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Die Erfindung betrifft ein Fahrrad mit einem Rahmen, der einen Sitz trägt, mit einer
Pedaleinrichtung, die eine mit dem Hinterrad über eine Kette gekuppelte Tretkurbelwelle mit an entgegengesetzt gerichteten Tretkurbeln drehbar gelagerten Pedalen aufweist, mit einer Len- kung, die mit einem Lenkerbügel mit Handgriffen zum Lenken des Fahrrades versehen ist, und mit einer von der Pedaleinrichtung unabhängigen, mittels eines gesonderten Stützgestells an der Lenkung befestigten Handkurbeleinrichtung, die in Armhöhe zwei entgegengesetzt gerichtete
Handkurbeln an einer Welle aufweist, die über Kettenräder und eine Kette mit dem in einer
Gabel gelagerten Vorderrad gekoppelt ist.
Frühere Vorschläge zur Ausstattung eines in üblicher Weise mit einer Pedaleinrichtung versehenen Fahrrades mit einer zusätzlichen Handantriebsvorrichtung gingen häufig dahin, im
Bereich der Lenkstange Antriebshebel vorzusehen, die über ein Gestänge mit der Pedaleinrichtung gekuppelt waren. Aus der AT-PS Nr. 1122 ist beispielsweise ein Fahrrad mit Hand- und Fussantrieb bekannt, bei dem eine vertikal bewegliche, hebelartige Lenkstange vorgesehen ist, die mit einer Muffe an der Vorderradstütze gekuppelt ist, an der wieder ein Schwinghebel angelenkt ist, der über Schubstangen mit den Pedalen gekuppelt ist.
Eine ähnliche Handantriebsvorrichtung ist auch aus der GB-PS Nr. 427, 767 bekannt, wobei mit solchen Handantriebsvorrichtungen jedoch offensichtlich die Lenkung des Fahrrades zumindest ausserordentlich erschwert wird, und überdies nur eine geringe Drehmomentübertragung möglich ist. Diese Nachteile waren offensichtlich der
Grund dafür, dass sich derartige u. ähnl. Handantriebsvorrichtungen mit Hebeln in der Praxis nie durchsetzen konnten.
Dieser Nachteil trifft auch auf in zahlreichen andern Schriften vgl. z. B. FR-PS 931. 232 ;
GB-PS Nr. 26, 711 a. d. 1901 ; GB-PS Nr. 11, 789 a. d. 1904 ; GB-PS Nr. 22, 678 a. d. 1909 ; GB-PS Nr. 18, 135 a. d. 1915 ; GB-PS Nr. 1, 044, 078 ; US-PS Nr. 3, 910, 599 ; US-PS Nr. 4, 152, 005 geoffenbarte Ausbildungen zu, bei denen zwar Handkurbeleinrichtungen vorgesehen sind, jedoch nicht zusätzlich zum Lenker- bügel, sondern an dessen Stelle. Darüber hinaus beziehen sich einige dieser Druckschriften überdies auf Behindertenfahrzeuge bzw. Rollstühle, bei denen keine Pedaleinrichtung - mit der Notwendigkeit einer Bewegungsfreiheit für die Knie - vorgesehen ist.
Aus der AT-PS Nr. 335322 und Nr. 215067 sind weiters Übungsgeräte in Form von sogenannten Heim- oder Zimmerfahrrädern bekannt, bei denen eine übliche Pedaleinrichtung zum Trainieren der Beinmuskulatur sowie weiters eine Handkurbeleinrichtung vorgesehen sind. Die Handkurbeleinrichtung ist dabei mit der Pedaleinrichtung über eine Welle bzw. über Ketten gekuppelt, so dass beim Drehen der Pedale die Handkurbeln, vorzugsweise im entgegengesetzten Drehsinn, mitgedreht werden. Dabei ist ein unabhängiges Trainieren von Beinmuskulatur und Armmuskulatur jedoch nicht möglich.
In der US-PS Nr. 3, 823, 959 ist schliesslich ein Fahrrad der eingangs angegebenen Art beschrieben, bei dem eine Handkurbeleinrichtung zusätzlich zum Lenkerbügel vorgesehen ist, wobei allerdings die Anordnung so ist, dass sich die Lenkung bzw. der Lenkerbügel mit den Handgriffen vor und oberhalb der Handkurbeleinrichtung befindet. Dies ist von Nachteil, da beim Betätigen der Handkurbeleinrichtung eine ungünstige aufrechte Sitzposition mit abwärts gerichteten Armen eingenommen werden muss, die eine wirksame, kraftvolle Kurbelbetätigung verhindert. Auch ist in diesem Fall das Fahrrad über die Handkurbeleinrichtung praktisch unlenkbar. Ferner ist die bekannte Anordnung insofern ungünstig, als die Handkurbeleinrichtung mit dem einfachen L-förmigen Halter (der kaum eine stabile Befestigung erlaubt) die Bewegung der Knie beim Treten der Pedale ausserordentlich stört.
