylenchlorhydrin    in Lösung     gebracht          wurde,    kann man die gleichen Vorschriften  anwenden, wobei man in den     Fällbädern          statt    der genannten     Schwefelsäuregehalte     vorzugsweise nachstehende nimmt:

    Im erstbeschriebenen Falle von     3,3    cm'       Spinnlösung,    54 Löchern in der Spinndüse,  Tauchlänge 20 cm,     Abzugsgeschwindigkeit     18 m, Temperatur 16   C oder niedriger: 60  bis<B>62%</B> Schwefelsäure, wobei man jedoch  bis 55 % auch noch .sehr gut arbeiten kann.  



  Bei 1,6 cm' Spinnlösung, einer Spinn  düse mit 100 Löchern von 0,08 mm, einer       Abzugsgeschwindigkeit    von 18 m: 58 bis  <B>61%</B> Schwefelsäure, wobei man mit 55  auch noch gute Erfolge erzielt.  



  Bei 3 cm' Spinnlösung und der gleichen  Spinndüse und Abzugsgeschwindigkeit von  30 m pro Minute: 58 bis<B>61%</B>     HZS04.     



  Bei 6,6 cm' Spinnlösung, der gleichen       Spinndüse'    und 40 m     Abzugsgeschwindigkeit     pro Minute: 58 bis<B>62%</B>     HZS04,    während bei  14 cm' Spinnlösung pro Minute und einer  Abzugsgeschwindigkeit von 100 bis 120 m  pro Minute,     wenn    dem Faden keine beson  dere Streckung gegeben     wird    und die Tauch  länge 80 bis 100 cm beträgt: 50 bis 55       HZSa4.     



  Wenn der     Zelluloseglyzerinäther        bezw.     ein     Zelluloseglykoläther    bei einer     etwas    ab  weichenden     Temperatur    oder mit einer grö  sseren Menge des     Halohydrins    hergestellt ist,  so     können    die     Konzentrationen    der Spinn  lösung noch bedeutend vermindert werden.

    So kann man in den verschiedenen, oben er  wähnten Fällen nachstehende Stärken ver  wenden: 45 bis<B>58%</B>     H,S04          L40    % "       50        bis        54%        "     45%  "  50 bis 54% "       43        bis        47%        "          40        bis        46%        "       In dem -angegebenen Beispiel kann man  den Gehalt der Lösung an     Oxyalkylzellu-          losexanthogenat    und     

  Natriumhydroxyd    in  ziemlich weiten     Grenzen        variieren,    zum Bei  spiel derart, dass die Lösung 7 % der     Oxy-          alkylzellulose    und 5 %     Na0H    enthält.  



  Die in der schweizerischen Patentschrift  Nr. 154165 und der britischen Patentschrift  Nr.     335994    beschriebenen     Oxyalkylzellulose-          xanthogenate    geben in dem vorliegenden Ver  fahren sehr gute Ergebnisse.  



  Man kann die     Alkalizellulose,    bevor sie  mit     Halohydrin    in Berührung kommt, einer  Reifung unterwerfen, zum Beispiel während  48     Stunden    bei 15   C oder kürzere oder län  gere Zeit oder bei höheren oder niedrigeren  Temperaturen.  



  Die Beantwortung der Frage, ob die       Alkalizellulose    reifen gelassen werden soll  oder nicht, bevor sie weiterbehandelt wird,  hängt unter anderem davon ab, welche Vis  kosität für die auf künstliche Gebilde im  allgemeinen und auf Kunstfäden im beson  deren zu verarbeitende Lösung gewünscht  wird und ferner von der in Aussicht genom  menen     Zellulosesorte.    Will man der Spinn  lösung eine bestimmte Viskosität verleihen,  dann muss man die aus der in Aussicht ge  nommenen     Zellulosesorte    hergestellte     Alkali-          zelhilose    einer     Vorreifung    unterziehen,

       wenn     diese     Zellulosesorte    ohne     Vorreifung    eine  höhere Viskosität gibt, als man verlangt.  



  Gibt sie jedoch, ohne     Vorreifung    der       Alkalizellulose,    den     gewünschten        Viskositäts-          grad,    dann ist eine     Vorreife    überflüssig.  



  Die Spinnbäder, die für das Verfahren  gemäss der Erfindung verwendet werden,  können verschiedene Zusätze erhalten, zum  Beispiel ein Salz, wie     Ammoniumsulfat    oder  Natriumsulfat oder     Natriumbisulfat    oder       Ammoniumbisulfat    oder Glukose, kurzum  irgend einen aus der     Viskosetechnik    bekann  ten     Spinnbadzusatz.     



