DE74576C - Verfahren und Vorrichtung zur Bearbeitung von Hohlglaswaaren - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Bearbeitung von HohlglaswaarenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 67: Schleifen und Poliren.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 23. Juni 1893 ab.
Das im Nachstehenden beschriebene Verfahren hat den Zweck, solche Schnittflächen an
Glaswaaren, welche in irgend einer Weise, insbesondere aber nach der in den Patentschriften
Nr. 68740 und 73527 beschriebenen Methode zerschnitten sind, zu schleifen, abzurunden
und zu poliren. Für jede dieser drei Operationen bedient man sich eines eisernen
Tisches, der aus drei über einander liegenden kreisförmigen, horizontalen Platten P P1 P'2
besteht, die von vier Füfsen getragen und durch Distanzstücke E in geeigneten Abständen von
einander gehalten werden. Eine Anzahl kleiner verticaler Wellen A wird in Lagern geführt,
die in den Platten PP' befestigt sind. An ihrem unteren Ende sind diese Wellen mit
Spitzen versehen, die auf Spitzerilagern C ruhen, welche in die Platte P2 eingeschraubt und mit
Handrädern und Gegenmuttern versehen sind. Diese Spitzenlager ermöglichen das Heben und
Senken der Wellen A. Die Wellen A tragen Riemscheiben ρ und endigen, oben in mit
umgebogenen Rändern versehene Tragplatten rx, die je drei Stellschrauben aufweisen.
Auf diese Tragplatten werden die hölzernen Behälter b aufgesetzt, die zur Aufnahme der
zu bearbeitenden Glaswaaren, z. B. Trinkgläser, bestimmt sind. Die Mitten der Tragplatten rx
fallen mit den Achsen der Wellen A zusammen und sind in einer Spirallinie um den Mittelpunkt
der Platte P herum angeordnet.
Auf einer verticalen Welle B sind zwei horizontale Riemscheiben h h 1 angeordnet,
von denen die eine h von einer Transmission aus angetrieben wird, während die andere hl
die Bewegung auf sämmtliche Riemscheiben ρ durch einen einzigen Riemen überträgt, wie
dies in der Fig. 2 angegeben ist.
Für den Zweck des Schleifens der Glaswaare wendet man in Verbindung mit der vorbeschriebenen
Antriebsvorrichtung den nachstehend erläuterten Mechanismus an.
In der Mitte des oben erwähnten Tisches ist ein verticaler Träger Cx angeordnet, der
einen Cylinder L aus Kupfer trägt. Letzterer kann an dem verticalen Träger gehoben und
gesenkt und in irgend einer bestimmten Höhenlage durch Stellringe kl k" festgestellt werden.
Gleichfalls aus Kupfer hergestellte
Sectoren S S1 S'2 SB können nach dem
Umfange des Cylinders hin in einer zwischen . den beiden Platten II1 und dem Klotz L angeordneten
cylindrischen Nuth verschoben werden. Diese Sectoren sind mit je einem nach aufsen hervorragenden Ansatz r versehen, an
welchem mittelst federnder Lamellen aus Stahl g gl eine Klammer H befestigt ist, durch
deren Kautschukbacken eine viereckige Hartglasplatte V festgehalten wird.
Die Stahllamellen g gi sind mittelst Schrauben
so angeordnet, dafs die Glasplatte V sich stets mit einem gewissen Druck auf den Rand des
zu schleifenden Glases auflegt. ' Auf der Platte P und zwischen den von den W7eilen A
getragenen Haltplatten rx sind kleine verticale, eiserne Säulen/ angeordnet, welche mit ihrem
oberen Ende als seitliche Führung für die viereckigen Glasplatten V dienen. Die Glasplatten
werden zu diesem Zwecke in die mit Nuthen versehenen Rahmen F aus hartem Holze
eingesteckt, deren freie Schenkel mit ihren Seitenflächen leicht gegen die Mittellinie des
Rahmens geneigt sind, d. h. nach dem Innern des Apparates hin convergiren. Die Rahmen
werden von den Sectoren SS1S2... ... gehalten
und an letztere durch Kautschukbänder m angespannt, deren äufsere Enden bei K an dem
Rahmen befestigt und um die Ansätze η an den genannten Sectoren herumgelegt sind.
