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Verfahren zur Erzeugung von bituminösen, wasserfesten, gekreppten
Papierstoffen Bekanntlich lassen sich bituminöse, stark wasserabstoßende und wasserfeste
Papiere, seien sie durch Tränken saugfähiger, trockener Papierbahnen mit geschmolzenen
bituminösen Stoffen oder durch deren Zugabe in geeigneter Form zu dem Papierstoff
im Holländer oder in der Mischbütte und nachherigem Schmelzen auf der Trockenpartie
der Papiermaschine hergestellt, nicht in einem Arbeitsgange kreppen, wie dies bei
bitumenfreien Papieren möglich ist. Während nämlich bitumenfreie Papierbahnen infolge
ihrer Porosität dem auf dem heißen Kreppzylinder entstehenden Wasserdampf Gelegenheit
zum Entweichen bieten und dadurch nicht vom Kreppzylinder abgehoben werden, vielmehr
gut haften und somit durch den Kreppschaber gekreppt werden können, verhalten sich
bitumenhaltige Papierstoffe vollkommen gegenteilig.
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Die feinen in der feuchten Papierbahn verteilten Bitumenteilchen schmelzen
bei der Berührung mit dem heißen Kreppzylinder teilweise an der Papieroberfläche,
diese schließend; dem zwischen Papier- und Zylinderoberfläche sich bildenden Wasserdampf
ist nicht genügend Gelegenheit zum raschen Entweichen gegeben, die bitumenhaltige
Papierbahn wird durch den Dampf vom Zylinder abgehoben, es findet keine Haftung
statt und kann daher durch den Kreppschaber auch keine Kreppung erfolgen.
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Diese Vorgänge bilden die Ursache für die großen Schwierigkeiten des
Kreppens von im Stoff imprägnierten bitumenhaltigen Papierstoffen in einem. Arbeitsgange
bei deren Erzeugung auf der Papiermaschine.
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Man hat diese Schwierigkeiten .dadurch zu umgehen versucht, daß man
drei noch feuchte, fertige Papierbahnen, von denen die mittlere mit Hilfe bituminöser
Emulsionen bituminiert wird, unter Druck zwischen Preßwalzen vereinigt und trocknet,
so daß eine zunächst glatte, aus mehreren Lagen bestehende Papierbahn entsteht,
deren mittlere bitumenhaltig ist. Diese glatte Bahn wird auf einer besonders für
diesen Zweck eingerichteten Maschine durch eine schwache Lösung klebender Stoffe,
z. B. Stärkekleister, Wasserglas, Tierleim usw., gezogen, der überschuß abgestrichen.
und die feuchte Papierbahn an einen großen, mit Dampf beheizten Trockenzylinder
angepreßt. Die am Zylinder festklebende Papierschicht wird durch einen Kreppschaber
zusammengeschoben, vom Zylinder abgelöst und wenn nötig noch nachgetrocknet.
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Dieses Verfahren ist in verschiedentlich abgeänderter Weise zu dem
gleichen Zweck angewendet worden. So hat man beispielsweise eine feuchte Papierbahn
mit einer aus zwei durch ein wasserfestes Klebemittel, z. B. Asphalt, verbundenen
Papierbahnen bestehenden Oberlage gemeinsam durch ein Sättigungsbad, aus Leimmitteln
bestehend, gezogen und einer Kreppmaschine zugeführt. Es ist auch versucht worden,
den Asphalt selbst als Klebemittel zur Herbeiführung der Haftung
am
Kreppzylinder zu benutzen, indem eine trockene Papierbahn,- mit geschmolzenem Asphalt
bestrichen, .diesem zugeführt wurde., Es wird ferner vorgeschlagen, trockene Pg#'"=
pierbahnen durch heiße Wasserbäder zu fili-: ren und die eine oder die andere dieser
Päpie: bahnen dadurch wasserfest zu machen, däß' das zugehörige heiße Wasserbad
mit bei- der Temperatur des Wassers dünnflüssigen, wasserabstoßenden Stoffen, z.
