DE613753C - Verfahren zur Entfernung der Eisenverbindungen aus schmelzfluessigem Glas - Google Patents

Verfahren zur Entfernung der Eisenverbindungen aus schmelzfluessigem Glas

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DE613753C
DE613753C DEG87090D DEG0087090D DE613753C DE 613753 C DE613753 C DE 613753C DE G87090 D DEG87090 D DE G87090D DE G0087090 D DEG0087090 D DE G0087090D DE 613753 C DE613753 C DE 613753C
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    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C03GLASS; MINERAL OR SLAG WOOL
    • C03CCHEMICAL COMPOSITION OF GLASSES, GLAZES OR VITREOUS ENAMELS; SURFACE TREATMENT OF GLASS; SURFACE TREATMENT OF FIBRES OR FILAMENTS MADE FROM GLASS, MINERALS OR SLAGS; JOINING GLASS TO GLASS OR OTHER MATERIALS
    • C03C1/00Ingredients generally applicable to manufacture of glasses, glazes, or vitreous enamels

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  • Glass Compositions (AREA)

Description

DEUTSCHES REICH
13 JUIt 1935
AUSGEGEBEN AM 24. MAI 1935
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
Vs 613 KLASSE 32 b GRUPPE
Glaswerk Gust. Fischer in Ilmenau, Thür.
Die Technik fordert in. steigendem Maße Gläser mit möglichst geringem oder praktisch nicht mehr nachweisbarem Eisengehalt. Die Verwendung der bei der Glasschmelze gebräuchlichen Rohstoffe, besonders des Quarzsandes, bringt es aber mit sich, daß dem Bestreben, ein möglicnst eisenfreies Glas zu schmelzen, gewisse Grenzen gezogen sind. Der in dieser Hinsicht beste natürlich λόγιο kommende Ouarzsand hat nämlich immer noch einen Gehalt an Eisenoxyd von etwa 0,01 °/o Fe2O3. Letzteres ist ohne Zerstörung der einzelnen Quarzkörner nicht zu entfernen. Nun ist es aber andererseits nur erwünscht, die Kieselsäure in Form von Sandkörnern bei der Glasschmelze zu verwenden, weil dadurch die Läuterung des Glases erleichtert wird. Andererseits wirkt die vorherige Aufschließung des Quarzsandes zwecks Reinigung von den Eisenverbindungen stark verteuernd. Man hat versucht, eine-Verminderung des Eisengehaltes von Gläsern dadurch herbeizuführen, daß man dem Gemenge Chloride, wie Natrium- oder Kaliumchlorid, beimischte. Durch Umsetzung sollte sich das flüchtige Eisenchlorid bilden und aus der Schmelze entweichen. Abgesehen davon, daß diese Stoffe schon zum großen Teil verdampft und zersetzt sind, bevoi sämtliche Quarzkörner in der Schmelze aufgeschlossen sind, lassen sich solche Chloride auch nur in verhältnismäßig beschränktem Maße in das Glasgemenge einführen, wenn man eine Gallebildung vermeiden will. Auch sind die Bildungswärmen von NaCl und KCl größer als die von FeCl2 und FeCl3, was nicht für das Zustandekommen einer Reaktion zwischen Eisenoxyd oder -silikat und Alkalichlorid spricht.
