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Verfahren zur Aufnahme von Tonfilmen.
Die Erfindung hat ein Verfahren zur Aufnahme von Tonfilmen zum Gegenstande, welches dazu dient, zu verschiedenen Zeiten und gegebenenfalls auch an verschiedenen Orten hervorgerufene Ton- folgen für eine Tonfilmvorführung so zusammenzufassen, dass dem Besucher dieser Tonfilmvorführung der gleiche Eindruck vermittelt wird, als wenn sämtliche Tonfolgen gleichzeitig stattgefunden hätten und auf einmal aufgenommen worden wären.
Das Verfahren besteht im Wesen darin, dass eine oder mehrere Tonfolgen (Musik, Gesang, Gespräche, Naturgeräusche, Strassenlärm, durch arbeitende Maschinen hervorgerufene Geräusche od. dgl.), welche zu andern Zeiten hervorgerufen werden, als eine bei einer andern Gelegenheit tonfilmisch aufzunehmende Tonfolge, je für sich tonfilmisch aufgenommen werden und die so erhaltenen einzelnen Tonfilme zur gemeinsamen Beeinflussung einer Schallaufzeichenvorrichtung herangezogen werden, die gleichzeitig von der zuletzt genannten Tonfolge beeinflusst wird.
Einige Beispiele mögen die Anwendungsmöglichkeiten des erfindungsgemässen Verfahrens klar- machen.
In einem in einem amerikanischen Filmatelier gedrehten Tonfilm kommt eine im Vergnügungspark einer europäischen Hauptstadt spielende Szene vor. Diese Szene soll gedreht werden, ohne dass man die Schauspieler nach Europa schickt. Zu diesem Zwecke wird der Vergnügungspark samt den dort gerade an- wesenden Besuchern kinematographiert, wobei gleichzeitig auch alle Geräusche, wie Musik aus verschiedenen
Buden, Strassenlärm, Gespräch Vorbeigehender od. dgl. aufgenommen werden, d. h. es wird ein voll- kommener Tonfilm von dem gewünschten Teil des Vergnügungsparkes gedreht. Dieser Tonfilm wird nun in das Atelier nach Amerika geschickt, wo die Schauspieler die eigentliche Handlung darstellen sollen.
Im Atelier wird der in Europa aufgenommene Tonfilm ablaufen gelassen und der Bildstreifen auf einen
Schirm od. dgl. projiziert, vor dem die Schauspieler ihre Szene spielen. Erfolgt die Projektion mittels hoehaktinischen Lichtes, so kann der projizierte Hintergrund zusammen mit den davor spielenden Dar- stellern auf einem neuen Film aufgenommen werden, welcher nun die ganze gewünschte Szene zeigt.
Diese Herstellung des Bildstreifens des anzufertigenden Tonfilms bildet an sich nicht Gegenstand der
Erfindung, und es kann auch irgendein anderer der bekannten Wege zur Vereinigung zweier getrennt aufgenommener Bildfolgen eingeschlagen werden.
Gegenstand der Erfindung ist hingegen, in welcher Weise der Tonstreifen des in Europa herge- stellten Tonfilms nun weiterverwendet wird. Dieser wird im Aufnahmeatelier zur Herstellung eines neuen Tonstreifens benutzt, auf dem sowohl die ursprünglich in Europa aufgenommenen Töne, als auch die im Aufnahmeatelier hinzukommenden Töne (z. B. Gesang oder Gespräch der Schauspieler) verzeichnet sind. Man geht dabei so vor, dass man den ursprünglich aufgenommenen Tonstreifen im Tempo der vorhin erwähnten Bildprojektion ablaufen lässt und die Schallaufzeichenvorrichtung (z.
B. ein Saitengalvano- meter) im Aufnahmeapparat, mit dem die im Atelier gespielte Szene tonfilmisch aufgenommen wird, durch diesen Tonstreifen beeinflussen lässt, vorteilhaft in der Weise, dass man die Aufzeichnungen auf dem genannten Tonstreifen auf dem bekannten Wege der Hörbarmachung solcher Tonstreifen bis zur
Phase des modulierten Wechselstromes führt, welcher Strom dann auf die Schallaufzeichenvorrichtung des Tonfilmaufnahmeapparates wirkt. Auf diese Schallaufzeichenvorrichtung wirkt gleichzeitig der durch die im Atelier neu hervorgerufenen Töne (Gesang, Gespräch od. dgl. ) gesteuerte Strom, z.
B. der
Mikrophonstrom, der den erwähnten (von der früheren, im Tonbild gewissermassen konservieren Ton- folge herstammenden) Strom überlagert, so dass die Schauaufzeichenvorrichtung die Schallaufzeichnung in solcher Weise besorgt, als ob beide Tonfolgen (die im ursprünglichen Tonfilm konservierte und die im
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Atelier gerade'hervorgerufene) gleichzeitig im Atelier hörbar wären. In dem endgültigem Tonfilm hat man dann in bekannter Weise einen die gewünschte Gesamtszene zeigenden, einheitlichen Bildstreifen und einen einheitlichen Tonstreifen, der die zeitlich verschieden aufgenommenen Tonfolgen in der richtigen Vermischung oder Verschmelzung enthält.
Ein Prinzipschema einer zur Durchführung dieses Verfahrensbeispiels geeigneten Anordnung zeigt die Zeichnung. In dieser Zeichnung bedeutet a, den seinerzeit aufgenommenen Tonstreifen, der in der üblichen Weise mittels einer Lichtquelle b durchleuchtet wird und eine photoelektrische Zelle c erregt.
