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Verfahren zur Herstellung von Pfropf-oder Blockpolymeren
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren oder"Block"-
Polymeren durch Einfuhren einer oder mehrerer polymerisierbarer Verbindungen in Polymere oder Copoly- mere mit erhöhtem Molekulargewicht.
Es ist bekannt, in vorgebildete makromolekulare Ketten aktive Gruppen einzuführen und sodann unter
Zuhilfenahme dieser aktiven Gruppen in Gegenwart von polymerisierbaren Verbindungen Polymerisations- vorgänge einzuleiten, wobei man durch Einführung von Radikalen entsprechende Pfropfpolymere oder "Block"-Polymere erhält.
Zur Herstellung von Pfropfpolymeren wurde auch vorgeschlagen, die Polymerisation eines Monomers durch Zersetzung eines oxydierten Polymers einzuleiten, wobei das oxydierte Polymer durch Oxydation eines Doppelbindungen und/oder bewegliche tertiäre Wasserstoffatome enthaltenden Polymers, beispielsweise unter der Einwirkung von Ozon, hergestellt werden kann, vgl. belgische Patentschrift Nr. 556882.
Bei den meisten bekannten Verfahren bildet sich ausser dem gewünschten Pfropfpolymer stets eine mehr oder wenige grosse Menge eines Homopolymers der zu pfropfenden polymerisierbaren Verbindung, so dass dieses Homopolymer dann eigens abgetrennt werden muss. Dieser Vorgang erweist sich als sehr schwierig, insbesondere beim Arbeiten im technischen Massstab.
Die vorliegende Erfindung ermöglicht es nun, diese Nachteile zu vermeiden. Sie hat ein Verfahren zur Herstellung von Pfropf- oder Blockpolymeren bzw. Copolymeren, ausgehend von Polymeren bzw. Copolymeren und von polymerisierbaren Verbindungen zum Gegenstande und ist dadurch gekennzeichnet, dass aktive Salpetersäuregruppen-0-NO oder Salpetrigsäuregruppen-0-NO in Polymere bzw. Copolymere eingeführt werden, worauf man die so erhaltenen Polymere zusammen mit einer oder mehreren polymerisierbaren Verbindungen unter Wärmeeinwirkung einer Copolymerisation unterwirft. Bei dieser Vorgangsweise führt die Zersetzung der in die zu pfropfende Polymerkette eingeführten aktiven Gruppe nur zum Eintritt eines einzigen Radikals in diese Kette, was die Möglichkeiten der Homopolymerbildung beträchtlich einschränkt.
Es ist zwar bereits ein Pfropfvorgang bekannt, gemäss welchem in eine Polystyrolkette Nitrogruppen "NO eingeführt werden, die man aufeinanderfolgend in Amino-, Acetylamino-, Nitrosogruppen und schliesslich in Arylazogruppen umwandeln kann, durch deren Zersetzung erst der Pfropfvorgang eingeleitet werden kann. Demgegenüber ermöglicht das erfindungsgemässe Verfahren unter Verwendung von Sal- petersäuregruppel1 oder Salpetrigsäuregruppen ein direktes Aufpfropfen eines Monomers an der makromolekularen Kette.
Es fallen sämtliche Polymere oder Copolymere in den Rahmen dieser Erfindung, u. zw. sowohl die künstlichen Polymere, die durch Polymerisation oder Copolymerisation erhalten wurden, als auch Polymere natürlicher Herkunft, gleichgültig ob diese eine weitere chemische Behandlung erfahren haben oder nicht.
Die Einführung der Salpetersäure-oder Salpetrigsäuregruppen in die Polymeren bzw. Copolymeren kann nach verschiedenen Reaktionen vor sich gehen. Die Reaktion verläuft besonders leicht, wenn man Polyolefine verwendet, wie Polyäthylen, Polypropylen, Polybutene und Polypentene, Vinylpolymere, wie Polyvinylestervon organischen und anorganischen Säuren, Polyvinylalkohol, Polyvinylacetale, Polystyrol oder Polymere von Diolefinen mit konjugierten Doppelbindungen.