Nach einem andern Verfahren wird Chlorgas in die schmelzflüssige Glasmasse eingeleitet, um das Eisen als Eisenchlorid zu verflüchtigen. Dieses Verfahren hat zunächst den Nachteil, daß Chlor bei den Temperaturen, bei denen hier gearbeitet werden muß, also bei 1400 bis 15000 C, alle Werkstoffe die für die Einleitung des Gases in die Glasschmelze in Frage kommen, heftig angreift. Selbst die Bestandteile hoch hitzebeständiger Metallegierungen und nichtrostender Stähle werden in Chloride umgewandelt. Letztere werden dann in die Glasschmelze mit hineingespült. Statt einer Verbesserung erreicht man dadurch eine Verschlechterung des Glases. Auch feuerfeste Massen, wie hochwertiger Ton, Magnesiumoxyd, Zirkonoxyd usw., werden von Chlor bei diesen Temperaturen angegriffen. . Der Angriff ist so zu denken, daß zunächst die leichter angreifbaren Verunreinigungen dieser Stoffe, also 6a besonders Eisenoxyd, in Chloride umgewandelt werden. Hierdurch wird das Gefüge des feuerfesten Stoffes gelockert und dadurch auch die beständigeren Oxyde dem verstärkten Angriff des Chlors ausgesetzt. Bekanntlieh bildet sich FeCl3 in erheblicher Menge
beim Durchleiten von trockenem Chlor z. B. durch Porzellanröhren bei einer Temperatur von iooo bis iioo0 C. Schon bei 6oo° C ist diese Reaktion merklich (H. v. Wartenberg, Z. anorg. Ch. 142 [1925], 335). Das gebildete Eisenchlorid sowie sonstige Chloride, die durch Umwandlung des feuerfesten Materials entstanden sind, werden mit in das Glas hineingerissen, wodurch die beabsichtigte Wirkung nicht zustande kommt.
Hauptsächlich wird die Wirksamkeit dieses Verfahrens aber noch durch einen anderen Umstand beeinträchtigt. Bei der Einwirkung von Chlor auf die im Glase vorhandenen Eisenoxyde oder -silikate finden folgende Reaktionen statt:
FeO +Cl2 = FeCl2 +1/2O2, (1) Fe2O3 + 3 Cl2 = 2 FeCl3 + 3/2 O2. (2) Die Reaktion nach Gleichung 1 verläuft nur schwach exotherm, die nach Gleichung 2 stark endotherm (M. Be*rthelot, Thermochimie, Paris 1897, Bd. 1, S. 307, und W. TCangro, R. Flügge, Z. Elektroch. 35 [1929], 189). Die Bildung der Eisenchloride würde leichter vor sich gehen bei einer Reaktion, bei weicher an Stelle einer Energieaufnahme eine erhebliche Energieabgabe stattfinden könnte. Es ist bei diesen Reaktionen nur schwer möglieh, daß sich aus dem vorhandenen Sauerstoff unter diesen Umständen elektrisch neutrale Sauerstoffatome bzw. -moleküle bilden, die als Gas aus der Schmelze entweichen können. Dadurch wird auch ein guter Fortschritt in der Bildung von Eisenchlorid verhindert.
Diese sowie die weiter oben geschilderten Nachteile werden gemäß der vorliegenden Erfindung dadurch vermieden, daß man . 40 zwecks Entfernung der Eisenverbindungen aus dem schmelzflüssigen und damit auch aus dem später zur Erstarrung kommenden Glas flüchtige Eisenhalogenide, in erster Linie -chloride und -fluoride, sich bilden läßt, nicht durch Einleiten· der betreffenden Halogene in elementarer Form in die schmelzfiüssige Glasmasse, sondern als Halogenverbindungen, die entweder bei Zimmertemperatur und unter normalem Druck oder bei Temperaturen von höchstens 450 ° C und einem Überdruck, der dem hydrostatischen Druck der beim Einleiten zu durchströmenden Säule flüssigen Glases entspricht, gas- oder dampfförmig sind. Als flüchtige Eisenhalogenide, die sich — sei es als Endprodukte, sei es als Zwischenprodukte — bilden können, sind auf Grund der Erfindung jedoch nicht nur Verbindungen, die nur aus Eisen und Halogen . bestehen, wie z.B. FeF2 oder FeCl3, anzusehen, sondern auch beispielsweise Eisenoxychlorid (FeOCl) sowie komplexe Eisenhalogenide, z. B. Eisencarbonylhalogenide, die meist nach der Formel Fe(CO)4X2 (X=Cl, Br, J, F) zusammengesetzt sind.
