DE577125C - Verfahren zum Reinigen, Schaelen und Aufschliessen von Brotgetreide - Google Patents

Verfahren zum Reinigen, Schaelen und Aufschliessen von Brotgetreide

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DE577125C
DE577125C DEG77517D DEG0077517D DE577125C DE 577125 C DE577125 C DE 577125C DE G77517 D DEG77517 D DE G77517D DE G0077517 D DEG0077517 D DE G0077517D DE 577125 C DE577125 C DE 577125C
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    • BPERFORMING OPERATIONS; TRANSPORTING
    • B02CRUSHING, PULVERISING, OR DISINTEGRATING; PREPARATORY TREATMENT OF GRAIN FOR MILLING
    • B02BPREPARING GRAIN FOR MILLING; REFINING GRANULAR FRUIT TO COMMERCIAL PRODUCTS BY WORKING THE SURFACE
    • B02B3/00Hulling; Husking; Decorticating; Polishing; Removing the awns; Degerming

Landscapes

  • Cereal-Derived Products (AREA)
  • Polysaccharides And Polysaccharide Derivatives (AREA)

Description

  • Verfahren zum Reinigen, Schälen und Aufschließen von Brotgetreide Die Verwertung des Brotgetreides für die menschliche Ernährung erfolgt zur Zeit in der seit Jahrtausenden üblichen Weise im allgemeinen immer noch so, daß man das Getreide, gegebenenfalls nach vorheriger Reinigung, einem Mahlprozeß unterwirft, bei dein das ganze Getreidekorn, also einschließlich der äußeren, für die menschliche Ernährung wertlosen Celluloseschale, zerkleinert wird. Aus dein so gewonnenen Schrotmehl wird dann durch Abscheiden der Kleie und anderer den dunkler gefärbten äußeren Schichten des Korns entstammenden Bestandteile das Mehl gewonnen, all dessen Feinheit und helle Farbe im Laufe der Zeit immer höhere Anforderungen gestellt werden. Diese Anforderungen sind bekanntlich vom ernährungsphysiologischen Standpunkt nicht zu rechtfertigen. Die neueren Forschungen auf diesem Gebiete haben vielmehr ergeben, daß die hoch ausgeinahlenen Mehle wegen ihres verhältnismäßig geringen Gehaltes an für die Ernährung besonders wichtigen Bestandteilen gegenüber dem sämtliche Bestandteile des Korns enthaltenden Schrotmehl an 'Nährwert erheblich zurückstehen. Das aus dem alle Bestandteile des Korns einschließlich der äußeren Schale enthaltenden Schrotmehl bisheriger Mahltechnik gebackene Brot wird aber von Personen mit schwacherVerdauung nicht gut vertragen und ist auch wegen seiner dunklen Farbe vielfach nicht bliebt. Außerdem wird ein solches Brot besonders hinsichtlich seines Eiweißgehaltes vom menschlichen Verdauungsapparat schlecht ausgenutzt, was in der Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß die Eiweißstoffe und übrigens auch andere besonders wertvolle Bestandteile des Getreidekorns bei den üblichen Mahlverfahren zum großen Teil an den für den Menschen ganz unverdaulichen äußeren Holzfaserschichten des Korns haftenbleiben und deshalb von der Verdauung nicht in vollem Maße mit erfaßt werden.