B. Paraffin, überschichtet ist, so däß die Bahn während der Feuchtung auch dieses
aufnimmt. Ein derartiges Verfahren ist aber nur für wasserabstoßende Stoffe anwendbar,
die noch unter der Siedetemperatur des Wassers schon genügend dünnflüssig und spezifisch
leichter sind als Wasser. Das trifft für Bitumina, die zur Herstellung bituminöser
Papierstoffe Verwendung finden, aber nicht zu, denn diese sind erst bei etwa i2o
bis 130',C _dürinflüssig und spezifisch schwerer als Wasser; sie würden also nicht
auf diesem schwimmen, sondern untergehen.
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Alle diese zahlreichen Vorschläge für Lösung der gestellten. Aufgabe
haben das gemeinsam, daß sie von schon völlig fertiggestelltem, trockenem Papier
ausgehen, das auf verschiedenen Wegen für den Kreppvorgang geeignet und unter Anwendung
verschiedener Verfahren und wasserabstoßender Stoffe wasserfest gemacht wird. Außerdem
bedienen sie sich besonders konstruierter Maschinen, die zuni Teil recht kompliziert
sind und immer einen gesonderten Arbeitsgang zur Erreichung des Kreppens erfordern.
Wenn es auch mit einzelnen der vorgeschlagenen Verfahren gelingt, recht gute gekreppte
wasserfeste Erzeugnisse zu erhalten, so ist es nach den gemachten Ausführungen doch
klar, daß diese niemals jene Standfestigkeit und Elastizität erreichen können, -wie
dies möglich ist, wenn die Kreppung in i Gange der Erzeugung derPapierbahnen unter
gleichzeitigem Schmelzen der zugesetzten bituminösen Stoffe erfolgt. Bei den geschilderten
Verfahren wird eine trockene Papierbahn verwendet, die schön die Schrumpfung und
Dehnung, die ihre Erzeugung mit sich bringt; erfahren hat und die dazu führt, daß
die Faser einen Teil ihrer Elastizität und' Plastizität verloren und eine ganz bestimmte
Lage eingenommen hat.
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Im Gegensatz dazu wird bei der Kreppung im Laufe der Erzeugung und
der anschließenden Trocknung sowie der dabei erfolgenden Schmelzung des bituminösen
Stoffes die Papierfaser sofort in die für die Kreppung erforderliche Lage gebracht-
und durch den schmelzenden und wieder erstarrten Asphalt in dieser ein für allemal
festgehalten. Diese Bedingungen werden bei Verwendung des xiäch dem Patent Goa 616
erhaltenen Sondererzeugnisses zum Kreppen in vollkommenster Weise erfüllt.
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.:. Dieses nach dem Patent 6o2 616 erhaltene Sondererzeugnis ist ein
zweilagiges, einerseits bitumenfreies., andererseits bitumenhaltiges Papier, dessen
bitumenhaltige Lage je nach der Menge des dem Stoff zugesetzten Bitumens entweder
nur wasserabweisende Eigenschaften oder Wasserfestigkeit und Undurchdringlichkeit
gegen Feuchtigkeit und Luft aufweist.
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Bei der Kreppung dieser doppelseitigen Papierstoffe kommt die bitumenhaltige
Papierbahn mit dem Kreppzylinder überhaupt nicht in Berührung, sondern nur die bitumenfreie,
es kann kein Schmelzen der feinverteilten . Bitumenteilchen_ erfolgen, da die Wärme
des Zylinders zunächst nur zur Verdampfung des Wassers in der bitumenfreien Schicht
verbraucht wird, der entstehende Wasserdampf kann entweichen, und die doppelseitige
Papierbahn wird durch diese nicht von der Zylinderfläche abgehoben, haftet vielmehr
daran und kann somit auch gekreppt werden. Das Schmelzen erfolgt erst vollständig,
wenn der Wasserdampf entwichen und die Kreppung bereits erfolgt ist.
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Die Kreppung erfolgt also direkt bei der Herstellung des doppelseitigen
bituminösen Papieres in einem Arbeitsgange, indem die bitumenfreie Seite der noch
feuchten Papierbahn an den heißen Kreppzylinder angepreßt wird, dort haftet und
vom Kreppschaber abgeschabt wird.
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Nach dem vorliegenden Verfahren wird die gestellte Aufgabe der Kreppung
bituminierter `Wasser abstoßender und wasserfester Papierstoffe in einem Arbeitsgange,
also im Laufe ihrer Erzeugung, in sehr befriedigender Weise sowohl in technischer
als auch in wirtschaftlicher Beziehung gelöst. '