Bei der Einwirkung von Halogeireerbindüngen auf die im schmelzflüssigen Glas enthaltenen Eisenverbindungen spielen sich Reaktionen nach folgendem Schema ab:
AB+ CD = AC+ BD.
Welche Vorteile eine solche Umsetzung im vorliegenden Falle hat, soll im folgenden an dem Beispiele des Einleitens von Chlorwasserstoff (HCl) in die schmelzflüssige Glasmasse gezeigt werden. Es können unter diesen Umständen hauptsächlich folgende Reaktionen vor sich gehen:
FeO +2HCl=FeCl2 +H2O, (1) Fe2O3 + 6HCl = 2FeCl3 + 3H2O. (2)
Der Sauerstoff des Eisenoxyds braucht jetzt also nicht als Gas aus der Schmelze zu entweichen, sondern er wird zur Wasserbildung mit dem aus dem Chlorwasserstoff stammenden Wasserstoff verbraucht. Hierbei werden für 1 g-Mol flüssiges Wasser 68 920 cal frei. Die vergleichsweise geringe Wärmemenge, die notwendig ist, um dieses Wasser in Dampfform überzuführen, wird mit Leichtigkeit aus dem Wärmevorrat des schmelzflüssigen Glases gedeckt. Die Folge ist, daß die Reaktion nach (1) mit 42 800 cal, die Reaktion nach (2) mit 72 750 cal exotherm verläuft. Im letzteren Falle werden also pro Atom als FeCl3 verflüchtigtes Eisen 36 370 cal frei. Der Umstand, daß diese Reaktionen jetzt stark exotherm verlaufen und daß sich als Nebenprodukt Wasser bildet, welches bei den in Frage kommenden hohen Temperaturen nur sehr wenig, jedenfalls weniger als Sauerstoff, im Glase löslich ist und deshalb zum größten Teil in Dampfform aus der Schmelze entweicht, begünstigt das Zustandekommen dieser Reaktionen in der Richtung von links nach rechts ganz außerordentlich. Hierzu kommt noch, daß der Dissoziationsgrad des H Cl selbst bei den hier in Frage kommenden Höchsttempe- · raturen von 1400 bis 15000 C so gering ist, daß er experimentell keiner direkten Messung mehr zugänglich ist und nur durch thermodynamische Berechnungen gefunden werden kann. Er beträgt bei 1400° C z. B. etwa 6,54 · 10—2, bei 1500° C erst etwa 6,1 · 10—2. Bei graphischer Darstellung des Dissoziationsgrades von HCl in Abhängigkeit von der Temperatur erksnnt man, daß die Kurve gerade in diesem Temperaturbereich nur sehr flach ansteigt. Erst oberhalb 15000 C geht sie steil nach oben, was bei dem hier verfolgten Zweck, der sich höchstens bei dieser Temperatur abspielt, sehr zustatten kommt. Auch
θ18753
der Dissoziationsgrad von Wasserdampf hat bei 15000 C erst den äußerst kleinen Wert von 45,4'S · 10—2. FeCl3 dagegen ist schon bei etwa 8oo° C zur Hälfte in FeCl2 und r/2 Cl2 zerfallen. Man muß deshalb annehmen, daß bei 1400 bis 15000 C der weitaus größte Teil zerfallen ist, daß man es also praktisch nur mit einer Verflüchtigung von FeCl2 zu tun hat. Der Siedepunkt dieser letzteren Verbindung liegt zwar mit 1023 ° C wesentlich höher als der von FeCl3 mit 306 ° C, trotzdem ist bekannt, daß FeCl2 in einer HCl-Atmosphäre bei 1300 bis 15000 C sehr schnell vergast (L. F. Nilson, O. Pettersson, Z. phys. Chem. 2, 1888, 671).
