DE969809C - Verfahren zur Regeneration von Altpapier - Google Patents
Verfahren zur Regeneration von AltpapierInfo
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Description
AUSGEGEBEN AM 17. JULI 1958
D 11549 IVa/55b
Das Altpapier ist schon lange Zeit ein sehr wichtiger Rohstoff für die Erzeugung von Pappen und
die Herstellung billiger Verpackungspapiere und -kartons. Da bei diesen Erzeugnissen die Farbe
und die in dem Altpapier enthaltenen Verschmutzungen kaum eine Rolle spielen, braucht
dasselbe in den meisten Fällen lediglich mechanisch zerfasert und anschließend in der üblichen Weise
auf Papier oder Pappe aufgearbeitet zu werden. Neuerdings ist man jedoch bestrebt, das Altpapier
sowie das aus ihm bei der mechanischen Zerfaserung gewonnene Fasermaterial besser zu reinigen
und zu bleichen, um dieses Material für die Herstellung mittelfeiner holzhaltiger und holzfreier
Papierqualitäten zu verwenden. Für die Regeneration von Altpapier wurden deshalb in jüngerer
Zeit mehrere Verfahren entwickelt, die alle den Zweck haben, die vorhandenen Farben, Verschmutzungen,
Druckerschwärze, Tinte od. dgl. zu beseitigen und darüber hinaus durch einen Bleich- so
prozeß ein weißeres Fasermaterial zu gewinnen. Bei den meisten dieser Regenerationsverfahren
werden Alkalien in den verschiedensten Formen angewendet, um die in dem Altpapier zur Fixierung
der Druckerschwärze oder der anderen Druckfarben enthaltenen Fette, Harze und Wachse zu
verseifen und dadurch wasserlöslich zu machen. Auch Säuren, wie Oxalsäure oder Schwefelsäure,
sind für die Regeneration von Altpapier empfohlen worden. Nach anderen Vorschlägen wird die An-
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wendung von Seifen bzw. Seifenersatzstoffen oder von Lösungsmitteln, wie Toluol, Xylol, Petroleum,
Benzin, Tetralin, hydrierten Phenolen oder Pyridin, als wirkungsvoll bezeichnet. Die meisten
dieser Verfahren konnten jedoch aus wirtschaftlichen Gründen keinen Eingang in die Praxis finden,
zumal ein Teil der genannten Chemikalien so teuer ist, daß eine Rückgewinnung unerläßlich
wäre.
ίο Auch eine Nachbleiche dieser mit Alkalien
od. dgl. vorbehandelten Regenerate mit Chloritbleichlauge ist bereits empfohlen worden. Dieser
Vorschlag hat sich jedoch ebenfalls nicht bewährt, weil durch die Einwirkung der Hypochlorite auf
die bereits durch den Gebrauch und den Regenerierprozeß geschwächten Papierfasern ein weiterer
erheblicher Festigkeits- und Faserverlust verursacht wird.
In jüngerer Zeit hat sich in Amerika ein Regeao nerierverfahren für Altpapier, bei dem Alkalilauge
und Peroxydverbindungen enthaltende Stoffe zur Anwendung gelangen, mit ganz gutem Erfolg in
der Praxis einführen können. Diese Chemikalien sollen beispielsweise im Holländer, in der Rührbütte
oder im »Pulper« dem zerfaserten Altpapiei
bei etwa 50 bis 700 zugesetzt werden, wobei schon ziemlich weitgehend gereinigte Regenerate erhalten
werden. Keineswegs jedoch kann man diese Stoffe mit frischem, nicht aus Altpapier stammendem
Fasermaterial und besonders mit gebleichtem Holzschliff oder Zellstoff vergleichen. Auch die durch
Einwirkung von Peroxydverbindungen, insbesondere von Na2O2 gewonnenen Regenerate, enthalten
nämlich immer noch einen gewissen Teil Farbe, .35 Druckerschwärze und Schmutz, und es ist bereits
bekannt, den Wirkungsgrad dieses Regenerationsverfahrens mit dem Ziel eines erhöhten Reinigungsgrads und Bleicheffekts durch Zusätze von oberflächenwirksamen
Stoffen, z. B. von Silikaten oder von Netzmitteln, zu verbessern.
