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Vorrichtung zur Vorbereitung des Nahlens von Getreide Gegenstand der
Erfindung ist eine Vorrichtung zur Vorbereitung des Mahlens von Getreide. Die gebräuchliche
Mehlmüllerei ist äußerst verwickelt und zeitraubend, d. h. unwirtschaftlich. Nachdem
das Getreide eine Reihe von Maschinen, nämlich den Aspirateur, den Gesämeausleser,
die Spitz-, die Schäl-_und die Bürstmaschine usw. durchlaufen hat, wird es samt
der Schale auf zahlreichen Walzenstühlen und Mahlgängen zerrieben und zertrümmert,
wodurch Schrot entsteht, aus dem durch Sichtmaschinen das von der Schale losgelöste
feine Mehl gewonnen wird, welches indessen noch nicht die gesamte Menge der im Korn
vorhandenen mehligen Bestandteile darstellt. Zur Gewinnung des Mehlrestes sind sieben
bis zehn Durchgänge auf den Vermahlungsmaschinen durchzuführen, weil die V ermahlung
schonend geschehen muß, damit die Schale nicht zu Pulver zerrieben wird.
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Es ist auch bereits vorgeschlagen worden, geschältes oder enthülstes
Getreidekorn je nach dessen Trockenheit mit z bis 3 °lo Wasser, in welchem zweckmäßig
1/2°o Salz gelöst ist, anzufeuchten und dann während 2o bis 30 sec hohen
Dampftemperaturen (35o bis 5oo°) auszusetzen, wodurch die äußere Kleieschicht gebacken,
also zermürbt und aufgeschlossen werden sollte.
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Die Erfindung verwendet ebenfalls Wasserdampf als Auflockerungsmittel,
jedoch solchen von niedrigerer Temperatur (nicht viel über Siedetemperatur) und
will dadurch erreichen, daß die Schale vom Kern sich löst, indem die dahinterbefindliche
Bindemittelschicht erweicht, ohne daß die Schale selbst so wesentlich Veränderungen
erleidet. Das Wesentliche ist dabei die Schaffung einer Einrichtung, mittels deren
den Dampfteilchen Zutritt zur gesamten Oberfläche jedes einzelnen Kornes gewährt
und später die gelockert.. Schale vom Mehlkern abgescheuert wird.
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Es ist bereits vorgeschlagen worden - hat aber in der Praxis keinen
Eingang gefunden -, das Getreidekorn über waagerechte Schleuderscheiben, die mit
Auffangtellern abwechseln, in schleierartiger Verteilung herunterrieseln zu lassen
und dabei der Einwirkung von Wasserdampf auszusetzen, um die Verbindung zwischen
der Schale und der Kleberschicht zu lockern, worauf in einer Schälmaschine die Schale
vom Kleber getrennt wird, der dann vollständig beim Mehl verbleibt, wodurch eine
Sorte von Vollkornmehl entstehen dürfte.
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Tatsächlich spielt die Erzeugung von Vollkornmehl, als so wünschenswert
sie von manchen Hygienikern hingestellt wird, zur Zeit nur eine untergeordnete Rolle.
Gewünscht wird im allgemeinen die Gewinnung eines rein ,Weißen Mehles aus dem eigentlichen
Mehlkern des Kornes, natürlich mit dem zur Backfähigkeit erforderlichen Kleber.
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Gegen die ältere Vorrichtung ist ferner einzuwenden, daß sie mit umlaufenden
Bestandteilen arbeitet, die der Lagerung und Schmierung bedürfen, und daher unerwünschte
Stoffe,
insbesondere Schmieröl, nicht in hygienisch einwandfreier Weise vom Mehl fernhält.
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Die Erfindung besteht demgemäß im wesentlichen darin, daß das gereinigte
Getreide in dünnem schleierartigem Strahl über ruhende Kaskadenbrettchen zum Fallen
gebracht wird.
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Auf der Zeichnung ist die den Erfindungsgegenstand bildende Vorrichtung
in zwei zueinander rechtwinkligen Ansichten schematisch dargestellt.
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Zunächst wird das Getreide in der gebräuchlichen Weise sauber gereinigt,
und zwar mittels einer Bürsten-, Spitz- und Schälmaschine a, worauf das von der
Holzfaser und den Spitzen (Keimen) befreite Getreide zum Dämpfapparat b gelangt.
Dieser besteht aus einem im wesentlichen rechteckigen, oben und .unten offenen Kasten,
in welchen zwei lotrechte, aus starkem Drahtgewebe bestehende Wände c eingebaut
sind, die zu beiden Seiten des Kastens je eine Dampfverteilungskammer d abgrenzen.
Mit Absperr- und Drosselhähnen e versehene Dampfzuleitungen f führen diesen Kammern
ständig nassen, trocken gesättigten oder auch überhitzten Niederdruckdainpf zu.