An dieser Zelle ist eine Induktiolisspule ci angeschlossen, die als Primäre eines Transformators T dient, dessen Sekundäre e gleichzeitig durch eine zweite Primäre/* beeinflusst wird, welche an ein Mikrophon g angeschlossen ist, das die neu aufzunehmende Tonfolge empfängt. Die Wicklung e des Transformators T ist mit. der Sehallaufzeichenvorrichtung A beliebiger Ausführung verbunden, welche den endgültigen Tonstreifen beeinflusst.
Die relative bzw. absolute Stärke der verschiedenen, auf einem gemeinsamen Tonfilm zu vereinigenden Tonfolgen kann beliebig erhöht oder vermindert werden. Bei der dargestellten Anordnung kann beispielsweise durch Verstellung (Verschieben, Verdrehen, Verschwenken) der Primärspule cl und f bezüglich der gemeinsamen Sekundärspule e. die Induktionswirkung der einen oder der andern Primärspule oder sämtlicher Primärspulen in der erforderlichen Weise-verstärkt oder geschwächt werden.
Diese Anordnung soll nur als Beispiel dienen, da, unit den heute in der einschlägigen Technik zur Verfügung stehenden Mitteln 110ch verschiedene andere Möglichkeiten gibt, die erwähnte Stromüberlagerung in regelbarer Weise durchzuführen.
Als weiteres Anwendungsbeispiel des neuen Verfahrens sei angeführt, dass ein Tonfilm von einer Orchesteraufführung hergestellt werden soll, bei der der Solopart von einem sich in einer andern Stadt aufhaltenden Künstler gespielt wird. In diesem Falle wird das Orchester tonfilmisch aufgenommen und der Tonfilm nach jener Stadt gesendet, in welcher sich der Künstler aufhält, welcher den Solopart zu spielen hat. Der früher aufgenommene Tonfilm wird nun einem dem Künstler sichtbaren, aber nicht auf die Aufnahme kommenden Dirigenten (z. B. im Kopfhörer) hörbar gemacht, welcher dem Künstler die nötigen Taktzeiehen gibt.
Der Künstler wird tonfilmisch aufgenommen, wobei sein Spiel in der angegebenen Weise mit der früher aufgenommenen Tonfolge (der Orchestermusik) elektrisch gemischt wird, . um einen einheitlichen Tonfilmstreifen zu erhalten, der bei seiner Reproduktion die Orchestermusik und den Solopart in der richtigen Verschmelzung hören lässt.
Das vorstehend beschriebene Anwendungsbeispiel lässt sich auch in der Weise abändern, dass ein berühmtes Orchester in einer Stadt und ein berühmter Virtuose in einer andern Stadt tonfilmisch aufgenommen werden, wobei aber nur Tonfilmstreifen hergestellt werden. Bei der zeitlich später liegenden Tonaufnahme des Spieles des Virtuosen kann gleich in der früher angegebenen Weise ein gemeinsamer Tonstreifen hergestellt werden, der die Orchestermusik und das Spiel des Virtuosen schon zusammen enthält.
Dieser kombinierte Tonstreifen wird nun in ein wieder anderswo gelegenes Filmatelier gesandt, wo die ganze Szene von Filmschauspielern gespielt wird, denen der Tonstreifen hörbar gemacht wird, so dass sie sich in ihren Bewegungen (Handhabung der Instrumente, Mundbewegungen od. dgl. ) genau an den Takt der früher aufgenommenen Tonfolge halten können. Es ist dabei gleichgültig, ob die nun im Bildfilm aufgenommenen Akteure tatsächlich singen und spielen oder nicht, da von ihnen nur eine Bild-, aber keine Tonaufnahme gemacht wird.
Diese Bildaufnahme wird mit dem kombinierten Tonstreifen mechanisch zu dem üblichen'Tonfilmstreifen vereinigt und kann nun so wie jeder andere Tonfilm abgespielt werden, wobei vollkommene Übereinstimmung von Bild-und Ton gesichert ist.
Das Verfahren nach der Erfindung kann ferner dazu verwendet werden, um auf billigem Wege Tonfilme in verschiedenen Sprachen zu drehen. Wenn beispielsweise eine Opernaufführung dargestellt werden soll, so wird vorerst von der ganzen Opernaufführung mit Ausnahme des Gesanges oder Gespräches ein kompletter Tonfilm, der. also sowohl einen Bild-, als auch einen Tonstreifen besitzt, hergestellt. Der Bildstreifen wird im Aufnahmeatelier ablaufen gelassen und der Tonstreifen einem die Sänger führenden Dirigenten oder diesen Sängern selbst, welche in einer bestimmten Sprache singen oder sprechen, im
Kopfhörer hörbar gemacht. Dieser Gesang wird nun in der mehrfach angegebenen Weise mit der früher
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hergestellt wird. Da die Sänger das Bild der Szene sehen, so besteht kaum die Gefahr, dass sie sieh irgendwelche Fehler im Einsatz zuschulden kommen lassen.
Ist der kombinierte, die früher aufgenommenen Töne und den Gesang oder die Gespräche in einer bestimmten Sprache enthaltende Tonstreifen hergestellt, so wird der beschriebene Vorgang wiederholt, wobei in einer andern Sprache gesungen oder gesprochen wird. Der Bildfilm bleibt für alle diese verschiedensprachigen Tonfilme derselbe, er braucht also einfach nur kopiert und mit dem passenden Tonstreifen verbunden zu werden.
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