DE89289C - - Google Patents
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- Electrolytic Production Of Metals (AREA)
Description
KAISERLICHES
PATENTAM
Das vorliegende Zusatzverfahren des unter Nr. 87430 patentirten Hauptverfahrens bewirkt
, die elektrolytische Darstellung poröser Metalle ebenfalls dadurch, dafs in regelmäfsiger Abwechselung
zuerst das Metall mit lockerer Structur (in Form von Blättchen, Nadeln, moosartig
verästelten Gebilden oder pulverförmig) niedergeschlagen und darauf durch Auf- und
Zwischenlagerung eines dichten Niederschlages befestigt wird. Auch ist das Mittel zur Erzielung
dieser zwei verschiedenen Metallniederschläge, nämlich die wechselnde Regulirung
der Stromdichte, ihrem Wesen nach beibehalten; nur hat sich — zur Verbesserung des Verfahrens
und zur Sicherung eines wirksamen Schutzes des Hauptverfahrens gegenüber äufserlichen
Abänderungen, die innerlich auf dasselbe hinzielen — die Nothwendigkeit herausgestellt,
diese Stromdichten in ihrem Verhältnifs zu anderen Nebenumständen, die ebenfalls Einflufs
auf die Structur des gewonnenen Metalles haben, näher zu specificiren, als es in dem früheren
Patente geschehen war.
Es wurde schon dort hervorgehoben, dafs die Wahl der jedesmal anzuwendenden Stromdichte
auch von der Concentration des Elektrolytes, der Temperatur, von der Art der qualitativen
Zusammensetzung u. s. w. abhängig sei.
Zum Beispiel bei der Darstellung von porösem Kupfer wurde angegeben, dafs, wenn man mit
grofsen Stromdichten arbeiten wolle, sich das gewöhnliche saure Kupferbad der Galvanoplastik
empfehle, dafs aber für geringere Stromdichten eine geringere Concentration- des Bades anzuwenden
sei. Darin liegt nun schon folgende Abänderung des Verfahrens eingeschlossen: Statt
bei derselben Concentration mit den Stromdichten abzuwechseln, kann man bei unveränderter
Stromdichte mit der Concentration des Bades wechseln. Ja, dieses — äufserlich betrachtet
— neue Verfahren ist seinem Wesen nach genau identisch mit dem ursprünglichen.
Denn durch inzwischen angestellte Versuche hat sich ergeben, dafs die Structur des Metallniederschlages
durch das Verhältnifs der Stromdichte zur Dichte des Elektrolyten derart bestimmt
ist, dafs das Metall um so lockerer ausfällt, je gröfser dieses Verhältnifs ist, und
um so dichter, je kleiner es ist. Dieses Verhältnifs kann aber auf zwei Weisen z. B. vergröfsert
werden, nämlich entweder durch Vergröfserung der Stromdichte (bezogen auf die Kathodenoberfläche) oder durch Verringerung
der Concentration. Immerhin gestaltet sich die äufsere Ausführung verschieden, je nachdem
man bei -gleich concentrirter Badflüssigkeit die absolute Stromdichte oder bei gleichen Stromdichten
die Concentration der Badflüssigkeit wechselt, oder endlich, um den Effect zu erhöhen,
beides combinirt, also z. B. zur Er-
zeugung lockeren Metalles die höhere Stromdichte bei geringerer Concentration, und zur
Erzeugung des festen Metalles die stärkere Concentration mit der ihr angepafsten Stromdichte
anwendet.
In dem Patente Nr. 87430 war ferner angegeben, dafs auch die Temperatur auf die
Wahl der Stromdichten von Einflufs sei. Es hat sich nun durch Versuche ergeben, dafs
die Structur des Metallniederschlages von dem Verhältnifs der Stromdichte zur Temperatur
derart abhängig ist, dafs im Allgemeinen, je gröfser dieses Verhältnifs ist, das Metall um so
lockerer, und je kleiner es ist, um so dichter ausfällt. Die hohe Temperatur wirkt also auf
den Elektrolyten wie concentrirend. In der That gelangen bei hoher Temperatur in gleichen
Zeiten mehr Molecule des Elektrolyten in die Nähe der Kathode als bei niederer Temperatur.
