Verfahren zur Herstellung künstlieher Gebilde. Gegenstand vorliegender Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung künstlicher Gebilde, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass man auf eine Lösung eines Oxyalkyl- zellulosexanthats, das erhalten wurde durch Einwirkenlassen von Schwefelkohlenstoff auf Oxyalkylzellulose in Gegenwart von Alkali, eine Flüssigkeit einwirken lässt, wel che auf die Lösung koagulierend und auf das frisch koagulierte Material plastizierend wirkt.
Gemäss dem Verfahren der vorliegenden Erfindung erzeugte künstliche Gebilde ha ben, wie Versuche ergaben, eine zufrieden stellende und in manchen Fällen sogar eine vorzügliche Festigkeit im trockenen und im nassen Zustand und eine für praktische Zwecke ausreichende Geschmeidigkeit, Dehn barkeit und Elastizität und sind dadurch den bisher bekannten Oxyalkylzelluloseprodukten überlegen.
Die beim Verfahren gemäss der Erfin dung verwendeten Lösungen von Oxalkyl- zellulosexanthaten werden vorteilhaft aus Oxyalkylzellulosen hergestellt, die gemäss dem Verfahren der britischen Patentschrift Nr.231807 gewonnen wurden.
Die Lösungen der Oxyalkylzellulose- xanthate können auf künstliche Gebilde, zum Beispiel Fäden, entweder allein oder in Ge meinschaft mit andern Kolloiden, wie zum Beispiel Zellulosexanthat, verarbeitet wer den.
Man kann zum Beispiel eine Lösung eines Oxyalkylzellulosexanthats mit Viskose mischen oder Zellulosexanthat (sulfidierte Alkalizellulose) in einer Lösung eines Oxy- alkylzellulosexanthates auflösen oder ein Oxyalkylzellulosexanthat in Viskose auf lösen oder Schwefelkohlenstoff in Gegenwart von Ätzalkali auf ein aus einem Oxyalkyl- derivat der Zellulose und Zellulose bestehen des Gemisch einwirken lassen, das zum Bei spiel erhalten wurde,
indem man Alkali zellulose mit einem Halohydrin unter solchen Bedingungen behandelte, dass nur ein Teil der Alkalizellulose in einen Oxyalkyläther der Zellulose umgewandelt wurde, und die so erhaltenen Lösungen zur Durchführung des Verfahrens gemäss der Erfindung ver wenden.
Es können auch andere alkalilösliche Zellulosederivate oder alkalilösliche Zellu- losehydrate, oder Eiweissstoffe oder Gelatine usw. als Beimengungen zu den Lösungen der Oxyalkylzellulosexanthate verwendet wer den.
Den Lösungen der Oxyalkylzellulose- xanthate oder ihrer Gemische mit Zellulose- xanthat können geeignete Weichmachungs- mittel, zum Beispiel Glyzerin oder ein Gly- kol oder eine Zuckerart, wie Glukose, oder Seife, oder Türkischrotöl, oder ein trocknen des oder nicht trocknendes 01, oder elastisch machende Mittel, zum Beispiel ein. Halogen derivat eines zwei- oder mehrwertigen Alko hols, insbesondere ein Halohydrin,
zum Bei spiel ein Dichlorhydrin oder ein Monochler- hydrin oder Ithylenchlorhydrin zugesetzt werden.
Als besonders brauchbare Koagulierungs- und Plastizierungsmittel haben sich Flüssig keiten erwiesen, die einen hohen Gehalt an starker Mineralsäure besitzen, insbesondere solche Bäder, die nicht weniger als 35 Schwefelsäuremonohydrat oder eine in bezug auf koagulierende und plastizierende Eigen schaften wirkungsgleiche Menge einer an dern Mineralsäure enthalten. Es können aber auch andere, zugleich koagulierend und plastizierend wirkende Flüssigkeiten verwen det werden, so zum Beispiel solche,
die Zink- haloid allein oder mit einer Säure gemischt enthalten.
