DE35138C - Elektrische Regulirungsvorrichtung für Uhren - Google Patents
Elektrische Regulirungsvorrichtung für UhrenInfo
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Description
©/i-Cji/il-iUiii OtJo
KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 83: Uhren.
Der Zweck der nachfolgend beschriebenen Einrichtung ist der, ein System selbstständig
gehender Nebenuhren durch eine Hauptuhr zu reguliren, und zwar soll diese Regulirung automatisch,
doch nicht stofsweise, wie dies bisher üblich ist, sondern durch die gleichförmige
Einwirkung eines constanten Stromes erfolgen. Durch die von solchen gleichmäfsigen Strömen
auf einen Magneten ausgeübte Kraft werden Wirkungen auf das Pendel hervorgerufen, ahnlich
denen der ebenfalls constanten Schwerkraft; addirt sich die neue Wirkung zu derjenigen
der Schwere, dann wird das Pendel in seinem Gang beschleunigt, in entgegengesetztem
Falle aber verzögert, wie ich dies genauer in meinem Patente No. 30207 für
einen »Elektricitätszähler« auseinandergesetzt, wenn auch zu einem anderen Zwecke benutzt
habe.
Wenn man nun diese zweite, magnetische Kraft in richtiger Stärke und in richtiger Weise
auf das Pendel einer sonst von der Hauptuhr unabhängig gehenden Nebenuhr wirken läfst,
so kann man durch sie die Nebenuhr in Uebereinstimmung mit der Hauptuhr bringen, auch
wenn die Schwingungsdauer des Pendels der Nebenuhr wesentlich von der Schwingungsdauer
des Hauptpendels abweicht.
In dem vorliegenden Falle, wo es sich mehr um die Stärke der Einwirkung als um die
Gleichmäfsigkeit handelt, ist es zweckentsprechend, am unteren Ende des Pendels der
Nebenuhr eine Rolle anzubringen, die mit dem Pendel über einen Magneten schwingt, wie in
Fig. 7 dargestellt. Diese Drahtrolle ist für gewöhnlich stromlos, sie erhält nur in bestimmten
Zeitintervallen durch Vermittelung zweier Commutatoren, von denen der eine in der Hauptuhr,
der andere in der Nebenuhr angebracht ist, Strom. Je nach der Richtung, in welcher
dieser Strom die Rolle durchfrierst, bilden sich an den Enden elektrodynamische Pole,
die gleich oder entgegengesetzt den gegenüberstehenden permanenten Magnetpolen sein
können. Sind der bewegliche Pol der Rolle und der gegenüberstehende permanente Magnetpol
gleicher Art, so findet eine Abstofsung des Pendels von beiden Seiten statt; die in der
Tangente des Schwingungsbogens nach der Gleichgewichtslage hin gerichtete Componente
wird gröfser und das Pendel wird beschleunigt. Sind die Pole entgegengesetzt, so findet im
Gegentheil eine Verzögerung des Pendels statt. Statt durch ein Pendel kann man die Regulirung
der Nebenuhr auch durch eine Unruhe bewirken lassen. Weil aber die Amplitude der
Unruhen erheblich gröfser ist als die des Pendels, ist es schwierig, mit der Unruhe eine
Rolle zu verbinden, weil die Zuleitungsdrähte alsdann zu sehr tordirt werden müfsten; es ist
daher zweckmäfsig, das Verhältnifs umzukehren, den Magneten mit der Unruhe zu verbinden
und den Strom, wie in Fig. 6, durch eine feststehende Rolle zu leiten, welche senkrecht
gegen den Magneten in seiner Gleichgewichtslage gerichtet ist. Auch hier kann mit Hülfe
der Umkehrung der elektrodynamischen Pole der Rolle durch Commutation der Stromesrichtung
eine Beschleunigung oder Verzögerung der Schwingungsdauer erzielt werden, je nachdem
eine Abstofsung der Magnetpote seitens der Rolle oder eine Anziehung bewirkt wird.
