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Einrichtung zum Messen der Längenänderung einer Gewebebahn Bekanntlich
schrumpft beim Behandeln von Baumwollgeweben mit starken Alkaliflotten das Gewebe
in der Breite und Länge stark ein. Beim Mercerisieren wird das Gewebe daher, um
Glanz zu erzeugen, nach der Einwirkung der Lauge und Schrumpfung sowohl in der Breite
als auch in der Länge gestreckt und in der Regel gleichzeitig ausgewaschen.
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Zu diesem Zwecke werden die Gewebe nach dem Imprägnieren über Spannrahmen
oder über Breitstreckwalzen geführt, welche das Gewebe in der Breite auf ein bestimmtes
Maß, in der Regel auf das Rohmaß, ausspannen. Es ist dabei sehr leicht, den Betrag
der Breitstreckung während des Betriebes festzustellen, indem gewöhnlich eine Meßplatte
o. dgl. quer zur Förderrichtung über dem Gewebe am Maschinengestell angebracht und
die erreichte Gewebebreite unmittelbar abgelesen wird.
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Während also bisher im Betriebe die Breitstreckwirkung sicht- und
meßbar war, fehlte es an einfachen Kontrollmitteln, um die Streckwirkung in der
Länge des Gewebes unmittelbar an der Mercerisiermaschine ablesen zu können.
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Je nach der Einstellung und Güte des Gewebes und der in der Maschine
angewendeten Längsstreckung verläßt das Gewebe die Mercerisiermaschine mit einem
Kurz- oder Übermaß, in der Regel zwischen - 5 % und + 5 °/o auf das Rohlängenmaß
bezogen. Dieses Kurz- oder Übermaß wird am fertigen Erzeugnis gemessen und festgestellt,
also in einem Zeitpunkte, in dem eine Beeinflussung der Streckmasse nicht mehr durchführbar
ist.
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Gegenstand vorliegender Erfindung ist nun eine Einrichtung zur dauernden
Überprüfung der Längenveränderung, die eine Gewebebahn beim Durchlauf durch die
Mercerisiermaschine zwischen der Eintritts- und Austrittsstelle erfährt. Da diese
Längenveränderung proportional dem Unterschiede in der Fördergeschwindigkeit der
Förderwalzen an der Eintritts- und Austrittsstelle ist, so wird erfindungsgemäß
dieser Unterschied an einer übersichtlichen Stelle der Maschine dauernd sichtbar
gemacht. Damit dem Ergebnis der Messung Folge gegeben werden kann, sind die Walzen
von dem Antriebsvorgelege der Maschine zwecks Regelung der Längsspannung der Gewebebahn
regelbar angetrieben, so daß sich ihre Umfangsgeschwindigkeit auf das Gewebe überträgt.
Die Fördergeschwindigkeit der Walzen und damit die jeweilige Geschwindigkeit der
Stoffbahn an der Eintritts- und Austrittsstelle wird erfindungsgemäß durch mit den
Walzen zusammenwirkende Meßvorrichtungen, wie Meßdynamos, Tachometer o. dgl., aufgenommen
und der Unterschied der Geschwindigkeit am Einlaß und Auslaß z. B. mittels eines
Differentialvoltmeters sichtbar - gemacht. Das Kurz- bzw. Übermaß der Gewebebahn,
das beim Aufrechterhalten des jeweiligen Unterschieds in der Fördergeschwindigkeit
entstehen würde, ergibt sich dann aus der
Angabe des Voltmeters
unter entsprechender Berücksichtigung der füi`die einzelnen Gewebe in Vorversuchen
ermittelten Vergleichsdaten. Es ist zwar auch schon vorgeschlagen worden, mit elektrischen
Signaleinrichtungen versehene Stoffspeicher, Tänzerwalzen o. dgl. zwischen mehreren
Behandlungsgefäßen anzuordnen, um die Fördergeschwindigkeiten in den Behältern gegeneinander
regeln zu können. Derartige Vorri--htungen zeigen aber nur Grenzfälle an.
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Diese Einrichtung gemäß der Erfindung dagegen gestattet der Bedienungsperson,
die Streckungsverhältnisse der Gewebebahn fortwährend im Auge zu behalten und Abweichungen
von dem verlangten Über- bzw. Kurzmaß der Gewebebahn durch entsprechendes Einstellen
der Geschwindigkeiten der Eintritts- und Austrittswalze wirksam zu verhindern.
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In der Zeichnung ist schematisch eine neuzeitliche, an sich bekannte
Mercerisiermaschine dargestellt mit zwei Foulards i und 2, einer Serie von Überführungstrommeln
14 und einer zweiten Serie von Überführungstrommeln 15, einem Spannungsregler 13,
i2 und 3, einer Breitstreckapparatur 4 und einem Entlaugungskasten 5.
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Das zu mercerisierende Gewebe 16 gelangt zuerst in den Foulard i,
wird dort durch zwei Tröge mit Lauge imprägniert und gelangt über die erste Serie
der Überführungstrommeln 14 in den Foulard z. Hier wird das Gewebe nochmals in zwei
Trögen mit Lauge imprägniert und gelangt über eine zweite Serie von Überführungstrommeln
auf den Spannungsregulator, dargestellt durch die Elemente 13, i2 und 3. Dieser
Spannungsregulator wirkt, wie dies bereits von dritter Seite in Vorschlag gebracht
wurde, regelnd auf die Längsspannung des Gewebes, je nach dem in dem Zylinder 3
mittels Pumpe auf den Kolben 1:2 ausgeübten Öldruck. Der Kolben i2 überträgt den
Druck im Zylinder 3 auf die Rolle 13, welche den Druck direkt auf das Gewebe überträgt.