Möglicherweise ist dieses die Hauptursache des Temperatureinflusses. — Auch die durch Vergröfserung
der Temperatur verstärkte Dissociation würde eine gröfsere Concentration, nä'mlich der Metall-Jonen, bewirken. Bei gleicher
Stromdichte und Concentration kann man deshalb den Wechsel der Metallniederschläge durch
einen Wechsel der Temperatur erreichen. Man arbeitet aber im Allgemeinen am günstigsten,
wenn man — für lockeres Metall — die höhere Stromdichte mit niederer Temperatur und geringerer
Concentration der Badflüssigkeit, und ■— für dichtes Metall — eine passende Stromdichte
mit höherer Temperatur und gröfserer Concentration anwendet.
In gleicher Weise wie die Concentration und die Temperatur wirkt auch die Bewegung der
Kathoden oder der Flüssigkeit an den Kathoden. Bewegung der Kathodenflüssigkeit begünstigt
festere Abscheidung des Metalles. Auch die Bewegung wirkt also concentrirend, besonders
indem sie die durch verschiedene »Wanderung der Jonen« entstandene Verdünnung an den
Kathoden wieder ausgleicht. Diese Wirkung ist besonders dann zu berücksichtigen, wenn
man zum Zweck der Depolarisation der Anoden ohnehin bewegte Elektroden anwendet.
Endlich kann man unter sonst gleichen Bedingungen einen Wechsel der Metallniederschläge
erreichen, indem man die Kathoden abwechselnd in Bäder qualitativ verschiedener Zusammensetzung einhängt, z. B. bei der Darstellung
von porösem Kupfer abwechselnd in neutrale und in mit Schwefelsäure angesäuerte Kupfervitriollösung — oder zur Erhöhung des
Effectes diese Abänderung der qualitativen Zusammensetzung mit einer geeigneten · Abänderung
von Stromdichte, Concentration, Temperatur oder Bewegungszustand so combinirt, dafs man abwechselnd lockeres und dichtes
Metall erhält.
Die jedesmalige Anwendung der richtigen Stromdichte, Concentration, Temperatur oder
Bewegung bestimmt sich für jedes qualitativ gegebene Bad am besten durch den Versuch.
Als Kriterium der richtigen Wahl gilt das Aussehen des Metallniederschlages.
Die Ausführung des regelmäfsigen Wechsels der genannten Bedingungen läfst sich durchweg
nach zwei verschiedenen Systemen bewerkstelligen, entweder durch Anwendung von je
zwei getrennten Zellen und getrennten Badflüssigkeiten , in welche die Kathoden abwechselnd
eingehängt werden, oder indem man stets in derselben Zelle arbeitet und hier z. B.
die Gröfsen von Stromdichte, Temperatur und Bewegung wechseln oder wohl auch ■ Flüssigkeiten
verschiedener Zusammensetzung und Concentration circuliren läfst. Es empfiehlt
sich, beide Systeme so zu combiniren, dafs man den lockeren Niederschlag in seiner Zelle
bei etwas verringerter Stromdichte oder gesteigerter Temperatur zunächst so fest werden
läfst, dafs er den Transport in eine andere Zelle, die zur weiteren Befestigung dient, verträgt.
Da sich die Oberfläche der Kathoden während des elektrolytischen Processes fortwährend
vergröfsert, wie es in der Beschreibung des Patentes Nr. 87430 ausgeführt wurde, so gilt
das dort über die »automatische Regulirung« der Stromdichte Gesagte auch hier. Es wird
also infolge der Vergröfserung der Kathodenoberfläche die Stromdichte an der Kathode
und folglich — bei sonst gleichbleibenden Bedingungen — auch das Verhältnifs der Stromdichte
zur Dichte des Elektrolyten allmälig kleiner, d. h. die lockere Metallabscheidung geht von
selbst allmälig in festere Metallabscheidung über, wenn die anfängliche Stromdichte nicht zu grofs
gewählt war. Man kann demnach den Uebergang von lockerer zu festerer Metallbildung
sich automatisch vollziehen lassen, wenn man die Combination zu lockerer Metallbildung von
vornherein der Combination der Bedingungen zur Bildung festen Metalles nach Möglichkeit
annähert.