  Gemäss der Erfindung erhält man zum  Beispiel glänzende Kunstseide, welche eine  Trockenfestigkeit von mehr als 2     gr    pro       Denier,    in vielen Fällen mehr     als-4        und.    auch      5     gr    und in manchen Fällen sogar 6     gr    pro       Denier    besitzt, eine     Nassfestigkeit    von etwa  1 bis 1,5     gr    pro     Denier,    in vielen Fällen  3 bis 4     gr    und selbst über 4     gr    pro     Denier     besitzt,

   und nichtsdestoweniger eine Dehn  barkeit von mindestens 7 % und in vielen  Fällen selbst     15%.    oder sogar darüber be  sitzt.  



  Für die Erzielung der Zusatzstreckung  kann man sich auch Differentialrollen be  dienen.  



  Jedoch kann auch ohne Streckung ge  sponnen werden, zum Beispiel in einem  Spinnbad von geringer, mässiger oder grö  sserer Länge, das heisst ohne jede Vorrich  tung, die dem Faden irgendeine besondere  Streckung geben könnte zwischen der Spinn  düse und der     Aufwiekelvorrichtung,    zum  Beispiel ohne jede Richtungsänderung des       Fadens,    ohne Anwendung von festen oder  beweglichen Stäben oder Rollen,     Häckchen     oder Differentialrollen usw.

   Im Gegensatz  zu dem, was man aus den Erfahrungen mit  dem Spinnen von Viskose in stark sauren  Bädern erwarten würde, erhält man auch  ohne besondere     Streckung    Fäden von einer  gleichartig grossen Festigkeit und gleich  guter Dehnung, wie diejenige mit besonderer  Streckung gesponnenen Fäden, und zwar un  geachtet, ob die angewandte Spinngeschwin  digkeit gross (zum Beispiel mehr als 60 m  pro Minute) oder normal (30 bis 60 m pro  Minute) oder sogar unternormal ist (zum  Beispiel 10 bis 30 m pro Minute). Die Ar  beitsweisen, bei denen ohne besondere     Strek-          kung        gesponnen    wird, liefern auch dann     gute     Erzeugnisse, wenn die Luftstrecke bedeutend  verkürzt wird (zum Beispiel 40 bis 70 cm  beträgt).

    



  Bei sämtlichen vorstehend genannten Ar  beitsweisen kann die Verlangsamung     bezw.     Unterbrechung der Säurewirkung auch .da  durch geschehen, dass man den Faden, der  das aus starker Säure bestehende oder sol  che enthaltende Bad verlässt, einer niedrigen  Temperatur, zum Beispiel minus 5 bis minus  15   C aussetzt, bevor man ihn wäscht, was  zum     Beispiel    in der Weise geschehen kann,    dass man ihn auf einer hohlen Spule sam  melt, welche ein Kühlmittel, zum Beispiel  feste Kohlensäure, oder Kältemischung oder  Eis enthält.  



  Die ausgewaschenen Fäden können vor  oder nach dem Trocknen auf höhere Tempe  raturen (zum Beispiel 100 bis 110   C) er  hitzt oder gedämpft werden.  



  Etwaige Entschwefelung und     Bleichung     der Fäden kann in bekannter Weise ge  schehen.  



  Die Fäden können auch dadurch     ent-          schwefelt    werden, dass man sie während  5 Minuten bis 1 Stunde mit einer warmen  oder     heissen        Alkalisulfidlösung    von     minde-          stens    5     %o    (berechnet als Nass . 9     H20),    zum  Beispiel mit einer 10%igen Lösung von       Na2S    . 9     H20,    oder während 5 bis 10     Mi=     nuten mit einer 30 %     igen    Lösung von       Na2S    . 9     H20    bei 100   C behandelt.  



  Nach dem     Verfahren    gemäss der Erfin  dung kann man auch andere künstliche Ge  bilde als Fäden herstellen. So erhält man  ein Filmband, in dem man eine Spinnlösung,  wie in einem der vorangehenden Beispiele  hergestellt, in bekannter Weise durch einen  geeigneten Trichter oder Schlitz in eines der  in den vorangehenden Beispielen genannten       Koagulierungs-    und     Plastizierungsbäder    ein  treten lässt und darauf das koagulierte Film  band nach Durchlaufen dieses Bades in be  kannter Weise wäscht und trocknet.

