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Verfahren zur Herstellung eines in der Magensäure leichtlöslichen
Eisenpulvers für therapeutische Zwecke Feinstes Eisenpulver (Ferrum reductum) ist
ein viel verwendetes Arzneimittel. Ein für diesen Zweck genügend feines Eisenpulver
kann nur dadurch gewonnen werden, daß man metallisches Eisen aus Eisenverbindungen
unterhalb der Schmelz- bzw. Sintertemperatur des Eisens entstehen läßt. Eisen in
gröberer Form ist als Arzneimittel ungeeignet, da es den Verdauungskanal mechanisch
reizt. Aber auch das feinste in der oben beschriebenen Weise gewonnene Eisenpulver
kann ohne Gefährdung des Verdauungskan,als nicht in so großen Dosen verabfolgt werden,
daß eine in allen Fällen genügende Heilwirktmg ausgelöst wird (vgl.
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G. H e m m e 1er, Schweizerische medizinische Wochenschrift, Bd. 69
[I939], S3I7, 3I8 viSchlußfolgemngen irnd Therapie«). Der Grund für diesen Nachteil
liegt darin, daß auch feinstes Eisenpulver sich im Magen nur äußerst langsam und
deshalb sehr unvollständig löst.
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Es wurde nun gefunden, daß es gelingt, ein haltbares, feinstes, in
der Magensäure leicht lösliches Eisenpulver, welches an der Luft genägend beständig
ist und auch in mechanischer Hinsicht eine genügrende Widerstandsfähigkeit aufweist,
dadurch zu gewinnen, daß man eine Mischung von untergeordneten Mengen eines Platins
alzes, welche Platin in der Größenordnung von etwa IOIoo, bezogen auf das vorhandene
Eisen, enthält, und fein verteiltem Eisen oder einer entsprechenden Eisenverbindung
reduziert und das erhaltene Gemisch rasch trocknet. Falls gleichzeitig Säure zugegen
ist, soll diese höchstens einen Bruchteil der dem Eisen äquivalenten Menge betragen.
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Es ist zwar bekannt, daß gröbere Eisen. stücke sich viel rascher
in Säure lösen, wenn man der letzteren leine Platinsalzlösung zusetzt, und es ist
auch bekannt, daß diese Wirkung auf der Depolarisation des sich bildenken Wasserstoffs
durch das an der Oberfläche des Eisens sich abscheidende Platin beruht.
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Bei der vorliegenden Erfindung handelt es sich aber um die Aufgabe,
ein als Arzneimittels verwendbares, trockenes, haltbares, feinstes Eisenpulver herzustellen,
welches sich in der stark verdünnten Säure des Magens rasch und restlos löst. Eine
Lösung dieses Problems war aus den oben angegebenen Kenntnissen nicht zu schöpfen.
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Durch einfaches Vermischen von Eisen-und Platinpulver erhält man
nämlich kein in
verdünnter Säure leicht lösliches Präparat.
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Vielmehr muß das Platin, wie gefunden wurde, mit dem Eisenpulver in
innige Berührung gebracht werden, d. h. seine Oberfläche zum größten Teil festhaftend
überziehen. Dabei soll allerdings auch keine vollständige Umhüllung des Eisens durch
das Platin erfolgen. Die auf dem Eisen haftende Platinschicht darf also nicht zusammenhängend
sein, vielmehr muß sie Lücken haben; denn sonst läßt sich eine Löslichkeit des Eisens
nicht erzielen.
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Es war nun keineswegs vorauszusehen, daß nach vorliegendem Verfahren
das Platin sich derart auf dem Eisen niederschlagen würde, daß auch das nachher
getrocknete Metall sich rasch in verdünnter Säure löst. Auch waren keinerlei Anhaltspullkte
für die Haltbarkeit eines solchen Präparates vorhanden.