Als besonders vortheilhaft zu ebenfalls automatischer Regulirung des Wechsels beider
Structuren des Metallniederschlages zeigt sich neben der Stromstärke der Wechsel der Temperaturen,
da ein regelmäfsiges Steigen und Fallen der Temperatur sich leicht automatisch bewerkstelligen läfst.
Die öftere Anwendung eines gelinden, die Porosität des Metalles nicht schädigenden
Druckes empfiehlt sich, wie im Patente Nr. 87430, auch hier.
Das hier beschriebene Verfahren bezieht sich vorwiegend auf die Metallabscheidung an der
Kathode. Da sich aber die Vorgänge an der
Anode bei elektrolytischen Processen nie von denen an der Kathode trennen lassen, so sind
auch jene zu berücksichtigen und einerseits womöglich zur Gewinnung von Nebenproducten,
die das eigentliche Hauptverfahren verbilligen und existenzfähig machen, zu benutzen, andererseits
ist durch die Formulirung der Kennzeichen des elektrolytischen Verfahrens dagegen Vorkehrung
zu treffen, dafs ein auf die Kathoden bezügliches geschütztes Verfahren nicht durch
ein unter sonst gleichen elektrolytischen Bedingungen gehandhabtes Anodenverfahren (z. B.
Raffination von Metallen, Bildung von Oxyden und Superoxyden an den Anoden u. s. w.)
umgangen und dadurch der gesetzliche Schutz illusorisch würde.
Eine Verbilligung des Verfahrens des Patentes Nr. 87430 liegt nun bei dem vorliegenden Zusatzverfahren
in der Einführung der Bewegung der Elektroden und der höheren Temperatur, insofern dadurch eine sehr wirksame Depolarisation
der Anoden erreicht wird. In der That bleibt z. B. bei der Abscheidung von Blei aus
nicht zu verdünnten Auflösungen von. Bleioxyd in Aetzalkalien die Anode noch bei Stromdichten
von über 200 Ampere pro Quadratmeter dauernd metallblank, wenn man höhere
Temperaturen anwendet.
Eben durch diesen Umstand — durch Anwendung höherer Temperatur — wird auch
die gleichzeitige Raffination der Metalle sehr erleichtert, indem infolge der sehr geringen
Badspannung edlere Metalle nicht mit in Lösung gehen, sondern als Metalltheilchen abfallen und
in der sonst gebräuchlichen Weise gesammelt werden können. Durch diese Nebengewinnung
edlerer Metalle, z. B. des Silbers aus dem Blei, gestaltet sich auch die eigentliche Gewinnung
des porösen Bleies wirthschaftlich günstiger.
Andererseits eignet sich niedere Temperatur zur Bildung von ungelösten Oxyden und Superoxyden
an den Anoden. Z. B. ergaben bis zu einer Temperatur von — 9 ° ausgedehnte
Versuche, dafs die Anoden sich um so rascher mit ungelösten oder unlöslichen Oxyden bedecken,
je niedriger die Temperatur ist.
Bei Anwendung eines Wechsels von Temperaturen und entsprechenden Stromdichten
kann man demnach die höhere Temperatur und geringere Stromdichte mit der Raffination
der Metalle an der Anode und die niedere Temperatur und gröfsere Stromdichte mit der
Gewinnung ungelöster Oxyde und Superoxyde als Nebenproducte (an der Anode) vereinigen.
Das Verfahren würde aber dasselbe bleiben, wenn umgekehrt, unter sonst identischen Kennzeichen
(Anspruch 1, a bis e) der elektrolytischen Bedingungen, der Vorgang an der Anode als
Hauptzweck dargestellt und das an der Kathode gewonnene poröse Metall als Nebenproduct
bezeichnet würde.
