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Verfahren zur Herstellung von orthopädischem Schuhwerk Bekanntlich
verwendet man zum Abstützen von Senk-, Spreiz- und anderen Füßen sogenannte Einlagen,
die teils auswechselbar (lose) in den Schuh eingelegt, teils fest in denselben eingearbeitet
werden. Die bekanntesten Ledereinlagen sind meist mit Stahl-bzw. anderen Federn
oder Stahlunterlagen, die denselben angenietet sind, versehen, die jedoch den Nachteil
haben., daß sie infolge von Schweiß- und Feuchtigkeitseinwirkung rosten und brechen,
wobei auch die Nieten aus dein Leder rosten, so daß die Einlagen ihrem Verwendungszweck
nicht mehr gerecht werden. Die bisher bekannten Einlagen aus plastischen Massen
haben @ große Nachteile. Z. B. gibt Celluloid mit Kork ein hartes, starres und brüchiges
Werkstück, welches als Einlage den Fuß starr abstützt. Derartige Einlagen sind nicht
elastisch und zum Abstützen von Spreizfüßen ungeeignet. Die genannten Einlagen haben
alle den Nachteil, daß sie den Fuß starr abstützen und die Muskeltätigkeit unterbinden,
wobei die Tätigkeit von Muskeln, Sehnen und Bändern oft direkt aufgehoben wird.
Je nach Belastung werden solche Einlagen im Schuh nach innen oder außen kanten,
oder sie rutschen nach vorn, wodurch sich eine falsche Lage derartiger Einlagen
ergibt, falls sie vorher nicht brechen. Die Lagerung der bekannten Einlagen ist
sehr mangelhaft, zumal sie den Schuh beschädigen. Ferner sind aus Guttapercha mit
Korkschrot hergestellte Einlagen bekannt, bei welchen sich der Fuß in erwärmtem
Zustande einbettet. Dieselben können überhaupt keine korrigierende Wirkung haben;
denn ein deformierter Fuß kann nur eine deformierte Unterlage ergeben.
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Der größte Übelstand aller Einlagen ist, daß keine Kontrolle über
den im Schuhwerk befindlichen Fuß besteht. Bei dem bekannten Schuhwerk, bei dem
Einlagen mit hartmachenden Substanzen oder harten plastischen Massen (Kork und Celluloid)
eingearbeitet werden, besteht der Nachteil, daß bekannte plastische Massen sich
nicht mit feuchtem Leder (Unterlagen) verbinden. Da das aufgewalkte Leder immer
feucht ist, wird sich dasselbe durch Trocknen verziehen, wodurch immer ein anderes
Werkstück entsteht, als ursprünglich nach der Form des Leisten gewünscht wurde.
Außerdem werden besondere formgebende Ein- bzw. Zwischenlagen benötigt, die beim
Erfindungsgegenstand als unnötige Material- und Zeitaufwendung fortfallen.
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Eingearbeitete, die Härte des Abstützungsmaterials abschwächende Filze
eignen sich aus hygienischem Grunde nicht, da der Filz bekanntlich den Schweiß aufsaugt
ebenso wie die durchschlagende Feuchtigkeit der Sohle, so daß der Träger eines solchen
Schuhwerks stets einen feuchten und nassen Fuß hat. Ausgleichungen und Abstützungen
mit durch Nähte verbundenen Lederauflagen bzw. -zwischenlagen ergibt ein schweres,
wenig elastisches Schuhwerk, welches eine verhältnismäßig lange und umständliche
Herstellungsweise
benötigt. Auch hier findet eine wie bereits oben
erwähnte Behinderung der Muskeltätigkeit statt. Die genannten Übelstände werden
durch die Erfindung beseitigt.