Nach bekannten, auf Fällung beruhenden Methoden erhältliche Fäden können nicht als plastische Gebilde bezeichnet werden. Plasti zität kann man dem in Entstehung begrif fenen, das heisst in Koagulation befindlichen oder ganz frisch koagulierten . Faden nur dann verleihen, wenn man ihn der Einwir kung von Mitteln aussetzt, welche das Kol loid, aus dem der Faden besteht, zur Quel- lung zu bringen vermögen. Diese Eigen schaft geht den in der Viskosekunstseide- technik üblichen Bädern, die bekanntlich in der Regel nur einen unter 20% liegenden H,S04-Gehalt aufweisen, zumeist ab.
Im Gegensatz hierzu ist das vorliegende Ver fahren unter anderem dadurch gekennzeich net, dass Fällmittel zur Anwendung gelan gen, die das Arbeitsgut nicht nur fällen, sondern auch plastizieren, das heisst zu hoch gradiger Quellung bringen.
Wenn gewünscht, kann die Dehnbarkeit der künstlichen Gebilde, insbesondere Fäden, die nach dem vorliegenden Verfahren her gestellt wurden, noch mehr erhöht werden, wenn man sie mit geeigneten Schrumpfungs mitteln, zum Beispiel solchen Schrumpfungs mitteln behandelt, die keine auflösende Wir kung auf den Faden haben, zum Beispiel mit einigen der Schrumpfungsmittel, wie sie er wähnt sind in den britischen Patentschriften Nr. 321197, Nr. 32373<B>1</B> und Nr. 323732.
Ferner können die Gebilde verbessert oder entfärbt werden, indem man sie mit einer warmen oder heissen Alkalisulfidlösung be handelt, die mindestens 5 % Alkalisulfid (berechnet als Na2S. 9 H20) enthält oder mit einer warmen oder heissen Alkalihydrosulfid- lösung von äquivalenter Stärke.
Es ist unmöglich, jede Bedingung-anzu- führen, die in jedem einzelnen Fall zum Er folg führt, und es ist notwendig, durch Vor versuche diejenigen Arbeitsbedingungen zu ermitteln, die für eine bestimmte Zellulose sorte ein bestimmtes Oxyalkylzellulosexan- that, bestimmte Einzelheiten des Formungs- und Koagulationsvorganges, zum Beispiel Spinnvorganges, erfolgreiches Arbeiten ge währleisten.
Die folgenden Beispiele veranschaulichen die praktische Ausführung der Erfindung. Die Teile bedeuten Gewichtsteile.
<I>Beispiel 1:</I> Rohes Oxyalkylzellulosexanthogenat, da durch hergestellt, dass man 100 Gewichtsteile Monochlorhydrin oder Athylenehlorhydrin auf aus 1000 Gewichtsteilen lufttrockener Zellulose hergestellter Alkalizellulose ein wirken lässt und das Reaktionsprodukt xanthogeniert, wird in einer derartigen Menge Wasser und Natriumhydroxyd ge löst, dass die Lösung 6,5 bis 7 % der Aus gangszellulose und 8 % NaOH enthält.
Die Lösung wird jetzt dreimal durch Baumwolle filtriert, und wenn sie insgesamt 96 bis 100 Stunden gealtert ist, folgendermassen ver sponnen: Die Spinnlösung wird mit einer Ge schwindigkeit von 3,3 em3 pro Minute durch eine Platindüse mit 54 Löchern von 0,1 min Durchmesser in ein Bad gepresst, das 65 bis <B>73%</B> 11=S04 enthält und dessen Temperatur 16 C ist. Die Tauchlänge des Fadens in der Schwefelsäure ist etwa 20 cm. Darauf geht der Faden in die Luft über eine Länge von 12,0 cm und wird auf einer Spule auf gewickelt, die mit einer solchen Geschwin digkeit umläuft, dass von dem Faden un gefähr 18 m in der Minute abgezogen wer den.
In der Luftdurchgangsstrecke sind drei gläserne Walzen winklig zueinander an geordnet, so dass' der Faden bei dem Führen über diese Walzen noch eine besondere Streckung erhält. Der untere Teil der Spule läuft in Wasser um, so dass die Schwefel säure entfernt oder beträchtlich verdünnt wird, sobald der Faden die Spule erreicht. Die Fäden werden dann gewaschen, gereinigt und in der üblichen Weise fertiggestellt. Der derart erhaltene Faden besteht aus Einzel fäden von etwa 2 bis 2,5 Denier.
