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Verfahren zur Herstellung von lunstmassen aus Polyvinylchlorid.
Die Verformung von Polyvinylchlorid, das bei den verschiedenen Polymerisationsverfahren als Pulver oder in gröberen amorphen Massen anfällt, auf Pressmassen, wie Folien u. dgl., hat bisher nur
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Anlehnung an die Durchführung der Verarbeitung von verschiedenen andern Kunstmassen, wie z. B.
Nitrocellulose oder Celluloid, hat man dabei bisher zwar in den Verarb ? itungsvorrichtungen, wie Kalandern oder Pressen, hohe Drucke angewendet, man ist aber bezüglich der Temperaturen bei denjenigen verblieben, welche bai den üblichen Vorrichtungen gebräuchlich waren und für die Verformung des Pjlyvinalehlorids gerade ausreichten und beispielsweise bei der Verarbeitung von Cllluloid aus Gründen der Sicherheit nicht gesteigert werden durften. Da ausserdem das Polyvinylchlorid bei länger andauernder Erhitzung auf Temperaturen von wesentlich über 100 eine langsame Zrsebung unter Verfärbung erfährt, insbesondere dann, wenn die Produkte nicht von sehr hoher Reinheit sind,
haben auch von dieser Seite her starke Bedenken gegen die Zulässigkeit der Anwendung höherer Temperaturen geherrscht.
E, wurde wohl bereits vorgeschlagen (Patentschrift Nr. 142586), die Sprödigkeit von Produkten aus Polyvinylchlorid dadurch zu verringern, dass man diese Kunstmassen auf erhitzten Walzen zu Walzhäuten auszieht und diese senkrecht oder im Winkel zur Walxrichtung übereinanderschichtet und dann unter Druck und Hitze verschweisst. Dabei haben aber die einzelnen Walzhäute eine Verbesserung der Festigkeit nur senkrecht zur Zugrichtung erfahren.
Weiterhin ist vorgeschlagen worden (deutsche Patentsehrift Nr. 629019), Hohlkörper durch Aufwickeln von Folien aus Polyvinylchlorid unter Spannung auf einem geheizten Dorn herzustellen, wobei Temperaturen in Höhe von etwa 90 bis 1200 angewendet werden. In dieser Patentschrift ist auch beschrieben, dass sich Pdlymerisationsprodukte auf der Basis von Vinylehlorid auf heissen Walzen in trockenem Zustande kontinuierlich zu glatten, dünnen Fellen von gleichmässiger Stärke auswalzen lassen (S. 1, Abs. 1).
Es wurde nun gefunden, dass eine schnelle und erhebliche Temperatursteigerung über die bisher als zulässig erachtete Grenze hinaus bei gleichzeitiger Anwendung von Druck zu einem ganz überraschenden Ergebnis führt. Es tritt bei schneller Erhitzung des z. B. in Pulverform auf Kalander mit einer Arbeitstemperatur von etwa 1500 aufgetragenen Polyvinylchlorids vom Polymerisationsgrad mit dem K-Wert 60 fast plötzlich eine fortschreitend die Masse erfassende Umwandlung ein, die dazu führt, dass auf dem Kalander eine Folie entsteht, welche vom Kalander abgezogen werden kann und durchsichtig ist, dabei eine sehr hohe Biegsamkeit und Dehnbarkeit auf weist. Zersetzungserscheinungen sind hiebei trotz der Höhe der Temperatur nicht festzustellen.
Folien mit diesen Eigenschaften können in der Dicke von einigen Millimetern hergestellt werden, dünnere Folien können entweder unmittelbar oder durch weiteres Auswalzen stärkerer Folien bei Temperaturen unterhalb wie auch oberhalb der Herstellungstemperatur gewonnen werden. Folien dieser Art können an den meisten der Stellen angewendet werden, an denen eine biegsame durchsichtige Folie verlangt wird, die sich vor andern organischen Kunststoffen durch völlige Unbrennbarkeit auszeichnet und für alle Zwecke verwendbar ist, für die bisher aus Lösungsmitteln gegossene Folien aus plastischen Stoffen verwendet werden.
Es ist wohl aus der britischen Patentschrift Nr. 419826 bekannt, Filme, Fäden u. dgl. aus Polyvinylverbindungen durch Erhitzen in den plastischen Zustand zu versetzen und hierauf einer Streckung zu unterwerfen, wobei die genannten Gebilde im gestreckten Zustand abgekühlt werden. Im Gegensatz
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dazu führt das erfindungsgemässe Verfahren, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Erhitzung weitergetrieben wird als zur Erreichung der Plastizität erforderlich ist, unmittelbar zu Gebilden von ausgezeichneter Festigkeit.
Weiterhin kann unter den erfindungsgemässen Arbeitsbedingungen eine Verpressung des Polyvinylchlorids zu Gegenständen des täglichen Bedarfs vorgenommen werden. Bei der Herstellung von solchen Körpern, welche eine grössere Masse besitzen, wie z. B. Rohre u. dgl., wird vorzugsweise eine Vorbehandlung des pulverförmigen Polyvinylchlorids in der Weise durchgeführt, dass es zunächst unter Erhitzen in einer Knetmaschine oder Schnecke oder aber auch auf dem Kalander plastisch gemacht wird, wobei gleichzeitig etwaige Lufteinschlüsse entfernt werden. Das noch heisse und zähflüssige Material wird dann in die Presse eingebracht und bei einer Temperatur, die bei einem Polyvinylchlorid vom Polymerisationsgrad 60 bei ungefähr 1500 liegt, in die gewünschte Form gebracht.
Für die Verformung kann ausser einer Rohrpresse auch jede beliebige andere Pressform benutzt werden, ebenso kann das Material durch Spritzguss verarbeitet werden.
Die Verarbeitungstemperatur ist abhängig vom Polymerisationsgrad des Polyvinylchlorids.
Das Polyvinylchlorid vom K-Wert 60 wird vorzugsweise bei Temperaturen von etwa 1500 unter Druck verformt ; diese Temperatur ist zu erhöhen, wenn höher polymerisiertes Vinylchlorid verarbeitet wird, sie erniedrigt sich, wenn man von Polymerisaten geringerer Molekülgrösse ausgeht. Durch einen einfachen Vorversuch lässt sich in jedem Falle die geeignetste Temperatur herausfinden. Da aber diese Temperatur in der Nähe des Temperaturbereichs liegt, in welchem Zersetzung des Polyvinylchlorids eintreten kann, empfiehlt sich eine möglichst schnelle Verarbeitung. Man erhält dann glasklare, farblose oder höchstens schwach gefärbte Formlinge, die eine überraschend hohe Festigkeit gegen Druck und Schlag und eine gute Elastizität besitzen. Unter Erwärmen bis auf den Erweichungspunkt kann eine weitere Verformung vorgenommen werden.
Eine mechanische Bearbeitung der Pressstücke usw. kann, je nach ihrer Art, bei gewöhnlicher Temperatur oder in der Wärme stattfinden.
Durch Mitverwendung von Pigment oder löslichen Farbstoffen können gefärbte Produkte erhalten werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Kunstmassen aus Polyvinylchlorid durch Behandlung desselben bei höheren Temperaturen und hohen Drücken, dadurch gekennzeichnet, dass man das Polyvinylchlorid in Pulverform oder gröberen Stücken unter schneller Erwärmung bei Temperaturen oberhalb etwa 1400 verformt.