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-copolymerenmogener oder heterogener Phase durch Einwirkung von flüssigem Stickstoffpentoxyd NO erfolgen, vor- zugsweise indem man das Ausgangspolymer in einem naos in situ entwickelnden Reaktionsmedium, bei- spielsweise in einem Gemisch von Salpetersäure und Phosphorsäureanhydrid, in Lösung oder in Suspension i bringt.
Man kann die Salpetersäuregruppenauchin halogenierte Polymere oder Copolymere, wie Polyvinyl- chlorid, Polyvinylidenchlorid oder Vinylvinylidencopolymere einführen, u. zw. in homogener Phase durch
Behandeln einer Lösung des Polymers mit einer wässerigen Silbernitratlösung. Die Reaktion wird erleich- tert, wenn man die Chloratome des Polymers teilweise durch Brom ersetzt, oder wenn man auf ein chlorier- tes Polymer, in das vorher durch eine mit Ätzalkali ausgeführte schonende Zersetzung Doppelbindungen eingeführt worden sind, Brom einwirken lässt.
Die Einführung von Salpetersäuregruppen in Polymere bzw. Copolymere mit Esterfunktionen kann durch Einwirkung eines Gemisches von Salpetersäure und Schwefelsäure auf eine Lösung des Polymers bzw.
Copolymers herbeigeführt werden. Wenn die Estergruppen des. Polymers leicht hydrolysierbar sind, wie im Falle der Vinylchlorid-Vinylacetat-Copolymeren, ist es vorzuziehen, zunächst wie an sich bekannt, eine Teilhydrolyse durchzuführen, ehe man die Einwirkung des Gemisches von Salpetersäure und Schwe- felsäure vornimmt. Die schonende Hydrolyse kann beispielsweise so ausgeführt werden, dass man eine. Poly- merlösung mit gasförmigem Chlorwasserstoff behandelt.
Salpetrigsäuregruppenlassensichleichtin solche Polymere einführen, die Hydroxylgruppen oder teil- weise hydrolysierte Estergruppen enthalten, wenn man das in einem inerten Lösungsmittel vorbehandelte
Polymer mit einem Alkalinitrit in Gegenwart einer starken Säure, z. B. Schwefelsäure oder Salzsäure, rea- gieren lässt.
Mit Hilfe der beschriebenen Reaktionen ist es möglich, Polymere bzw. Copolymere mit hohem Stick- stoffgehalt herzustellen. Bei Einführung von Salpetersäuregruppen ergibt die Analyse von bestimmten Poly- meren einen Stickstoffgehalt von 1,75 Gew.-%, was dem Vorhandensein von ungefähr 62 Salpetersäure- esterbindungen je Molekül mit einem mittleren konventionellen Molekulargewicht von 50 000 entspricht.
Das Infrarotspektrum der Polymere, in die nach einer der vorstehend beschriebenen Reaktionen Sal- petersäuregruppen eingeführt worden sind, zeigt klar zwei intensive Banden bei 1640 cm -1 und 1280 cm-l. was den Absorptionsbanden von covalenten Nitraten entspricht (vgl. L. J. Bellamy, "The infrared spectra of complex molecules", [1958], S. 301-302).
Es konnte gezeigt werden, dass im Verlaufe der thermischen Zersetzung von Polymeren die-0-NO =
Gruppenenthalten, die Bildung von freien Radikalen erfolgt, u. zw. dadurch, dass man diese Polymere der
Einwirkung von ct, a-Diphenyl-ss-picrylhydrazyl (DPPH) unterwirft. Diese Verbindung besitzt eine rotvio- lette Färbung, welche auf freie Radikale zurückgeht. In Gegenwart von andern freien Radikalen, die von einer äusseren Quelle herrühren, erfolgt ein Kupplungsvorgang, was zu einer Entfärbung der Verbindung
DPPH führt (vgl.H.Henglein, Makromol.Chem.,[1955], 15,S.188).
Die Herstellung von Pfropf- oder Blockpolymeren bzw. Copolymeren, ausgehend von Polymeren mit einem Gehalt an aktiven Gruppen 0"NO oder-0-*NO, kann leicht in der Weise erfolgen, dass man bei- spielsweise das die aktiven Gruppen enthaltende Polymer in einer oder mehreren polymerisierbaren Ver- bindungen quellen lässt und die Copolymerisation durch Erwärmen begünstigt. Die thermische Zersetzung der-O-NO. bzw.-O-NO-Gruppen fÜhrtzurBildungvonRadikalenaufder Polymerkette, welche das Auf- pfropfen des Monomers an dieser Stelle der Kette bzw. die Bildung von"Block"-Copolymeren einleiten.