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Der Erfindungsgegenstand wird den Anforderungen einer einwandfreien
Fußabstützung sowohl durch seine elastischen als auch widerstandsfähigen Eigenschaften
und durch sein geringes Gewicht gerecht, wobei die verminderte Herstellungszeit
nicht unerwähnt bleiben soll. Gleichzeitig ergibt sich die Möglichkeit einer Kontrolle
bei Durchleuchtung vermittels Röntgenstrahlen. Alle erforderlichen Ausgleichungen
bzw. Abstützungen, wie sie der gesunde und kranke Fuß nötig hat, werden auf oder
innerhalb der eigentlichen Brandsohle (-iufbausohle für Schuhwerk) mittels plastischer
Massen vorgenommen. Das Verfahren ist für jedweden Fall anwendbar. Besonders eignet
sich die Masse zum Ausballen und mit Einmodellieren massiver Korkteile. Vor allein
verbindet sich die plastische Masse mit feuchten Unterlagen. Durch die Verwendung
allerfeinsten Korkmehls ist der fußanliegende Teil stets glatt und nicht körnig,
da die Kautschukpartikelchen mit den feinen Staubteilchen des Korkes eine innige
Verbindung eingehen und eine feste Verankerung mit der Unterlage hervorrufen. Der
Fuß ruht auf einer elastischen, trocknen, trotzdem widerstandsfähigen Unterlage,
die keine harten und starren Abstützungen, welche Muskel, Sehnen und Bänder erschlaffen
lassen, entstehen läßt. Bei der Reparatur der Schuhe wird eine neue Ausballung erspart,
da die plastische Masse nicht brüchig ist. Dein Träger eines solchen Schuhwerks
wird ein trockner und warmer Fuß verschafft. Die beim weiteren Aufbau des Schuhes
durch Zwicken, Heften, Ein-und Durchstechen entstehenden Durchlöcherungen der plastischen
Mässe lassen sich durch Einstreichen mit Kautschuklösungsmitteln wieder schließen
bzw. mittels bekannter Luft- oder Wasserpressen wasserdicht machen, so daß die leichtesten
Böden unbedingt dicht sind. Erfindungsgemäß ist das Verfahren folgendes: Auf die
in bekannter Weise auf einen Leisten oder eine Form aufgewallte oder aufgeklebte
Sohle aus Leder (oder sonstigem geeigneten Material) wird eine plastische Masse
aus Latex oder Korkmehl aufmodelliert unter Berücksichtigung des jeweiligen Zweckes
für Abstützungen und Ausgleichungen, wie sie für gesunde und kranke Füße nötig sind.
Nachdem die Masse getrocknet ist und vermittels Schlichtraspel oder Schmirgel eine
Nachbearbeitung stattgefunden hat, wird die eigentliche Aufbausohle (Leder oder
Textilien) für den Schuh aufgeklebt. In vielen Fällen kann, wenn als leistenanliegendes
Material Brandsohlleder verwendet wurde, diese zweite Sohle fehlen. In dieseln Falle
werden die plastischen Ausgleichsstellen zweckmäßig mit dünnem Leder oder Stoffen
beklebt. Das eigentliche Werkstück ist somit dann fertig zur Anfertigung eines Schuhes.
Das Werkstück gestattet, den weiteren Aufbau in bekannter Weise vorzunehmen. Die
einzelnen plastischen Ausgleichs-oder Abstützungsteile können auch in Formen gepreßt
werden. Das auf diese Weise gewonnene Ausgleichsstück wird dann auf die gewalkte
Sohle geklebt, wobei sich zum Kleben besonders Gummilösungen eignen. Als gut geeignete
plastische Masse hat sich Kautschukmilch mit leichten Füllstoffen erwiesen. Im folgenden
sei ein Beispiel beschrieben Eine 35- bis-q.o°1oige nicht koagulierte, gut pasteurisierte
Kautschukmilch wird mit :2 bis 3 Teilen feinstem Korkmehl (Staub) vermischt. Diese
Mischung ergibt eine leicht modellierfähige plastische Masse, welche nach dem Aufmodellieren
und Trocknen ein einwandfreies Werkstück ergibt. Für die Menge des beizugebenden
Korkstaubes bzw. der sonstwie sich eignenden Füllstoffe ist der prozentuale Kautschukgehalt
ausschlaggebend. Im übrigen wird die Zusammensetzung sich je nach Art der Abstützung
bzw. Ausgleichung richten. Erwähnt sei noch ein weiteres Beispiel: Man gibt der
Kautschukmilch z2 bis 15
°/o Schwefel bei (auf die Kautschukmilch bezogen),
wobei die einzelnen durch in Formen gewonnene Ausgleichsteile vulkanisiert werden.
Ein mehrprozentiger Zusatz von Schwefel macht das Werkstück starrer. Beim Pressen
muß die plastische Mischung teilweise koaguliert sein, da sonst die Kautschukmilch
(nicht koagulierte) ausgepreßt wird und der Füllstoff als wertloses Produkt übrigbleibt.