  • Es sind deshalb schon vielfach Vorschläge gemacht und auch zur Ausführung gebracht worden, wonach Brot oder anderes Gebäck unmittelbar aus dem vollwertigen Getreidekorn nach Entfernung der äußeren, die Kleie ergebenden Hüllen hergestellt wird. Zu diesem Zwecke wird das Getreide gewöhnlich nach vorherigem Netzen oder Einweichen in Wasser mit scharfen Bürsten, -Schmirgelscheiben o. dgl. behandelt und das dadurch von seinen äußeren Schichten mehr oder weniger befreite Korn durch Zerquetschen in noch weichem Zustande unmittelbar in den Brotteig übergeführt. Es ist auch bereits vorgeschlagen worden, das Getreide so lange in Wasser einzuweichen, bis der Mehlkörper eine dickbreiige Beschaffenheit annimmt. Die =Trennung des Kerns von der Schale soll dann durch Ausquetschen erfolgen. Ob dies .praktisch ausführbar ist, erscheint zweifelhaft. Auf alle Fälle würde es außerordentliche Schwierigkeiten machen, das breiige Enderzeugnis, das natürlich. zunächst getrocknet werden müßte, in normaler Weise, d. h. in den üblichen Mahlgängen oder Walzenstühlen, weiterzuverarbeiten. Wenn ein Vermahlen der zunächst breiigen Masse zu Mehl praktisch überhaupt in Frage kommt, so wären dazu besondere Einrichtungen, zum mindesten eine Vorrichtung zur Vorzerkleinerung, erforderlich. Auch der Transport der getrockneten Masse ist auf keinen Fall so einfach wie der von gewöhnlichem Getreide. Das ist für ein Massengut ersten Ranges, wie es das Brotgetreide darstellt, natürlich ein schwerwiegender Nachteil.
  • Ein anderer Erfinder hat den Vorschlag gemacht, zur Erleichterung des Schälvorganges das Getreide mit Wasser lediglich zu benetzen. Das betreffende Verfahren erfordert dann eine sehr kräftige mechanische Einwirkung, die in der Behandlung des lediglich angefeuchteten Getreides mit Hilfe einer größeren Anzahl von hintereinandergeschalteten Trommeln finit rauher Oberfläche besteht. Das bedingt eine sehr verwickelte Apparatur. Dabei ist es zweifelhaft, ob einerseits die Kerne wirklich restlos von den Holzschalen befreit werden und ob andererseits durch die intensive mechanische Beanspruchung durch die Reibkörper nicht wertvolle Zellenschichten tnit entfernt werden. In die Praxis hat jedenfalls auch dies Verfahren keinen Eingang gefUnden.
  • Gleichfalls in mehreren mit rauher Innenwand versehenen Trommeln wird das Getreide nach einem weiteren bekannten Schälverfahren behandelt, nachdem es vorher längere Zeit mit Wasser im Oberschuß durch eine Rohrschlange geführt ist. Dabei soll durch die Bearbeitung mittels einer umlaufenden Walze in der ersten Trommel lediglich eine Lockerung der Hülsen herbeigeführt werden, während erst in der zweiten Trommel, und zwar ebenfalls mittels einer mit der rauhen Trommelinnenwand zusammenwirkenden Walze das Lösen der Hülsen von den Kernen und ihre Absonderung von den letzteren mit Hilfe eines Ventilators erfolgt.
  • Nach einem anderen Verfahren soll das Getreide, nachdem es gewaschen ist, in einem Rührwerk ohne Wasser unter Luftabschluß derart bearbeitet werden, daß sich die Körner cinerseits unter sich, andererseits an denWandungen der betreffenden Rührtrommeln unter erheblicher Wärmeentwicklung stark reiben. In einer zweiten Rührtrommel sollen dann die gelösten Schalen durch einen Ventilator abgesaugt werden, während die geschälten Körner in einer dritten Rührtrommel getrocknet und poliert werden sollen. Auch bei diesem Verfahren können ohne erheblichen Eingriff in die eigentliche Kernmasse die äußeren holzigen Schalen nicht restlos entfernt werden. Darauf kommt es dem älteren Erfinder übrigens auch nicht an, der mit seinem Verfahren lediglich die Entfernung des Cerealins bezweckt.