Wenn die zu bearbeitenden Glaswaaren, z. B. Trinkgläser, in die Behälter eingesetzt
sind und letztere um ihre Achse gedreht werden, so werden die Ränder der Glaswaaren infolge
ihrer Berührung mit den Glasplatten angegriffen und glatt geschliffen.
Das Einsetzen und Wiederherausnehmen der Gläser geschieht in folgender Weise:
Man dreht zunächst den Sector S so, dafs er bei ο steht. Man zieht alsdann das Glas,
dessen Rand abgeschliffen ist, aus dem Behälter b heraus, indem man letzteren mit
der linken Hand festhält, und setzt alsdann ein neues Glas wieder ein. Ist dieses geschehen
, so überläfst man den Behälter sich selbst, der nun wieder in Umdrehung gesetzt
wird. Man dreht alsdann den Sector S'1 derart, dafs die dazugehörige Glasplatte sich auf den
Rand des Glases legt, das man in den Behälter b eingesetzt hat. Alsdann nimmt man
das Glas des Behälters bl heraus und ersetzt
es durch ein anderes. Man führt alsdann in .,derselben Weise, wie vorhin beschrieben, den
Sector S2 in die Stellung des Sectors S1 über
und fährt so mit dem Entleeren und Wiederbesetzen der Behälter fort. Der Betrieb bleibt
somit ein ununterbrochener.
Da die zu schleifenden Gläser in einer Spirale angeordnet sind, so wird bei jeder Verlegung
der Sectoren der Rand des Glases in der zum Schleifen benutzten Hartglasplatte des
Sectors an einer anderen Stelle eine Furche einschneiden. Die Abnutzung der zum Schleifen
benutzten Platten wird hierdurch auf eine gröfsere Fläche vertheilt und die Benutzungsdäuer
dieser Platten erheblich erhöht.
Man kann die Construction des vorstehend beschriebenen Apparates in mannigfacher Weise
abändern, so z. B. kann man die Wellen A sich dadurch drehen lassen, dafs man die Riemscheiben
ρ durch Reibungsräder ersetzt, welche an einem gemeinsamen, auf der Welle B befestigten
Reibungsrade anliegen, und ferner kann man die Verlegung der Schleifplatte V dadurch
bewirken, dafs man die Klammern q an einem Excenterringe befestigt, welcher an einer Verlängerung
der Welle B angebracht ist. Dies kann man insbesondere dann thun, wenn man
wünscht, dafs eine beständige und selbstthätige Verlegung der Schleifplatten stattfinde. Man
kann diese Platte auch auf einer Achse oder auf einer über die Welle -B geschobenen Büchse
befestigen, wenn man den Wechsel in ,der Lage der Schleifplatten gelegentlich von Hand
ausführen will.
Zum Abrunden der in der vorstehend beschriebenen Weise geschliffenen Gläser wird
ein Apparat benutzt, der aus einem Tisch besteht, welcher dem oben beschriebenen ähnlich
ist. Nur sind die Mittelachsen der Platten rx und der Welle A nicht in einer Spirallinie wie
bei dem vorerwähnten Apparat, sondern concentrisch auf der Platte P angeordnet und die
Welle B ist nach oben über die Platte P hinaus verlängert und mit einem schrägen Rade X
versehen, welches in der gewünschten Höhe mittelst Druckschrauben befestigt werden kann.
Dieses Rad dient zur Umsetzung der der Welle B mitgetheilten rotirenden Bewegung in
eine auf eine Anzahl Hebel \ zu übertragende,
hin- und hergehende Bewegung, welche Hebel \ von Säulen Y getragen werden, die auf den
von der Achse der Welle B nach den Achsen der Welle A gezogenen Radien angeordnet
sind. Die Hebel tragen an ihrem einen Ende kleine Rollen v, welche sich an die Scheibe X
anlegen, und sind an ihrem anderen Ende mit einem eisernen Rahmen W versehen.