Die Reaktion wird vorzugsweise durch Erhitzen des Reaktionsmediums auf eine Temperatur von ungefähr
60 bis 700C bewirkt.
Es können zahlreiche polymerisierbare Verbindungen zur Ausführung des Verfahrens gemäss der Erfin- dung angewendet werden, wovon insbesondere Styrol, Vinylchlorid, Methylmethacrylat, Acrylnitril,
Acrylsäure und Butadien genannt seien.
In den folgenden Beispielen sind gewisse bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung erläutert, ohne sie jedoch hierauf zu beschränken. Bei jedem dieser Beispiele ist die tatsächliche Gewichts- zunahme bei der Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, nach der Formel :
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berechnet worden, worin p das Gewicht des Ausgangspolymers, n, das Gewicht des Endpolymers eines
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Blindversuches, bezogen auf das Gewicht p, des Ausgangspolymers und Ps das Gesamtgewicht des gepfropften Polymers am Ende des Versuches bedeuten.
Beispiel l : In 200 crrrSalpetersäure (d=l, 51) werden 12 g nicht plastifiziertes Polyvinylchlorid, dasim Handel unter der Bezeichnung SOLVIC 299 erhältlich ist, suspendiert. Die Polymersuspension wird 30 Minuten bei Raumtemperatur gerührt und sodann auf -100C abgekühlt. Man fügt sodann langsam und unter lebhaftem Rühren 50 g Phosphorpentoxyd PO hinzu. Die Temperatur steigt auf 20 C. Nach 40 stündiger Reaktion kühlt man die Suspension ab, indem man sie in ein Wasser-Eis-Gemisch eingiesst. Das neutralisierte Polymer wird durch wiederholtes Lösen und Fallen in einem Gemisch von Tetrahydrofuran und Methylalkohol gereinigt.
Nach dem Trocknen unter Vakuum bei Raumtemperatur liegt das Polymer in Form weisser Flocken vor und enthält 0,34 Gel.-5 Stickstoff, was ungefähr 12-0-NO-Gruppen je Mo- lekül mit einem mittleren Molekulargewicht von 50000 entspricht. Die Infrarotanalyse bestätigt die Gegenwart von-0-NO-Gruppen.
In einem Pyrex-Kolben von 100 cmInhalt werden unter einer Atmosphäre von reinem Stickstoff 0,94 g des in der beschriebenen Weise hergestellten-0-NO-Gruppen enthaltenden Polymers mit 15 cm von Inhibitoren befreitem und frisch destilliertem Styrol zusammengebracht. Der Kolben wird unter ständigem Rühren 24 Stunden lang auf 700C erhitzt. Danach hält man die Reaktion an, indem man das Polymer in Methylalkohol löst und sodann damit fallt. Das ausgefällte Polymer wird mehrere Male mit Methylalkohol gewaschen und dann im Vakuum bei einer Temperatur von 400C getrocknet. Man erhält so 3,00 g gepfropftes Polymer in Form eines weissen Pulvers.
Ein unter denselben Bedingungen ausgeführter Blindversuch unter Verwendung von 1, 06 g reinem Polyvinylchlorid ergibt 1,50 g Polymer. Die tatsächliche Gewichtszunahme durch die Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, beträgt daher 179%.
Beispiel 2 : In einen Kolben von 100 cm'Inhalt werden 0, 92 Polyvinylchlorid mit einem Gehalt an-O-NO-Gruppen eingeführt, dessen Herstellung in Beispiel 1 beschrieben worden ist. Das Polymer wird mit 15 cm'Methylmethacrylat zusammengebracht, das von Inhibitoren befreit und frisch destilliert worden ist. Der Kolben wird 3 Stunden lang auf 70 C erhitzt. Die Masse ist dann sehr viskos. Das Polymer wird gelöst, mit Methylalkohol gefällt, durch wiederholtes Lösen und Fällen gereinigt und bei 40 C im Vakuum getrocknet. Man erhält 4,90 g Pfropfpolymer in Form eines weissen Pulvers.