Aus diesen Tatsachen folgt, daß die angegebenen Reaktionen auch bei den Temperaturen des schmelzflüssigen Glases als noch geltend angesehen werden müssen. Selbst ao wenn sich die Affinitätsverhältnisse zwischen den Komponenten dieser Reaktionen etwas ändern, so werden bei der Natur des angegebenen Prozesses, wo das schmelzfiüssige Glas immer von neuem H Cl-Gas durchströmt wird, die entstandenen Reaktionsprodukte [im Falle von. (2) sind das 2 FeCl2 -f- Cl2 + 3 H2OJ dauernd entfernt, so daß sich kein chemisches Gleichgewicht einstellen kann.
Die Bildung von Eisenchlorid und die Verflüchtigung desselben aus der Glasschmelze können dadurch wesentlich gefördert werden, daß man dem eingeleiteten Chlorwasserstoff noch Wasserdampf zusetzt. Dieses Verfahren hat sich auch bei der technischen Gewinnung von Eisenchlorid als vorteilhaft erwiesen.
Abgesehen von dam eben geschilderten Vorteil, der in der andersartigen Reaktion selbst begründet ist, werden durch die Verwendung von Chlorwasserstoff noch einige andere Mangel vermieden, die dem Einleiten von Chlor anhaften. Chlorwasserstoff erweist sich den Werkstoffen gegenüber, die zur Einleitung des Gases in die Glasschmelze verwen-· det werden müssen, als nicht so aggressiv wie Chlor. Dies gilt vor allem hinsichtlich seiner Wirkung auf die obenerwähnten feuerfesten Stoffe, wie z. B. Ton, Silikate und Oxyde des Magnesiums, Zirkons üsw. Weiterhin sind kleine Mengen von HCl, die etwa nicht mit den Abzugsgasen abziehen, sondern unmittelbar aus dem Schmelzofen herausgelangen, leichter zu ertragen als kleine Mengen Chlor. Aus den Abzugsgasen selbst ist Chlorwasserstoff infolge seines Säurecharakters und seiner großen Löslichkeit in Wasser leichter zu entfernen als Chlor. Gegenüber der Beigabe von Alkalichloriden zum Gemenge ergibt sich beim Einleiten von Chlorwasserstoff in das schmelzfiüssige Glas noch der Vorteil, daß dieses Gas in jedem geeigneten Schmelzstadium und beliebig lange Zeit, weiterhin in beliebiger Menge zur Einwirkung auf die Glasmasse gebracht werden kann. Auch aus alkalifreien Gläsern kann auf diese Weise das -Eisen verflüchtigt werden.
Die Vorgänge, wie sie bei der als Beispiel genannten Einleitung von Chlorwasserstoff dargestellt worden sind, gelten nun grundsätzlich und sinngemäß auch bei der Einleitung anderer Halogenverbindungen in die flüssige Glasmasse. Auch die genannten Vorteile treten bei der Anwendung dieser anderen Halogenverbindungen in mehr oder minder starkem Maße auf. So kann die Einleitung von Fluorwasserstoffgas in die Glasmasse zur Bildung von Eisenfluoriden benutzt werden, die bei einer Temperatur von höchstens iioo° C (FeF2) flüchtig sind.
