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Deckenkonstruktion Die Erfindung bezieht sich auf eine Deckenkonstruktion,
insbesondere für Räume monumentaler Prägung, wie Kirchen, Festhallen u. dgL, und
betrifft eine besondere Art gebogener Raumdecken.
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Die Anwendung gebogener Raumdecken erfolgt bisher im wesentlichen
in der Form eines Gewölbes oder einer gewölbeähnlichen Decke, wie z. B. Kuppel,
Tonnengewölbe, Kreuzgewölbe o. dgl. Das echte Gewölbe als Steinbau mit seinen wuchtigen
Auflagemauern und Pfeilern kommt neuerdings immer seltener zur Ausführung. Durch
den jeweiligen Mangel an Material, Arbeitskraft und Arbeitszeit oder auf Grund sonstiger
wirtschaftlicher Erwägungen wurden Verfahren entwickelt, mit denen Gewölbedecken
schneller, einfacher und billiger erstellt werden konnten. Mit Hilfe von Eisenkonstruktionen
und Gewebedecken oder unter Nutzbarmachung der dem Eisenbeton zugrunde liegenden
Bauart wurden Gewölbebauten geschaffen, bei denen man danach trachtete, möglichst
das Steingewölbe in seiner Eigenart nachzuahmen. Man ließ hierbei absichtlich die
durch die neue Bauweise und das neue Material sich ergebende Formgebungsmöglichkeit
außer Betracht, weil man sich dieser nicht bewußtwarund auch nur danach strebte,
lediglich die alte Form, z. B. das Gewölbe, in einem neuen Gewande erstehen zu lassen.
So wirkt ein Rabitzgewölbe für das gesunde Empfinden des Bautechnikers widerspruchsvoll
und stellt auch eine Materialvergeudung dar. Bei dem Eisenbeton für gebogene Raumdecken
ist man insoweit schon weitergegangen, als man hier das Prinzip verwirklichte, das
zu Tragende zum Tragenden zu machen. Beim Schalenkuppelbau übernimmt die dünnwandige
Stahlbetonrotationsschale als eientliche Decke auch Kräfte der Tragkonstruktion'
der gebogenen
Decke. Hierbei verwendet man Netzwerke, die aber
mehr steife Geflechte darstellen und stehende Stahlgerüste sind.
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Diesen bisherigen Bauarten für gebogene Decken ist die Nachbildung
von Wölbungen nach Art der Steingewölbe im wesentlichen gemeinsam, wenn auch die
Stichhöhen anders, insbesondere erheblich geringer sein können als beim Steinbau,
um die andere Eigenart der verwendeten Bauweise und des Baustoffes zu dokumentieren.
Wie ein Steingewölbe gesetzt wird, d. h. von unten nach oben durch Aufsetzen einer
Steinreihe auf der anderen fertiggestellt wird, so findet auch bei den bekannten
Gewölbenachbildungen ein Aufbauen oder Aufrichten, z. B. eines stabilen Netzwerkes,
statt, um die gebogene Decke erstehen zu lassen.
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Die Erfindung geht von dem Gedanken aus, daß bei Verwendung von Netzwerken
für gebogene Decken es nicht erforderlich und auch tunlich ist, diese N etze entweder
in sich steif zur Aufstellung zu machen oder sie durch eine Vielzahl von Verbindungsstellen
mit einem steifen Traggerüst so zu versteifen, daß sie entgegen dem Naturgesetz
bei allem Hängenden nach oben gewölbt verbleiben. Nur im Einklang an das frühere
Steingewölbe vermag man solchen Decken aus Netzwerk einen Anspruch auf Schönheit
zu verleihen. Der Erfindung liegt vielmehr die Erkenntnis zugrunde, daß dem Netzwerk
eine naturgegebene Formschönheit innewohnt und man diese erst dann zur Geltung bringt,
wenn das Netzwerk in die für es charakteristische Form gebracht wird. Hierbei ergibt
sich nicht nur eine ästhetische oder künstlerische Wirkung, sondern die Anordnung
des Materials in ihrer zweckentsprechenden Form zeitigt auch eine technische Vervollkommenheit,
wie die Technik auf mehrfachen Gebieten bereits allgemein erwiesen hat.
