DE70784C - Eine Masse zum Anstrich bezw. zur Bekleidung von Oberflächen oder zur Formerei und Aehnlichem - Google Patents
Eine Masse zum Anstrich bezw. zur Bekleidung von Oberflächen oder zur Formerei und AehnlichemInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
Vorliegende Erfindung betrifft die Herstellung von neuen anhaftenden Massen für Wandbekleidungen
, oder für Bekleidungen von Oberflächen bezw. für die Formerei oder ähnliche
Zwecke.
So gehört zur vorliegenden Erfindung die Herstellung einer anhaftenden Masse, welche
mit der unter dem Namen Alabastine im Handel bekannten Masse Aehnlichkeit hat, jedoch
schon mit kaltem Wasser gemischt viel wirksamer als diese ist. Eine solche Masse wird nach
vorliegender Erfindung hergestellt, indem man Thierleim und ein geeignetes Grundmaterial,
wie Gyps, welcher ganz oder theilweise gebrannt sein kann, zusammenmischt, und die
Mischung erhitzt.. Hierdurch wird der Leim zerreiblich und man erhält bei genügend
inniger Durchmischung des Leimes mit dem Gyps eine Masse, welche so fein zerkleinert
werden kann, dafs man im Stande ist, dieselbe mit Leichtigkeit durch Anrühren mit kaltem
Wasser gebrauchsfertig, zu machen. Eine solche anhaftende Masse kann für erhabene
Arbeit, zur Formerei und Aehnlichem, zum Bekleiden und Ueberziehen von Wänden,
Oberflächen, mit Vortheil Verwendung finden.
Bisher war es nöthig, Alabastine mittelst heifsen Wassers zum Gebrauch fertig zu machen,
denn durch Anwendung von kaltem Wasser würde diese Masse derart ihre anhaftende Eigenschaft verlieren, dafs dieselbe, als Ueberzug
oder Verkleidung auf Wänden angewendet, sich leicht davon wieder ablöst; so haben sich
denn auch bei fehlerhafter oder nachlässiger Anwendung von Alabastine, z. B. wenn das
benutzte Wasser nicht heifs genug war, entsprechende Unzuträglichkeiten infolge unvoll-,
kommener Anhaftbarkeit ergeben, was bei vorliegender Erfindung nicht eintreten kann.
Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, eine geringe Menge von Zinksulfat oder gleichwirkender
Substanz dem Leim und Gyps bezw. dessen Ersatz zuzumischen.
Entsprechend vorliegender Erfindung kann man auch eine anhaftende Masse, welche man,
mit kaltem Wasser gemischt, an Stelle der ge-■ wohnlichen Ueberzugs- bezw. Anstrichmassen
mit Vortheil verwenden kann, etwa auf folgende Weise herstellen.
Man mischt Thierleim und ein geeignetes inertes oder indifferentes Grundmaterial, wie
Schlämmkreide, erforderlichenfalls in feuchtem Zustande, zusammen und erhitzt dann das
Ganze. Auf diese Weise wird der Leim eben·^ falls zerreiblich und bei inniger Durchmischung
des Leimes mit der Schlämmkreide erhalt man ein Material, welches derartig fein zerkleinert
werden kann, dafs dasselbe nach Zusatz von kaltem Wasser vortheilhaft als Anstrichmasse
benutzt werden kann.
Auch hier kann es vortheilhaft sein, eine geringe Menge Zinksulfat oder gleichwirkenden
Metallsalzes dem Leim und dem Grundmaterial zuzusetzen.
Auf solche Weise kann man eine trockene Masse erhalten, welche in Blech- oder anderer
gegen Feuchtigkeit sicherer Verpackung lange Zeit aufbewahrt, bei jedem Wetter und Klima
verschickt und überall' nur mit Hülfe von kaltem Wasser, ohne jede Benutzung von
heifsem Wasser, gebrauchsfertig gemacht werden kann.
Um eine Alabastine ähnliche Masse, nach vorliegender Erfindung herzustellen, verfährt
man beispielsweise zweckmäfsig folgendermafsen: Gyps wird in einem geeigneten Gefäfs durch
Erhitzen entwässert oder entwässerter Gyps in einem Gefäfs erhitzt und hierzu langsam in
Wasser gelöster Leim gegossen.
Hierbei wird das Wasser der Leimlösung und des Gypses (wenn solches noch vorhanden
ist) ausgetrieben, und der Leim wird zerreiblich; dessen kleinste Theilchen vermischen sich
mit denjenigen des Gypses auf das Innigste, so dafs die Masse aus Leim und entwässertem
Gyps erheblich leichter zu einem äufserst feinen Pulver zerkleinert werden kann, als wenn Leim
und Gyps einfach zusammen vermählen werden.
Man kann aber auch trockenen Thierleim —- gemahlen oder in Stücken — in den Behälter
mit erhitztem Gyps bringen. In diesem Fall wird durch die dem Behälter zugeführte
Hitze die Feuchtigkeit des Gypses in Freiheit gesetzt und durch Einwirkung dieser Feuchtigkeit
in der Wärme wird der Leim zerreiblich. Wenn man die hierbei erhaltene Masse, welche
eine innige Mischung von Gyps und Leim darstellt, in gemahlenem Zustand mit kaltem
Wasser mischt und diese Mischung auf Flächen aufträgt, so bleibt dieselbe an letzteren thatsächlich
gut haften.