Welcher Dampfzustand die besten Ergebnisse liefert, wird für jede Getreidesorte
besonders erprobt werden müssen. Auch die Anwendung von Hochdruckdampf ist nicht
ausgeschlossen, würde aber umständliche Veranstaltungen notwendig machen und ist
aus diesem Grunde vom Erfinder zunächst nicht in Aussicht genommen. Zwischen den
beiden Drahtgewebewänden sind Kaskadenbrettchen g eingebaut, nämlich geneigte Brettchen,
die abwechselnd von der Vorder- und der Hinterwand des Kastens b bis über dessen
Mitte reichen und zwischeneinander je einen schmalen Durchfallsspalt h freilassen.
Das oben in der Mitte auffallende gereinigte Getreide fällt durch die Spalte
lt
der Reihe nach iii dünner gelockerter Schicht, einen sogenannten Schleier
bildend, von Brettchen zu Brettchen, und bei jedem Fall sind die dünnen, in einzelne
Körner aufgelösten Getreidestrahlen der Einwirkung des von beiden Seiten her zutretenden
Dampfes ausgesetzt. Bei der Abfallkante sind die Kaskadenbrettchen mit Schmirgel
oder mit scharfem Stahldrahtgewebe belegt, damit beim :3.bgleiten des von Brett
zu Brett herunterfallenden Getreides die gelösten Schalen abgescheuert werden. Der
Dampf löst die Schale verblüffend leicht vom Mehlkern. Je nachdem die Schale rascher
oder langsamer gelockert werden soll, wird der Druck (also auch die Temperatur)
und die Menge des zutretenden Dampfes mittels der Drosselhähne e geregelt. Selbstverständlich
kann statt der erläuterten Kaskadenbrettchen irgendeine andere Vorrichtung oder
Maschine angewendet werden, um das Getreide in dünne Strahlen zerrieseln und den
Dampf darauf einwirken zu lassen.
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Bei Erreichung des unteren Endes des aus den Brettchen g gebildeten
Turmes sitzt die Schale nur noch ganz lose auf dem Kern und hat sich teilweise auch
schon ganz abgelöst. Unter dem freien Rande des untersten Brettchens befindet sich,
einen Durchgangsspalt freilassend, eine Bürstenwalze i, welche sich, wie der eingetragene
Pfeil j erkennen iäßt, der Brettchenkante entgegenbewegt. Ein Schieber k ermöglicht
es, die Weite des Durchgangsspaltes nach Bedarf einzuregeln. Der Bürstenwalze gegenüber
befindet sich, waagerecht verschiebbar und mittels außen befindlicher Griffe l einstellbar,
ein nach erfolgtem Einstellen ruhender Bürstenkörper in, der an seiner um einen
Teil der Bürstenwalze herumreichenden hohlzylindrischen Fläche mit Bürsten besetzt
ist. Das Getreide wird von der Bürstenwalze mitgenommen. Durch die Hemmung, die
es am Körper in, erfährt, werden die Kerne zurückgehalten und die Schalen abgebürstet,
so daß die Kerne, mit abgetrennten Schalen gemischt, in den Sammeltrichter n fallen.
Statt der gezeichneten, an sich bekannten Bürsteneinrichtung könnte auch eine an
sich ebenfalls bekannte Schläger-, Bürst- oder Poliermaschine angewendet werden,
um die Getreidekerne von den durch die vorgängige Dampfeinwirkung bereits gelockerten
Holzfasern und von den Keimen zu befreien.
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Über der Bodenöffnung des Trichters sammeln sich die von der Schale
befreiten Getreidekerne an; sie werden zeitweise oder stetig abgelassen und gelangen
dann zur Vermahlung, und zwar geschieht die Vermahlung in einem oder allenfalls
zwei Arbeitsgängen, weil die Schalen bereits vollständig abgesondert sind und auf
deren Erhaltung keine Rücksicht genommen zu werden braucht. Die Schalen werden von
dem durch einen angeschlossenen Exhaustor o erzeugten Luft- und Dampfstrom erfaßt,
weil sie diesem einen viel geringeren Widerstand bieten als die Mehlkerne, und werden
durch den Exhaustor nach einem an sich bekannten Schlauchfilter p getrieben, der
die Schalen zurückhält, während das angesaugte Gemisch aus Luft und Dampf entweicht.
Die Verarbeitung der Schalen zu Kleie geschieht ebenfalls in einem einzigen Durchgang
durch einen Schrotgang.
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Der Erfinder erwartet von der Durchführung seines Verfahrens eine
Verkürzung der bisherigen Mahldauer um 5o°Jo, ferner ein besonders weißes Mehl und
eine höhere Ausbeute
als bei den gebräuchlichen sieben bis zehn
Verrnahlungsdurchgängen.