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Um eine Kontrolle darüber, ob das hergestellte Werkstück (Schuh) auch
den jeweiligen Erfordernissen gerecht wird, zu schaffen, werden die Abstützungen
bzw. Ausgleichungen mittels Metallteilchen (Bleisternchen) begrenzt, so daß bei
einer Durchleuchtung des im Schuh befindlichen Fußes vermittels Röntgenstrahlen
stets die Kontrolle darüber gegeben ist, ob die Abstützungen für den jeweiligen
Fuß im richtigen Verhältnis liegen.
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Die Abb. i und 2 der Zeichnung zeigen einen durchleuchteten Fuß zwecks
Erläuterung des Kontrollverfahrens. Sitzt ein Schuh passend auf dem Fuß, so muß
sich das Bleiteilchen i (Kügelchen oder flache Sternchen) unter dem Kopf des ersten
Mittelfußknochens
b, befinden. Das Bleiteilchen wird dort, wo sich
am Leisten der Ballenpunkt befindet, auf der Brandsohle befestigt (geklebt). Bei
der Durchleuchtung ist sofort ersichtlich, ob der Kopf des ersten Mittelfußknochens
b, richtig ruht bzw. richtig lagert. Abb. i ist ein Beispiel für eine Spreizfußabstützung.
Die mit 2, 3 und d. bezeichneten Begrenzungspunkte der plastischen Abstützungsmasse
haben die Köpfchen von b. bis b4 nicht zu decken, weil die Ausgleichsmasse stützend
wirkt und das Ouergewölbe von bi bis b" nicht durchspreizt bzw. sich senkt. Die
plastische Ausgleichsmasse muß kurz vor den Köpfen der Mittelfußknochen 2 bis 4.
enden, so daß die Köpfchen des zweiten bis vierten Mittelfußknochens entlastet werden.
Hiernach ist die Lage der Knochen stets kontrollier- und erkennbar. Von hoher Bedeutung
ist die Durchleuchtung im entlasteten und belasteten Zustande, indem die korrigierende
Wirkung der jeweiligen Abstützung erkennbar ist.
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Die Abb. 2 desselben Fußes, seitlich durchleuchtet, läßt die korrigierende
Wirkung deutlich erkennen. Infolge der Absatzunterstellung beim Schuh tritt im Skelett
eine Fußwurzelverkürzung ein. Darum muß vom Ballenpunkt i, der unveränderlich bleibt,
die Kontrolle ausgehen. Dieses gilt besonders in bezug auf gutes Halten und Lagern
des Fersenbeins. Es ist hierbei gleichgültig, ob bereits das Köpfchen von b,. seitlich
abgewichen ist. Das Gesagte gilt sowohl für allgemein bekanntes, normales Schuhwerk
als auch besonders für orthopädisches Schuhzeug. In den Abb. i und 2 ist die Ausgleichsmasse
fortgelassen, da dieselbe hier nicht sichtbar ist und nur an Hand der Kontrollpunkte
nachgewiesen werden kann. Die Bleiteilchen 6, 7 und 8 in der Abb. 2 ermöglichen
die Kontrolle des Längsgewölbes, wie sie bei Senkfußbehandlung nötig ist. Die Kontrollpunkte
können natürlich von dem Beispiel abweichend je nach Art und Zweck der Beschuhung
anders angeordnet werden, so daß an Hand der Kontrolle die Schuhindustrie in der
Lage ist, streng individuelles Schuhwerk zu produzieren.
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Abb. 3 stellt einen Querschnitt durch einen Schuh mit darin befindlichem
Fuß dar. Der Schnitt geht durch die abgestützten fünf Mittelfußknochen.
a ist die Sohle, b die Ausballrnasse aus Latex und Korktnehl, c das
Oberleder, d die Aufbaubrandsohle (Leder oder geeignete Stoffe), e die plastische
Querge-%völbeabstützung, T die den Fuß- bzw. Leisten anliegende Auftretsohle. Aus
der Zeichnung ist ersichtlich, daß die plastische Massee bis zur Kante dünn ausläuft.
Hierdurch ist die Dichte des Bodens gewährleistet. Die Löcher g, welche beim Aufzwicken
des Oberleders entstehen. lassen sich. wie bereits erwähnt, wieder schließen. Außerdem
können diese Löcher so weit vom Rande verlegt werden, daß die Ausballmasse diese
wieder dichtet. Der weitere Aufbau des Schuhes ist nach dem Kitt- oder Klebeverfahren
vollzogen.