Gemäss diesem Beispiel kann man die Menge der pro Minute aus der Spinndüse tretenden Flüssigkeit, die Abzugsgeschwin digkeit, die Anzahl und die Grösse der Lö cher der Spinndüse nach Wunsch variieren. Auch die obere und die untere Konzentra tionsgrenze der Schwefelsäure, sowie die Temperatur können in weiten Grenzen va riieren.
So erhält man mit 1,.6 cm' Spinnlösung pro Minute bei einer Spinndüse mit 100 Lö chern von 0,08 mm und einem Spinnbad, das 61 bis<B>70%</B> HZSO4 enthält, Einzelfäden mit einem Titer von 0,6 bis 0,7 Denier. In die sem. Falle kann man auch mit<B>55%</B> Schwe felsäure im Spinnbade gute Erfolge erzielen. Bei 3 cm' Spinnlösung pro Minute und einer Abzugsgeschwindigkeit von 30 m pro Mi nute wird der Titer des Einzelfadens 0,6 bis 0,9 Denier, während bei 6,6<B>cm'</B> Lösung pro Minute und 40 m pro Minute Abzugs geseUwindigkeit der Titer des Einzelfadens 1,2 bis 1,4 Denier beträgt.
Das Spinnbad enthält in diesem Falle vorzugsweise 64 H2S047 doch werden auch mit 60% noch aus gezeichnete Erfolge erzielt.
Verwendet man 3 cm' Spinnlösung pro Minute, eine Spinndüse mit 24 Löchern von 0,1 mm Querschnitt, ein Spinnbad mit 61 bis <B>70%</B> H.S04, während die Temperatur 0 C, die Tauchlänge des Fadens 80 cm beträgt, so ist der Titer des Einzelfadens etwa 4,5 bis 5 Denier. Auch in diesem Falle kann das Spinnbad weniger Schwefelsäure, zum Beispiel<B>55%,</B> enthalten.
Bei 14 cm' Spinnlösung pro Minute mit einer Abzugsgeschwindigkeit von 100 bis 120 m, während dem Faden keine besondere Streckung gegeben wird, und die Tauch länge 80 bis 100 cm beträgt, wird der Titer der Kunstseide etwa 10,9 bis 1 Denier für den Einzelfaden betragen.
An Stelle der Lösung des oben angege benen rohen Oxyalkylzellulosexanthogenats kann man eine entsprechende Lösung ver wenden, die ein durch Xanthogenierung eines mit Hilfe anderer Mengen Monochlor- hydrin oder mit Hilfe anderer Halogen- hydrine bereiteten Oxyalkylzellulose her gestelltes Oxyalkylzellulosexanthat enthält. Bei dem Altern und Spinnen arbeitet man in .der angegebenen Weise.
Bei dem Verarbeiten der Lösung eines Produktes, das erhalten wurde durch Xan- thogenieren des Einwirkungsproduktes von 200 oder 300 Teilen Monochlorhydrin oder Athylenchlorhydrin auf 1000 Teile Zellu lose, verwendet man in den Spinnbädern vor zugsweise eine etwas niedrigere Schwefel säurekonzentration.
Bei Verwendung der Lösung eines Oxy- alkylzellulosexanthogenats, hergestellt durch Sulfidieren einer Lösung, die 7 % eines alkalilöslichen Zelluloseglyzerin- oder Zellu- loseglykoläthers und 8 % NaOH enthält, welche Lösung dadurch erhalten wurde,
dass das mit Schwefelsäure niedergeschlagene Einwirkungsprodukt von 1000 Teilen Zellu lose Alkalilauge und 200 Gewichtsteilen a-Monochlorhydrin oder 200 Gewichtsteilen 3.thylenchlorhydrin in Lösung gebracht wurde, kann man die gleichen Vorschriften anwenden, wobei man in den Fällbädern statt der genannten Schwefelsäuregehalte vorzugsweise nachstehende nimmt:
Im erstbeschriebenen Falle von 3,3 cm' Spinnlösung, 54 Löchern in der Spinndüse, Tauchlänge 20 cm, Abzugsgeschwindigkeit 18 m, Temperatur 16 C oder niedriger: 60 bis<B>62%</B> Schwefelsäure, wobei man jedoch bis 55 % auch noch .sehr gut arbeiten kann.
Bei 1,6 cm' Spinnlösung, einer Spinn düse mit 100 Löchern von 0,08 mm, einer Abzugsgeschwindigkeit von 18 m: 58 bis <B>61%</B> Schwefelsäure, wobei man mit 55 auch noch gute Erfolge erzielt.
