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Verfahren und Vorrichtung zur Entnikotinisierung von gebrauchsfertigen Tabakfabrikateu.
Für die Entnikotinisierung von Tabak wurden bisher folgende Mittel vorgeschlagen : hohe Temperatur, welche zumeist unter Vermittlung von überhitztem Wasserdampf zur Einwirkung gelangt (siehe z. B. Patentschrift Nr. 124286), Ammoniakatmosphäre (siehe z. B. Patentschrift Nr. 124049, deutsche Patentschrift Nr. 479095) und Extraktionsmittel (siehe z. B. deutsche Patentschrift Nr. 301439) oder mehrere dieser Mittel gemeinsam (siehe amerikanische Patentschrift Nr. 1577 768).
Es hat sich nun gezeigt, dass diese Mittel insbesondere bei hellfärbigen Orienttabaken verschiedene Nachteile aufweisen.
Hohe Temperaturen über 100 C bewirken z. B. eine Dunkelfärbung des Tabaks, während konzentrierte Ammoniakdämpfe den Tabak grün färben. Extraktionsmittel entfernen aus dem Tabak nicht nur das Nikotin, sondern auch die für einen Tabak charakteristischen Riechstoffe, wobei die Extraktionsmittel selbst aus dem extrahierten Tabak schwer zur Gänze entfernt werden können und meist einen unerwünschten üblen Geruch hinterlassen.
Es hat sich nun die überraschende Tatsache ergeben, dass eine weitgehende Entnikotinisierung des Tabaks ohne Verfärbung desselben und ohne Verlust an Aroma mit feuchter Luft im Überschuss möglich ist, welche geringe Mengen von Ammoniak enthält.
Ammoniak ist für das Verfahren nur in der dem Nikotingehalt des Tabaks entsprechenden theoretischen Menge erforderlich. Da jedoch die Luft in einem grossen Überschuss vorhanden ist, so wird im Betrieb ein zwei-bis dreifacher Überschuss gegenüber der theoretisch zur Umsetzung der Nicotinsalze erforderlichen Menge, d. i. durchschnittlich etwa 200 g NHg in etwa 300.000 l feuchter Luft pro Stunde, angewendet.
Hiebei sind Temperaturen unter 100 C, vorzugsweise zwischen 50 und 900 C, ausreichend.
Das Verfahren unterscheidet sich auch wesentlich von jenen bekannten Entnikotinisierungsverfahren, bei welchen der Tabak mit alkalischen Flüssigkeiten bespritzt wird. Hiebei ergeben sich Flecken auf dem Tabak, ohne dass es möglich ist, bei niedriger Temperatur eine gewünschte weitgehende Umsetzung der Nicotinsalze zu erzielen.
Zweckmässig kommen gemäss der Erfindung Luftmengen von etwa dem zweihundertfachen Volumen des Tabaks pro Minute zur Verwendung. Nach der Entnikotinisierung wird der Tabak einer gründlichen Durchlüftung behufs Entfernung der letzten Reste von Ammoniak unterworfen.
Das erfindungsgemässe Verfahren wird zweckmässig mit einer Vorrichtung ausgeübt, die im wesentlichen aus einem Behälter besteht, der durch eine Zwischenwand in zwei Kammern geteilt ist. Durch einen gemeinsamen Kanal wird in die Kammern von unten das zum Entnikotinisieren erforderliche Gemisch aus erhitzter feuchter Luft und Ammoniak eingeblasen und oben durch einen gemeinsamen Kanal abgesaugt. In den Kammern sind Winkeleisenrahmen zur Aufnahme der tabakgefüllten Horden beweglich angeordnet, so dass jede einzelne Horde in der einen Kammer abwärts an der Einblasöffnung vorbei und in der zweiten Kammer nach aufwärts geführt werden kann. Unterstützt durch den Kreislauf der Horden kann das Ammoniak-Luft-Gemisch eine durchgreifende Entnikotinisierung des Tabaks bewirken.
Auf der Zeichnung ist die erfindungsgemässe Vorrichtung in einer beispielsweisen Ausf'ührungsform dargestellt.
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Fig. 1 ist ein lotrechter Mittelschnitt nach der Linie 1-1 der Fig. 2, Fig. 2 ein Horizontalschnitt nach der Linie 11-11 der Fig. 1, Fig. 3 ein lotrechter Schnitt nach der Linie 111-111 der Fig. 2, Fig. 4 ist eine Draufsicht, Fig. 5 ein Detailschnitt nach der Linie V-V der Fig. 4.
Innerhalb der Aussenwände 1 des schrankartigen Behälters, die zur Verhinderung von Wärmeverlusten mit geeigneten Isolierschichten versehen sind, befinden sich zwei lotrechte schmiedeeiserne Schächte 2 mit rechteckigem Querschnitt, in denen der Antriebsmechanismus 9 für die Horden untergebracht ist. Der dadurch entstehende Mittelraum ist durch eine Zwischenwand 8 in zwei Kammern.'3 geteilt, von denen jede mit einer luftdicht schliessenden Tür 4 versehen ist. Die Schächte 2 sind gegen den Mittelraum zu mit Schlitzen 5 versehen, in denen Winkeleisenrahmen 6, welche zur Aufnahme der Horden dienen, durch Rollen 7 in den Kammern. 3 aufwärts bzw. abwärts bewegt werden.