Bei der hier beabsichtigten Regulirung können die Nebenuhren zum Theil durch Pendel, zum
Theil durch Unruhe regulirt sein, da hier eine angenäherte Uebereinstimmung der Schwin-
gungsdauer weder der Pendel noch der Unruhen mit einander, wie bei Systemen, die mittelst
Stromstöfse von Pendel auf Pendel regulirt werden, nicht erforderlich ist. Uebrigens wird
die Anwendung von Unruhen sich nicht für die Hauptuhr, sondern nur für die Nebenuhr
eignen, da in diesem Falle die Regelmäfsigkeit des Ganges der Nebenuhren keine zu sehr
grofse' zu sein braucht, eben weil dieselben zeitweise regulirt werden. Aus diesem Grunde
lassen sich in den Nebenuhren auch Regulirungsmechanismen anwenden, welche unter
anderen Umständen zu unvollkommen sind, um einen guten Gang zu verbürgen, so z. B.
auch das Torsionspendel. Den Gang eines solchen Pendels kann man in ganz derselben
Weise wie bei der Unruhe durch die magnetische Einwirkung eines constanten Stromes
verändern, indem man mit der Torsionsfeder einen Magneten fest verbindet, den man innerhalb
einer Rolle schwingen läfst, und mit Hülfe derselben Commutatoreinrichtungen, wie bei
der Pendeluhr, vom Zählwerk aus durch einen constanten Strom automatisch den Gang der
Uhr zeitweise nach Bedarf passend verändert und so ihr Zählwerk mit dem der Hauptuhr
in Einklang bringt.
Es kommt also nur darauf an, dafs man nach bestimmten Perioden, z. B. nach je einer
Stunde, im Falle, dafs die Nebenuhr etwas zurückgeblieben ist, den Strom so durch die
Rolle leitet, dafs das Pendel einige Zeit beschleunigt schwingt, und zwar so lange, bis
das in der Stunde Versäumte wieder nachgeholt ist. Ging die Nebenuhr aber zu schnell, so
soll dieselbe Einrichtung wiederum in umgekehrtem Sinne regulirend wirken.
Wie das erreicht wird, soll in folgendem erläutert werden.
Im Vorhergehenden ist schon gesagt, dafs sowohl in der Hauptuhr wie in jeder Nebenuhr
ein Commutator sich befindet, die auf entsprechenden Achsen sitzen und sich also mit
gleicher Geschwindigkeit drehen; auf diesen Commutatoren, die als Scheiben gebildet sind,
schleifen Hebelchen, die durch die eigenthümlich gestaltete Form der Commutatorscheiben
Contact bilden und den Strom in der einen oder anderen Richtung durch die Leitung senden.
Die specielle Einrichtung ist in Fig. i, 2 und 3 dargestellt; es bedeutet H den Commutator
in der Hauptuhr, O1 ct., αΆ den Commutator
in den Nebenuhren N1 Nn N111. Der Commutator
H der Hauptuhr besteht aus zwei Scheiben α und aus je zwei Hebelsystemen a b.
Die Scheiben α sind auf ein und derselben Achse der Uhr isolirt aufgesetzt, Fig. 4; in den
schematischen Figuren 1, 2 und 3 aber sind diese beiden Scheiben α der leichteren Uebersicht
halber neben einander, statt vor einander gezeichnet. Die einfachen Commutatorscheiben
der Nebenuhren, Fig. 5, sind ebenfalls von den Achsen isolirt. Wie aus der Zeichnung ersichtlich
ist, liegt die Oberfläche der Commutatorscheiben der Hauptuhr in drei verschiedenen
zum Mittelpunkt der Scheibe concentrischen Kreisen. Je nachdem nun die Hebel a, deren
Anordnung für die normale Hauptuhr ebenfalls in Fig. 4 gegeben ist, auf der höchsten oder
auf der tiefsten Stufe der Commutatorscheibe liegen, wird die Möglichkeit eines Stromschlusses
durch die Hauptuhr gegeben; liegen die Hebelchen auf der mittleren Stufe, so ist ein Stromschlufs
überhaupt nicht möglich.