Bei 3 cm' Spinnlösung und der gleichen Spinndüse und Abzugsgeschwindigkeit von 30 m pro Minute: 58 bis<B>61%</B> HZS04.
Bei 6,6 cm' Spinnlösung, der gleichen Spinndüse' und 40 m Abzugsgeschwindigkeit pro Minute: 58 bis<B>62%</B> HZS04, während bei 14 cm' Spinnlösung pro Minute und einer Abzugsgeschwindigkeit von 100 bis 120 m pro Minute, wenn dem Faden keine beson dere Streckung gegeben wird und die Tauch länge 80 bis 100 cm beträgt: 50 bis 55 HZSa4.
Wenn der Zelluloseglyzerinäther bezw. ein Zelluloseglykoläther bei einer etwas ab weichenden Temperatur oder mit einer grö sseren Menge des Halohydrins hergestellt ist, so können die Konzentrationen der Spinn lösung noch bedeutend vermindert werden.
So kann man in den verschiedenen, oben er wähnten Fällen nachstehende Stärken ver wenden: 45 bis<B>58%</B> H,S04 L40 % " 50 bis 54% " 45% " 50 bis 54% " 43 bis 47% " 40 bis 46% " In dem -angegebenen Beispiel kann man den Gehalt der Lösung an Oxyalkylzellu- losexanthogenat und
Natriumhydroxyd in ziemlich weiten Grenzen variieren, zum Bei spiel derart, dass die Lösung 7 % der Oxy- alkylzellulose und 5 % Na0H enthält.
Die in der schweizerischen Patentschrift Nr. 154165 und der britischen Patentschrift Nr. 335994 beschriebenen Oxyalkylzellulose- xanthogenate geben in dem vorliegenden Ver fahren sehr gute Ergebnisse.
Man kann die Alkalizellulose, bevor sie mit Halohydrin in Berührung kommt, einer Reifung unterwerfen, zum Beispiel während 48 Stunden bei 15 C oder kürzere oder län gere Zeit oder bei höheren oder niedrigeren Temperaturen.
Die Beantwortung der Frage, ob die Alkalizellulose reifen gelassen werden soll oder nicht, bevor sie weiterbehandelt wird, hängt unter anderem davon ab, welche Vis kosität für die auf künstliche Gebilde im allgemeinen und auf Kunstfäden im beson deren zu verarbeitende Lösung gewünscht wird und ferner von der in Aussicht genom menen Zellulosesorte. Will man der Spinn lösung eine bestimmte Viskosität verleihen, dann muss man die aus der in Aussicht ge nommenen Zellulosesorte hergestellte Alkali- zelhilose einer Vorreifung unterziehen,
wenn diese Zellulosesorte ohne Vorreifung eine höhere Viskosität gibt, als man verlangt.
Gibt sie jedoch, ohne Vorreifung der Alkalizellulose, den gewünschten Viskositäts- grad, dann ist eine Vorreife überflüssig.
Die Spinnbäder, die für das Verfahren gemäss der Erfindung verwendet werden, können verschiedene Zusätze erhalten, zum Beispiel ein Salz, wie Ammoniumsulfat oder Natriumsulfat oder Natriumbisulfat oder Ammoniumbisulfat oder Glukose, kurzum irgend einen aus der Viskosetechnik bekann ten Spinnbadzusatz.
Gemäss der Erfindung erhält man zum Beispiel glänzende Kunstseide, welche eine Trockenfestigkeit von mehr als 2 gr pro Denier, in vielen Fällen mehr als-4 und. auch 5 gr und in manchen Fällen sogar 6 gr pro Denier besitzt, eine Nassfestigkeit von etwa 1 bis 1,5 gr pro Denier, in vielen Fällen 3 bis 4 gr und selbst über 4 gr pro Denier besitzt,
und nichtsdestoweniger eine Dehn barkeit von mindestens 7 % und in vielen Fällen selbst 15%. oder sogar darüber be sitzt.
Für die Erzielung der Zusatzstreckung kann man sich auch Differentialrollen be dienen.
