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Verfahren zum Beizen von Pflanzensamen
Die Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, deren Erreger durch Blüteninfektion oder auf einem andern Weg ins Innere des sich bildenden Samens kommen, war bisher dadurch erschwert, dass der Erreger so nahe am Embryo lag, dass jedes, tief einwirkende Bekämpfungsmittel auch die Keimfähigkeit des Embryo zerstörte bzw. schädigte.
Die für die Landwirtschaft wichtigsten Krankheiten dieser Art, der Flugbrand der Gerate (Ustilagonuda)
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der Flugbrand des Weizens (Ustilago tritici) konnten erfolgreich mlr mit der sogenanateu Heiss- bzw.werden. Die umständliche Durchführung dieser Beizung, wie Vorquellen, genaue Einhaltung der hohen Temperatur und Rücktrocknung, erfordert ein geschultes Personal sowie eine kostspielige Apparatur und ist deshalb für die allgemeine Praxis nicht anwendbar. Bei geringer Abweichung von genau festgelegten Beizvorschriften können untragbare Keimschäden auftreten.
Bei der Beizung mit chemischen Mitteln, bei denen keine zusätzliche Wärme notwendig ist, wie z. B. mit Tetrachlor-p-benzochinon, benötigt man bis zu 48 Stunden Tauchzeit, um den in Wasser gelösten Wirkstoff bis zum Erreger eindringen zu lassen. Der Bekämpfungserfolg und die Keimschädigung werden unterschiedlich beurteilt. Diese und ähnliche Behandlungen mit langen Tauchzeiten, oft bis zu 72 Stunden, erfordern ebenso wie die Warmwasserbeizung eine sorgsame Rücktrocknung, bei der aber trotzdem noch Keimschäden auftreten können.
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schlossenen, gasdichten Kammern beschrieben. Abgesehen davon, dass eine solche Beizung nicht die Witkung wie eine Tauch-oder Benetzungsbeizung hat, ist das in dieser Patentschrift beschriebene Verfahren mit erheblichem technischem Aufwand verbunden (gasdichte Kammern).
Ausserdem muss bei diesem Verfahren schon bei Temperaturen, die nur wenig unter 200C liegen, zusätzlich Wärme zugeführt werden, um eine ausreichende Verdampfung des Methanols zu erreichen. Geschieht dies nicht, so müssen die Kammern evakuiert werden. Diese Massnahme setzt druckfeste, Behälter voraus und bringt eine weitere Komplizierung des Verfahrens mit sich.
Die Bekämpfung mit Röntgenstrahlen, Ultraschall usw. ist für die Praxis unrentabel und im grossen Massstabe undurchführbar. Der landwirtschaftlichen Praxis stond demnach bis jetzt noch kein einfach anwendbares Verfahren zur Beizung gegen im Samen befindliche Krankheitserreger zur Verfügung.
Es wurde nun gefunden, dass absolutes oder. mindestens 40'igues, wässeriges Methanol ein ausgezeichnetes, im Benetzungs-, Schlämm-, Kurznassbeiz- oder Tauchverfahren verwendbares Beizmittel darstellt.
Das absolute oder wenigstens age Methanol kann gegebenenfalls in Mischung mit andern Beizmitteln und bzw. oder Bekämpfungsmitteln für ím Pllanzensamen befindliche Krankheitserreger oder inerten Verdünnungsmitteln verwendet werden. Besondere Erfolge werden bei der Bekämpfung des Gerstenflugbrandes (Ustilago nuda) erzielt, von welchem selbst stark befallenes Saatgut (z. B. bis zu 13% infiziert) befallsfrei gemacht werden konnte. Die Keimfähigkeit von Gerste leidet im Tauch- oder Benetzungsverfahren bei Zimmertemperatur erst bei Behandlungszeiten von mehr als 9 Stunden. Arbeitet man bei tieferen Temperaturen als etwa 20 C, so verträgt das Getreide eine noch längere Einwirkungszeit.
Für einen Bekämpfungserfolg ohne Keimschädigung reicht aber bereits eine Beizdauer von 3 Stunden aus. Der Wassergehalt
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des verwendeten Methanols ist abhängig von der aufgewendetenGesamtmenge. Bei einer für die Benetzung aufgewendeten Menge von 3% (3 Liter Lösung pro 100 kg Getreide) ist eine 40% igue wässerige Methanollösung noch voll wirksam. Bei einer zur Benetzung aufgewendeten Menge von 2% (2 Liter Lösung pro 100 kg Getreide) ist eine 75% igue wässerige Methanollösung noch gut wirksam.
Für die Benetzungsbeize wird das Saatgut mit der Beizlösung in der erforderlichen Menge und Konzentration (z. B. mittels einer Giesskanne) besprengt und anschliessend gründlich umgeschaufelt. Die Kurznassbeize kann üblicherweise so durchgeführt werden, dass das Getreide in eine drehbare Trommel gefüllt, mit der Beizlösung versetzt und anschliessend durch Drehung der Trommel mit dieser benetzt wird. Bei Anwendung der Tauchbeize wird das Saatgut in dünnem Strahl in einen mit Sacktuch ausgenähten Korb geschüttet, der in der Beizlösung steht und nach einiger Zeit herausgenommen wird. Das Schlämmverfahren arbeitet wie das Tauchverfahren, nur wird hier das Saatgut zusätzlich in aer Beizlösung bewegt.
Die zur Durchführung des erfindungsgemtssen Verfahrens erforderliche Beizmenge ist so gering, dass eine Trocknung des Getreides nicht notwendig ist. Die Gefahr der Schädigung der Keimfähigkeit ist unbedeutend. Es ist nicht notwendig, Energie zuzuführen ; das Verfahren arbeitet vielmehr auch bei Temperaturen, die wesentlich unterhalb Zimmertemperatur liegen (z. B. bei +6 C). Bei Anwendung des Verfahrens nach der Erfindung werden auch andere Krankheitserreger, die sich äusserlich am Samen oder unter den Spelzen befinden, wie Fusarien, Helminthosporien u. a. abgetötet, so dass sich die Zugabe oder nochmalige Beizur. g mit andern Beizpräparaten erübrigt.
Das behandelte Saatgut kann infolge der Flüchtigkeit der angewendeten Mittel für eine Verfütterung ohne nachfolgende Waschung oder sonstige Reinigung verwendet werden. Die Einfachheit des Beizvorganges gestattet es, dass jeder Betrieb, der mit einer handelsüblichen Beiztrommel ausgestattet ist, die Beizung vornehmen kann.
Die Betriebs-und Autwandkosten sind bei der Verwendung von Methanol, gegenüber der Heisswasserbeize, um mehr als die Hälfte verringert.