  • Schließlich ist es zur Vorbereitung für die unmittelbare Herstellung von Brotteig aus Getreide bekannt, das letztere in warmem Wasser, dessen Menge etwa dem des zu verarbeitenden Getreides gleichkommt, einzuweichen und die Masse mit Hilfe einer Rührvorrichtung in sich kräftig zu bewegen, wobei sich nach einer Behandlungsdauer von etwa il/, Stunden die äußeren Samenschalen ablösen und eine schaumartige Masse auf der Oberfläche des Einweichwassers bilden sollen. Das so vorbereitete Getreide, das einen wesentlichen Teil des Einweichwassers aufgenommen hat, soll dann mit Hilfe von Quetschwalzen zu einem gleichmäßigen Teige verarbeitet werden.
  • Alle diese Vorschläge haben nichts daran zu ändern vermocht, daß die Verarbeitung des Brotgetreides zu Mehl heute nach wie vor in weit überwiegendem Maße in der eingangs beschriebenen althergebrachten Weise erfolgt. Der Grund hierfür ist offenbar -der, daß die bekannten Naßschälverfahren zu umständlich und zeitraubend sind bzw. eine zu verwickelte, für den Großbetrieb wenig geeignete Apparatur erfordern sowie daß das zur restlosen Entfernung der Holzschalen für erforderlich gehaltene lange Einweichen des Getreides dessen Beschaffenheit, insbesondere in backtechnischer Beziehung, beeinträchtigt und den an den Schälvorgang sich anschließenden Trockenproßeß erschwert.
  • Die vorliegende Erfindung geht von dem als Vorbereitung für die unmittelbare Teigbereitung bekannten obenerwähnten Schälverfahren aus, bei dem die Getreidemasse unter Zugabe von warmem Wasser mit Hilfe eines Rührwerks in sich kräftig durchgearbeitet wird. Von diesem bekannten Verfahren unterscheidet sich das den Gegenstand der Erfindung bildende aber wesentlich dadurch, daß diese Behandlung, die im übrigen zweckmäßig auch unter "erheblich geringerem Wasserzu-4atz vor sich geht, nur sehr kurze Zeit erfolgt, nämlich nur so lange, bis sich die äußersten holzigen Schalen gelockert haben, ohne sich völlig von den Kernen zu lösen sowie ohne daß die letzteren im Wasser quellen. Hierzu reicht ein Zeitraum von wenigen Minuten. Man unterbricht dann den Schätvorgang, indem man vorläufig nur einen Teil der gelockerten Schalen, zweckmäßig durch Abschwemmen, von der Kernmasse trennt, diese durch einen Trockner schickt und dabei die restlichen Schalen, vorzugsweise durch Abblasen mit Hilfe der Trockenluft, abscheidet. Die vorher auf nassem Wege getrennten Schalen werden besonders getrocknet und können dann mit den im Trockner abgeschiedenen gemischt werden. Attf diese Weise erhält man einerseits die vollständig von den Holzschalen befreite Kernmasse, die sich in einfachster Weise zu Mehl. vermahlen läßt, -und andererseits die aus reiner Cellulose bestehenden Schalen, die als Rohstoff für die Zellstoffindustrie vorteilhaft Verwendung finden können. Das neueVerfahren ergibt eine ganze Reihe von volkswirtschaftlichen: @mühlentechnischen sowie ernährungsphysiologischen Vorteilen und ermöglicht eine bi5soilders- wirtschaftliche Ausnutzung des Wertes des Brotgetreides, wie im nachstehenden näher ausgeführt werden möge.
  • Bei den zur Zeit üblichen Müllereiverfahren ergeben sich beispielsweise beim Vermahlen von i oo kg Roggen folgende Enderzeugnisse unter Außerachtlassung der durch die Reinigung entstehenden geringfügigen Verluste und sonstigen Abgänge:
    65 kg Feinmehl im Werte von 28,oo @lL` je roo kg.......... 18,2o .d8
    13 kg Nachmehl im Werte von 25,50 je ioo kg.......... 3,3z
    2z'kg Kleie im Werte von i2,oo @lL je ioo kg.......... 2,64 ioo kg 24,z5 £
    Demgegenüber ergibt die Aufschließung der gleichen Kornmenge nach dem Verfahren gemäß der Erfindung
    84 kg Feinmehl im Werte von 28,oo £ je ioo kg.......... 23,52
    14 kg Vollmehl im Werte von 28,oo .A je ioo kg.......... 3,9231
    ?,kg Cellulose im Werte von 40,00,4t je ioo kg.......... o,8o
    100 kg 28,24 X
    Das bedeutet einen Mehrerlös aus den gewonnenen -Erzeugnissen von über 4 Gift für ioo kg Roggen.