Nicht nur die Verbindungen der Halogene mit Wasserstoff, sondern auch mit einer großen Zahl anderer Elemente können erfindungsgemäß zur Verflüchtigung des Eisens aus schmelzflüssigem Glas mit Vorteil angewendet werden. Als Beispiele seien genannt: Schwefelchlorür (SoCl,), Thionylchlorid (SOCl2), Schwefelhexafluorid (SF6), Chlorsulfonsäure (S O2 [O H] Cl), Ammoniumchlorid (NH4 Cl), Ammoniumfluorid (N H4 F), Chloroform (CHCl3), Tetrachlorkohlenstoff (CCl4),'Phosgen (COCl2), Phosphortrichlorid (PCl3), Phosphorpentafluorid (PF5) usw. Diese und andere Verbindungen sind bei Zimmertemperatur teilweise flüssig oder- fest. Ihre Verwendung ist aber trotzdem möglich, wenn man sie vor dem Einleiten durch Wärmeanwendung zur Verdampfung bringt, solange sie nicht durch die Wärmewirkung des schmelzflüssigen Glases auch schon in der Nähe desselben bei dem obwaltenden Druck nur noch als Gase oder Dämpfe bestehen können. Die vorliegende Erfindung beschränkt sich jedoch auf die Verwendung solcher Halogenverbindungen, die bei höchstens 450° C und einem Überdruck, der dem hydrostatischen Druck der beim Einleiten zu durchströmenden Säule flüssigen Glases entspricht, gas- oder dampfförmig sind. Ist beispielsweise die flüssige Glasschicht, durch die die gas- oder dampfförmige Halogenverbindung hindurchgeleitet werden soll, 70 cm hoch und hat sie ein spezifisches Gewicht von 2,4, so beträgt der hydrostatische Druck dieser Glassäule 12^,=; mm Oueck-
13 ·ο °'J. *-
silbersäule.
Die schädlichen Wirkungen eines Teiles der genannten Halogenverbindungen bei ihrem Entweichen, die sowohl auf die mit dem Verfahren beschäftigten Personen als auch auf die umgebende Vegetation ausgeübt werden können, sind mit bekannten technischen Maß-
nahmen, wie entsprechende Ofenstellung, Entgiftung der Abgase durch Absorption oder Überführung in andere ungiftige Verbindungen, vermeidbar. Hierbei kommt die große Reaktionsfähigkeit der angewandten .Stoffe teilweise ,auch ihre starke Löslichkeit in Wasser sowie ihr Säurecharakter zustatten. Mit Vorteil lassen sich auf Grund der Erfindung auch Gemische von zwei oder mehr ίο Halogenverbindungen zur Anwendung bringen, z. B. ein Gemisch von Chlorwasserstoff und Kohlenstofftetrachlorid.
Erfindungsgemäß läßt sich die gleiche oder eine bessere Wirkung erzielen oder das Verfahren läßt sich dadurch wesentlich vereinfachen, daß man nicht die fertige Halogenverbindung in das schmelzflüssige Glas einleitet, sondern ein Gas- oder Dampfgemisch, das sich entweder schon bei Zimmer temperatur und unter normalem Druck oder unter den Temperatur- und Druckbedingungen, wie sie beim Einleiten in die schmelzflüssige Glasmasse vorliegen, zu einer Halogenverbindung vereinigt. Man kann also as beispielweise an Stelle von Chlorwasserstoffgas ein Gemisch gleicher Volumina Chlor und Wasserstoff anwenden. Die bei der Vereinigung dieser Gase freiwerdende große Wärmemenge begünstigt die Verdampfung des gebildeten Eisenchlorids. Die Einleitungsvorrichtung ist in diesem Falle zweckmäßig so konstruiert, daß sich die Gase, ähnlich wie bei einem Brenner, erst beim Austritt in die Glasmasse vereinigen können. Weiterhin kann man beispielsweise an Stelle von Ammonchlorid bzw. -fluorid gleiche,Volumina von Ammoniak (NH3) und Chlorwasserstoff bzw. Fluorwasserstoff zur Einleitung bringen, an Stelle von Phosgen gleiche Volumenteile von Kohlenoxyd und Chlor. Die Reaktion mit Eisenoxyd verläuft in diesem letzterenFalle wie auch bei der Anwendung von Phosgen selbst unter BüdungvonKohlendioxydj welches aus dem Glase entweicht. Auch diese Reaktionen mit FeO oder Fe2O3 sind stark exotherm, was ihr Zustandekommen sehr begünstigt. Bei der Einwirkung des Gemisches von Kohlenoxyd und Chlor oder von Phosgen oder von anderen kohlenstoffhaltigen Halogenverbindungen ist auch die zum mindesten intermediäre Bildung von flüchtigen Eisencarbonylen oder von Eisencarbonylchloriden, z.B. Fe(C O)4 Q2,möglich. Hieran ist besonders dann zu denken, wenn das verwendete Gasgemisch noch Beimengungen von Ammoniak (NH3) oder Wasserstoff (H2) enthält. Auch die katalytische Wirkung irgendwelcher Bestandteile des Glases, wodurch einerseits solche Carbonyle wie auch komplexe und einfach zusammengesetzte Halogenide gebildet werden können, andererseits aber auch ihre Zersetzung herbeigeführt werden kannj ist hier in Betracht zu ziehen.