Es sind ferner zahlreiche weitere Verfahren zur Regeneration von Altpapier bekannt. So hat man
schon zum Regenerieren von Altpapier Kondensationsprodukte aus höhermolekularen Fett- oder
Harzsäuren mit polymeren Aminocarbonsäuren verwendet. Hierzu können gegebenenfalls Bleichmittel
zugesetzt werden. Die Regenerierung erfolgt bei erhöhter Temperatur. Ferner ist es bekannt,
Altpapier so zu regenerieren, daß es mit Emulgierungsmitteln auf Fettbasis, die neutral reagieren,
behandelt wird. Derartige Emulgierungsmittel sind beispielsweise Oleylalkoholsulfonate, oleylmethyläthylsulfonsaures
Natrium und Handelsprodukte mit dem Zeichen »Igepon«, »Gardinol«, »Lanaclarin«. Ferner ist es bekannt, Altpapier mit Hilfe
einer Flotte zu regenerieren, die Alkaliperoxyde oder Erdalkaliperoxyde und Siliciumdioxyd oder
andere gelatinöse Stoffe enthält. Nach einem weiteren bekannten Verfahren wird Altpapier mit
einer Flotte regeneriert, die Natriumperoxyd und Natriumsilikat enthält. Das Natriumsilikat soll
hierbei angeblich als Netzmittel dienen. Nach einem weiteren bekannten Verfahren wird die Regenerierung
von Altpapier mit einer Emulsion einer flüssigen Fettsäure in einer wäßrigen Lösung
eines Alkalisalzes, einer Sulfonsaure oder Fettsäure durchgeführt. Ein Teil dieser Verfahren ermöglicht
es zwar, in gewissem Ausmaß die Schmutzstoffe bzw. Farben aus dem Altpapier zu entfernen. Sie geben hierbei aber ein Regenerat
von dunkler Färbung, das für die Weiterverarbeitung auf Druckpapier nicht geeignet ist. Die anderen
obenerwähnten Verfahren, bei denen die Entfernung der Farbstoffe in Gegenwart eines
Bleichmittels durchgeführt wird, geben zwar ein helleres Regenerat, dessen Fasern aber durch das
Bleichmittel so angegriffen sind, daß sie zur Herstellung von Papier der gewünschten mechanischen
Festigkeit nicht geeignet sind.
Durch die vorliegende Erfindung werden die ge- 8i
schilderten Nachteile vermieden, und es wird ein Regenerat von gutem Weißgehalt gewonnen, dessen
Fasern so wenig beschädigt sind, daß es ohne Schwierigkeiten zur Herstellung von z. B. Druckpapier
verwendet werden kann. Die. Erfindung besteht darin, daß die Regenerierung von Altpapier
mittels einer alkalischen wäßrigen Flotte vorgenommen wird, die gleichzeitig Wasserglas, mindestens
eine sauer stoff abgebende Verbindung, wie Wasserstoffperoxyd, Natriumperoxyd, Perborat, go
Percarbonat, mindestens ein Stickstoff in amid- oder sulfonamidartiger Bindung enthaltendes
Schutzkolloid und mindestens eine stickstofffreie organische Verbindung mit Netz- und Waschwirkung
enthält.
Es wurde ferner gefunden, daß diese Flotten eine besonders gute Wirkung haben, wenn sie als
Stickstoff enthaltendes Schutzkolloid ein Kondensationsprodukt eines löslichen Eiweißstoffes oder
eines höhermolekularen Eiweißspaltproduktes mit einer seifenbildenden Fett-, Harz- oder Naphthensäure
oder mit einer aliphatischen oder aliphatischaromatischen Sulfonsaure enthalten.
Schließlich wurde gefunden, daß als Netzmittel in Flotten gemäß der Erfindung mit ausgezeichnetem
Erfolg Alkylbenzolsulfonsäuresalze verwendet werden können, deren Alkylgruppe 10 bis
18 Kohlenstoff atome enthält.
Die Faserschutzmittel bzw. ihre Mischungen werden erfindungsgemäß in Mengen von 0,2 bis
10%, bezogen auf das absolut trockene Fasergewicht,'im
alkalischen Medium in Gegenwart von sauerstoffabgebenden Substanzen, wie z. B. Wasserstoffsuperoxyd
oder Natriumsuperoxyd, Natriumperborat, Natriumpercarbonat, Natriumpyrophosphat
od. dgl., zur Anwendung gebracht. Im Vergleich zu den bisherigen Behandlungsweisen
werden bei der Anwendung dieses neuen Verfahrens Altpapierregenerate gewonnen, deren Weißgehalte
je nach Zusatz der genannten Mittel um 8 bis 15% höher liegen. Dies ist bei der Regeneration
von Altpapier ein sehr bedeutender Vorteil, weil dieser höhere Weißgehalt ohne Erhöhung des
Bleichmittelbedarfes erzielt wird, so daß also die Weißgehaltssteigerung niemals auf Kosten von
Faserschädigungen oder Faserverlusten geschieht.
Die Faserschädigungen und die Faserverluste sind vielmehr bei der erfindungsmäßigen Arbeitsweise
niedriger als bei den vorbekannten Regeneriermethoden. Bei Anwendung der erfindungsmäßigen
Arbeitsweise ist eine bleichende Nachbehandlung, wie dies in der Literatur oft empfohlen wird, überflüssig.