      <I>Beispiel 2:</I>  Rohes     Oxyalkylzellulosexanthogenat,    das       wie    im Beispiel 1 beschrieben erhalten wurde,       wird    in einer solchen Menge     Ätznatron    und  Wasser gelöst, dass eine Lösung entsprechend  einem Gehalt von 15 bis     2,0%    analytisch be  stimmbarer     Ogyalkylzellulose        und    8 bis 10       Ätznatron    entsteht. Hierauf wird die     pasten-          artige    Lösung zum Zusammenkleben von  einem oder mehreren Paaren von Karton  bogen verwendet. Gegebenenfalls kann das  Material gepresst oder     kalandert    werden.

   Es  wird hierauf in Schwefelsäure von etwa 50  bis 60 % bei - 5   C eingeführt und in der  Schwefelsäure belassen,     bis    dieselbe das Ma-           terial    durchtränkt hat, worauf es säurefrei  gewaschen und getrocknet wird.  



  Die Verwendung gekühlter Schwefel  säure im vorliegenden Beispiel empfiehlt  sich aus dem Grunde, weil dieselbe nicht so  rasch entfernt werden kann, wie dies zum  Beispiel bei Fäden der Fall ist, so dass eine  Zerstörung des Materials zu befürchten ist.  Die Schwefelsäure behält jedoch unbeschadet  der tiefen Temperatur ihre     plastizierenden     Eigenschaften bei.  



  <I>Beispiel 3:</I>  Man stellt eine Paste her, indem man ein  geeignetes     Oxy        alkylzellulosexanthogenat,    er  halten durch     Xanthogenierung    des Einwir  kungsproduktes eines     Halogenhydrins    auf  Zellulose bei Anwesenheit von     Ätzalkali,     mit     einer    -derartigen Menge     Ätzalkali    und  Wasser versetzt, dass eine pastöse Lösung  entsteht, die 16 bis 20% Ausgangszellulose  und 8 bis 12%     Ätznatron    enthält.

   Sobald  die Masse homogen geworden ist, wird sie  von Gasblasen (wenn solche vorhanden sind)  in einer     Vakuumknetmaschine    befreit und       dann.    entweder sofort nach dem Kneten oder  nachdem sie 24 Stunden bei 10 bis 15    stehen gelassen     wurde,    in<B>-</B>die Form einer  dicken Platte gebracht. Die dicke Platte  wird     nun    in Schwefelsäure von<B>60%</B> bei  - 5   C eingebracht, wo sie bleibt, bis sie  fest wird.

   Die so koagulierte und     plastizierte     dicke     Platte    wird     nun    säurefrei gewaschen,  getrocknet und gegebenenfalls     entschwefelt     und/oder gebleicht, analog wie es in den Bei  spielen betreffend künstliche Fäden beschrie  ben ist.  



  Die Beispiele können derart geändert wer  den, dass 36- bis 42 %     ige    Salzsäure als     koagu-          lierend    und     plastizierend    wirkende Flüssig  keit verwendet wird.  



  An Stelle der starken Schwefelsäure oder  Salzsäure kann man auch starke Salpeter  säure, zum Beispiel mit einem Gehalt von  60 bis<B>90%</B>     HNOg,    oder starke Phosphor  säure, zum Beispiel von 1,5 bis 1,86     spez.          Gew.,    oder starke Arsensäure, zum Beispiel  mit einem Gehalt von 60 bis<B>90%</B>     HsAsOi,     oder eine - starke     Chlorzinklösung    von     Etwa       60 %, die etwa 4 bis     6/'0    Salzsäure enthält,  kurzum jede die Lösung des     Oxyalkylzellu-          losexanthats    koagulierende und das frisch  koagulierte Material, zum Beispiel den Faden,

         plastizierende    Flüssigkeit, verwenden.  



  Bei der<B>,</B> Herstellung der Lösung -des     Oxy-          alkylzellulosexanthats    kann     Oxyalkylzellu-          lose    aus     Sulfitzellulose,        Linters,    Baumwolle  oder Holzzellulose, welche zum     Beispiel     in der     gälte    oder     Hitze    mit     einer    verdünnten  Säure, zum Beispiel Salzsäure oder Schwefel  säure, vorbehandelt wurde, kurzum jede Art  von     Zellulosematerial,    das in der Viskose  technik in Verwendung ist oder dafür in  Vorschlag gebracht wurde, verwendet wer  den, ferner auch Zellulose,

   die ihr nahe  stehende     Umwandlungsprodukte,    wie     Zellu-          losehydrat,    Hydrozellulose und     Oxyzellulose     in kleineren     Mengen    enthält.  



