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Unter den zahlreichen Arten der Herstellung von künstlicher Seide aus Zelluloselösungen haben sich schliesslich nur das Viskoseverfalren und das Kupferoxydammoniakverfahren nach der Nassstreek- spinnmethode als grosstechnisch brauchbar eiwiesen. Während aber bei der Herstellung von Viskose- kunstseide durch die Einführung der Zentrifuge zum gleichzeitigen Aufspeichern und Zwirnen der Fäden schon frühzeitig eine erhebliche Abkürzung und Verbilligung des Fabrikationsganges möglich war, ist die Einführung der Spinnzentrifuge zur Vereinfachung des textilen Teiles bei der Fabrikation der
Kupferseide bisher auf besondere Schwierigkeiten gestossen.
Die Zentrifuge bietet den Vorteil, dass dabei in einem Zug ein aufhaspelbarer Faden mit einer unmittelbar verwendungsfähigen Zwirnung erhalten werden kann. Bei der bekannten technischen Aus- gestaltung des Viskosespinnprozesses wird der Faden von oben her in eine entsprechend rasch laufende
Spinnzentrifuge eingeführt, wobei der Faden infolge der Zentrifugalkraft unter gleichzeitiger Verdreliung an die Trommelwand geschleudert und dort in gekreuzten Lagen in Form eines sogenannten Spinn- kuchens gesammelt wird.
Nach dem Nassstreckspinnverfahren wird die Kupferseide in einem Streekspinngefäss, kurz Trichter genannt, erzeugt. Als Fällmittel kommt bekanntlich meist ein neutrales oder schwach alkalisches Bad in Anwendung. Die so erzeugten noch kupferhaltigen Fäden wurden bisher auf Haspeln. Spulen od. dgl. aufgesammelt und vor oder auf dem Haspel, der Spule od. dgl. mit verdünnter Säure abgesäuert.
Es'wurde versucht, dieses Nassstreckspinnverfahren mit dem Zentrifugenyerfahren zu vereinigen.
Zu diesem Zweck wurden die in den bekannten Streckspinngefässen erzeugten Fäden in einer dem Viskoseverfahren entsprechenden Weise in die Spinntrommel eingeführt. Die Fäden wurden alsdann in mannigfacher Art in der Spinntrommel mittels verdünnter Schwefelsäure abgesäuert und in bekannter Weise fertiggestellt. Andere Versuche wurden so durchgeführt, dass man die Fäden in der besagten Weise in die Zentrifuge einspann, den erhaltenen Kuchen aufhaspelte und dann erst die erhaltenen Stränge in bekannter Weise absäuerte, gegebenenfalls unter Spannung (s. die Deutsche Patentschrift Nr. 179772). und hierauf wie üblich weiterverarbeitete. In allen Fällen wurden keine befriedigenden Ergebnisse erzielt.
Je nach den zahlreichen Abänderungen der Versuchsbedingungen war der Glanz oder der Griff minderwertig oder die Seide war teilweise verklebt oder enthielt Flaum. Meist wies sie mehrere dieser Fehler zugleich auf. Weitere Versuche haben ergeben, dass sich ein zufriedenstellendes Endprodukt erzielen lässt, wenn man den Faden vor der Zentrifuge, u. zw. unter Spannung, absäueit, indem man zwischen Absäuervorriehtung und Zentrifuge eine Zugvorrichtung einbaut, welche einerseits der Spinnzentrifuge den Faden zuführt, anderseits den Zug der Zentrifuge so verstärkt, dass die notwendige Spannung erzielt wird.
Demgemäss ist Gegenstand der Erfindung eine Einrichtung zur Herstellung gezwirnter Kunstseide aus Kupferoxydammoniakzelluloselösungen nach dem Nassstreckspinnverfahren, bei dem hinter der Nassspinnvorrichtung und der Absäuervorriehtung eine Zugvorriehtung und dann eine Spinnsehleuder zum Einziehen und Zwirnen des fertigen Fadens angeordnet sind.
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Sicherheit zu erzielen, kann erfindungsgemäss der Weg des Fadens vom Spinngefäss bis an die Zentrifuge verlängert werden. Das kann geschehen durch geeignete Anordnung von Abzugsrollen und Herumsehlingung des Fadens um die Abziehrolle.
