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Teppiche, Decken, Matten u. dgl. Erzeugnisse und Verfahren zu deren Herstellung.
Die Erfindung bezieht sich auf Teppiche, Matten, Decken u. dgl. und insbesondere auf das Appretieren der Rückseite von solchen Erzeugnissen.
Es ist allgemein üblich, auf die Rückseite von Teppichen mittels einer 10-15% igen wässrigen Lösung von gekochter Stärke einen Überzug oder Appret aufzubringen. Die gekochte Stärkelösung wird im allgemeinen auf die Rückseite von Teppichen, Decken u. dgl. bei einer Temperatur von rund 820 C aufgebracht und bildet beim Trocknen eine steife Appretur, welche dem Teppich bzw. der Decke den gewünschten Grad von Festigkeit, Härte und Körper verleiht. Die Appretur springt jedoch während der Benutzung ab und wird beim Waschen gelöst, wobei der Teppich oder die Decke eine unerwünscht geschwächte und schlaff Beschaffenheit annimmt. Ferner verwendet man bisweilen Latex mit einem Gehalt an festen Kautschukbestandteilen von 35-60% zur Appretierung und Versteifung der Rückseite und in manchen Fällen auch zum Befestigen der Haare.
Ein derartiges Appretierungsmittel besitzt nicht die Steifheit und Starrheit einer Stärkeappretur, bleibt aber während der Benutzung und des Waschens des Teppichmaterials in zufriedenstellender Weise auf dessen Rückseite haften. Mischungen von gekochter Stärke und Latex in gleichen Verhältnissen haben gleichfalls als Appretierungsmittel für Teppichrückseiten Anwendung gefunden, doch tritt ebenso wie bei der Verwendung von gekochter Stärke allein ein Abspringen einer derartigen Appratur bei Beanspruchung auf Biegen und ein Abstäuben ein, da der Kautschuk nicht imstande ist, das aus Stärke bestehende Versteifungsmittel an den Fasern der Unterseite festzuhalten.
Bei der Herstellung des bisher verwendeten Appretierungsmittels, sei es, dass es allein oder, wie oben beschrieben, mit Latex vermischt zur Anwendung gelangte, werden die aus Kohlehydraten bestehenden Substanzen, wie Stärke, Dextrine u. dgl., in Gegenwart von Wasser bei erhöhten Temperaturen peptisiert, gleichgültig, ob man vorher ein Aufquellen der Kohlehydrate in Wasser bei Zimmertemperatur stattfinden liess oder nicht. Beispielsweise beschränkt sich die Veränderung, die Stärkekörner in kaltem Wasser zeigen, darauf, dass ein Anwachsen ihrer Grösse stattfindet, ohne dass jedoch ihre äussere Haut oder Umhüllung zerstört wird.
Wenn das in Wasser aufgequollene Korn oder das normale ungebrochen Korn während verschieden langer Zeitabschnitte der Einwirkung erhöhter Temperatur unterworfen wird, wie dies bei der Herstellung von gekochter Stärke geschieht, so hat dies ein Zerreissen der Zellwand zur Folge, und das Amylopektin kann in die wässrige Phase diffundieren und eine kolloidale Dispersion des Inhaltes der Körner hervorrufen. Wenn daher beispielsweise eine derartige kolloidale Dispersion von peptisierter Stärke mit Latex gemischt wird, so wandern die dispergierten Stärkepartikel zusammen mit den dispergierten Kautschukpartikeln durch die wässrige Phase und umschliessen und umhüllen diese Partikel.
Demnach werden, wenn Filme, die aus einem solchen Latexsystem gebildet sind, entwässert werden, wie dies bei der Trocknung eines Teppichapprets der Fall ist, die charakteristischen Merkmale der äusseren, aus Stärke betehenden Phase über die wahre, biegsame kautsehukartige Beschaffenheit der Latexpartikel überwiegen, welche unterhalb einer solchen äusseren Phase oder eines solchen Überzuges gelagert sind. Dieses Verhalten drückt sich in einer vergrösserten Steifheit, Härte und Starrheit aus, die durch die Stärke hervorgerufen wird, hat aber ein Brechen bei Beanspruchung auf Biegen zur Folge.
Mit andern Worten, eine solche Mischung besitzt alle Eigenschaften einer Stärkeappretur, sowohl die guten als auch die schlechten, und nur sehr wenige von den wünschenswerten Eigenschaften, welche
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mit der erhöhten Biegsamkeit von Kautschuk Hand in Hand gehen, da der letztere in Form einzelner isolierter oder gesonderter Kautsrhukpartikel unter der Oberfläche gelagert bleibt.