Claims (3)
1. Eine Ausführungsart des durch das Patent Nr. 87430 geschützten Verfahrens zur elektrolytischen
Darstellung von Metallen in Gestalt eines porösen, aber festen Niederschlages,
gekennzeichnet entweder
a) durch abwechselnde Anwendung von zwei Lösungen verschiedener Concentration
und derartige Wahl der zugehörigen Stromdichten, dafs bei der einen Concentration lockeres Metall,
bei der anderen dichtes Metall abgeschieden wird; oder
b) durch abwechselnde Anwendung zweier verschiedener Temperaturen des Elektrolyten
und derartige Wahl der zugehörigen Stromdichten, dafs bei der einen Temperatur lockeres und bei der
anderen dichtes Metall ausfällt; oder
c) durch abwechselnde Anwendung von Ruhe und Bewegung der Kathoden
oder der Flüssigkeit an den Kathoden und solche Wahl der zugehörigen Stromdichten, dafs bei dem einen Zustand
lockeres Metall und bei dem anderen dichtes gewonnen wird; oder
d) durch abwechselnde Anwendung zweier verschieden zusammengesetzter Bäder
und derartige Wahl der Stromdichten, dafs in dem einen Bad das niedergeschlagene
Metall lockere und in dem anderen dichte Structur erhält; oder
e) durch abwechselnde Anwendung zweier derartiger Combinationen der unter
a) bis d) angegebenenBedingungen unter einander und mit passenden Stromdichten, dafs bei der einen Combination
lockeres Metall und bei der anderen dichtes Metall auf die Kathode niedergeschlagen
wird.
2. Zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch i, a) bis e) getrennte und combinirte
Anwendung folgender zwei Systeme:
a) das abwechselnde Einhängen der Kathoden in getrennte Zellen, in welchen
die Vorkehrungen nach Anspruch 1, a) bis e) so getroffen sind, dafs die
Kathoden in der einen Zelle mit lockerem Metall und in der anderen mit dichtem Metall überzogen werden;
b) das Belassen der Kathoden in derselben Zelle, in welcher Stromdichte,
Temperatur, Bewegung oder auch verschiedene Badflüssigkeiten, letztere
durch Circulation, regelmäfsig wechseln.
3. Bei dem Verfahren nach Anspruch 1, a) bis e), die automatische Regulirung des Ueber-
ganges lockerer Metallabscheidung in dichte durch geeignete Benutzung der von selbst
erfolgenden Vergröfserung der Kathodenoberfiäche und dadurch bedingten Verringerung
der Stromdichte.
Bei dem Verfahren nach Anspruch i, a) bis e) und 2, b) das Anbringen von Vorrichtungen zur automatischen Regulirung der Temperaturen und Stromstärken.
Bei dem Verfahren nach Anspruch ι bis 4 die Anwendung eines gelinden, die Porosität des Metalles nicht schädigenden Druckes in abwechselndem Gebrauch mit der Stromwirkung.
Bei dem Verfahren nach Anspruch i, a) bis e) und 2, b) das Anbringen von Vorrichtungen zur automatischen Regulirung der Temperaturen und Stromstärken.
Bei dem Verfahren nach Anspruch ι bis 4 die Anwendung eines gelinden, die Porosität des Metalles nicht schädigenden Druckes in abwechselndem Gebrauch mit der Stromwirkung.
Bei dem Verfahren nach Anspruch 1 bis 5 die Anwendung einer Auflösung von Bleioxyd
in Alkalien als Elektrolyt.
Bei der Elektrolyse von gelösten Metallverbindungen nach einem durch Anspruch i, a) bis e) gekennzeichneten Verfahren die Verwendung unreiner Metalle zwecks ihrer Raffination als Anoden unddie Verwerthung von an den Anoden gebildeten Oxyden u. s. w. zur Gewinnung von Nebenproducten.
Bei der Elektrolyse von gelösten Metallverbindungen nach einem durch Anspruch i, a) bis e) gekennzeichneten Verfahren die Verwendung unreiner Metalle zwecks ihrer Raffination als Anoden unddie Verwerthung von an den Anoden gebildeten Oxyden u. s. w. zur Gewinnung von Nebenproducten.
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