Es ist nun Ziel der Erfindung, ein Fahrrad der eingangs angegebenen Art zu schaffen, bei dem nicht nur eine stabile Befestigung der Handkurbeleinrichtung erreicht wird, sondern insbesondere auch eine komfortable und wirksame Betätigung der Handkurbeleinrichtung ermöglicht wird.
Das erfindungsgemässe Fahrrad der eingangs erwähnten Art ist dadurch gekennzeichnet, dass das Stützgestell vor der Lenkung angeordnet und ausser am Lenkerbügel auch an der das Vorderrad lagernden Gabel befestigt ist, wobei die Handkurbeleinrichtung im wesentlichen höher als der Lenkerbügel angeordnet ist. Zufolge einer solchen Ausbildung wird der Vorteil erzielt, dass die Lenkung des Fahrrades nicht über Gebühr erschwert wird, und dass mit der unabhängigen
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Handkurbeleinrichtung der über die Pedaleinrichtung in üblicher Weise bewerkstelligte Antrieb des Fahrrades besonders wirksam, mit grosser Kraftentfaltung, unterstützt werden kann, wodurch beispielseise eine Erleichterung beim Bergauffahren erzielt werden kann. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Radfahrer keine Position mit mehr nach vorne gestreckten Armen einnehmen kann.
Ausserdem stellt die Handkurbeleinrichtung keine Behinderung beim normalen Fahren, mit Treten der Pedale, dar. Darüber hinaus ist bei dieser Anordnung auch eine vergleichsweise bedeutend höhere Stabilität und Festigkeit in der Anbringung der Handkurbeleinrichtung möglich bzw. gegeben, wozu auch die Befestigung an der Gabel beiträgt.
Überdies wird durch die erfindungsgemässe Anordnung das Vorsehen einer eigenen Gabel an der Handkurbeleinrichtung ermöglicht, die eine zusätzliche Stabilisierung erbringt. Demgemäss ist es erfindungsgemäss besonders vorteilhaft, wenn das Stützgestell eine zusätzliche Gabel aufweist, in der die Achse des Vorderrades gelagert ist.
Eine vorteilhafte Ausführungsform ist ferner dadurch gekennzeichnet, dass ein sich vom Kettenrad auf der Welle der Handkurbeleinrichtung zumindest bis in den Bereich des Lenkerbügels erstreckender Kettenschutz vorgesehen ist.
Um die Handkurbeleinrichtung in ihrer Position an die Grösse des jeweiligen Benutzers des Fahrrades anzupassen und/oder im Fall einer Kettentransmission die Kette spannen zu können, ist es ferner günstig, wenn das Stützgestell eine teleskopartig längenverstellbare Stütze aufweist, an der die Welle der Handkurbeln gelagert ist.
Die Erfindung wird nachstehend an Hand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels noch weiter erläutert. Die Zeichnung zeigt dabei eine Seitenansicht eines Strassenfahrrades mit unabhängiger Handkurbeleinrichtung.
In der Zeichnung ist ein im grossen und ganzen herkömmliches Strassenfahrrad mit einem
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--1-- dargestellt,Pedaleinrichtung --5-- angetrieben werden kann. Die Pedaleinrichtung --5-- weist dabei zwei zueinander entgegengesetzt gerichtete Tretkurbeln --6-- mit Pedalen --7-- auf, und auf der
Pedalwelle sitzt ein Kettenrad-8-, das über eine Kette --9-- mit einem Zahnkranz --10-- auf der Achse des Hinterrades --4-- gekuppelt ist.
In ähnlicher Weise ist dem Vorderrad --3-- ein Zahnkranz --11-- zugeordnet, der über eine Kettentransmission --12-- mit einer nachstehend noch näher zu erläuternden Handkurbeleinrichtung --13-- gekuppelt ist. Die Kette --12-- läuft dabei über ein Kettenrad --14-- der Handkurbeleinrichtung --13--, wobei dieses Kettenrad --14-- auf einer zwei Handkurbeln --15--, die in entgegengesetzte Richtungen weisen und drehbar gelagerte Handgriffe --16-- aufweisen, gemeinsamen Wellen --17-- sitzt.
Die Welle --17-- ist dabei an einem eigenen Stützgestell --18-- gelagert, das in seinem oberen Abschnitt bei --19-- teleskopartig längenverstellbar ist, um eine Anpassung der Handkurbeleinrichtung --13-- an die Körpergrösse des jeweiligen Benutzers und/oder ein Spannen der Kette --12-- zu ermöglichen. Zum Spannen der Kette --12-- kann aber anderseits auch eine an sich von Hinterrädern her bekannte herkömmliche Kettenspanneinrichtung im Bereich der Lagerung der Achse --20-- des Vorderrades --3-- in der Gabel --21-des Fahrradrahmens --1-- vorgesehen sein.
Das Stützgestell --18-- weist eine vor der Gabel --21-- des herkömmlichen Fahrradrahmens-l-angeordnete zusätzliche Gabel --22-- auf, welche mit der Gabel --21-- fest, z. B. durch Verschweissen oder aber Verschrauben, wie schematisch bei --23-- angedeutet, verbunden ist.