In Fig. ι liegen die beiden Hebelchen auf den mittleren Stufen der Scheibe; in diesem Falle
giebt das Element E keinen Strom in die Leitung L, weil sie von den Polen des Elementes
getrennt ist. Die Möglichkeit eines Stromschlusses und mithin eine Beeinflussung der Nebenuhr ist
nur gegeben, wenn in der Hauptuhr die Hebelchen α beide auf der höchsten oder beide auf
der tiefsten Commutatorstufe ruhen; in ersterem Falle tritt der positive Strom durch den Contact
der beiden Hebelchen α und b des links gezeichneten Commutators, Fig. 2, in den
Draht L1 der Leitung und kehrt durch den
Contact zwischen α und b des rechts gezeichneten
Commutators aus der Leitung L2 zurück. Im anderen Falle, Fig. 3, tritt jedoch das
Umgekehrte ein, da alsdann der Strom mit Hülfe des Contactes c in die Leitung gelangt,
wodurch L1 mit dem negativen, L2 mit dem
positiven Pol der Kette verbunden werden. Es ist in diesem Beispiel die Schaltung so
gewählt, dafs, wenn beide Hebelchen α in der höchsten Lage sich befinden, alle in diesen
Stromkreis sich einschaltenden Nebenuhren in ihrem Gang verzögert werden; wenn aber die
Hebelchen α auf der tiefsten Stelle stehen, so können die Nebenuhren nur beschleunigt werden.
Wenn nun auch durch die Hauptuhr die Möglichkeit eines Stromschlusses gegeben ist,
so tritt derselbe doch erst durch Vermittlung des Commutators der Nebenuhren ein. In denselben
besteht der Commutator aus nur einer Scheibe — Ct1 a2 ct3 — mit nur zwei Stufen,
die zugehörigen Hebelsysteme, durch deren Berührung Stromschlufs eintreten kann, sind
Ci1 O1 a.2 b.2 αΆ b3. Geht nun, wie in der Zeichnung
angenommen, z. B. die Nebenuhr N1 übereinstimmend mit der Hauptuhr, so sieht
man, dafs der Stromkreis sich überhaupt nicht schliefst, weil derselbe entweder in der Hauptuhr
oder in der Nebenuhr unterbrochen ist, Fig. 1, 2 und 3. Geht aber eine Nebenuhr vor, z. B.
Nn, so wird in dieser Nebenuhr der Strom geschlossen, während die Hebelchen α auf der
höchsten Stufe sich befinden, also wird ihr Gang verzögert, während die Nebenuhren N1
und N111 nicht beeinflufst werden, Fig. 2. Die
Nebenuhr N111 wird aber beeinflufst, sobald
die Hebelchen α auf der tiefsten Commutatorstufe ruhen, Fig. 3; alsdann wird die Uhr N111
beschleunigt, während die anderen stromlos sind. Dementsprechend sind die Commutatoren
so einzustellen, dafs eine Uhr, die normal geht, wie z. B. N1, niemals Strom empfängt, Fig. 1,
2 und 3, und die Schaltung so zu machen, dafs eine Uhr, die vorgeht, wie z. B. N11, nur
verzögert, Fig. 2, und wenn sie nachgeht, wie Uhr Nj1J, nur beschleunigt werden kann, Fig. 3;
selbsverständlich hängt die Schaltung von den Polen der Kette und der Polarität der permanenten
Magnete ab.
Man kann die Commutatoren mehrfach variiren, ohne aber den der Erfindung zu
Grunde liegenden Gedanken zu ändern; hier ist diese Form mit Rücksicht auf die geringen
Widerstände gewählt, welche eine Uhr, ohne gestört zu werden, zu überwinden vermag.
Würde man, wie meist üblich, durch schleifende Federn die Contacte bilden lassen und
entsprechend die Commutatorscheiben durch isolirte und leitende Kreissegmente bilden, so
erreichen die Widerstände einen für eine Uhr bedenklichen Grad.
Die Commutatorscheiben sind auf entsprechende Achsen gesetzt, welche in diesem
Beispiel mit Hülfe der Wechselräder r von der Achse des grofsen Bodenrades aus getrieben
werden, und zwar so, dafs sie gleiche Umlaufszeiten wie jenes haben; und es ist von grofser
Wichtigkeit, dafs nicht jene Achse direct zum Antrieb dient, sondern das Viertelrohr auf derselben;
denn es wird dadurch erzielt, dafs, wenn man eine Uhr stellt, die Commutatoren folgen und ihre richtige Einstellung sich nicht
ändert, und ferner wird dadurch bewirkt, dafs, wenn die Hauptuhr von der wahren Zeit einmal
abweicht und, man sie richtig stellt, alle Nebenuhren allmälig von selbst nachfolgen.