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charakteristisch ist, bei dem aber anderseits die Stärke in solcher Weise an die Rückseite des Teppiche gebunden ist, dass sie beiBeanspruchungen auf Biegen nicht abspringt, und der zusätzlich auch die Vorteile einer Kautschukappretur besitzt, die in erhöhter Biegsamkeit, festem Anhaften, Wasserundurchlässigkeit festem Aufruhen auf dem Boden ohne zu gleiten, u. dgl.
bestehen.
Die Erfindung gestattet, zur Herstellung eines Apprets für Teppiche u. dgl. ausserordentlich grosse Mengen von Kohlehydraten in ein Latexsystem einzuverleiben, ohne dass die Biegsamkeit und die wahren Eigenschaften des Kautschuks bei dem fertigen Film nach dessen Trocknung nachteilig beeinflusst sind.
Dies wird dadurch erreicht, dass man die Peptisation der Kohlehydrate regelt oder ausschaltet, was zur Folge hat, dass nichtpeptisierte, obzwar in Wasser aufgequollene Kohlehydratkörner, deren äussere Haut sich noch in unzerrissenem Zustand befindet, in Kautschuk als kontinuierlicher Phase dispergiert in dem getrockneten Film vorhanden sind.
Teppiche, Decken, Matten u. dgl. Erzeugnisse gemäss der Erfindung sind dadurch gekennzeichnet, dass sie auf der Unterseite einem Überzug aus niehtpeptisierten Kohlenhydraten von der Art der Stärke und den festen Bestandteilen einer wässrigen Kautschukdispersion bestehenden Appret aufweisen.
Beispielsweise ist bei Verwendung von roher Stärke in Mischung mit Latex der Kautschuk des getrockneten Apprets in kontinuierlicher Phase vorhanden, und der Überzug besitzt sowohl alle Vorteile eines solchen Kautschukfilms als auch einige der wünschenswerten Eigenschaften der Stärkekörner ; es fallen jedoch die unerwünschten Eigenschaften, beim Biegen zu springen und zu brechen, weg. Kohlenhydrate, wie beispielsweise Stärke von Weizen, Korn, Reis, Tapioka, Kartoffeln, Pfeilwurzel (Arrowroot) u. dgl., werden entweder in der Form, in welcher sie normalerweise erhalten werden, oder-als Alelil in trockenem Zustand oder mit kaltem Wasser gequollen unmittelbar dem Latexsystem zugesetzt.
Keinesfalls ist es ratsam, eine Temperaturerhöhung vorzunehmen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Zellwände des unpeptisierten Kohlenhydratmaterials zerreissen. Diese Arbeitsweise bringt es ferner mit sich, dass man dem Latex grössere Mengen an Kohlenhydraten zusetzen kann, ohne auf die Kautsehukeigenschaften der gebildeten Appretur zu verzichten. Weiter ist damit der Vorteil geringerer Anlagekosten, leichterer und einfacher Durchführbarkeit und grösserer Wirtschaftlichkeit verbunden. Wenn diese Stoffe dem Latex zugesetzt werden, kann ein sehr schwaches Anwachsen der Viskosität beobachtet werden, doch ist ein derartiges Anwachsen der Viskosität in keiner Weise mit dem plötzlichen Anstieg der Viskosität und der Verdickungswirkung vergleichbar, die bei Verwendung der bekannten peptisierten Kohlenhydratlösungen oder-dispersionen auftritt.
Es können die verschiedenen wässrigen Dispersionen von Kautschuk, wie beispielsweise Latex oder künstliehe Dispersionen von rohem oder regeneriertem Kautschuk oder kautschukartigen Stoffen in Mischung mit den nichtpeptisierten Kohlenhydraten, wie beispielsweise roher Stärke, zur Verwendung gelangen. Diese Kautsehukdispersionen können auch in jeder gewünschten Weise mit Mischungsbestandteilen versehen sein. Vorzugsweise enthält die wässrige Dispersion Vulkanisationsmittel, so dass allenfalls eine Vulkanisation des Kautschuks in der Appretur während oder nach der Trocknung bewirkt werden kann.
Es können verschiedene natürliche Latiees zur Verwendung gelangen, beispielsweise normaler Latex oder ein Latex, der durch Abdampfen in der Hitze oder durch ein chemisches oder ein mechanisches Aufrahmungsverfahren, wie beispielsweise Zentrifugieren, konzentriert wurde, oder ein sogenannter vulkanisierter Latex.