Jedoch kann auch ohne Streckung ge sponnen werden, zum Beispiel in einem Spinnbad von geringer, mässiger oder grö sserer Länge, das heisst ohne jede Vorrich tung, die dem Faden irgendeine besondere Streckung geben könnte zwischen der Spinn düse und der Aufwiekelvorrichtung, zum Beispiel ohne jede Richtungsänderung des Fadens, ohne Anwendung von festen oder beweglichen Stäben oder Rollen, Häckchen oder Differentialrollen usw.
Im Gegensatz zu dem, was man aus den Erfahrungen mit dem Spinnen von Viskose in stark sauren Bädern erwarten würde, erhält man auch ohne besondere Streckung Fäden von einer gleichartig grossen Festigkeit und gleich guter Dehnung, wie diejenige mit besonderer Streckung gesponnenen Fäden, und zwar un geachtet, ob die angewandte Spinngeschwin digkeit gross (zum Beispiel mehr als 60 m pro Minute) oder normal (30 bis 60 m pro Minute) oder sogar unternormal ist (zum Beispiel 10 bis 30 m pro Minute). Die Ar beitsweisen, bei denen ohne besondere Strek- kung gesponnen wird, liefern auch dann gute Erzeugnisse, wenn die Luftstrecke bedeutend verkürzt wird (zum Beispiel 40 bis 70 cm beträgt).
Bei sämtlichen vorstehend genannten Ar beitsweisen kann die Verlangsamung bezw. Unterbrechung der Säurewirkung auch .da durch geschehen, dass man den Faden, der das aus starker Säure bestehende oder sol che enthaltende Bad verlässt, einer niedrigen Temperatur, zum Beispiel minus 5 bis minus 15 C aussetzt, bevor man ihn wäscht, was zum Beispiel in der Weise geschehen kann, dass man ihn auf einer hohlen Spule sam melt, welche ein Kühlmittel, zum Beispiel feste Kohlensäure, oder Kältemischung oder Eis enthält.
Die ausgewaschenen Fäden können vor oder nach dem Trocknen auf höhere Tempe raturen (zum Beispiel 100 bis 110 C) er hitzt oder gedämpft werden.
Etwaige Entschwefelung und Bleichung der Fäden kann in bekannter Weise ge schehen.
Die Fäden können auch dadurch ent- schwefelt werden, dass man sie während 5 Minuten bis 1 Stunde mit einer warmen oder heissen Alkalisulfidlösung von minde- stens 5 %o (berechnet als Nass . 9 H20), zum Beispiel mit einer 10%igen Lösung von Na2S . 9 H20, oder während 5 bis 10 Mi= nuten mit einer 30 % igen Lösung von Na2S . 9 H20 bei 100 C behandelt.
Nach dem Verfahren gemäss der Erfin dung kann man auch andere künstliche Ge bilde als Fäden herstellen. So erhält man ein Filmband, in dem man eine Spinnlösung, wie in einem der vorangehenden Beispiele hergestellt, in bekannter Weise durch einen geeigneten Trichter oder Schlitz in eines der in den vorangehenden Beispielen genannten Koagulierungs- und Plastizierungsbäder ein treten lässt und darauf das koagulierte Film band nach Durchlaufen dieses Bades in be kannter Weise wäscht und trocknet.
<I>Beispiel 2:</I> Rohes Oxyalkylzellulosexanthogenat, das wie im Beispiel 1 beschrieben erhalten wurde, wird in einer solchen Menge Ätznatron und Wasser gelöst, dass eine Lösung entsprechend einem Gehalt von 15 bis 2,0% analytisch be stimmbarer Ogyalkylzellulose und 8 bis 10 Ätznatron entsteht. Hierauf wird die pasten- artige Lösung zum Zusammenkleben von einem oder mehreren Paaren von Karton bogen verwendet. Gegebenenfalls kann das Material gepresst oder kalandert werden.
Es wird hierauf in Schwefelsäure von etwa 50 bis 60 % bei - 5 C eingeführt und in der Schwefelsäure belassen, bis dieselbe das Ma- terial durchtränkt hat, worauf es säurefrei gewaschen und getrocknet wird.
Die Verwendung gekühlter Schwefel säure im vorliegenden Beispiel empfiehlt sich aus dem Grunde, weil dieselbe nicht so rasch entfernt werden kann, wie dies zum Beispiel bei Fäden der Fall ist, so dass eine Zerstörung des Materials zu befürchten ist. Die Schwefelsäure behält jedoch unbeschadet der tiefen Temperatur ihre plastizierenden Eigenschaften bei.
