-
Tastenanordnung für Musikinstrumente, Klaviere, Harmonien o. dgl.
mit reiner Stimmung. Die Schwierigkeit, ein in allen Tonarten rein gestimmtes Instrument
zu schaffen, liegt weniger auf theoretischem wie auf baulichem Gebiete, da einerseits
die Anzahl der innerhalb einer rein gestimmten Oktave vorhandenen und für die Modulation
unentbehrlichen Töne oder Tasten außerordentlich groß ist, und andererseits der
Spielende in bezug auf Fingerplastik und Reichweite seiner Hand nicht unbeschränkt
ist.
-
Die Erfindung schafft eine Anordnung, welche bei reiner Stimmung eine
große Übersicht bietet und die Beibehaltung der herkömmlichen Fingerplastik und
Spieltechnik gestattet, so daß in der Erfindung die Möglichkeit der praktischen
Anwendung des rein gestimmten Tasteninstrumentes liegt.
-
Die bisher bestehenden Klaviaturen für Instrumente mit reiner Stimmung
sind so angeordnet, daß sie zur Kenntlichmachung der Art des Aufbaues des Tonsystems
angepaßt sind, und zwar dadurch, daß entweder ein Terz-Ouinten- oder ein Quint-Terzen-System
Berücksichtigung findet. Vielfach gebräuchlich ist es auch, auf den arithmetischen
Wert und die arithmetische Bezeichnung der Tonstufen den Tastenaufbau zu gründen.
-
Das für die vorliegende Klaviatur in Betracht kommende rein gestimmte
Tongewebe ist die 53stufige Oktave, und zwar das nur theoretisch temperierte, praktisch
aber unbedingt reine Terz-Quinten- oder Quint-Terzen-Svstem, «-elches derart zusammengestellt
ist, daß die achte Unterquinte als große Oberterz u^d die neunte Oberquinte als
kleine Oberterz benutzt wird. Die vorliegende Klaviatur ist somit nach rein musikalischen
Begriffen geordnet, wie sie aus der den temperierten Instrumenten zugrunde liegenden
Theorie hervorgeht. Es ist deshalb auch die in .diesein System übliche Bezeichnung
weggefallen, welche bisher zu großen Komplikationen geführt hat; so sind in dem
ider Erfindung zugrunde liegenden System nicht mehr mi-, bi-, ti-, mo-, bo-, to-,
-C oder -D oder -F (nach Oettingen) zur Anwendung gelangt, sondern die -Bezeichnungen
bleiben die gleichen wiebeim temperi.ertenInstrument,und zwar in reiiner Ouintenfolge
aufwärts bis zum fisisis und abwärts bis zum heses, wobei die zur Bildung von reiner
Terz und Sext notwendigen Töne enharmonisch vorhanden sind. Da dieselben um ein
Komma den andern gegenüber verschieden sind, so werden dieselben ko-Töne genannt,
so daß die C-Dur-Tonleiter aus c, d, eko, f, g, ako und hko besteht.
-
Zur Erläuterung des Erfindungsgegenstandes sind Zeichnungen beigefügt,
und zwar zeigt Abb. r in schematischem Grundriß die Tastatur eines rein gestimmten
Instrumentes für den Bereich zweier Oktaven und Abb. 2 einen Querschnitt der Tastatur
gemäß Abb. r.
-
Die neue Tastenanordnung zerfällt erfindungsgemäß zunächst in zwei
Hauptgruppen, die Untergruppe und die Obergruppe, und innerhalb jeder Gruppe befinden
sich je drei Tastenreihen, so daß im ganzen innerhalb einer Oktave drei Tastenreihen
der Untergruppe und drei Tastenreihen der Obergruppe vorhanden sind. Diese sechs
Tastenreihen einer Oktave sind terrassenförmig übereinander angeordnet. Die Länge
und Breite der einzelnen Tasten ist so bemessen, daß, wie auch bei der Tastatur
des temperierten Instrumentes, die Tasten einer Oktave innerhalb der Spannweite
der Finger liegen. Auf der Zeichnung sind die sechs Tastenreihen der beiden Oktavgruppen
mit A, B, C,
D, E, F bezeichnet. Von besonderer Bedeutung für das Wesen
der Erfindung und die mit ihr angestrebten Ziele ist nun die Tastenanordnung innerhalb
des eben angegebenen Grundplanes der Tastatur und die zahlenmäßige Bezeichnung der
einzelnen Tasten. Es ist bekannt, daß das Tonmaterial, welches man durch Quinten-
und Terzenfortschreitungen von einem bestimmten Ton c aus gewinnt,
im
rein gestimmten Instrument sich durch bestimmte kleine Intervalle von denjenigen
Tönen unterscheidet, welche man erhält, wenn man von dem gleichen Ton c in reinen
Quinten auf- und abwärts geht. Diese Intervalle bezeichnet man bekanntlich als syntonische
Komma oder auch kurz als Komma. Dementsprechend sind diejenigen Töne des reinen
Instrumentes, welche um dieses Intervall tiefer liegen, durch Anfügen der Silbe
»ko« an die Tonbezeichnungen des gewöhnlichen Instrumentes gekennzeichnet, so daß
sich z. B. für den Ton e die Bezeichnung eko, für a ako usw. ergibt.
-
Erfindungsgemäß enthalten nun die Tastenreihen :1 und D sowie auch
die untere Tastenreihe des temperierten Instrumentes nur weiße Tasten; dabei sind
in der Tastenreihe _°I die der reinen C-Dur-Tonleiter eigentümlichen Töne mit denjenigen
Änderungen aufgenommen, die durch das harmonisch reine System notwendig sind, also
an Stelle von e, a und h, eko, ako und hko. Die beiden übrigen Tastenreihen B und
C der Untergruppe enthalten die zur Modulation notwendigen Kreuze bzw. Kreuze mit
den erforderlichen Kos, also z. B. cisko, disko usw. Die Tastenreihe D der oberen
Tastengruppe enthält die F-Dur-Tasten als Stammtonart aller b-Töne, wobei natürlich
auch wieder die erforderlichen ko-Töne an die Stelle der Töne des temperierten Instrumentes
treten. Dabei ist aber erfindungsgemäß der Ton hko wiederholt, d. h. der Ton hko
erscheint sowohl in der Tastenreihe A für die C-Dur-Tonart wie auch in der Tastenreihe
D für die F-Dur-Tonart. Dieses in der Tastenreihe D wiederholte hko wird rei den
späteren Quintschritten als reines ces notwendig. Die beiden Tastenreihen E, F der
oberen Gruppe erhalten wieder alle b-Töne mit den erforderlichen Kos, wie es zur
Moduilation notwendig ist.
-
Bezeichnet man die Töne innerhalb einer Oktave des rein gestimmten
Instrumentes mit "Zahlen und gibt dem Ausgangston c die Bezeichnung o, während die
in ihrem Intervall nufeinanderfolgenden Töne der rein gestimmten Oktave in der Reihenfolge
des natürlichen Zahlensystems bezeichnet werden, so ergibt sich aus der vorstehend
näher Leschriehenen Anordnung der Tasten, die für die ITbersicht und rasche Gewinnung
der Spieltechnik wichtige Tatsache, daß bei der unteren Gruppe die terrassenförmig
aufeinanderfolgenden Tasten oder Töne durch eine wachsende Zahlenreihe, die in der
oberen Gruppe terrassenförmig aufeinanderfolgenden Tasten .durch eine abnehmende
Zahlenreihe bezeichnet werden. -Noch einfacher wird die Übersicht, wenn man von
der unteren Tastenreihe A aufwärts nach der Trennungsebene x, x1 der beiden Tastengruppen
und von der oberen Tastenreihe F gleichfalls zu derselben Trennungsebene x, x' hinschreitet.
Bei dieser Fortschreitungsrichtung ergeben sich für die terrassenförmig aufeinanderfolgenden
Tastenreihen beider Gruppen zut:ehmende Zahlenreihen, beispielsweise in der unteren
Gruppe o, r, 2, in der oberen Gruppe 51, 52, o, weil hier der Ausgangston c wiederholt
ist, oder in er unteren Gruppe 9, 1o, 1t, in der oberen Gruppe 6, 7, 8, oder in
der unueren Gruppe für die schwarzen Tasten 4, 5, in der oberen Gruppe für die schwarzen
Tasten 3, 4 usw. Dabei sind zur Erhöhung der Übersicht, wie auch beim temperierten
Instrument, schwarze Tasten zwischen den weißen Tasten entsprechend den zugehörigen
Tonintervallen zur Anwendung gebracht.
-
Sämtliche in der dargestellten Tastatur nicht ersichtlichen, im rein
gestimmten System aber auftretenden Noten werden durch Transponierung oder durch
die sogenannte enharmonische Vertauschung erreicht. Die in der neuen Tastenanordnung
nicht enthaltenen Zahlen 28 und 42 sind entbehrlich.