Ein unter denselben Bedingungen unter Verwendung von 1, 00 g reinem Polyvinylchlorid ausgeführter Vergleichsversuch ergibt 1, 10 g Polymer. Die tatsächliche Gewichtszunahme durch die Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers beträgt also 422%.
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in Beispiel 1 beschrieben worden ist, werden in 20 rif vos Inhibitoren befreitem und frisch destilliertem Acrylnitril suspendiert. Das Reaktionsmedium wird 18 Stunden lang auf 700C erhitzt. Schon nach 3 stündiger Reaktionsdauer erhält man eine sehr viskose Masse. NachReinigung des Polymers durch aufeinanderfolgendes Lösen und Fällen trocknet man es bei 400C im Vakuum und erhält 4,30 g Pfropfpolymer.
Ein unter denselben Bedingungen unter Verwendung von 1, 0g reinem Polyvinylchlorid ausgeführter Blindversuch zeigte nach 18 Stunden Reaktionsdauer keine Gewichtserhöhung. Die Nettogewichtszunahme infolge Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, ist daher 308%.
Beispiel 4 : IneinenKolbenvon 10ccT'Inhalt werden 1, 05 g-O-NOz-Gruppen enthaltendes Polyvinylchlorid, dessen Herstellung in Beispiel 1 beschrieben worden ist, mit 15 c von Inhibitoren freier Acrylsäure zusammengebracht. DasReaktionsmedium wird 10 Minuten auf 700C erwärmt. Nach dem Reinigen und Trocknen erhält man 13,02 g Pfropfpolymer.
Ein unter denselben Bedingungen ausgeführter Vergleichsversuch, wobei man von 1, 05 g reinem Polyvinylchlorid ausgeht, ergibt 1, 51 g Polymer. Die tatsächliche Gewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, ist also 1090%.
Beispiel 5 : Es wurde eine teilweise Zersetzung von im Handel unter der Bezeichnung SOLVIC 229 erhältlichen Polyvinylchlorid ausgeführt, indem man eine Lösung von 70 g dieses Polymers in 1200 crn Tetrahydrofuran 20 Stunden lang unter Rückflusstemperatur mit einer Lösung von 35 g Ätznatron in 60 cm Wasser reagieren liess. Am Ende der Reaktion wird das braungefärbte Polymer in 1500 crn'Dichloräthan gelöst. Die Polymerlösung wird dann bis zur vollständigen Entfärbung mit einer Lösung von 2, 5% Brom in dem gleichen Lösungsmittel behandelt. Man fällt das Polymer mit einem Methylalkohol-Petroläther-Ge- misch l : l aus. Nach mehrmaligen Waschen mit Methylalkohol erhält man ein weisses Polymerisat.
Zu 12,8 g dieses, in 300 cm'Tetrahydrofuran gelösten Polymers setzt man unter lebhaftem Rühren eine Lösung von 2,8 g Silbernitrat in 12 cm'Wasser zu. Es bildet sich rasch ein weisser Niederschlag von Silberbromid. Der Niederschlag wird dekantiert und sodann über Aktivkohle filtriert, bis die Lösung klar
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ist. Das Polymer wird hierauf durch Wasser ausgefällt, sodann bis zur vollständigen Beseitigung des Silbernitrats gewaschen und durch aufeinanderfolgendes Fällen und Wiederauflösen gereinigt. Die Analyse des
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47 Gew.-%,frisch destilliertem Styrol zusammen. Der Kolben wird unter ständigem Rühren auf 700C erhitzt. Nach 24stündiger Reaktion wird das Polymer gelöst, durch wiederholtes Auflösen und Fällen gereinigt und sodann im Vakuum bei 400C getrocknet.
Man erhält 2,20 g Pfropfpolymer.
Ein unter denselben Bedingungen, ausgehend von l, 06 g reinem Polyvinylchlorid, ausgeführter Vergleichsversuch ergibt 1, 50 g Polymer. Die Gewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, ist also 55%.
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methacrylat, das frei von Inhibitoren ist und frisch destilliert wurde, zusammengebracht. Der Kolben wird 3 Stunden auf 700C erwärmt. Die Masse ist dann sehr viskos. Das Polymer wird gelöst, mit Methylalkohol gefällt, durch aufeinanderfolgendes Lösen und Fällen gereinigt und bei 400C im Vakuum getrocknet.