  • Abgesehen von diesem erheblichen Mehrgewinn ist das gewonnene Mehl, besonders das Feinmehl, bei gleich heller Farbe wesentlich reicher an Eiweißstoffen und Vitaminen. Vor allen Dingen ist aber die Vermahlung der von den Schalen befreiten Kerne erheblich leichter und einfacher. Das erklärt sich ohne weiteres daraus, daß nicht wie bisher die Holzfaser der äußeren Kornschale durch den ganzen Mahlprozeß mitgeschleppt wird, daß vielmehr ausschließlich die verhältnismäßig leicht zu zerkleinernden und aufzuschließenden Bestandteile des Kerns dem Mahlprozeß unterworfen werden. Infolgedessen kommt man mit einer wesentlich geringeren Anzahl von Mahlgängen und Walzenstühlen aus bzw. können die Zahl der Passagen erheblich verringert werden. Das bedeutet, daß sich, Mühlen von bestimmter Leistungsfähigkeit mit erheblich geringeren Kosten herstellen und betreiben lassen bzw. daß die Leistungsfähigkeit vorhandener Mühlen wesentlich gesteigert werden kann, indem man das Mahlgut statt wie bisher die beispielsweise vorhandenen r2 bis 16 Stühle hintereinander nur 3 bis 4. Stühle in Parallelschaltung passieren läßt.
  • Bemerkenswert ist auch, daß beim Vermahlen der nach dem neuen Verfahren zunächst geschälten Körner ein geringerer Walzendruck erforderlich ist, wodurch der Kraftbedarf der Mühlen weiter nicht unwesentlich herabgesetzt wird. Auch die Backfähigkeit des nach dem neuen Verfahren gewonnenen Mehls ist eine bessere. Das ist wahrscheinlich auf die schonendere Behandlung zurückzuführen, die dadurch bedingt ist, daß sich das Korn erheblich leichter zerkleinern läßt, und die mit einer geringeren Erwärmung des Mahlgutes Hand in Hand geht. Wird doch bekanntlich die häufig festzustellende schlechte Backfähigkeit angeblich hochwertiger Mehle vielfach auf zu starke mechanische und thermische Beanspruchung des Korns in den modernen Mühlen mit ihrem intensiven Mahlbetrieb, auf das sogenannte Totmahlen, zurückgeführt.
  • Die praktische Ausführung des Verfahrens möge im nachstehenden an Hand der Zeichnungen beispielsweise erläutert werden. In den Zeichnungen ist Abb. z ein Schema der Gesamteinrichtung unter Ausschluß der Mahleinrichtung, während die Abb. 2, 3 und 4 eine zur Enthülsung oder Schälung des Getreides geeignete Vorrichtung in Ansicht von zwei verschiedenen Seiten bzw. in Aufsicht darstellen.