Ausführungsbeispiel :
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<tb>
<tb> Kautschuk <SEP> in <SEP> Form <SEP> von <SEP> aufgerahmtem <SEP> Latex <SEP> mit <SEP> einem <SEP> Gehalt <SEP> an <SEP> festen <SEP> Bestandteilen <SEP> von <SEP> 60%........................................................... <SEP> 100 <SEP> Gew. <SEP> -Teile
<tb> Wasser <SEP> in <SEP> dem <SEP> Latexkonzentrat............................................... <SEP> 66 <SEP> "
<tb> Saponin..........................-..........-...."........................ <SEP> 4,
<tb> Wasser <SEP> (zum <SEP> Lösen <SEP> des <SEP> Saponins) <SEP> 36"
<tb> Paste <SEP> von <SEP> Wasser-8"
<tb> Paste <SEP> von <SEP> Schwefel <SEP> (gefällt) <SEP> 2"
<tb> Paste <SEP> von <SEP> Zinkoxyd <SEP> 3"
<tb> Paste <SEP> von <SEP> Kaliumhydroxyd...................................................
<SEP> 0'5 <SEP> "
<tb> Paste <SEP> von <SEP> Leim.............................................................. <SEP> M,
<tb> Rohe <SEP> Tapiokastärke <SEP> 170,
<tb> Wasser <SEP> (kalt) <SEP> 414"
<tb> Zinkdimethyldithiokarbamat <SEP> oder <SEP> Diphenylguanidin <SEP> 0'85,
<tb> Di-ss-naphtylparaphenylendiamin............................................. <SEP> " <SEP> 0'33 <SEP> "
<tb> Kaliumkresylat.............................................................. <SEP> 0'2 <SEP> "
<tb>
Eine derartige Mischung bildet einen geeigneten Überzug iür eine Teppichrüekseite, der einen grösseren Anteil von roher Stärke und einen kleineren Anteil von Kautschuk enthält.
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Es ist klar, dass man jeden gewünschten Grad von Viskosität, Konsistenz oder sichtbarer Fluidität des oben angegebenen Systems erhalten kann, indem man die Menge des verwendeten Wassers erhöht oder erniedrigt, wodurch sich der Gesamtgehalt an festen Bestandteilen entsprechend einstellt. Ferner können die wohlbekannten Verfahren zur Verdickung von Latexmischungen zur Anwendung gelangen oder Verdickungsmittel zugesetzt werden. Eine wirksame Methode, eine Erhöhung der Viskosität des oben angegebenen Systems zu erreichen, besteht in dem Zusatz einer kleinen Menge Tapiokastärke in peptisiertem Zustand, beispielsweise in dem Zusatz von 5 bis 30 Teilen von Tapiokastärke, die vorher in 45 bis 270 Teilen Wasser gekocht wurde.
Diese kleine Menge von gekochter Stärke bewirkt die erwünschte
Verdickung in dem kalten Latexsystem, die dazu dient, das Gewicht des aufgebrachten Apprets in ge- wilnsehter Weise zu regeln, ist jedoch nicht ausreichend, die Eigenschaften der getrockneten Appretur schädlich zu beeinflussen. Bei Teppichappreturen, die aus Mischungen gemäss der Erfindung hergestellt wurden, ist ein Brechen bei Beanspruchung auf Biegen oder ein Abstäuben des Kohlehydratmaterials oder ein Wieder-in-Lösung-Gehen, beispielsweise während desWaschens oder Abreibens der Decke od. dgl., nicht zu beobachten.
Selbst wenn ausserordentlich grosse Mengen an Stärke zugesetzt wurden, um der
Rückseite des Teppichs den gewünschten Körper zu verleihen, so weist doch ein derartiger Überzug ein kautschukartiges Aussehen auf ; die wünschenswerten Kautsehukeigenschaften : Biegsamkeit und festes
Aufliegen auf dem Boden, ohne zu gleiten, bleiben erhalten.
Unter Teppich"oder Teppichrüekseite"sind auch Decken, Matten u. ähnl. Erzeugnisse bzw. deren Unterseiten (Unterlagen) zu verstehen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Teppiche, Decken, Matten u. dgl. Erzeugnisse, dadurch gekennzeichnet, dass sie auf der Unter- seite einen aus unpeptisierten Kohlehydraten von der Art der Stärke und den festen Bestandteilen einer wässrigen Kautschukdispersion bestehenden Appret aufweisen.