Man erhält 2,27 g Pfropfpolymer in Form eines weissen Pulvers.
Ein unter denselben Bedingungen mit l, 15 g reinem Polyvinylchlorid ausgeführter Blindversuch ergibt 1,25 g Polymer. Die Nettogewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des zur Reaktion gebrachten Polymers, ist also 97%.
Beispiel 7 : 1, 10 g-O-NO-Gruppen enthaltendes und nach Beispiel 5 hergestelltes Polyvinylchlorid werden in 20 cnr'von Inhibitoren freiem und frisch destilliertem Acrylnitril suspendiert. Das Reaktionsmedium wird 10 Stunden lang auf 700C erhitzt. In diesem Zeitpunkt ist die Masse sehr viskos und dunkelbraun gefärbt. Nach dem Reinigen durch aufeinanderfolgendes Lösen und Fällen wird das Polymer bei 400C im Vakuum getrocknet. Man erhält l, 50 g Pfropfpolymer in Form eines gelblichen Pulvers.
Ein unter denselben Bedingungen mit 1, 00 g reinem Polyvinylchlorid ausgeführter Vergleichsversuch ergab nach 18stündiger Reaktionsdauer keine Gewichtserhöhung. Die Gewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des Ausgangspolymers, beträgt also 37%.
Beispiel 8 : In 60 cd Chloroform werden 4 g eines Vinylchlorid - Vinylacetat-Copolymersmit einem Gehalt von 13elm Vinylacetat, wie es im Handel unter der Bezeichnung SOLVIC 513 P erhältlich ist, gelöst. Dieser Lösung setzt man unter lebhaftem Rühren im Verlaufe einer Stunde ein Gemisch von 20 cm Salpetersäure (d=l, 51) und 4 cm'Schwefelsäure (d=l, 84) zu. Nach 3stündiger Reaktion bei Rückflusstem- peratur trennt man das Polymer durch Fällen mit Petroläther ab, wäscht es mehrere Male mit einem Gemisch von Methylalkohol und Wasser undreinigt es durch wiederholtes Lösen und Fällen mit einem Chloroform-Methylalkohol-System. Das Polymer wird bei Raumtemperatur im Vakuum getrocknet..
Die Analyse ergibt einen Stickstoffgehalt von 0, 88Gew."%, was ungefähr 31-0-NOz-Gruppen je Molekül eines mittlerenMolekulargewichtes von 50000 entspricht.Das Infrarotspektrum dieses Polymers zeigt klar zwei Banden bei 1640 cm-l und 1280 cm-l, was den Absorptionsbanden covalenter Nitrate entspricht.
In einem Pyrex-Glaskolben von 100 cnrInhalt werden unter einer reinen Stickstoffatmosphäre 1, 00 g dieses Polymers mit 20 errp frisch destilliertem Acrylnitril zusammengebracht. Der Kolben wird 14 Stunden lang auf 700C erhitzt. Das Reaktionsprodukt wird in Dimethylformamid gelöst, mit einemMethylal- kohol-Petroläther-Gemisch gefällt und durch wiederholtes Lösen und Fällen gereinigt. Nach dem Trocknen unter Vakuum bei 400C erhält man 1, 50 g Pfropf polymer in Form eines gelblichen Pulvers.
Ein unter denselben Bedingungen ausgeführter Vergleichsversuch, ausgehend von 1,0 g reinem Copolymer der Bezeichnung SOLVIC 513 P, ergab keinerlei Gewichtserhöhung. Die tatsächliche Gewichtszunahme infolge Pfropfung, bezogen auf das Ausgangspolymergewicht, ist also 50%.
Beispiel 9 : In400 cm'Chloroform werden 30 g. des unter der Bezeichnung SOLVIC 513 P erhältlichen Vinylchlorid-Vinylacetat-Copolymers gelöst. In diese Lösung leitet man 4 Stunden lang bei Rück- fluss temperatur einen Strom gasförmigen Chlorwasserstoffs ein. Das Polymer wird durch Fällung mit einem Methylalkohol-Wasser-Gemisch ausgefällt, mit Methylalkohol gewaschen und durch wiederholtes Lösen und Fällen gereinigt. Man erhält auf diese Weise 25 g partiell hydrolysiertes Copolymer.