Schließlich kann man erfindungsgemäß auch Gas- oder Dampfgemische in die flüssige Glasmasse einleiten, die neben Halogenverbindungen noch solche Stoffe enthalten, die sich entweder mit einer im Gemisch vorhandenen Halogenverbindung oder einem Halogen zu einer Halogenverbindung vereinigen. Für den ersteren Fall sei als Beispiel ein Gemisch von schwefliger Säure (SO2) und Phosphorpentachlorid (PCl5) genannt. Es setzt sich schon bei schwacher Erwärmung zu einem Gemisch der beiden ■ 7; Chlorverbindungen Thionylchlorid und Phosphoroxychlorid um nach der Gleichung:
SO2 + PCl3 = SOCl2 + POCl3.
Beide Verbindungen sind zur Verfluchtigung des Eisens als Chlorid unter den obwaltenden Bedingungen geeignet. Ein Beispiel für den letzteren Fall stellt ein Gemisch von Chlorwasserstoff, Chlor und Kohlenoxyd in entsprechendem Mengenverhältnis dar. Die beiden letzteren Bestandteile vereinigen sich bei der erhöhten Temperatur, wie sie beim Einleiten gegeben ist, zu Phosgen, so daß auf die schmelzflüssige Glasmasse ein Gemisch von Chlorwasserstoff und Phosgen zur Einwirkung kommt. Dieses kann sich jedoch noch, bevor es mit der Glasmasse in Berührung kommt, teilweise zu Tetrachlorkohlenstoff (CCl4) und Wasserdampf umsetzen. Tetrachlorkohlenstoff ist jedoch wiederum zu dem angestrebten Zwecke der Verflüchtigung des Eisens vorzüglich geeignet. Durch Anwendung eines solchen Gemisches von Chlorwasserstoff, Chlor und Kohlenoxyd, bei dem sich letzten Endes Tetra- i°o chlorkohlenstoff bildet, kann man die vorherige Verflüchtigung des letzteren, die bei der direkten Anwendung dieser Halogenverbindung notwendig wäre (Siedepunkt von C Cl4 = 76,5 ° C), umgehen. j
Zum Einleiten der gas- oder dampfförmigen Halogenverbindungen oder der Gas- bzw. Dampfgemische in die schmelzflüssige Glasmasse werden zweckmäßig Vorrichtungen benutzt, wie sie in den Abb. 1 bis 6 dargestellt und sonst in der Glasindustrie bekannt sind. Sie sind an der Innenwand des Schmelzgefäßes angebracht und besitzen im Innern einen rohrförmig verlaufenden Hohlraum H von beliebigem Querschnitt. Mit der Wandung bilden sie ein Stück, das aus dem gleichen Werkstoff gearbeitet ist, und hängen dadurch mit derselben fest zusammen. Kurz oberhalb des Bodens des Schmelzgefäßes steht der rohrförmige Innenraum mit der Glasmasse, die sich in dem Schmelzgefäß befindet, in Verbindung. Glas-
schmelzgefäße, die ähnlich ausgebildet sind, sind an sich bekannt, und zwar als sogenannte Taschenhäfen und Stiefelhäfen.