Beispiel ι
ίο ι oo kg Zeitungspapier werden in einem Kugelkocher
bei einer Stoffdichte von 5% mit 4% Wasserglas, 2*/o- Ätznatron, 2,5% Natriumsuperoxyd
und 1% einer Mischung gleicher Teile von alkylbenzolsulfonsäuren! (C 12 bis 18) Natrium
und oleyllysalbinsaurem Natrium vermischt und bei 8o° C etwa 2 Stunden lang behandelt. Der
Stoff wird dann gut ausgewaschen und in üblicher Weise zu Papier verarbeitet. Der unbehandelte
Stoff hatte einen Weißgehalt von 52% und der - fertigbehandelte, gewaschene Stoff einen Weißgehalt
von 73%.
100 kg farbig bedrucktes Illustrationsdruckpapier werden im »Pulper« mit 6% Wasserglas,
2°/o Ätznatron, 3% Natriumsuperoxyd und 2% einer Mischung aus 2 Teilen Dodezylbenzolsulfonsaurem
Natrium und 3 Teilen eines Kondensations-Produktes, das in bekannter Weise durch Einwirkung
von Sojaölfettsäurechlorid auf höhermolekulare Eiweißspaltprodukte in alkalischer Lösung
erhalten werden kann, gut vermischt und etwa 2 Stunden auf etwa 75° erwärmt. Der so behandelte
Stoff wird dann mittels Zellenfilter gewaschen und für die Papiererzeugung dem Mahlholländer
zugeführt. Vor dieser Behandlung wurde der Weißgehalt des Stoffes mit 49V0 gemessen, und
nach der Behandlung betrug der Gehalt 71%.
B e i s ρ i e 1 3
100 kg gemischtes Altpapier werden in" einer Rührbütte mit 6% Wasserglas, 2% Ätznatron, 3%
Natriumsuperoxyd und 3% einer Mischung gleicher Teile von Laurinalkoholsulfonat und eines
durch Einwirkung von Paraffinsulfochlorid (C 12
bis 18), wie es unter dem Namen »Mersol D« erhältlich
ist, auf Eiweißspaltprodukte bei Gegenwart von Alkalien gewonnenen Kondensationsproduktes
gut vermischt und bei 900 1V2 Stunden lang behandelt. Nach dieser Reaktionszeit wird der
Stoff durch einen »Refiner« geleitet und mittels Rohrschleuder von groben mechanischen Verunreinigungen
getrennt. Nach dem Auswaschen mittels einer Filterpresse wird der Stoff zu Papier
verarbeitet. Der Weißgehalt dieses Materials war vor der Regeneration 43% und nach dieser Behandlung
68%.
25°kg gemischtes Altpapier werden im Kollergang
bei einer Stoffdichte von 30% und einer Temperatur von 500 mit 5% Wasserglas, 2% Ätznatron,
2,5% Natriumsuperoxyd und 2"/O einer
Mischung gleicher Teile von dodezylbenzolsulfonsaurem Natrium und Oleylsarkosinnatrium gut vermischt.
Der Stoff wird dann in einem Vorratsbunker beliebig lange gelagert. Vor der Weiterverarbeitung
zu Papier wird dieser so behandelte Stoff auf eine Stoff dichte von 3 °/o verdünnt und
gewaschen. Die Weißgehaltssteigerung beträgt bei dieser Behandlung 18 bis 22%. Sie betrug bei
Vergleichsversuchen ohne die erfindungsgemäßen Zusätze nur 10 bis 12%.
Claims (3)
1. Verfahren zur Regeneration von Altpapier mittels einer alkalischen wäßrigen Flotte, dadurch
gekennzeichnet, daß eine Flotte verwendet wird, die a) Wasserglas, b) mindestens eine
sauerstoffabgebende Verbindung, wie Wasserstoffperoxyd, Natriumperoxyd, Perborat, Percarbonat,
c) mindestens ein Stickstoff in amid- oder sulfonamidartiger Bindung enthaltendes
Schutzkolloid und d) mindestens eine stickstofffreie organische Verbindung mit Netz- und
Waschwirkung enthält.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß als Stickstoff enthaltendes Schutzkolloid ein Kondensationsprodukt eines löslichen Eiweißstoffes oder eines höhermolekularen
Eiweißspaltproduktes mit einer seifenbildenden Fett-, Harz- oder Naphthensäure oder mit einer aliphatischen oder aliphatischaromatischen
Sulfonsäure verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, da- gs
durch gekennzeichnet, daß als stickstofffreie Netz- und Waschmittel alkylbenzolsulfonsaure
Salze verwendet werden, deren Alkylgruppe 10 bis 18 Kohlenstoff atome enthält.
In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Patentschriften Nr. 667722, 707 119,
552;
französische Patentschriften Nr. 409 697,
897; USA.-Patentschrift Nr. 2 582496;
897; USA.-Patentschrift Nr. 2 582496;
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Chemisches Centralblatt, Jahrg. 1935, Bd. II, S. 153 (Referat über: Bonnet: Die Bleicherei auf
neuen Wegen). no
© «09579/301 8.56 (809 571/6 7.58)
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