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Von der Rolle 13 gelangt das Gewebe über die Breitstreckapparatur
4 in den Waschtrog 17, wo im Gegenstrom die ersteAuswaschung erfolgt. Über das Quetschwerk
18 verläßt das Gewebe den Waschtrog 17 und gelangt in den Entlaugungsapparat 5,
wo dasselbe ebenfalls im Gegenstrom annähernd vollständig entlaugt wird. Über das
Quetschwerk io verläßt das fertig mercerisierte Gewebe die Mercerisiermaschine.
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Der Antrieb der ganzen Mercerisiermaschine erfolgt in bekannter Weise
von einem Vorgelege aus. Mittels. Konusscheiben werden von diesem Vorgelege aus
angetrieben: der Toulard i durch seine Walze 9, der Foulard 2 durch seine Walze
i9, die Breitstreckapparatur 4 mit Quetschwerk 18 Lnd das Quetschwerk io, und zwar
in zwei Gruppen, deren eine den gemeinsamen Antrieb der Foulards und deren andere
den gemeinsamen Antrieb von Breitstreckvorrichtung, Entlauger usw. umfaßt.
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Die oben bezeichneten vier Stellen der Mercerisiermaschine sind durch
die erwähnten Konusscheiben von dem gemeinsamen Vorge-'lege aus innerhalb gewisser
Grenzen unter sich und innerhalb der Gruppen regelbar angetrieben.
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Nach erfolgter Imprägnierung auf den Foulards i und 2 ist das Gewebe
durch die Einwirkung der Lauge auch in der Länge stark eingeschrumpft. Unter dem
regelbaren Druck des Regulators 13, i2 und 3 dehnt sich das Gewebe in die
Länge. Infolgedessen müß der Antrieb des Quetschwerkes 18 und Breitstreckapparate
4 einerseits und der Antrieb des Quetschwerkes io andererseits so geregelt werden,
daß die Förderwalzen dieser Gruppe das Gewebe genau um die durch den Regulator erfolgte
Dehnung abführen. Dabei ist aber noch zu berücksichtigen, daß die Dehnung in den
einzelnen Abschnitten dieser Gruppe eine verschiedene ist. Dementsprechend wird
das Geschwindigkeitsverhältnis der fördernd wirkenden Walzen der Gruppe vom Fachmann
noch besonders geregelt. Da aber dieses Verhältnis ebenso wie dasjenige der Foulards
gegeneinander im Einzelfalle konstant ist, so kann die Fördergeschwindigkeit der
Walzen 9 und io als maßgebend für jede Gruppe angesehen werden. Am Eingang wie beim
Ausgang der Mercerisiermaschine sind daher im vorliegenden Ausführungsbeispiel zwei
Meßdynamos 7 bzw. 8 in starrer Kupplungsverbindung mit den dort sich befindlichen
Transportwalzen 9 bzw. io vorgesehen, deren Umfangsgeschwindigkeiten mit den linearen
Geschwindigkeiten des Mercerisiergutes an den betreffenden Stellen übereinstimmt.
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Bei gleicher Umfangsgeschwindigkeit der Transportwalzen 9 und -io
erzeugen die beiden Meßdynamos übereinstimmende Spannung. Diese Spannungen werden
so an ein Voltmeter i i angeschlossen, daß sich gleiche Spannungen genau aufheben,
so daß hierbei der Zeiger des Voltmeters in seiner Mittelstellung auf o steht. Läuft
die Transportwalze 9 schneller als die Transportwalze io, dann geht eine größere
Länge des Gewebes in die Mercerisiermaschine hinein, als herauskommt. Es entsteht
Kurzmaß, und die Meßdynamo 7 erzeugt eine höhere Spannung als die Meßdynamo B. Der
Zeiger der Voltmeter schlägt nach links aus. Umgekehrt, läuft die Transportwalze
io schneller als die
Transportwalze 9, so entsteht Übermaß, und
es erzeugt die Meßdynamo 8 eine größere Spannung als die Meßdynamo 7, und der Zeiger
des Voltmeters schlägt nach rechts aus. Die Skala des Voltmeters ist so eingestellt,
daß z. B. nach links das Kurzmaß bis - 5 °/o, nach rechts das Längenmaß bis --f-
5 °/o angezeigt wird. Durch diese Messung ist es während des Betriebes der Bedienung
fortlaufend möglich, festzustellen, ob und mit welchem Kurz- oder Übermaß in der
Länge die Mercerisiermaschine arbeitet.
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Nach der jeweiligen Angabe des Voltmeters kann dann auch die Mercerisiermaschine
in ihrem Antriebe (die beiden Foulards i und z einerseits und die nachfolgende Streck-
und Waschapparatur anderseits) während des Laufens so geregelt werden, daß die Maschine
immer auf bestimmtes und konstantes Voll-, Über- oder Untermaß arbeitet.
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Die Messung der Differenz. der Umfangsgeschwindigkeit der Transportwalzen
9 und 1o und damit die Messung des Kurz- oder Übermaßes der mercerisierten Ware
kann natürlich auch durch andere Mittel auf mechanischem Wege erfolgen, wie z. B.
durch Tachometer usw. Die Meßstellen können auch für sich selbst und an anderen
Stellen angeordnet und auch direkt mit dem Stoff, ähnlich dem bekanten System der
Meßräder, zusammenarbeiten.