Ein im Raum 16 angebrachter Ventilator 15 drückt das Gemisch von feuchter Luft und Ammoniak an dem Erhitzer 12, in dem eine geteilte Heizschlange 13 untergebracht ist, vorbei in den Kanal 27, der durch eine Scheidewand 11 in zwei Teile geteilt ist. Die in dem Kanal 27 angeordneten Klappen 10, die von aussen durch Hebel einstellbar sind, dienen zur gleichmässigen Verteilung des Luft-Ammoniak-Gemisches in den Kammern. 3. In den Absaugkanal 26 mündet ein U-förmig gebogenes Rohr 17, welches nach abwärts zum Ventilator 15 führt (Fig. 5). An der Einmündung des U-förmig gebogenen Rohres 17 in den Kanal : 36 befindet sich eine Drehklappe M, durch die das Verhältnis zwischen Frischluft und verbrauchtem Gemisch während des Arbeitsganges geregelt werden kann.
In den Raum 26 mündet die Rohrleitung 20 zum Abführen des verbrauchten Gemisches. In das U-förmige Rohr 17 mündet ein Stutzen 19, durch den Frischluft angesaugt wird. Das Abführen des verbrauchten Gemisches wird durch eine Drehklappe 21, die Zufuhr von Frischluft durch ein Ventil 22 geregelt. Beide können unabhängig voneinander betätigt und in beliebiger Lage festgestellt werden.
In dem U-förmig gebogenen Rohr 17 ist knapp vor der Ansaugöffnung des Ventilators 15 ein Sprühring 25 eingebaut, durch welchen das für den Prozess notwendige Ammoniak eingeblasen wird. Im Erhitzer 12 befindet sich zwischen der Heizschlange 13 ein Sprührost 14, durch den der nötige Wasserdampf zugeführt wird.
Zu Beginn des Prozesses wird der Antriebsmechanismus, der die Horden bewegt, eingeschaltet ; die Klappe 21 und das Ventil 22 sind geschlossen. Die Drehklappe. 18 ist vollkommen geöffnet. Die in der Vorrichtung enthaltene Luft wird vom Ventilator 15 aus den Kammern 3 angesaugt und über den Erhitzer 12 wieder eingeblasen. Ist durch diese Innenzirkulation die nötige Temperatur erreicht worden, welche durch einen im Kanal 27 eingebauten Thermostat 25 selbsttätig regelbar ist, wird durch den Sprührost 14 Wasserdampf zugeführt. Dann werden die Klappe 21 und das Ventil 22 geöffnet, die Drehklappe 18 entsprechend dem gewünschten Verhältnis zwischen Frischluft und verbrauchtem Gemisch eingestellt und durch den Sprühring 24 gasförmiges Ammoniak zugeführt.
Der Ventilator 15 saugt nun durch den Stutzen 19 Frischluft an, welcher durch den Sprühring 24 die entsprechende Menge Ammoniak zugesetzt wird, und drückt dieses Gemenge durch den Erhitzer 12, in welchem durch den Sprührest 14 noch Wasserdampf zugeführt wird. Das verbrauchte nicotinhältige Gemisch strömt durch den Stutzen 20 ins Freie oder wird je nach Bedarf durch entsprechende Einstellung der Drehklappe 18 teilweise in den Arbeitsgang zurückgeführt.
Es erscheint wesentlich, dass die feuchte Luft und das Ammoniakgas beim Eintritt in die Vorrichtung vor dem Zusammentreffen mit dem Tabak gründlich gemischt werden. Dies kann entweder, wie beschrieben, durch ein Gebläse oder aber in besonderen vorgeschalteten Mischkammer erfolgen.
Das erforderliche Luft-Ammoniak-Gemisch kann vorteilhaft auch in der Weise erhalten werden, dass man in einem Rieselturm wässriges Ammoniak über einen Verteiler einem erwärmten Luftstrom entgegenführt.
Das erfindungsgemässe Verfahren kann weiters durch Einführung eines Gemisches von feuchter Luft und Ammoniak in Entnikotinisierungsschränke erfolgen, die in einzelne Kammern unterteilt sind und in welchen die mit Tabak beschickten Horden einzeln dem Gemisch ausgesetzt werden. Das Verfahren kann aber auch nach Art einer Kanaltrocknung erfolgen, indem zweckmässig der Tabak auf einem laufenden Band dem Gemisch von feuchter Luft und Ammoniak entgegengeführt wird.
PATENT-ANSPRUCHE :
1. Verfahren zur Entnikotinisierung von gebrauchsfertigen Tabakfabrikaten unter Verwendung von erwärmtem, feuchtem Ammoniak, dadurch gekennzeichnet, dass die Tabakfabrikate mit feuchter Luft unter 100 C, vorzugsweise zwischen 50 und 90 C, im Überschuss behandelt werden, welche Ammoniak in einem etwa 2-3fachen Überschuss der zur Umsetzung der Nicotinsalze theoretisch erforderlichen Menge enthält.