Vier in einen Haken endigende Schrauben w dienen dazu, im Innern dieser Rahmen W zwei
Kautschukringe wx w2 festzuhalten und dieselben
einer gewissen Verdrehung zu unterwerfen. Durch diese Kautschukringe sind Hartglasröhren
if1 gezogen, von denen sich die eine
gegen den inneren, die andere gegen den äufseren abzurundenden Rand- des Glases legt.
Der Druck der Röhren gegen die scharfen Ränder des Glases wird durch Verdrehung der
Kautschukringe bewirkt bezw. regulirt.
Um ein Glas, dessen Ränder abgerundet werden sollen, in den Behälter b einzusetzen,
hebt man von Hand den betreffenden, an dem Hebel ^ befestigten Rahmen W empor und
drückt die Röhren ίί1 an den inneren und an
den äufseren Rand des Glases an, indem man den Rahmen W herabläfst. Die Rolle ν legt
sich sofort gegen die schräg aufgesetzte Scheibe X, die den Hebel % in Schwingung versetzt. Die
Röhren 111 reiben gegen die scharfen Ränder,
indem sie sich abwechselnd von unten nach oben und von oben nach unten in einer durch
ihre Achsen gelegten verticalen Ebene bewegen, und schwingen hierbei um ihren Befestigungspunkt an der Klammer. Durch diese Art der
Bewegung werden die scharfen Ränder abgeschliffen und abgerundet.
Das Poliren wird mittelst desselben Apparates bewirkt, der zürn Abrunden der scharfen Ränder
dient, nur werden an Stelle der Hartglasröhren t tl hölzerne Reibahlen eingesetzt, an
denen mit angefeuchtetem Tripel überzogene Korkstücke angebracht sind. Durch die schnelle
Reibung dieser Korkstücke an dem Rande des zu polirenden Glases wird dem letzteren der
Glanz wiedergegeben, der ihm durch die vorhergehenden Operationen genommen worden
war.
Claims (2)
- Patent-Ansprüche:ι . Ein Verfahren zur Bearbeitung der Schnittflächen von Glaswaaren, darin bestehend, dafs auf den zu schleifenden, abzurundenden oder zu polirenden Schnittflächen gegebenenfalls mit Schleif- oder Polirmitteln versehene Glasplatten oder -Röhren bewegt werden, welche von Hand oder durch mechanische Mittel eine continuirliche Verstellung erfahren, während die zu bearbeitenden Gegenstände unter diesen Platten oder Röhren eine schnelle Rotationsbewegung ausführen.
- 2. Zur Ausführung des unter i. gekennzeichneten Verfahrens eine Vorrichtung zum ' Schleifen, Abrunden und Poliren der Schnittflächen von Glaswaaren mittelst Schleif- und Polirwerkzeuge, welche zur Vermeidung einer auf eine bestimmte Stelle beschränkten Abnutzung entweder beständig oder in Zeitabschnitten eine Verschiebung gegenüber dem Werkstück erfahren, bestehend aus einem rotirenden, das Werkstück aufnehmenden Träger r in Verbindunga) für den Zweck des Schleifens mit den Platten V, welche gegen die Schnittfläche des Glases durch Federn q angedrückt werden, welche an den Sectoren S oder an einem exentrischen, nach dem jedesmaligen Schleifen zu ■versetzenden oder sich automatisch bewegenden Ringe angeordnet sind;b) für den Zweck des Abrundens mit zwei gläsernen (bezw. zum Zweck des Polirens hölzernen, mit einer mit Polirmittel bestrichenen Korkhülle umgebenen) Rundstäben oder Röhren, welche eine hin- und hergehende Bewegung ausführen, und von denen der eine sich auf den inneren, der andere auf den äufseren Rand des Glases stützt.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| DENDAT74576D Expired - Lifetime DE74576C (de) | Verfahren und Vorrichtung zur Bearbeitung von Hohlglaswaaren |
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- DE DENDAT74576D patent/DE74576C/de not_active Expired - Lifetime
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