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Verfahren zur Aufarbeitung von Bratsatz Beim Braten von Nahrungsmitteln
in Öl oder einem Fettgemisch bildet sich durch die abfallenden Nahrungsmittelteilchen
ein Niederschlag, der sog. Bratsatz. Ein derartiger Rückstand fällt in besonders
großer Menge in den Fischbratereien an. Beim Braten der panierten Heringe, Schellfische
usw. sinkt der Bratsatz in dem aus Öl und Hartfett bestehenden Bad zu Bod-n und
sammelt sich dort zu einer Schicht, die den Wärmeübergang beeinträchtigt und leicht
anbrennt. Dabei entstehen Stoffe, die den Lebensmitteln einen unerwünschten Geschmack
erteilen.
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Dieser Bratsatz wird von Zeit zu Zeit aus den Pfannen entfernt. Er
enthält neben den abgefallenen Nahrungsmittelteilchen, Mehl usw. eine große Menge
Fett. Man ist deshalb seit langem bestrebt, diesen Rückstand in irgendeiner Weise
nutzbar zu machen. Ein Filtrieren führt nicht zu dem gewünschten Erfolg, weil sich
die Masse infolge ihrer Konsistenz kaum filtrieren läßt, und das Fett auch derart
verunreinigt ist, daß es als Bratmittel höchstens in ganz geringer Menge frischem
Fett zugesetzt werden kann< Eine Extraktion des Bratsatzes mit üblichen Fettlösungsmitteln
führt ebenfalls nicht zum Ziel. Ein derartiges Verfahren ist auch nicht wirtschaftlich.
Bei der heutigen Rohstoffknappheit scheint es jedoch geboten, die Bestandteile des
Bratrückstandes einer weiteren Verwertung zuzuführen.
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Die Erfindung hat sich die Aufgabe gestellt, den Bratsatz so aufzuarbeiten,
daß sämtliche Bestandteile, also sowohl Öl und Hartfett als auch die festen Verunreinigungen,
verwertet werden. Sie bedient sich dabei eines Preßvorganges. Dabei wird von der
Erkenntnis ausgegangen, daß eine direkte Pressung des Bratsatzes wegen seiner dünnen
Konsistenz und schmierigen Beschaffenheit kaum durchführbar ist.
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Es ist bereits seit langem bekannt, öl-oder fetthaltige Naturerzeugnisse,
wie Nüsse, Samen usw., mit fettarmen Stoffen, wie Getreidemehlen, Kreide, Tonerde
o. dgl., zusammen zu verpressen. Auf diese Weise gelingt es jedoch nicht, das in
dem Naturerzeugnis enthaltene Öl oder Fett als solches zu gewinnen; sondern die
pulverförmigen Stoffe nehmen einen Teil des Fettes oder Öles auf, das sich innerhalb
der gesamten Masse verteilt. Die Aufgabe der Erfindung, nämlich, den Preßwiderstand
zu erhöhen, um das Fett aus dem Bratsatz auspressen zu können, läßt sich mit den
bekannten -Zusatzstoffen nicht lösen, denn diese sind zum Teil sogar klebrig. Ihre
Einzelteilchen verschieben sich beim Pressen gegeneinander und setzen die ganze
Masse unter Bildung eines zusammenhängenden fetthaltigen Kuchens dicht.
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Die Erfindung schlägt im Gegensatz hierzu vor, zur Erhöhung des Preßwiderstandes
und der Ölableitung dem Bratsatz Getreidespreu oder Stroh, insbesondere Gerstenspreu,
beizumischen und das Gemisch dann vorzugs--weise zweimal zu pressen. Getreidespreu
und Stroh sind nicht wie die bei dem bekannten Verfahren benutzten pulverförmigen
Stoffe saugfähig, sie besitzen im Gegenteil eine
außerordentlich
geringe Saugfähigkeit und erhöhen 'infolge ihrer Elastizität und verhälthismäßig
großen langgestreckten Teilchenform den Preßwiderstand, verhindern aber gleichzeitig
ein Dichtsetzen der Preßmässe. Im Gegensatz zu den das Fett nur aufsaü@` genden
pulverförmigen Stoffen schaffen Ge_r-@
| stengrannen usw., die sich miteinander ve |
haken und eine eigenartige spröde Struktur besitzen, beim Pressen vorzügliche Ablaufkanäle
für das C51. Sie haben sich -deshalb als überraschend gut für eine Ölrückgewinnung
aus dem Bratsatz geeignet erwiesen.