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Die Erfindung zeichnet sich im wesentlichen durch eine Raumdecke mit
hängenden Bogen aus, bei denen die Deckenfläche in der Weise gespannt ist, daß sie
entsprechend der Spannung durchhängend fällt. Hierbei wird die hängende Deckenfläche
vorteilhaft durch Kettenlinien unterteilt, die aus hängenden Seilen, entsprechend
biegsamen Rundeisen o. dgl. gebildet werden und infolge der Hängespannung Seilformen
annehmen. Für die gebogenen Deckenflächen selbst verwendet man vorzugsweise Gewebe,
Netze o. dgl., die ausreichend biegsam sind, um je nach der angewendeten Spannung
ein entsprechendes elastisches . Durchhängen der Gewebe- oder Netzflächen zu gewährleisten.
Diese so fallenden Deckenflächen werden sodann torkretiert.
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Durch eine solche Ausbildung gebogener Raumdecken ergeben sich Vorzüge
sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch auf dem technischen und wirtschaftlichen
Gebiet. Man kennt zwar bereits die Anwendung von Geweben o. dgl. mit einer Putzschicht
für Raumdecken. Es handelt sich hierbei um die gerade, ebene Decke oder die Nachahmung
einer Gewölbedecke. In beiden Fällen wird das Gewebe lediglich als Ersatzbaustoff
verwendet, wobei das Funktionelle eines Gewebes nicht zur Wirkung und zum Ausdruck
kommt. Demgegenüber besteht die Erfindung aus der Gestaltung von Raumdecken aus
durchhängenden Deckenflächen, d. h. aus hängenden Bogen, die dem Raum eine besondere
Eigenart und Prägung verleihen und die technisch eine Neugestaltung des gesamten
Baues zur Folge haben.
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Die Gehängekonstruktion wirkt sich in der Ausbildung des Daches günstig
aus. Im Gegensatz zum Gewölbe wird sich zum großen Teil der Zug des Gehänges vom
Dachstuhlschub subtrahieren. Vielfach wird sich eine Art Fischbauchträger oder Zweigelenkbogenträger
ergeben, wobei die Obergurte die Dachhaut und die Untergurte die Kettenlinie der
Decke bilden. Im Gegensatz zur Deckenwölbung, bei der das Netzwerk der Gewölbeform
angepaßt werden muß, wird eine wesentliche Materialersparnis erzielt. Bei der Nachahmung
von Gewölben (Kuppel, Tonne oder sonst eine Wölbung) weist die Dach- oder Deckenkonstruktion
eine Menge von Druckstäben auf, die auf Knickung beansprucht werden. Dies hat eine
besondere Versteifung der Konstruktion zur Folge, die Arbeit und Material kostet.
Bei dem Hängesystem gemäß der Erfindung wird eine Knickgefahr ausgeschaltet, da
ja alles hängt und auf Zug beansprucht wird. Druckstäbe werden Zugseile, die statisch
viel günstiger auszuwerten sind. Die Beseitigung der Knickgefahr bedeutet eine große
Materialersparnis an Stahl.
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Bei den bisherigen gewölbten Decken war man wegen-der labilen Konstitution
des Gewebes gezwungen, eine Menge von Eisen zu legen, an denen das Netzwerk möglichst
oft und in kurzen Abständen angehängt werden konnte. Dies besonders deshalb, um
der Gefahr des Durchhängens zu begegnen, da sonst die Unechtheit des Scheingewölbes
von vornherein offensichtlich wäre. Diese Gefahr des Durchhängens und damit der
Aufdeckung eines Vorgetäuschten kann nicht auftreten, wenn man erfindungsgemäß das
Gewebe seiner Eigenart entsprechend verwendet, wenn es also hängt. Das Netzwerk
wird hierbei weniger leicht und auffällig von der vorgeschriebenen Form abweichen,
da seine Tendenz dieser nicht entgegensteht, sondern gleichlaufend ist. Bei der
erfindungsgemäßen Anwendung braucht also das Netzwerk des Gehänges wesentlich seltener
geknüpft zu werden als das des Gewölbes, so daß die für das Netzwerk notwendigen
Formstähle in bedeutend weiteren Abständen voneinander gehängt werden können. Es
tritt wiederum eine erhebliche Einsparung an Stahl ein.