4 g dieses Copolymers werden in 60 cm3 Chloroform gelost, worauf dieser Lösung ein Gemisch von 20 cm'Salpetersäure (d=l, 51) und 4 cm'Schwefelsäure (d=l, 84) zugesetzt wird. Die Zugabe wird im Verlauf einer Stunde unter lebhaftem Rühren ausgeführt. Nach 3stündiger Reaktion bei Raumtemperatur scheidet man das Polymer durch Fällen mit Petroläther ab und wäscht es mehrere Male mit einem Methylal-
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im Molekül mit einem mittlerenäthylen von niederer Dichte in 500 cm siedendem Tetrachlorkohlenstoff gelöst. Durch Abkühlen der Lösung auf 0 C bildet sich ein gut dispergiertes Gel des Polymers.
Dieser Suspension fügt man 100 cm Salpetersäure (d = 1, 51) und sodann langsam 100 g Phosphorpentoxyd zu, wobei man das Reaktionsmedium ständig unter lebhaftem Rühren hält. Man lässt 2 Stunden bei 0 C reagieren und sodann 30 Minuten bei 12De.
Das Polymer wird hierauf mit Methanol ausgefällt, sodann abwechselnd mit Wasser und Methanol bis zur Neutralisation gewaschen. Nach wiederholtem Reinigen mit Benzol und Fällen mit Methanol erhält man das Polymer in Form eines weissen Pulvers, welches 1, 75 Grew.-% Stickstoff enthält, was ungefähr 62
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charakteristisch sind.
Man führt 1,03 g des Polymers in einen 100 cm* Kolben ein, der 15 cnrfrisch destilliertes, von Inhibitoren freies Styrol enthält. Das Reaktionsmedium wird 22 Stunden lang auf 70 C erwärmt. Das Polymer wird sodann ausgefällt, gewaschen und getrocknet. Man erhält 10,20 g Pfropfpolyäthylen.
Ein mit der gleichen Polyäthylenmenge unter denselben Bedingungen ausgeführter Vergleichsversuch ergibt 1, 55 g Polymer. Die Gewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, beträgt also 840%.
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stilliertem Methylmethacrylat zusammengebracht. Der Kolben wird 90 Minuten lang auf 70 C erwärmt.
Das Polymer wird sodann gefällt, gewaschen und getrocknet. Man erhält davon 4,87 g.
Ein unter denselben Bedingungen, jedoch mit 1, 08 g Polyäthylen ausgeführter Blindversuch ergibt 1, 29 g Polymer. Die Gewichtszunahme durch Pfropfuhg, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten. Polymers, ist also 331%.
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Ein unter denselben Bedingungen, jedoch mit 1, 07 g Polyäthylen ausgeführter Blindversuch zeigt nach 5stündiger Reaktionsdauer keinerlei Gewichtssteigerung. Die Nettogewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, beträgt also 493%.
Beispiel 17: In einen 300 cm3 Autoklaven werden 3 g -O-NO2-Gruppen enthaltendes, nach Beispiel 14 hergestelltes Polyäthylen eingeführt. Das Polymer wird mit 85 g Butadien zusammengebracht und das Reaktionsmedium 23 Stunden auf 700C erhitzt. Das Polymer wird hierauf gewaschen und getrocknet.
Man erhält davon 4,34 g.-
Ein unter denselben Bedingungen, ausgehend von 3 g Polyäthylen, ausgeführter Blindversuch zeigt nach 23stündiger Reaktionsdauer keinerlei Gewichtserhöhung. Die Gewichtszunahme durch Pfropfung, bezogen auf das Gewicht des eingesetzten Polymers, beträgt also 44, 6%.
PATENTANSPRÜCHE ;
1. Verfahren zur Herstellung von Pfropf- oder Blockpolymeren bzw. Copolymeren, aus Polymeren bzw. Copolymeren und polymerisierbaren Verbindungen, dadurch gekennzeichnet, dass man Salpetersäuregruppen -O-NO2oder Salpetrigsäuregruppen-O-NO in Polymere bzw. Copolymere einführt, woraufman die so erhaltenen Polymere zusammen mir einer oder mehreren polymerisierbaren Verbindungen unter Wärmeeinwirkung einer Copolymerisation unterwirft.