  • Mit A ist die in den Abb. 2 bis 4 im einzelnen veranschaulichte Enthülsungsvorrichtung bezeichnet, der das zu behandelnde Getreide, in erster Linie Roggen oder Weizen, durch eine Schurre a, das für die Lösung der Hülsen vorn Kern benötigte Wasser durch eine Rohrleitung b, das zum Abschwemmen der von den Kernen gelösten Hülsen dienende Wasser durch eine Leitung c zugeführt wird, während die Abführung der Hülsen durch eine Leitung d und die der geschälten Kerne durch eine Leitung e erfolgt. An die Leitung e schließt sich ein Apparat B an, in dem die Schalen teilweise entwässert werden. In dem der Darstellung zugrunde gelegten Falle besteht dieser Apparat aus einem Hohlzylinder f mit durchbrochener Wandung, in dem eine Schnecke g umläuft, die die aus dem Apparat A kommenden nassen Schalen auspreßt und sie zu einer Schurre h befördert, in der die teilweise entwässerten Schalen herab und in das Eintragende eines Trommeltrockners C rutschen. Vor dem Trocknen kann gegebenenfalls noch eine Vorrichtung zum Zerteilen der in feuchtem Zustand sich ziemlich fest zusammenballenden Hülsenmasse in den Arbeitsgang eingeschaltet werden. Der Trockner C ist zweckmäßig als sogenannter Rieseltrockner ausgebildet, d. h. das Trockengut wird auf in größerer Anzahl innerhalb des umlaufenden Trommelmantels angeordnete Einsatzbleche gebracht, die es beim Umlaufen der Trommel abwechselnd fallen lassen und wieder mit in die Höhe nehmen, wobei das herabfallende Trockengut von einem die Trommel in der Längsrichtung durchstreichenden Strom warmer Luft bespült wird. Die fertig getrockneten Hülsen treten bei i aus dein Trockner aus und werden dann mit den durch den weiter unten noch zu besprechenden Kanal k zugeführten Hülsen vereinigt und unmittelbar gesackt oder gegebenenfalls in einer nach Art einer Ballenpresse eingerichteten VorrichtungD auf ein möglichst kleines Volumen zusammengepreßt, um die Förderkosten zu verringern.
  • Die in dein Apparat A enthülsten Kerne werden aus der Leitung e zweckmäßig zunächst in eine Schleuder E abgeführt, in der ein Teil des ihnen anhaftenden Wassers abgeschleudert wird. Die Kerne können aber auch unmittelbar in den andernfalls an die Schleuder anzuschließenden Trockner F eingeführt werden, der wie der vorstehend beschriebene Trockner C ausgebildet sein kann, aber entsprechend der erheblich größeren, von ihm zu bewältigenden Trockengutmenge wesentlich größere Abmessungen erhalten muß. In kleineren Betrieben kann das Trocknen der Kerne sowie der Schalen auch in einem einzigen Trockner erfolgen. Es werden dann zunächst dieKerne durch denTrockner geschickt und darauf die Schalen.
  • Die zum Trocknen der Kerne dienende Luft wird durch ein Sauggebläse G aus der "Trockentrommel gesaugt, und zwar mit ziemlich großer -Geschwindigkeit, so daß die restlichen, den Kernen beim Austritt aus dem Entschälapparat A noch anhaftenden Schalen, die sich beim Trocknen innerhalb der Trommel F von den Kernen trennen, mitgerissen werden. Diese Schalen werden durch den obenerwähnten Kanal h den aus dem Trockner C kommenden Schalen beigemengt und mit diesen zusammen gegebenenfalls der Ballenpresse zugeführt.
  • Die bei z aus dem Trockner F tretenden getrockneten Kerne können entweder gesackt und zwecks späterer Vermahlung gestapelt oder an die Mühlen versandt oder aber unmittelbar der Vermahlung zugeführt werden. Das Vermahlen kann, wie oben erwähnt, mit Hilfe der üblichen Mahlgänge und Walzenstühle erfolgen, mit dem Unterschied, daß bei in normaler Weise ausgestatteten Mühlen entweder einzelne Mahlgänge und Stühle ausgeschaltet werden oder aber das Mahlgut statt, wie bisher üblich, hintereinander - durch die verschiedenen Stühle gleichzeitig durch mehrere Stühle nebeneinander, also sozusagen in Parallelschaltung geführt wird. Mit der eigentlichen Vermahlung geht natürlich, wie üblich, ein Sichtungsprozeß Hand in Hand, wodurch die verschiedenen Mehlsorten, Dunste, Grieße usw., aber keine Kleie gewonnen werden. Bemerkenswert ist, daß das gemäß der Erfindung vorbehandelte Mahlgut schon nach dem Durchgange durch den ersten Stuhl eine Ausbeute an Feinmehl von über 70 % ergibt.