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Zu dieser Gewichtsersparnis kommt noch hinzu, daß die Deckenfläche
an sich nur dünn torkretiert zu werden braucht, insofern, als der Beton lange nicht
mehr wie im umgekehrten Sinn beim Gewölbe so stark versteifend wirken muß. Es wird
damit beim Erfindungsgegenstand das Verhältnis von Fläche zum Materialgewicht ganz
bedeutend günstiger. Dies kommt der Dimensionierung der Stahlstäbe sowie dem ganzen
Bau zugute. Die Auflager für die Deckenkonstruktion können schwächer gehalten werden
als bei den bisherigen
Gewölben. Pfeiler, Sätil(n und Wände brauchen
nicht mehr so stark geit@i.'.ten zu werden wie üblich.
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Aber nicht nur auf rein wirtschaftlichem Gebiet ist das Vorteilhafte
des Erfindungsgegenstandes begründet. Die Decken mit hängenden Bogen bieten neue
Möglichkeiten der Architektonik und überhaupt der Gestaltung von Räumen. Die Benutzung
des Hängenden unter stärkster statischer Ausnützung ergibt kunstvoll wirkende Ausdrucksformen,
gerade weil der Eigenart und der Natur des verwendeten Materials, nämlich des Gewebes
oder Netzwerks, das hängen will, kein Zwang angetan wird, wie es bei den Gewölben
nach bisheriger Art, außer dein Steingewölbe, der Fall ist. Die Decken und Räume
wirken ästhetisch schön und angenehm. In Abkehr von der bisherigen Anschauung für
gebogene Decken (Gewölbe) wirkt der ganze Raum mit der Decke mit hängendem Bogen
gemäß der Erfindung leicht. Denn die Wände können dünn bleiben, so wie es die Betonkonstruktion
und Isolierung verlangt, und Säulen werden zu Stäben. Es ist hierbei eine Unmenge
neuer --Mög-
lichkeiten für liebevolle und monumentale Formgebung in Stahlbeton
gegeben.
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Es hat sich gezeigt, daß Kirchen, deren Gewölbe durch den Krieg zerstört
worden sind und aus Mangel an allein nicht wieder aufgebaut werden können, mit Hilfe
der erfindungsgemäßen Bauweise so wiederhergestellt -,werden können, daß sie eine
ihrer Bestimmung würdige Ausdrucksform erhalten. Die auf sich sell)st beruhende
ansprechende Deckenform gemäß der Erfindung läßt den Gedanken eines Vergleichs mit
einem Gewölbe und damit einer -Nachahmung gar nicht hochkommen, und darin liegt
zugleich die Stärke der Ausdrucksform und der künstlerischen Wirkung. Ferner können
auch Festhallen und ähnliche Räume würdig gestaltet werden. Je nach Höhenunterschied
der Seilenden und der Spannung der Seile, zwischen denen die Netze unterschiedlich
durchhängen können, lassen sich die verschiedensten Wirkungen erzielen.
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Es ergibt sich bei der Erfindung ferner, daß die Decke mit hängenden
Bogen die raumakustische @i'irkung verbessert. Es ist bekannt, daß die Gewölbebauten
stark den Nachhall fördern, weshalb man zum Einbau schalldämpfender Flächen oder
sonstigen Formänderungen gezwungen war. Bei der erfindunggemäßen Deckenform ist
dies nicht nötig. Sie ist gerade durch ihre hängenden Bogen in akustischer Wirkung
den gekrümmten Decken anderer Konstruktionen überlegen, ohne daß akustische Nachteile
anderer Art in Kauf genommen werden müssen.