Die Abzugsrollen können glatt, gerippt oder gezahnt sein. Sie können aus Glas, Porzellan. Weiehoder Hartgummi und andern säurebeständigen Materialien bestehen, ebenso etwaige Führungsrollen.
Um einen gleichmässigen Fadentiter zu erhalten, ist es notwendig, dass der Faden an der. \bzugsvorrichtung genügende Adhäsion findet, damit er nicht gleitet. Hiezu ist eine ausreichende Länge der Berührungsstreeke zwischen Rolle und Faden notwendig. Diese kann erreicht werden durch Vergrösserung des Umschlingungswinkels, Vermehrung der Rollenzahl, Vergrösserung des Rollendurchmessers, An- pressungsrollen mit Gewichts-oder Federbelastung u. dgl.
Auf der Zeichnung ist eine Vorrichtung nach der Erfindung in mehreren Ausführungsformen dargestellt : Fig. 1 zeigt eine Vorrichtung mit hoehgelegter Abzugsrolle, Fig. 2 eine Vorrichtung mit grossem Umschlingungswinkel an der Abzugsrolle, Fig. 3 eine Vorrichtung mit Anpressungsrolle. Fig. 4
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oder durch Vergrösserung des Rollendurchmessers die nötige Adhäsion zwischen Rolle und Faden gesichert ist.
Bei Fig. 1 tritt der Faden aus der Austrittsöffnung 2 des Spinngefässes 1 aus. geht unter der Umkehrstange 3 und der Leitrolle J, welche beide in das mit verdünnter Schwefelsäure gefüllte Gefäss 6 tauchen, hindurch auf die zwangläufig angetriebene Abziehrolle 7, von welcher aus der Faden durch das sogenannte Spinnrohr 9 in die Spinnzentrifuge 8 gelangt. Zur Vergrösserung der auf den Faden wirkenden mitnehmenden Kraft kann auch die Rolle 5 angetrieben werden.
Bei der andern Ausführungsform nach Fig. 2 haben die Bezugszeichen dieselbe Bedeutung. An Stelle des Säuregefässes 6 tritt aber eine geneigte mit Säure betropfte Rinne. Der Faden ist zur Ver- grösserung der Adhäsion um die Rolle 7 herumgeschlungen.
Bei beiden Ausführungsformen kann die Leitrolle 5 unter Umständen auch weggelassen werden.
Statt den abziehenden Faden bei der Umkehrstange 3 oder auf dem Wege von der Lmkehrstange. 1 nach der Abzugsrolle 7 mit Säure zu behandeln, wird auch bereits ein Erfolg erzielt. wenn die Abzugsrolle 7 in verdünnter Säure umläuft oder mit solcher berieselt wird, und es ist von Vorteil, wenn hiebei fortgesetzt etwas Säure längs des gespannten Fadens gegen die Umkehrstange 3 hin zurückläuft.
Die Spannung kann durch geeignete Formgebung des Fadenführers bzw. der Umkehrstange. ? verschieden gross gestaltet werden. Auch kann man diese Fadenspannung durch geeignete Lagenaus- bildung der Leitrolle 5 vergrössern. Die Spannung darf aber ein gewisses Mass nicht übersteigen, da der Faden sonst durch die vielen Reibungsstellen beschädigt werden kann.
In Fig. 3 ist neben der hochliegenden Abzugsrolle 7 eine Anpressungsrolle 10 angeordnet. die
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gewicht der Rolle 10 für den Anspressungsdruck nicht genügt, so kann durch eine Feder oder eine Gewichtsbelastung die Anpressung vergrössert werden.
Man kann auch das Gleiten zwischen Faden und Rolle durch Verwendung geeigneten Materials verhindern. Die Abzugsrollen können entweder ganz aus diesem Material bestehen oder damit bekleidet
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Stoffe sind geeignet, z. B. Kunstharz und Mischungen von Kunstharz mit säurefesten Stoffen oder säurefesten Metallegierungen. Bei diesen Materialien genügt ein verhältnismässig kleiner rmsehlingungs- winkel, vgl. Fig. 4.
PATENT-ANSPRUCHE :
1. Einrichtung zur Herstellung von gezwirnter Kunstseide aus Kupferoxydammoniakzelluloselösungen nach dem Nassstreckspinnverfahren, dadurch gekennzeichnet, dass hinter der Nassspinn-
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