  • Die Ausbildung der Enthülsungsvorrichtung A ergibt sich aus den Abb. 2 bis 4. In einem Behälter z sind zwei um senkrechte Achsen drehbare Rühr- und Schlagvorrichtungen 2, 2a sowie ebenfalls um eine senkrechte Achse drehbare Rührarme 3 vorgesehen. Die Arme 3, die zweckmäßig schraubenflügelartig ausgebildet sind, werden mit Hilfe einer senkrechten Welle 4 über ein Kegelradgetriebe 5 von einem Vorgelegge 6 aus in Drehung gesetzt. Ein an. der Welle 4 sitzendes Zahnrad 7 treibt außerdem zwei kleinere Zahnräder 8, 8a an, die auf den die Schlagvorrichtungen 2, 2a antreibenden Wellen 9, 9a sitzen. Diese Wellen sind durch ein Querstück ro miteinander verbunden, derart, daß die Zahnräder 8, 8a auf dem großen Zahnrade 7 abrollen und die Schlagvorrichtungen 2, 2a außer der Drehung um ihre eigenen Achsen noch eine umlaufende Bewegung um die Achse der Mittelwelle 4 ausführen.
  • Die Schlagvorrichtungen 2 und 2a bestehen zweckmäßig aus je vier durch Stabgitter gebildeten Flügeln. Die Gitterstäbe der einen Vorrichtung sind gegenüber denen der anderen zweckmäßig versetzt angeordnet, derart, daß beispielsweise die Stäbe der Vorrichtung 2 senkrecht, die der Vorrichtung 2a waagerecht verlaufen. Die Flügel der Rührvorrichtung 3 reichen zweckmäßig bis an die Wand des Behälters i.
  • Der Behälter i@ ist unten mit einem gelochten Boden 14 versehen. An den unterhalb dieses Bodens befindlichen Raum ist eine Leitung 13 angeschlossen, die mit einem oben auf dem Apparatgestell i i angebrachten Gebläse 12 in Verbindung steht. Der Behälter i ist am oberen Ende mit einem besonderen Rande 15 versehen, der den Behälterrand mit gewissem Abstande umgibt, so daß eine um den Rand des Behälters laufende Rinne 16 entsteht, die mit einem Auslauf 17 versehen ist. An diesen Auslauf schließt sich die obenerwähnte Leitung d (Abb. i) an.
  • Das zu entschälende Getreide wird in den Behälter i getan und dann das Netzwasser zugeführt. Dies Wasser wird zweckmäßig so warm gehalten, daß die Mischung von Wasser und Getreide eine Temperatur von etwa 6o bis 65° aufweist. Durch die erhöhte Temperatur wird das Ablösen der äußeren Hülse vom Getreidekorn erheblich beschleunigt. Zu hoch darf man mit der Wassertemperatur aber nicht gehen, da sonst die Körnerkerne ungünstig beeinflußt werden. Nunmehr werden die Rührwerke in Gang gesetzt. Durch ihre Wirkung wird einerseits eine starke gegenseitige Reibung der Getreidekörner herbeigeführt. Außerdem üben insbesondere die Schlagwerke 2, 2d ihrerseits auch unmittelbar eine reibende Wirkung auf die Körner aus. Durch die Einwirkung der Schlagvorrichtungen sowie auch der Rührflügel 3, die die am Boden des Gefäßes sich ablagernden Körner wieder in Umlauf bringen, ergibt sich ein derartig kräftiges Durcheinanderwirbeln des Getreides, daß einmal eine gründliche Wa-.chung unter Abscheidung der an den Körnern noch anhaftenden Schmutzteile und andererseits ein Loslösen der äußeren Hüllen von den Kernen erfolgt.
  • Nach einer Behandlungsdauer von nur wenigen (15 bis höchstens 2o) Minuten ist die Lockerung der Schalen im wesentlichen vollendet, so daß nunmehr die Trennung der Schalen von der Kernmasse vorgenommen werden kann. Diese Trennung erfolgt durch Einblasen von Luft in den Raum unterhalb des Siebbodens 14 mit Hilfe des Gebläses 12. Das Einblasen erfolgt zweckmäßig, nachdem vorher das Netzwasser abgelassen und durch kaltes Wasser ersetzt worden ist, das durch ein von unten in den Behälter i führendes, in Abb. i mit c bezeichnetes Rohr zugeleitet wird. Durch die in den Behälter i hochsteigende Luft, die ein kräftiges Aufwallen der Getreidemasse in dem umgebenden Wasser veranlaßt, werden die von den Kernen losgelösten Hülsen an die Oberfläche geschwemmt und über den Behälterrand gespült, so daß sie in die den Rand umgebende Rinne 16 gelangen, aus. der sie durch. den Ablauf 17 austreten. Es schließt. sich dann die oben beschriebene weitere Behandlung in der Schnecke B und im Trockner C an.
  • Nach der Abscheidung der Hülsen wird die im Behälter zurückgebliebene Masse, die aus den enthülsten Kernen sowie noch nicht abgeschiedenen Hülsen besteht, nach Ablassen des Schwemmwassers weiterbehandelt, indem die Masse, gegebenenfalls nach Zwischenbehandlung in der Schleuder E (Abb. i), in den Trockner P gelangt, wo die Kerne unter gleichzeitiger Abscheidung der restlichen Hülsen getrocknet werden. Die Trocknung erfolgt zweckmäßig durch warme Luft. Die Trockenluft, die mittels eines Gebläses durch die Trockentrommel getrieben wird, soll eine Temperatur von etwa 85° haben.
  • Statt der beschriebenen Enthülsungs- oder Schälvorrichtung kann auch eine andere Vorrichtung benutzt werden, die es ermöglicht, die äußersten, fast vollständig aus Cellulose bestehenden Schalen oder Hülsen des Korns und unter tunlichster Schonung sowohl des Kerns wie auch der Schalen selbst von den letzteren zu trennen. Auch die übrigen Vorrichtungen der beschriebenen Anlage können ohne weiteres durch andere ersetzt werden, die dieselbe oder eine gleichartige Wirkung ergeben. Der beschriebene Schälapparat hat sich in bezug auf die angedeuteten Wirkungen besonders bewährt. Wichtig für die möglichst restlose Befreiung des Kerns von der äußeren Schale ist auch die oben beschriebene Behandlung der geschälten Körner in einem Trockner, bei der die trocknenden oder bereits getrockneten Körner einem starken Luftzug unterworfen werden. Durch die Trocknung werden die in dem Apparat A noch nicht abgeschiedenen Schalen, die infolge der Feuchtigkeit in den Kernen kleben, von diesen gelöst und durch den Trockenluftstrom dann endgültig von ihnen getrennt. Es gelingt auf diese Weise, die Kerne so gut wie restlos von ihren. Schalen zu befreien und dadurch einerseits die Reinheit des aus den Kernen gewonnenen Mehles zu erhöhen und seine Farbe weiter zu verbessern, andererseits auch die Menge der abgeschiedenen Schalen zu vergrößern.
  • Diese Schalen können wegen ihrer großen Reinheit - sie enthalten 9704 reine Cellulose - vorteilhaft in der Zellstoffindustrie, insbesondere als Rohstoff für die Herstellung von Celluloid sowie von Kunstseide u. dgl-Verwendung finden. Es ergibt sich hier eine neue Rohstoffquelle von ganz außerordentlicher Bedeutung, die um so wichtiger ist, als das bisher von der Celluloseindustrie fast ausschließlich benutzte Holz bekanntlich immer knapper wird, so daß man bereits ein Versiegen dieser Rohstoffquelle für absehbare Zeit ins Auge faßt. Weiterhin können die getrockneten Schalen als Polsterstoffe mit großem Vorteil Verwendung finden. Die Eignung hierzu beruht auf der großen Elastizität der bei dem neuen Verfahren im wesentlichen ihre Hohlform beibehaltenden Schalen.