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Das aus dem Gemenge von Bratsatz und Getreidespreu oder Stroh beim
Pressen abfließende Fett oder Öl wird beim Verfahren gemäß der Erfindung -zu einem
Seifenöl oder sonstigen 01 für technische Zwecke verarbeitet, während der
Preßrückstand zu einem Futtermittel aufbereitet wird. Hierfür ist der Zusatz von
Getreidespreu. oder Stroh ebenfalls sehr vorteilhaft, da diese Stoffe für das Vieh
verdaulich sind; gegebenenfalls können sie auch noch in einem späteren Aufschlußverfahren
in einen besser verdaulichen Stoff übergeführt werden. Durch die Erfindung wird
also gleichzeitig die einen Abfallstoff darstellende Spreu, die bisher nicht verwendbar
war und z. B. durch Verbrennen vernichtet wurde, wirtschaftlich verwertet.
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Zum Abpressen werden beim Verfahren nach der Erfindung vorzugsweise
hydraulische Pressen, wie Seiherpressen oder Etagenpressen, benutzt. Nach dem ersten
Preßgang ,enthält der Kuchen gewöhnlich noch einen ziemlich großen Prozentsatz Fett.
Im allgemeinen empfiehlt sich daher eine zweite Pressung, z. B. mittels Schneckenpressen.
Durch die zweimalige Pressung gelingt es, das Preßerzeugnis auf den handelsüblichen
Fettgehalt zu entölen. Der vermahlene Rückstand, welcher u. a, auch etwa 2o °/o
Fischmehl von zerbröckelten Bratfischen aus dem Bratsatz enthält, stellt ein sehr
wertvolles Schweinemastfutter dar.
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Es ist auch möglich, andere Preßvorrichtungen zu verwenden. Ebenso
eignet sich statt Spreu auch zerkleinertes Stroh der verschiedenen Getreidearten
als Zusatzmittel. Der Preßrückstand kann einem thermischen oder chemischen Aufschlußverfahren
unterworfen werden.
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Das von den Pressen ablaufende Fettgemisch ist schwarz gefärbt. Im
allgemeinen können die Abläufe der ersten, und zweiten Pressung miteinander vereinigt
werden. Das schwarze Rohprodukt wird mit Adsorptionsmitteln gebleicht und darauf
durch Ausfrieren und Filtrieren in Hartfett und
01 zerlegt. Die beiden Bestandteile
werden je nach der Absatzmöglichkeit weiterverarbeitet. Besonders gut eignen sie
sich zur Seifenherstellung. '' °Im einzelnen wird bei einer bevorzugten buzehführungsform
des Verfahrens der Erl%idung in folgender Weise vorgegangen:
| 6 Teile Bratzsatz werden mit i Teil Ger- |
| enspreu innig gemischt. Das Gemisch wird |
dann zunächst in einer Seiherpresse bei etwa 5o° abgepreßt. Der Preßkuchen wird
vermahlen und einem zweiten Preßvorgang bei etwa 5o° in einer Schneckenpresse unterworfen.
Man erhält ein brockenförmiges Preßprodukt, das zerrissen und vermahlen wird, beispielsweise
mit einer Exzelsiormühle und im Walzengang. Das fertige Mehl besitzt einen Fettgehalt
von etwa 7 °1o.
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Dem von -den Pressen ablaufenden Fett werden 5 bis 15 °1o Bleicherde
zugesetzt. Die Klärung erfolgt dann in üblicher Weise.
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Bei der weiteren Verarbeitung muß besonders berücksichtigt werden,
daß der Bratsatz ein Gemisch von Öl und Hartfett enthält, dessen Mengenverhältnis
schwankt. Im Sommer verwenden die Bratereien viel Hartfett, weil der Bratfisch die
nötige Steifigkeit behalten soll. ' Ein Fettgemisch mit viel Hartfett ergibt zwar
eine feste Schmierseife. Im Winter stört jedoch ein größerer Hartfettgehalt, weil
die Seife infolge der-Stearinsäuren trübe wird. Daher empfiehlt es sich, das Hartfett
ganz oder teilweise auszuscheiden. Dies geschieht in der Weise, daß die Ölmischung
in einem mit Kälteschlangen ausgerüsteten Rührbottich bei etwa io° ausgefroren wird.
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Man erkennt die Beendigung der Trennung verhältnismäßig leicht schon
daran, daß eine dicke Emulsion entsteht. Diese Emulsion wird dann durch Filterpressen
gepumpt. Der Filterkuchen enthält das Hartfett, das man zu geeigneter Jahreszeit
auf Schmierseife verarbeitet. Das von den Filterpressen ablaufende Öl eignet sich
vorzüglich zur Schmierseifenbereitung, kann jedoch ebenfalls anderen Anwendungsgebieten
zugeführt werden: