DE435552C - Verfahren zur Anlegung eines sturmsicheren Randstreifens um oder durch einen Waldbestand - Google Patents

Verfahren zur Anlegung eines sturmsicheren Randstreifens um oder durch einen Waldbestand

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DE435552C
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Description

DEUTSCHES REICH
AUSGEGEBEN AM
13. OKTOBER 1926
REICHSPATENTAMT
PATENTSCHRIFT
KLASSE 45 f GRUPPE (St 39882
Emil Stock in Bad Flinsberg.
Verfahren zur Anlegung eines sturmsicheren Randstreifens um oder durch einen
Waldbestand.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 21. Juli 1925 ab.
Erfahrungsgemäß werden an sturmgefährdeten Bestandsrändern die einzelnen Stämme durch die fortwährende Einwirkung des Windes an ihren Wurzeln gelockert und ihres Haltes beraubt. Die Erklärung· der Erscheinung beruht darin, daß der Wind sich vor flem Walde staut und dabei eine große Kraft an den Stämmen ausübt, die dadurch geworfen oder geknickt werden. Wird nun gemäß der Erfindung durch Absägen der Baum- ίο
kronen in den vorderen Reihen eine in bezug auf die Erdoberfläche schräg aufwärts gerichtete Ebene geschaffen, so wird der Wind sofort in diese Ebene abgelenkt, und der vor dem Rande sich stauende Wind vermag an den Bäumen, weil ihre Länge nunmehr erheblich gekürzt ist, keine für das Brechen und Werfen ausreichende Arbeit zu verrichten.
Das den Gegenstand der Erfindung bildende ίο Verfahren besteht im folgenden:
Am Rande des Bestandes wird ein Streifen, dessen Breite sich nach dem Neigungswinkel des Bodens richtet, geköpft, d. h. die in diesem Streifen befindlichen Stämme werden ihrer Kronen bis zu einem bestimmten Prozentsatz der Länge in einer zur Erdoberfläche schräg aufwärts liegenden Ebene beraubt, und zwar so weit, daß der dahinterliegende Bestand mit seinen erhaltenen Kronen diese Ebene nicht liberragt. Das Verfahren ist anwendbar sowohl für Windströmungen von oben nach . unten oder von unten nach oben, d. h. fürs Gebirge (Abb. ι und 2), wie auch für wagerechte Windströmungen, d. h. für die Ebene (Abb. 3). Das Verfahren beruht auf dem Prinzip der Verlegung des Schwerpunktes der Randstämme durch Kürzung der Krone und damit Verkürzung und Verkleinerung der Angriffsfläche für " den Sturm, wodurch die Hebelkraft des Sturmes herabgesetzt wird und er nicht mehr in der Lage ist, die Stämme zu brechen, sie an den Wurzeln zu lockern und dadurch zu werfen.
Dieser sturmsichere Streifen bricht einerseits die Gewalt des Sturmes und verändert andererseits seine Druckrichtung, indem er ihn zwingt, über den dahinterliegenden Bestand hinwegzustreichen. Dieser Windschutzstreifen kann um den ganzen Wald herum angelegt werden. Da indessen für jede Gegend die besonders gefährlichen Windrichtungen (für Mitteldeutschland S, SO und W) bekannt sind, genügt es, ihn nur entgegengesetzt zu dieser Richtung anzulegen. Die Maßnahme gemäß der Erfindung erlaubt auch die Anlegung eines Aufteilungshiebes quer durch einen Bestand, wobei die der gefährlichen Windrichtung gegenüber- i liegenden Baumreihen des Aufteilungshiebes j in gleicher Weise geköpft werden (Abb. 4). ; Dieser Aufteilungshieb ermöglicht dann die 1 Anwendung des Wagnerschen Blender- j saumverfahrens in den durch den Aufteilungs- ; hieb getrennten Teilen des Waldes. Nach , diesem Verfahren wird der Aufteilungshieb A von Osten nach Westen gerichtet und ein Streifen α von etwa 10 bis 15 m, der von Norden nach Süden geführt wird, kahl geschlagen. Diesen Kahlschlagstreifen folgen sogenannte Lockerungen b, c von gleicher Breite, in denen die Holzmasse in einem immer geringer werdenden Betrage durch Einschlag genutzt wird. Die schraffierten Teile d bedeuten die Kopfungsebene. Außerdem kann ein Seitenschutz e durch Köpfung in jeder beliebigen Himmelsrichtung stattfinden.
Bei Bäumen mit geringem Astansatz in den Kronen, z. B. bei Kiefern, genügt ein Stutzen der Äste, so daß die Hebelkraft des Windes vermindert wird.
Das Verfahren ist auf die Abwehr der verderblichen Einwirkung von Luftströmungen auf die lebende Holzmasse gerichtet. Es ist ein technisches Verfahren, dessen Wirkungen sofort in Erscheinung treten, während sich waldbäuliche Maßnahmen naturgemäß immer erst nach geraumer Zeit auswirken können, ganz abgesehen davon, daß diese letzteren oft im Mittel- und Hochgebirge wegen der klimatischen und Bodenverhältnisse undurchführbar sind. Das Verfahren ist anwendbar ganz besonders auch in Altholzbeständen, also nicht wie die waldbaulichen Verfahren, die dasselbe Ziel anstreben, nur in Beständen von hochstens jungem Stangenholzalter. Die Unterschiede zu den bereits bekannten waldbaulichen Verfahren lassen sich etwa dahin umschreiben:
Das Verfahren gemäß der Erfindung wirkt sofort, ist anwendbar auch in jedem Altholzbestand, wirkt zunächst auf die Kronen als auf die größte Angriffsfläche des Windes ein, bewirkt dadurch mittelbar auch eine größere Befestigung der Wurzeln, dient nicht nur zur Vorbereitung eines Hiebes, sondern gerade auch zur Erhaltung noch nicht hiebreifer Bestände bis zur Erzielung der betriebsplanmäßigen Reife und ist sowohl im Waldinnern , wie an jedem Bestandesrand anwendbar, gleichgültig, nach welcher Himmelsrichtung dieser Rand liegt.
Patent-Ansprüche:
1. Verfahren zur Anlegung eines sturmsicheren Randstreifens um oder durch einen Waldbestand, dadurch gekennzeichnet, daß die Bäume der äußeren Reihen in einer zur Erdoberfläche schräg aufwärts gerichteten Ebene geköpft werden, die den Wind beim Auftreffen auf den Waldrand allmählich nach oben ablenkt.
2. Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß die Äste nach der Krone zu nur gestutzt werden.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.

Claims (1)

  1. Ergänzungsblatt
    zur Patentschrift 4-35 552 Klasse 45 f Gruppe 11.
    Das Patent 435 552 ist durch Urteil des Reichsgerichts vom 5· Dezember 1931 dadurch teilweise für nichtig erklärt, daß der Anspruch 2 gestrichen ist.
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