  • Die bessere Backfähigkeit des nach dem neuen Verfahren gewonnenen Mehls wurde bereits erwähnt. Das Mehl und das daraus hergestellte Gebäck zeichnet sich aber auch durch besseren Geschmack und Geruch aus, was, abgesehen von dem größeren Gehalt an den in dieser Beziehung wertvolleren Bestandteilen der äußeren Kernschichten, nach Ansicht des Erfinders auf das der Entschälung voraufgehende Befeuchten mit darauf folgender Trocknung bei erhöhter Temperatur zurückzuführen ist.
  • Der Hauptvorteil des neuen Verfahrens besteht in der außerordentlich kurzen Behandlungsdauer. Diese beträgt vom Einschütten des Getreides in den Naßschälbottich bis zum Ablauf des versand- bzw. lagerfertigen geschälten Getreides aus dem Trockner kaum 'j4 Stunden. Sie ist hauptsächlich durch die Unterbrechung des Naßschälvorganges nach ganz kurzer Benetzungsdauer und Vollendung der Schalenabscheidung gleichzeitig mit der Trocknung bedingt. Hand in Hand hiermit geht die Vermeidung der durch das sonst übliche starke Einweichen des Getreides bedingten Nachteile, die einerseits in der Beeinträchtigung der Backfähigkeit des gewonnenen Mehls, andererseits darin bestehen, daß das Wiedertrocknen der durchweichten Kerne einen großen Aufwand an Trockenarbeit erfordert und daß gewisse, leicht lösliche Nährsalze aus den Kernen ausgelaugt werden.

Claims (2)

  1. PATENTANSPRÜCHE i. Verfahren zum Reinigen, Schälen und Aufschließen von Brotgetreide, bei dem das Getreide in warmem Wasser kräftig gerührt wird, um die äußeren holzigen Schalen von den Kernen zu trennen, die dann nach Abschwemmen unter gleichzeitiger Waschung der Getreidemasse entfernt und für sich weiterbehandelt werden, dadurch gekennzeichnet, daß das Rühren im Wasser nur wenige (etwa 15 bis 2o) Minuten durchgeführt wird, während welchen Vorganges sich bloß ein Teil der Schalen ablöst, während der andere Teil sich zwar lockert, aber noch an den Kernen haftenbleibt, und daß dann die restlichen Schalen durch Trocknen und Schütteln der Getreidemasse abgelöst und z. B. durch Abblasen mit Hilfe der Trockenluft abgeschieden werden.
  2. 2. Einrichtung zur Ausführung des Getreidetrocknungsverfahrens nach Anspruch i, gekennzeichnet .durch die Verwendung eines Trockners, z. B. eines Trommeltrockners, mit starkem Luftdurchzug.
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Cited By (4)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
DE749967C (de) * 1940-01-12 1944-12-12 Miag Muehlenbau Und Ind Ag Verfahren zur Vorbereitung zum Schaelen auf einer Schleudermaschine
DE767908C (de) * 1939-02-24 1954-10-04 Eugen Dr Fritsch Verfahren zur Fluessigkeitsbehandlung von Getreide od. dgl.
DE767926C (de) * 1939-04-25 1955-01-10 Eugen Dr Fritsch Verfahren zur Fluessigkeitsbehandlung von Getreide od. dgl.
DE1191210B (de) * 1963-01-05 1965-04-15 Hans Joachim Fritze Dipl Kfm Verfahren zur Gewinnung von unverletzten, naehrwertmaessig aufgeschlossenen Getreidekernen, insbesondere Haferkernen

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