DE64615C - Verfahren und Ofen zur Gewinnung von Blei - Google Patents
Verfahren und Ofen zur Gewinnung von BleiInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 40: Hüttenwesen.
Vorliegende Erfindung betrifft die Gewinnung von Blei mit Hülfe oxydischer Bleiverbindungen.
Bisher benutzte man zur Bleigewinnung mit Hülfe oxydischer Bleiverbindungen, welche entweder
in demselben Verfahren durch Röstung aus dem zu Gebote stehenden Erz erzeugt sind
und aus Sulfat bezw. Oxyd bestehen oder auch anderen Ursprung haben (wie etwa Glätte vom
Abtreiben, Hüttenrauch, Gekrätz), vielfach Schwefelblei. In der hierbei stattfindenden
Reaction wird der Sauerstoff der oxydischen ßleiverbindung von dem Schwefel des Schwefelbleies
unter Bildung von entweichender schwefliger Säure gebunden, während sowohl das
Blei des oxydischen Bleimaterials als auch des Schwefelbleies in Freiheit gesetzt und als metallisches
Blei gewonnen wird. Enthielt das oxydische Bleimaterial Bleisulfat, so nahm auch
der Schwefel des letzteren an der Bildung der schwefligen Säure Theil. Diese bei der Reaction
stattfindenden Vorgänge lassen sich durch folgende Gleichungen veranschaulichen:
2 Pb O + Pb S = 3 Pb + S O2
Pb S O4 + PbS = 2 Pb + 2 S O2.
Pb S O4 + PbS = 2 Pb + 2 S O2.
Bei diesem bisher üblichen Verfahren der Bleigewinnung durch Erhitzen eines Gemenges
aus Bleioxydmaterial und Schwefelblei bezw. entsprechendem Bleierz trat nun der Nachtheil
zu Tage, dafs dabei viel Zeit, Arbeitskraft und Brennstoff nöthig und infolge , der langen
Arbeitsdauer Gelegenheit zu reichlicher Bleiverflüchtigung gegeben war.
Aufserdem konnte die entweichende schweflige Säure, welche mit Rauchgasen stark verunreinigt
und verdünnt war, eben aus diesem Grunde schwer in wirkungsvoller und ökonomisch
zufriedenstellender Weise beseitigt werden.
Diesen Uebelständen abzuhelfen, ist der Zweck der vorliegenden Erfindung, welcher
auf Grund dieser Beobachtungen dadurch erreicht werden soll, dafs man die Bleimaterialien
in der Weise auf einander einwirken läfst, dafs die Reaction möglichst schnell beendigt ist, und
die entwickelte schweflige Säure möglichst frei von Rauchgasen bleibt.
Demgemäß soll das oxydische Bleimaterial in einem solchen Znstand mit dem Schwefelbleimaterial
zusammengebracht werden, dafs die Reaction sehr schnell und ohne weitere künstliche Erhitzung verläuft, indem die infolge
der unter diesen Umständen so schnell eintretenden Reaction entwickelte Wärme vollauf
hinreicht, auch den Verlauf der Reaction selbst aufrecht zu halten. Zu diesem Zweck
wird nach vorliegender Erfindung das oxydische Bleimaterial vortheilhaft in einem Flammofen
in bereits feurig flüssigem Zustande mit dem zweckmäfsig vorgewärmten Schwefelbleimaterial
zusammengebracht, indem man entweder das erstere auf das letztere auffliefsen läfst, oder
das letztere in das feurig .flüssige oxydische Bleimaterial einträgt. Hierbei erfolgt entsprechend
dem oben beschriebenen Reactionsverlauf eine plötzliche und stürmische Umsetzung,
welche durch die dabei entwickelte Reactionswärme in Thätigkeit erhalten wird. Es bedarf also in diesem Fall einer besonderen
Erhitzung während des Verlaufes der Reaction nicht, so dafs die entwickelte schweflige Säure
frei von Rauchgasen, somit möglichst concentrirt und infolge dessen auch leicht nutzbringend
zu verwerthen bezw. zu beseitigen ist.
Das vorstehende Verfahren kann nun zweckmä'fsig in einem durch Fig. ι bis 4 der beiliegenden
Zeichnung (unter Fortlassung der Armatur) in zwei verticalen Längsschnitten, im Horizontalschnitt und Querschnitt veranschaulichten
Flammofen ausgeführt werden. Derselbe besteht aus zwei durch Scheidewand W
von einander getrennten Längskammern H und K und kann um einen Zapfen Z, der in
bekannter Weise hydraulisch (zu welchem Zweck derselbe in dem hydraulischen Cylinder O
angeordnet ist) oder in anderer Weise, etwa durch Schrauben etwas angehoben werden
kann, in horizontaler Ebene um i8o° gedreht
werden. Dieses Drehen kann in jeder bekannten Weise erfolgen; so kann man auf der
Unterseite des Ofens einen Radkranz L anordnen, in welchen ein mittelst Kurbel zu bewegendes
Getriebe M eingreift.