<I>Beispiel 3:</I> Man stellt eine Paste her, indem man ein geeignetes Oxy alkylzellulosexanthogenat, er halten durch Xanthogenierung des Einwir kungsproduktes eines Halogenhydrins auf Zellulose bei Anwesenheit von Ätzalkali, mit einer -derartigen Menge Ätzalkali und Wasser versetzt, dass eine pastöse Lösung entsteht, die 16 bis 20% Ausgangszellulose und 8 bis 12% Ätznatron enthält.
Sobald die Masse homogen geworden ist, wird sie von Gasblasen (wenn solche vorhanden sind) in einer Vakuumknetmaschine befreit und dann. entweder sofort nach dem Kneten oder nachdem sie 24 Stunden bei 10 bis 15 stehen gelassen wurde, in<B>-</B>die Form einer dicken Platte gebracht. Die dicke Platte wird nun in Schwefelsäure von<B>60%</B> bei - 5 C eingebracht, wo sie bleibt, bis sie fest wird.
Die so koagulierte und plastizierte dicke Platte wird nun säurefrei gewaschen, getrocknet und gegebenenfalls entschwefelt und/oder gebleicht, analog wie es in den Bei spielen betreffend künstliche Fäden beschrie ben ist.
Die Beispiele können derart geändert wer den, dass 36- bis 42 % ige Salzsäure als koagu- lierend und plastizierend wirkende Flüssig keit verwendet wird.
An Stelle der starken Schwefelsäure oder Salzsäure kann man auch starke Salpeter säure, zum Beispiel mit einem Gehalt von 60 bis<B>90%</B> HNOg, oder starke Phosphor säure, zum Beispiel von 1,5 bis 1,86 spez. Gew., oder starke Arsensäure, zum Beispiel mit einem Gehalt von 60 bis<B>90%</B> HsAsOi, oder eine - starke Chlorzinklösung von Etwa 60 %, die etwa 4 bis 6/'0 Salzsäure enthält, kurzum jede die Lösung des Oxyalkylzellu- losexanthats koagulierende und das frisch koagulierte Material, zum Beispiel den Faden,
plastizierende Flüssigkeit, verwenden.
Bei der<B>,</B> Herstellung der Lösung -des Oxy- alkylzellulosexanthats kann Oxyalkylzellu- lose aus Sulfitzellulose, Linters, Baumwolle oder Holzzellulose, welche zum Beispiel in der gälte oder Hitze mit einer verdünnten Säure, zum Beispiel Salzsäure oder Schwefel säure, vorbehandelt wurde, kurzum jede Art von Zellulosematerial, das in der Viskose technik in Verwendung ist oder dafür in Vorschlag gebracht wurde, verwendet wer den, ferner auch Zellulose,
die ihr nahe stehende Umwandlungsprodukte, wie Zellu- losehydrat, Hydrozellulose und Oxyzellulose in kleineren Mengen enthält.
Der Ausdruck "Oxyalkylzellulose" soll Derivate der Zellulose, in denen wenigstens ein Hydroxylwasserstoffatom der Zellulose durch eine Oxyalkylgruppe ersetzt ist und die man zum Beispiel erhält, wenn man ein Halohydrin oder ein Halogenderivat eines Anhydrides eines zwei- oder mehrwertigen Alkohols, insbesondere jedoch ein Mono halohydrin, auf Zellulose in Gegenwart von Alkali einwirken lässt, umfassen.
"Als "Halohydriiie" sind solche Verbin dungen zu betrachten, die sowohl mindestens ein Halogen, wie auch mindestens eine Hy- droxylgruppe enthalten und welche zum Beispiel aus zwei- oder mehrwertigen Alko holen durch Ersatz einzelner Hydroxyl- gruppen durch Chlor, Brom oder Jod erhält lich sind, sowie auch deren Ester oder innere Anhydride, zum Beispiel Epichlorhydrin.
Der Ausdruck "künstliche Gebilde" soll in der Beschreibung und in den Ansprüchen umfassen: künstliche Fäden, insbesondere Kunstseide und Stapelfaser, Filme, künst liches Leder, durchscheinendes Papier, Paus- leinwand, geleimtes Papier usw.