Wählt man die Uebersetzung zwischen den Rädern r anders, oder geht man von einem
anderen Antriebsrad aus, so geschieht die Reguiirung in anderen Perioden, die kürzer oder
langer als eine Stunde sein können. Kürzere Perioden, als die in dem Beispiel angenommenen,
kann man auch in zweckmäfsiger Weise erzielen, wenn man die Anzahl der Abstufungen
auf den Commutatorscheiben nicht blos einmal macht, sondern mehrmals in periodischer Theiludg;
so würde die Reguiirung z. B. alle Viertelstunden erfolgen, wenn man vier solcher aus
je drei Stufen für die Nebenuhren bestehenden Abtheilungen auf der Commutatorscheibe anbringt.
Combinirt man dieses Verfahren mit dem der beliebig zu wählenden Uebersetzung, so
kann man leicht die Reguiirung noch häufiger erfolgen lassen. Da es nicht nöthig ist, dafs
die Reguiirung während der ganzen Zeitperiode, in der sie möglich ist, also nach
unserem Beispiel während der ganzen Dauer einer Drittelstunde, erfolgt, da es sich doch
stets nur um kleine Abweichungen der Nebenuhr handelt, die für gewöhnlich im Laufe
einer Stunde kaum eine Secunde betragen und in viel kürzerer Zeit als in einer Drittelstunde
durch diese Einrichtung compensirt werden, so ist es nicht nöthig, die höchste und die tiefste
Stufe der Commutatorscheibe in der Hauptuhr und ebenso die höhere Stufe in der Nebenuhr
vollständig über ein Drittel des Scheibenumfanges auszudehnen, sondern es genügt, sie am
Anfang' und am Ende des Drittels bestehen zu lassen.
Zu erwähnen ist noch, dafs die Stufen nicht durch scharfe Absätze, wie es in Fig. 2 und 3
der leichten Uebersicht halber gezeichnet ist, in einander übergehen dürfen, da sonst eine
Sperrung des Gehwerkes nach vor- oder rückwärts eintreten würde; um dies zu vermeiden,
werden diese Uebergänge bis unterhalb des Reibungswinkels der beiden Materialien abgeschrägt,
Fig. i, 4 und 5.
Man findet leicht, dafs die Anordnung umkehrbar ist und die Commutatoren der Nebenuhren
in die Hauptuhr, der Commutator der Hauptuhr aber in die Nebenuhren verlegt werden
kann; alsdann mufs aber an Stelle der Rollen R das Element E stehen und für E in
jeder Nebenuhr die Rolle R eintreten; die hier gewählte und gezeichnete Anordnung bietet
aber den Vortheil, dafs der complicirte Commutator in der Hauptuhr, also nur einmal anzubringen
ist, der einfache Commutator dagegen, in beliebiger Anzahl, in den Nebenuhren sich
befindet.
Claims (2)
1. Für elektrische Reguiirung von Uhren die Anordnung vom Zählwerk getriebener Commutatoren
in Haupt- und Nebenuhr, durch deren combinirte Thätigkeit in bestimmten
Zeitintervallen ein Strom geschlossen, geöffnet und commutirt wird, zu dem
Zwecke, um mit Hülfe der magnetischen Wirkung eines während der Dauer des
Stromschlusses durch beide Commutatoren constanten Stromes die Schwingungsdauer des den Gang der Nebenuhren regulirenden
Organes derart zu verändern, dafs die Nebenuhren sich stets wieder angenähert
mit der Hauptuhr in Einklang setzen.
2. Die Stufenscheiben a U1 in Combination
mit den Hebelchen α b axbl in Haupt-
und Nebenuhr zu dem Zwecke, um die Schliefsung, Oeffnung und Commutation
des Stromes mit möglichst wenig Kraftaufwand durch beide Uhren zu bewirken.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
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| DE35138C true DE35138C (de) |
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ID=311012
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| DENDAT35138D Expired - Lifetime DE35138C (de) | Elektrische Regulirungsvorrichtung für Uhren |
Country Status (1)
| Country | Link |
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- DE DENDAT35138D patent/DE35138C/de not_active Expired - Lifetime
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