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Tatsächlich ist aber das neue Präparat sowohl gegenüber mechanischen
Beanspruchungen, wie z. B. gegen Abrieb, hoch widerstandsfähig, andererseits überraschenderweise
chemisch beim Lagern an der Luft durchaus indifferent, insbesondere auch gegen den
Angriff des Luftsauerstoffs unempfindlich, was angesichts der bekannten Eigenschaften
von Platin als Sauerstoffüberträger nicht erwartet werden konnte.
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Das Festhaften des Platins auf dem Eisen. welches zur Erzielung des
neuen Erfolges von entscheidender Bedeutung ist, kann dadurch erreicht werden, das
man fertiges, feinstes Eisenpulver mit stark verdünnten Platinsalzlösungen verrührt
und rasch trocknet oder auch dadurch, daß man aus Eisensalzlösungen unlösliche Eisenverbindungen
zusammen mit geringen Mengen Platin in den oben genannten Mengenverhältnissen zur
Abscbeidung bringt und diese dann durch Reduktion in an sich bekannter Weise in
feinstes, metallisches Eisenpulver überführt. Dabei ist erstaunlich, daß für diesen
Zweck nur ganz geringe Mengen Platin erforderlich sind, nämlich etwa 1 Teil Platin
auf 1000 Teile angewandter bzw. erzeugtes Eisen. Wird die Platinmenge weiter stark
erhöht, so nimmt die Lösungsgeschwindigkeit wieder ab.
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Eisen, insbesondere trockenes, zu medizinischen Zwecken verwendbares
feinstes Eisenpulver, das eine im Vergleich zu den entsprechenden handelsüblichen
Sorten um ein Vielfaches gesteigerte Löstmgsgeschwindigkeit aufweist, ist bis jetzt
nicht bekanntgeworden.
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Der Fortschritt, der durch vorliegende Erfindung gemacht wird, ist
sehr bedeutend. Einerseits braucht man von erfindungsgemäß vorbehandeltem Eisen
nur Bruchteile der sonst üblichen Dosen zu verabfolgen. Noch wesentlicher ist es
aber, daß durch die restlose Auflösung solchen Eisens im Magen der Verdauungskanal
vollkommen geschont wird, was bei den Krankheiten, dile eine Behandlung mit Eisen
benötigen (Blutarmut usw.!, ganz besonders wertvoll ist, da sie fast immer mit Appetitlösigkeit
verbunden sind.
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Nachstehend werden zwlei Ausf ährungsb eispiele für das Verfahren
angeführt.
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Beispiel I In 11 mit Kohlensäure gesättigtem Wasser wird die 0,2
g I(atalysatormetall entsprechende Menge des Salzes, z. B. o,53 g H (Pt Cl6) .6
H2 0 gelöst. Unter Durchleiten von Kohlendioxyd wird die wässerige Lösung mit 200
g in Wasserstoff reduziertem, chemisch reinem Eisenpulver versetzt und I bis 2 Stunden
gerührt. Daml wird das Eisenpulver von der Flüssigkeit durch Abgießen getrennt,
mit Wasser, das mit Kohlensäure gesättigt ist, gewaschen und im indifferenten Gasstrom
getrocknet.
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Das so aktivierte trockene Eisenpulver wird zweckmäßig in luft- und
feuchtigkeitsdichter Verpackung aufbewahrt.
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Beispiel 2 7 5 Gewichtsteile kristallisiertes Ferrosulfat werden
in 6000 Gewichtsteilen Wasser unter Zusatz von 8 Gewichtsteilen konzentrierter Schwefelsäure
gelöst. Die Lösung wird mit Platinch]oridlösung entsprechend 0,0015 Gewichtsteilen
Pt versetzt und durch allmähliches Zufügen von Natronlauge gefällt. Der entstandene
Niederschlag wird durch wiederholtes Dekantieren salzfrei gewaschen und schließlich
filtriert. Man trocknet den Niederschlag bei 1000 und zerreibt die staubtrockene
Masse. Nun erhitzt man im Rohr im Wasserstoffstrom, bis die Reduktion vollständig
ist.
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Das so gewonnene reduzierte Eisen hat einen grauen Glanz und liefert
beim Zerdrücken ein feines Pulver.