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Verfahren zur Herstellung von Menthol. Die bislang im Handel befindlichen
Pfeffermünzöle, hauptsächlich japanisches, amerikanisches und englisches Pfeffermünzöl
oder auch der Hauptbestandteil derselben, das Menthol, sind alles direkt aus den
verschiedenen Spezies der Pfeffermünzpfianzen gewonnene Naturprodukte.
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Vorliegendes Verfahren ermöglicht es nun, die ebenfalls direkt aus
der Pflanze gewonnenen, aber bedeutend wertloseren und besonders für Geschmackzwecke
gänzlich unbrauchbaren Poleyöle oder deren Hauptbestandteil Pulegon allein auf einfache
Weise in Produkte von den Eigenschaften der sehr wertvollen natürlichen Pfeffermünzöle
oder des natürlichen Menthols umzuwandeln.
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Die auf diese Weise erhältlichen neuen Pfeffermünzöle stehen qualitativ,
besonders was Feinheit des Geruches und des Geschmackes betrifft, mit an erster
Stelle unter den Naturölen ihresgleichen und besitzen gleich dem englischen Pfeffermürzöl
einen sehr hohen Gesamtmentholgehalt, ja übertreffen sogar denjenigen des englischen
Öles meistens. Auch ihre physikalischen Eigenschaften sind denjenigen der natürlichen
Pfeffermünzöle durchaas gleichartig.
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Das durch Reduktion des Pulegons selbst erhältliche Menthol ist ein
bervorr-3gendei Ersatz für das bislang handelsübliche Naturmenthol, welches fast
ausschließlich aus Japan kommt.
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Die Herstellung eines solchen Pfeffermünzölproduktes kann beispielsweise
folgendermaßen verlaufen i kg Poleyöl wird in der fünffachen Menge Äthers gelöst.
Diese ätherische Lösung wird mit einer kleinen Menge Wassers unterschichtet und
das Ganze zweckmäßig durch eine Kältemischung von außen stark gekühlt. Alsdann werden
allmählich o,8 bis z kg metallisches Natrium eingetragen, derart, daß die Wasserstoffentwicklung
nicht zu stark wird und die Temperatur der ätherischen Poleyöllösung möglichst -f-
5 °C nicht übersteigt. Dem Verbrauch entsprechend muß öfter vorsichtig etwas Wasser
nachgegeben werden. Ist alles Natrium eingetragen und verschwunden, so trennt man
die untere wäßrige Schicht von der Äthersebicht. Letztere wird neutral gewaschen,
der Äther abdestilliert und das zurückbleibende Öl im Vakuum rektifiziert oder mit
Wasserdampf ausdestilliert.
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So resultierte z. B. aus einem spanischen Poleyöl vom spezifischen
Gewicht = 0,9400, optische Drehung = -[-- 2o' mit 8o Prozent Ausbeute ein Pfeffermünzöl
von folgenden Eigenschaften spezifisches Gewicht = 0,9114/15', optische Drehung
= 14', Estergehalt =,3 Prozent, Gesamtmenthol = 7o Prozent, Löslichkeit=
1 : 2,3 Teilen Alkohol 7o Volumprozent, Farbe = vollkommen wasserhell, Geruch und
Geschmack = sehr fein und mild nach Pfeffermünz, in Nase und Mund stark kühlend.
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Verarbeitet man auf dieselbe Weise z. B.
reines Pulegon,
so ist das Endprodukt ein kristallinisch erstarrendes 'Öl von allen chemischen
Eigenschaften des Menthols.
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Ähnliche Beobachtungen sind bereits einmal am Palegon gemacht worden
von Beckman n & Pleißner, Annalen 262, S. 30/3x. Doch ist die Arbeitsmethode
völlig verschieden gewesen von der obigen. Vor allem wurde Anwesenheit von Wasser
streng vermieden bei der Reduktion, ferner wurde nur Pulegon selbst reduziert und
nicht auch die Poleyöle selbst und die Ausbeute betrug nicht 8o Prozent, sondern
nur 4o Prozent.
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Alle bekanntgewordenen Reduktionen des Pulegons, sowohl mit metallischem
Natrium und Alkohol als auch mittels Katalysatoren, zeigen einen völlig anderen
Verlauf wie das vorliegende Verfahren.
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Ganz abgesehen von der sichergestellten hohen Ausbeute gegenüber den
schlechten und sehr zweifelhaften der anderen Methoden, liefert das neue Verfahren
ein stark linksdrehendes Menthol, wodurch sich letzteres in hohem Maße dem Naturmenthol
nähert. Dahingegen drehen alle auf andere Weise erhaltenen Menthole nach rechts
oder nur schwach links und entfernen sich so weitgehend von dem Naturmenthol.
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Es ist aber gerade die linksdrehende Modifikation des Menthols diejenige,
welche im Geschmack und Geruch den wahren Pfeffermünzcharakter abgibt, während alle
anderen optischen Isomeren, besonders die rechtsdrehenden, einen davon stark abweichenden,
und zwar Kampfer-und Borneolcharakter tragen, wodurch ihre Verwendung als Pfeffermünzriech-
und Geschmackstoffe nicht in Frage kommt.
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Das angeführte Ausführungsbeispiel kann auch so z. B. geleitet werden,
daß das jeweils entstehende Alkali wieder abneutralisiert wird. Zu diesem Zwecke
verfährt man genau nach den Angaben für das Ausführungsbeispiel, aber löst vorher
in dem vorgelegten Wasser die dem metallischen Natrium äquivalente Menge einer Säure,
z. B. Essigsäure, oder auch Kohlensäure, z. B. in Form von Natriumbicarbonat, auf.
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An Stelle des metallischen Natriums können natürlich auch andere Metalle,
welche in gleicher Weise wie das Natrium in Berührung mit Wasser Wasserstoff entwickeln,
zur Anwendung kommen. So z. B. metallisches Kalium oder Calcium. In letzterem Falle
hat man lediglich die entsprechenden Äquivalente für die im Hauptbeispiel angegebenen
Mengen Natrium anzuwenden.
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Außer dem besonders leicht zugänglichen spanischen Poleyöl kommen
noch die Poleyöle aus Nordafrika, Kleinasien besonders in Betracht; ferner das Öl
von Hedeoma pulegioides, genannt Pennyroyal öl, oder amerikanisches Poleyöl; ferner
die Öle von Pycnanthemum lanceolatum oder von Bystropogon origanifolius und Calamintha
Nepeta.