Auf der Zeichnung sind mehrere Ausführungsbeispiele für die Durchführung des Verfahrens geeigneter Häfen, die nur als Erläuterung aufzufassen sind und nicht Gegenstand der Erfindung sind, zum Teil in Draufsicht, zum Teil im Schnitt, dargestellt. Die Abb. i,
ίο 2 und 4 zeigen Schmelzgefäße, von oben gesehen, mit verschieden gestaltetem innerem rohrförmigen! Hohlraum H der Einleitungsvorrichtung. Der Querschnitt dieses Hohlraums ist bei Abb. ι kreisförmig, bei Abb. 2 ähnlich einem Dreieck. Bei Abb. 4 ist dieser Hohlraum durch eine Scheidewand in zwei Hälften H1 und H2 geteilt, um ein Gasgemisch einleiten zu können, welches sich erst am unteren Ende, kurz vor seinem Austritt in die Glasmasse, zu Halogenverbindungen vereinigt. Abb. 3 zeigt einen Schnitt nach der Linie A-B der Abb. x. Das obere Ende der Einleitungsvorrichtung liegt in diesem Falle in der gleichen Ebene wie die Ränder des Schmelzgefäßes. Abb. 5 stellt einen Schnitt nach der Linie C-D der Abb. 2 dar. Die Einleitungsvorrichtung endet in diesem Falle etwas oberhalb des eigentlichen Schmelzgefäßes. Das Ende liegt hier in einer Ebene, die um 45 ° zur Horizontalebene geneigt ist, wobei sie senkrecht auf der Schnittebene nach C-D steht. Diese Ausbildungsform wie auch die in Abb. 6 gezeigte erleichtern das Ansetzen des von außen herangeführten Rohrstückes. Auch Abb. 6 stellt einen Schnitt nach der Linie C-D eines anderen Schmelzgefäßes dar, bei welchem die Einleitungsvorrichtung oberhalb der Ränder des Schmelzgefäßes endet. Das Ende wird durch eine senkrechte Ebene gebildet. ■

Claims (1)

  1. Patentansprüche:
    i. Verfahren zur Entfernung der Eisenverbindungen aus schmelzflüssigem Glas durch Bildung von flüchtigen Eisenhalogeniden, dadurch gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse Halogenverbindungen eingeleitet werden, die bei Zimmertemperatur und unter normalem Druck bzw. bei Temperaturen von höchstens 450° C und einem Überdruck, der dem hydrostatischen Druck der beim Einleiten zu durchströmenden Säule flüssigen j Glases entspricht, gas- bzw. dampfförmig sind.
    j 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch
    j gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse Chlorwasserstoff eingeleitet wird.
    3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet/ daß dem Chlorwasserstoff noch Wasserdampf beigemischt wird.
    4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse Fluorwasserstoff eingeleitet wird.
    5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse Halogenverbindungen eingeleitet werden, die ein bzw. mehrere andere Elemente, wie z. B. Schwefel, Stickstoff, Kohlenstoff und Phosphor, enthalten.
    6. Verfahren nach Anspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß ein Gemisch mehrerer Halogenverbindungen in die schmelzflüssige Glasmasse eingeleitetwird.
    7. Verfahren nach Anspruch 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse Gas- bzw. Dampfgemische eingeleitet werden, die sich schon bei Zimmertemperatur und unter normalem Druck bzw. unter den Temperatur- und Druckbedingungen, wie sie beim Einleiten in die schmelzflüssige Glasmasse vorliegen, zu Halogenverbindungen vereinigen.
    8. Verfahren nach Anspruch 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß in die schmelzflüssige Glasmasse ein Gas- bzw. Dampfgemisch eingeleitet wird, welches neben Halogenverbindungen noch solche Stoffe enthält, die sich mit einer im Gemisch vorhandenen Halogenverbindung bzw. einem Halogen zu einer Halogenverbindung vereinigen.
    Hierzu ι Blatt Zeichnungen
    Berlin·, gemuckt in der
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Cited By (1)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE1143039B (de) * 1953-11-04 1963-01-31 Heraeus Schott Quarzschmelze Optische Geraeteteile aus Quarzglas

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