Bei Anwendung von 'Zinksulfat kann man dasselbe direct in dem Erhitzungsbehälter der
Masse zugeben, oder aber in fein vertheilter Form mit der bereits aus diesem Behälter entfernten
Masse mischen. Folgende Mischungsverhältnisse, welche allerdings auch geändert werden können, haben sich als zweckmäfsig
und empfehlenswerth erwiesen, nämlich auf ioo Gewichtstheile Gyps etwa 4 bis 8 Gewichtstheile
Thierleim und etwa 0,4 bis 1,5 Zinksulfat oder dessen Ersatz.
Um der Masse gewünschtenfalls eine andere als weifse Farbe zu geben, können zu der
aus dem Erhitzungs- bezw.' Mischgefäfs kommenden Mischung' Farben zugesetzt werden,
welche mit der Masse in geeigneter Weise vermählen werden können. Auch kann man die
Farben der Masse schon in dem Erhitzungsb.ezw. Mischgefäfs zugeben. Anstatt Zinksulfat
kann man jedes andere Mineralsalz verwenden, welches die Eigenschaft besitzt, der die Abbindezeit
des Gypses verlangsamenden Fähigkeit des Leimes entgegenwirken zu können und die
Härte des abgebundenen, fest gewordenen Materials zu erhöhen.
. Selbstverständlich kann man gewünschtenfalls in vorliegendem Verfahren auch vorher
kalcinirten Gyps anwenden, in welchem Fall der Leim in feuchtem Zustand zugesetzt werden
wird; es kann auch Dampf bezw. Wasser zur Erzeugung der erforderlichen Feuchtigkeit zugeleitet
bezw. zugeführt werden.
Bei der Herstellung einer Masse mit Hülfe eines inerten indifferenten Grundmaterials kann
man nach vorliegender Erfindung zweckmäfsig in der Weise verfahren, dafs man etwa
100 Gewichtstheile Schlämmkreide oder deren Ersatz und Leim — vortheilhaft etwa 4 bis
8 Gewichtstheile —■ mit oder ohne Zusatz von Wasser in einem Gefäfs zur Entfernung der
Feuchtigkeit aus dem festen Grundmaterial erhitzt, wobei der Leim durch die gleichzeitige
Einwirkung der Feuchtigkeit und der Wärme zerreiblich wird. Gewünschtenfalls kann man
diese Mischung nun zu einem feinen Pulver zerkleinern und erhält alsdann eine Masse,
welche durch Zusatz von kaltem Wasser gebrauchsfertig gemacht werden kann und, auf
Wände oder sonstige Oberflächen aufgetragen, daselbst gut haften bleibt.
Sollte das feste Grundmaterial, wie etwa die Schlämmkreide, für die Einwirkung auf den
Leim nicht genügend Feuchtigkeit besitzen, so kann man dem Grundmaterial Wasser zusetzen.
Letzteres kann auch geschehen, indem man Wasser vor oder nach der Zusammenmischung
des Grundmaterials mit dem Leim in das Erhitzungs- bezw. Mischgefäfs einlaufen läfst.
Man kann aber auch das Grundmaterial mittelst Dampfes anfeuchten. Der Leim kann in
trockenem Zustande oder als Wasserlösung angewendet werden. Bei Benutzung von Zinksulfat
oder dessen gekennzeichnetem Ersatz, welches man in gleichem Mengenverhältnifs
wie für Gyps - Leimmasse anwenden kann, empfiehlt es sich, dasselbe entweder direct in
das Erhitzungs- bezw. Mischgefäfs, oder aber in fein zertheiltem Zustande der bereits aus
diesem Gefäfs entfernten Masse zuzugeben. Diese Masse kann man ebenso, wie für die
Gypsmasse angegeben, mit Farben versetzen.
Claims (1)
- Patent-Ansprüche:i. Eine Masse zum Anstrich bezw. zur Bekleidung von Wänden oder anderen Oberflächen bezw. zur Formerei oder ähnlichen Zwecken, bestehend aus einem festen Grundmaterial, wie ganz oder völlig kalcinirtem Gyps, Schlämmkreide oder deren Ersatz, innig gemischt mit Thierleim, welcher durch Einwirkung von Feuchtigkeit und Wärme in zerreiblichen Zustand übergeführt ist, eventuell mit einem Gehaltvon Mineralsalz, wie Zinksulfat, welche Masse in fein zertheiltem Zustand, einfach gemischt mit kaltem anstatt heifsem Wasser, gebrauchsfertig ist.Verfahren zur Herstellung der in Anspruch i. gekennzeichneten Massen, im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dafs man Thierleim —· trocken oder in Wasser gelöst — mit Gyps, Schlämmkreide oder deren. Ersatz (erforderlichenfalls mittelst Wasser oder Dampf angefeuchtet) — eventuell auch mit einem Mineralsalz, wie Zinksulfat — unter derartiger Anwendung von Wärme, in Gegenwart von Feuchtigkeit, mit einander mischt, dafs nicht allein die innige Mischung der Materialien mit einander erzielt wird, sondern auch der Leim durch die gleichzeitige Einwirkung von Wärme und gegenwärtiger Feuchtigkeit, und damit auch die ganze Mischung leicht zerreiblich wird, wobei, bei. Anwendung von Gyps, letzterer kalcinirt wird.
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