Die Stofsflächen P und P' kann man
zweckmäfsig in bekannter Weise derart konisch gestalten, dafs dieselben eine Drehung des
Ofens um den Zapfen Z gestatten und einen dichten Verschlufs ermöglichen, sobald nach
erfolgter Drehung der Zapfen Z in dem hydraulischen Cylinder O und damit zugleich
auch der Ofen gesenkt wurde.
Von den Kammern K und H ist die eine stets mit der Feuerung F und durch Fuchs E
mit der Esse in Verbindung, während die andere Kammer mit dem durch einen Deckel
verschliefsbaren Glättloch G für das geschmolzene oxydische Bleimaterial und mittelst
des Fuchses S mit der Ableitung für die entwickelte schweflige Säure in Verbindung steht.
Mit einem solchen Apparat kann man das soeben beschriebene Verfahren in folgender
Weise ausführen.
Eine Kammer, etwa K, wird durch die Schüröffnungen T mit dem zu verwendenden
und möglichst fein zerkleinerten Schwefelbleimaterial, wie Bleiglanz oder' aus Bleisulfat
durch. Reduction gewonnenes Schwefelblei beschickt und sodann in dieser Kammer, welche
mit der Feuerung F und mit dem nach der Esse führenden Fuchs E in Verbindung steht,
das Schwefelbleimaterial vermittelst der genannten Feuerung so stark erhitzt, bis der
Bleiglanz soeben anfangen will abzurosten. Hierauf dreht man den Ofen um i8o°, so
dafs die nunmehr durch die Schüröffnungen T mit Schwefelbleimaterial zu beschickende Kammer
H mit der Feuerung in Verbindung tritt. Gleichzeitig wird auf das heifse Schwefelbleimaterial
in der Kammer K durch das Glättloch G geschmolzenes oxydisches Bleimaterial
der oben gekennzeichneten Art, vorzugsweise geschmolzene Bleiglätte, gegossen. Sofort tritt
unter lebhafter Wärmeentwickelung die oben gekennzeichnete Umsetzung ein; geschmolzenes
Blei sammelt sich an der tiefsten Stelle des Herdes, wo das Stichloch α angeordnet ist,
während schweflige Säure durch den Fuchs S in die Schwefligsäureableitung entweicht; diese
führt das Gas seinem Verwerthungsort zu, wo dasselbe nach Wunsch als schweflige Säure
aufgefangen oder auch zu Schwefelsäure umgewandelt wird. Bei etwa schwächer werdender
Umsetzung kann man dieselbe durch Umrühren befördern. Das abgeschiedene Blei wird durch
das Stichloch α abgestochen. Die nach Beendigung der Arbeit zurückbleibenden Rückstände
werden durch die Fuchsöffhung herausgezogen, nachdem der Ofen die nun folgende
halbe Drehung, welche nöthig wird, um die inzwischen in der Kammer H vorgewärmte
Schwefelbleimaterialbeschickung in der soeben für die Kammer K beschriebenen Weise zur
Reaction zu bringen, ausgeführt hat. Die durch diesen kleinen Aufenthalt bedingte Abkühlung
des vorgewärmten Schwefelbleimaterials ist ohne Nachtheil, da die Umsetzung eine
mehr als hinreichende Wärmemenge erzeugt.
Die Arbeiten wechseln in der geschilderten Weise stets ab. Während in der "einen
Kammer das Schwefelbleimaterial vorgewärmt wird, findet in der anderen die Umsetzung
statt. Sollte der Blei- bezw. Silbergehalt der Rückstände es lohnend erscheinen lassen, so
können dieselben in bekannter Weise im Schachtofen behufs Gewinnung dieser Metalle
verschmolzen werden.
Claims (2)
1. Verfahren zur Gewinnung von Blei mit Hülfe von Bleioxydmaterial, darin bestehend
, dafs man dasselbe in feurigflüssigem Zustand mit dem zweckmäfsig
vorgewärmten Schwefelbleimaterial zusammenbringt, wonach die Bleiabscheidung ohne weitere besondere Erhitzung erfolgt.
2. Ein zur Ausführung des unter τ. gekennzeichneten Verfahrens geeigneter Ofen, bestehend
aus einem um eine verticale Achse (Z) drehbaren Flammofen, welcher durch eine Längsscheidewand (W) in zwei
völlig von einander getrennte Kammern (HK) getheilt ist, von welchen abwechselnd eine
zur Vorwärmung des Schwefelbleimaterials bezw. dessen Ersatzes dient und in diesem
Fall mit der Feuerung (F) in Verbindung gesetzt ist, während in der anderen sich
die Umsetzung von inzwischen eingelassenem, feurig flüssigem Bleioxydmaterial mittelst des vorgewärmten Schwefelbleimaterials
bezw. dessen Ersatz vollzieht.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE64615C true DE64615C (de) |
Family
ID=338474
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT64615D Expired - Lifetime DE64615C (de) | Verfahren und Ofen zur Gewinnung von Blei |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE64615C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE932521C (de) * | 1942-06-11 | 1955-09-01 | Bolidens Gruvaktiebolag | Verfahren zur Herstellung von Blei |
-
0
- DE DENDAT64615D patent/DE64615C/de not_active Expired - Lifetime
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE932521C (de) * | 1942-06-11 | 1955-09-01 | Bolidens Gruvaktiebolag | Verfahren zur Herstellung von Blei |
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