  Der Ausdruck     "Oxyalkylzellulose"    soll  Derivate der Zellulose, in denen wenigstens  ein     Hydroxylwasserstoffatom    der Zellulose  durch eine     Oxyalkylgruppe    ersetzt ist und  die man zum Beispiel erhält, wenn man     ein          Halohydrin    oder ein Halogenderivat eines       Anhydrides    eines zwei- oder mehrwertigen  Alkohols, insbesondere jedoch     ein    Mono  halohydrin, auf Zellulose in Gegenwart von  Alkali einwirken lässt, umfassen.  



       "Als        "Halohydriiie"    sind solche Verbin  dungen zu betrachten, die sowohl mindestens  ein Halogen, wie auch mindestens     eine        Hy-          droxylgruppe    enthalten und welche zum  Beispiel aus zwei- oder mehrwertigen Alko  holen durch Ersatz einzelner     Hydroxyl-          gruppen    durch Chlor, Brom oder Jod erhält  lich sind, sowie auch deren     Ester    oder innere       Anhydride,    zum Beispiel     Epichlorhydrin.     



  Der Ausdruck     "künstliche    Gebilde" soll  in der Beschreibung und in den Ansprüchen  umfassen: künstliche Fäden, insbesondere  Kunstseide und Stapelfaser, Filme, künst  liches Leder, durchscheinendes Papier,     Paus-          leinwand,    geleimtes Papier usw.

Claims (1)

  1. PATENTANSPRüCHE I. Verfahren zur Herstellung von künst lichen. Gebilden, dadurch gekennzeich- net, da.ss man auf eine Lösung eines Oxyalkylzellulosexanthates, das erhalten wurde durch Einwirkenlassen von Schwe felkohlenstoff. auf Oxyalkylzellulose in Gegenwart von Alkali, eine Flüssigkeit einwirken lässt, welche auf die Lösung koagulierend und auf das frisch koagu lierte Material plastizierend wirkt. 1I. Künstliches Gebilde, hergestellt nach dem Verfahren gemäss Patentanspruch I.
    <B>UNTERANSPRÜCHE:</B> 1. Verfahren nach Patentanspruch I, da durch gekennzeichnet, dass man eine Lösung eines Oxyalkylzellulos-exanthats verwendet, die Zellulosexanthat enthält. 2. Verfahren nach Patentanspruch I, da .durch gekennzeichnet, dass man als koagulierendes und plastizierendes Mit tel eine Flüssigkeit, die eine Mineral säure enthält, verwendet, die in bezug auf koagulierende und plastizierende Eigenschaften einer Flüssigkeit, welche mindestens 35 % Schwefelsäuremono- hydrat enthält, wirkungsgleich ist. 3.
    Verfahren nach Unteranspruch 2, da durch gekennzeichnet, dass man als koagulierendes und plastizierendes Mit tel eine Flüssigkeit verwendet, die min destens<B>35%</B> Schwefelsäuremonohydrat enthält. 4. Verfahren nach Unteranspruch 2, da durch gekennzeichnet, dass man als koagulierendes und plastizierendes Mit tel eine Flüssigkeit verwendet, die zwi schen 50 und höchstens 73 /wo Schwefel säuremonohydrat enthält. 5. Verfahren nach Patentansprueh I, da durch gekennzeichnet, dass man eine Lösung eines Oxyalkylzellulosexanthats verwendet, die ein Weichmachungsmittel enthält. -6.
    Verfahren nach Patentanspruch I, da durch gekennzeichnet, dass man eine Lösung eines Oxyalkylzellulosexanthats verwendet, die als elastisch machendes Mittel ein Halo-hydrin enthält. 7. Verfahren nach Patentanspruch I, da durch gekennzeichnet, dass man die Lösung eines Xanthats eines Äthylen- glykolzelluloseäthers verwendet. B. Verfahren nach Patentanspruch I, da durch gekennzeichnet, dass man die Lö sung eines Xanthats eines Glyzerinzellu- loseäthers verwendet. 9.
    Verfahren nach Patentanspruch I, da durch gekennzeichnet, dass das künst liche Gebilde stark gestreckt wird.
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