Nach oben setzt sich diese Gabel --22-- in einer stangenförmigen, wie erwähnt bei --19-teleskopartig verlängerbaren, und der eingestellten Länge feststellbaren Stütze --24-- fort, die mit Hilfe eines angeschweissten Armes --25-- mit dem Lenkerbügel --26-- des Fahrrades fest, beispielsweise mittels Klemmlaschen od. dgl. verbunden ist, wobei sich die Handkurbeleinrichtung --13-- in grösserer Höhe im Vergleich zum Lenkerbügel --26-- befindet. In der Gabel --22-- des Stützgestells-18-ist am unteren Ende die Achse des Vorderrades --3-- und des zugehörigen Kettenrades --11-- gelagert.
Dem Vorderrad --3-- ist dabei zweckmässig eine von Hinterrädern her an sich bekannte Freilaufeinrichtung, insbesondere mit Rücktrittbremse, zugeordnet, wobei derartige Einrichtungen hinlänglich bekannt sind, so dass sie keiner weiteren Erläute-
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rung oder zeichnerischen Darstellung bedürfen.
Um die Gefahr einer Verletzung oder aber Verschmutzung zu vermeiden, ist für die Kette --12-- der Handkurbeleinrichtung --13-- im oberen Bereich ein Kettenschutz --27-- vorgesehen, der in Fig. l abgebrochen dargestellt ist und sich abwärts z. B. bis in Höhe der Gabel-21 bzw. 22--, vorzugsweise jedoch zumindest bis unterhalb des Lenkerbügels --26-- erstreckt.
Wie ersichtlich, bildet beim dargestellten Fahrrad die Handkurbeleinrichtung --13-- mit der Kettentransmission --12--, dem Stützgestell --18-- und dem Kettenrad --11-- für das Vorder- rad --3-- eine gesonderte, von der Pedaleinrichtung --5-- und dem Antrieb des Hinterrades --4-- völlig unabhängige, von der Lenkung mit dem Lenkerbügel --26-- vorgesehene Einrichtung, welche je nach Wunsch, unabhängig von der Pedaleinrichtung benutzt werden kann. Im Fall der Nichtbenutzung kann das Fahrrad in herkömmlicher Weise mit Hilfe des Lenkerbügels --26-- gelenkt werden.
Wenn die Handkurbeleinrichtung --13-- benutzt werden soll, kann-vor allem auf geraden Strecken - jede der Handkurbeln --15-- mit einer Hand ergriffen und betätigt werden, wobei mit einer gewissen Übung das Fahrrad problemlos gelenkt, insbesondere geradeaus gelenkt werden kann. Sofern - etwa bei ungeübten Fahrern, bei anfänglicher Benutzung der
Handkurbeleinrichtung - noch Schwierigkeiten beim Lenken des Fahrrades auftreten sollten, ist es auch möglich, das Fahrrad mit einer Hand am Lenkerbügel --26-- zu lenken und die
Handkurbeleinrichtung --13-- nur mit der andern Hand zu betätigen.
Die in der Zeichnung veranschaulichte Handkurbeleinrichtung --13-- kann auch als gesonder- te Zusatzeinrichtung im nachhinein an vorhandenen Fahrrädern angebracht werden, wobei dann selbstverständlich dem Vorderrad --3-- das Kettenrad --11-- sowie die Kettentransmission --12-- zuzuordnen ist.
Grundsätzlich ist es selbstverständlich auch denkbar, anstatt der Kette-12 bzw. 12'-eine Transmission mit einer Welle, insbesondere mit einem Kardangelenk, ähnlich wie in der AT-PS Nr. 335322 geoffenbart, vorzusehen.
Die Erfindung ist weiters auch bei andern Fahrrädern als dem dargestellten anwendbar, wie insbesondere bei einem Tandemfahrrad.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Fahrrad mit einem Rahmen, der einen Sitz trägt, mit einer Pedaleinrichtung, die eine mit dem Hinterrad über eine Kette gekuppelte Tretkurbelwelle mit an entgegengesetzt gerichteten Tretkurbeln drehbar gelagerten Pedalen aufweist, mit einer Lenkung, die mit einem Lenkerbügel mit Handgriffen zum Lenken des Fahrrades versehen ist, und mit einer von der Pedaleinrichtung unabhängigen, mittels eines gesonderten Stützgestells an der Lenkung befestigten Handkurbeleinrichtung, die in Armhöhe zwei entgegengesetzt gerichtete Handkurbeln an einer Welle aufweist, die über Kettenräder und eine Kette mit dem in einer Gabel gelagerten Vorderrad gekoppelt ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Stützgestell (18) vor der Lenkung angeordnet und ausser am Lenkerbügel (26) auch an der das Vorderrad (3) lagernden Gabel (21) befestigt ist,
wobei die Handkurbeleinrichtung (13) im wesentlichen höher als der Lenkerbügel (26) angeordnet ist.