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Österreichische PATENTSCHRIFT Ni--17759. RAVENSCHLAG'scHE MECHANISCHE KRATZENFABRIK
IN, AUGSBURG.
Volantkratzenbeschlag.
Die Schwierigkeit der Beobachtung der arbeitenden Teile schnell laufender Spinn- maschinen lässt die Unsicherheit des fachmännischen Urteil über die Wirkungsweise gewisser Arbeitsteilo erklärlich erscheinen. Das ist der Grund, warum die Bauart solcher Maschinen vielfach von der praktischen Erfahrung geleitet wird.
In hervorragendem Masse gilt dieses von dem sogenannten Volant der Krempel, welcher infolge seiner grossen Arbeitsgeschwindigkeit nicht nur sich der Beobachtung während des Arbeitsganges gänzlich entzieht, sondern auch wegen der Geringfligigkeit seiner die Lage der Wol1fäserchen auf dem
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geringe Formänderung der Kratzenzähne die Wirkung in einem unerwünscht hohen Grade zu beeinflussen. Man begegnet daher in der Spinnereitechnik obensovielen verschidenen Meinungen, als verschiedenen Formen der Kratzenzähne des Volants.
Während die so- genannten #Arbeiter" ein teilweise Herausholen und Wiederabgeben der Wolle von dem
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Arbeit zu verrichten haben, die sich bei einer versuchsweisen, langsamen Arbeitsbewegung leicht beobachten lässt, und während bei diesem langsamen Versuche die Arbeiter und Wender ziemlich dieselbe Wirkung ausüben, wie beim ordnungsmässigen schnellen Betriebe, so besteht die Aufgabe des Volants lediglich darin, den Flor zu lockern und auf die Spitzen der Tambourkratzenzähne zu schieben, damit er leichter von dem Abnehmer abgehoben werden kann.
Wollte man diesen, zwischen dem Volant und dem Tambour sich vollziehenden Arbeitsvorgang versuchsweise durch eine langsame Bewegung dieser beiden Teile herbeiführen, um ihn deutlich beobachten zu können, so würde man ein irreführendes Bild bekommen, weil bei der ausserordentlich schnellen Umdrehung des Volants zwei Ur-
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fehlen, nämlich die Zentrifugalkraft und der Luftzug.
Die Volantzähne sind stets, sowohl bei den bisher bekannt gewordenen Ausführungs-
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Wirkung aus gegen die Zähne des Tambours. Der der schnellen Bewegung der Walzen folgende Luftumlauf übt hiebei zugleich eine saugende Wirkung auf den Flor an der Austrittsstelle aus. Es werden sich also zweifellos, obwohl sich das durch die Beobachtung, wie schon erwähnt, kaum bestätigen lässt und nur mit. grosser Sicherheit ver- muter werden kann, die peitschende Bewegung der dünnen Volantkratzenzähne und der Luftzug gegenseitig in der Wirkung unterstützen.
Durch erstere wird der Flor eine geringe
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Tambourkratzenzähne auftreffen, während der Luftzug immer nur in einer und derselben Weise zur Wirkung gelangen kann, dass er behilflich ist, den Flor nach aussen zu ziehen.
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gezeichnet ist. Die Drehrichtung der beiden Walzen ist durch Pfeile angedeutet.
Fig. 1 zeigt eine der bekannten Ausführungsformen des Volantkratzenzahnes von geradliniger Form mit einer sehr schrägen Neigung gegen den Radius r des Volants. Es scheint nun hier die Spitze des Volantzahnes v dem eigentlichen Arbeitszwecke, die auf dem Kratzenzahn t steckenden Wollfäserchen zu lockern, nicht zu entsprechen, sondern im Gegenteil dieselben zusammenzudrucken. Wenn trotzdem eine befriedigende Wirkung eintritt, so ist diese wohl mehr auf den Einfluss des Luftzuges zu schieben.
Nicht viel anders erscheint die Wirkung eines in Fig. 2 dargestellten Kratzenzahnes von kurvenartiger Gestalt. Auch ein solcher Kratzenbeschlag wird wohl nur eine vordichtende, nicht aber eine lockernde Wirkung auf den Flor ausüben. Der einzige Unterschied zwischen den beiden in Fig. 1 und 2 dargestellten Zahnformen könnte allenfalls darin gesucht werden, dass der Zahn nach Fig. 2 einen weicheren Anschlag gegen die Tambollrzähne ausführt, da die Zentrifugalkraft ihn nicht nur wie den Zahn bei Fig. 1 aufzurichten strebt, sondern ihn auch aus seiner ursprünglich gekrümmten Form mehr in die gerade Form hineinzuzwängen sucht.
An dieser mangelhaften Wirkungsweise ändert sich im wesentlichen auch dann nichts, wenn, wie ebenfalls vorgeschlagen worden ist, der Volantkratzenzahn v' (Fig. 1 und 2) nahe bei seinem Fussende eine Kniebiegung besitzt.
Diese Kniebicgung konnte höchstens den Erfolg haben, dass ein Teil der durch die Zentrifugalkraft erzeugten Streckung des Zahnes verloren geht, der Anschlag also härter, der
Zahn selbst starrer, steifer wird.
Soll ein wirkliches Lockern und Sammeln des Flores an den äussersten Spitzen des Tambourkratzenbeschlages stattfinden, so muss der Volantzahn eine Form haben, welche in Fig. 3 dargestellt ist und den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildet. Dieser Zahn vereinigt die Weichheit und Nachgiebigkeit des Anschlages mit einem wirklichen mechanischen Eingreifen der Volantkratzenzähne in den Flor. Der neue Zahn ist selbstverständlich ebenfalls wie alle bekannten Volantkratzenzähne in der der Bewegungsrichtung des Volants entgegengesetzten Richtung schräge gestellt (rückwärts geneigt), sein äusserstes Spitzenende aber hat eine ein wenig gebogene Knieform, u. zw. ist die Spitze in der Bewegungsrichtung des Volants, also nach vorn gebogen.
Diese Gestaltung hat die Wirkung, dass die Spitze des Volantzahnes tatsächlich in den Flor hineinsticht und bei dem gemeinsamen Weiterlaufen mit dem Kratzenzahn des Tambours infolge seiner schnelleren Bewegung den Flor nach vorn zieht. Die Zentrifugalkraft wirkt hier allerdings auch aufrichtend auf den Zahn, hilft aber nicht, wie bei den bekannten Ausftihrungsformen nach Fig. 1 und 2, den Flor verdichten, sondern die Zahnspitzen zwischen die Tambourzähne hineinzuschieben und den Flor im lockeren Zustande nur zu heben.
Ein anderer, ebenso wesentlicher Vorteil dieser neuen Kratzenform besteht noch darin, dass die Zähne nur mit der äussersten Spitze, mit ihrem Endpunkte auf die Zähne des Tambours auftreffen können, während die Zähne nach Fig. 1 und 2 mit ihrer flachen Seite gegen die Rückenfläche des Tambourzahnes schlagen und daher einem ausserordentlich schnellen Verschleiss aus- gesetzt sind.
Fig. 4 stellt einen Volantkratzenbeschlag der neuen Art im Längsschnitt dar. Die
Kratzenzähne sind in bekannter Weise auf einer aus Leder oder Stoff bestehenden Unter- lage befestigt.