DE322285C - Verfahren zur Herstellung von Stickstoffverbindungen - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Stickstoffverbindungen

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Description

  • Verfahren zur Herstellung von Stickstoffverbindungen. Eine Reihe chemischer Reaktionen gehen nur in einem bestimmten Temperaturintervall gut vor sich; unterhalb dieser Temperatur geht die Reaktion nicht oder zu langsam, oberhalb dieser verläuft die Reaktion anders.
  • Sobald die Zone der geeigneten Temperaturen sehr hoch liegt, muß man zur elektrischen Heizung Zuflucht nehmen. Wenn diese Zone die Temperatur des elektrischen Lichtbogens umfaßt, die etwa 35oo° erreicht, kann man von ihm Gebrauch machen. Derartiges ist der Fall bei der Herstellung von Calciumkarbid und Eisenlegierungen. Die Überhitzung der behandelten Masse unter der Wirkung des elektrischen Lichtbogens besitzt keinen Übelstand.
  • Dagegen geht dies bei gewissen Darstellungen, insbesondere bei der Darstellung von Stickstoffverbindungen, nicht mehr. In diesem Falle handelt es sich um die Erhitzung eines Gemisches von Oxyden und Kohle in Gegenwart von Stickstoff.
  • Der auf dieses Gemenge direkt angewendete Lichtbogen paßt nicht mehr, einmal, weil seine zu hohe Temperatur die gebildeten Stickstoffverbindungen zersetzt oder die Bildung anderer Verbindungen hervorruft, dann ganz einfach, weil die durch den Bogen bewirkte heftige Erhitzung auf den Punkt gelangt bzw. getrieben wird, wo sie das Schmelzen eines Teiles der behandelten festen Materialien veranlaßt und ihre Durchdringbarkeit für Stickstoff aufhören läßt. Eine andere Schwierigkeit bei der Herstellung von Stickstoffverbindungen entsteht aus dem beträchtlichen Volumenunterschied der Substanzen, die miteinander reagieren müssen: einerseits eine Mischung -fester Stoffe und andererseits Stickstoffgas.
  • Z. B. wenn Aluminiumnitrit hergestellt werden soll, ist das Volumen des Stickstoffs bei 2 Zoo ° angenommen ungefähr x 6oo mal größer als das Volumen der festen, zur Absorption des Stickstoffs nötigen Stoffe. Und wenn man mit der Mischung von Stickstoff und Kohlenoxyd operiert, die man erhält, indem man Luft durch eine glühende Koksschicht streichen läßt, ist das Volumen der Gase - immer bei 22oo° gedacht - ungefähr z5oo mal größer als das der entsprechenden festen Materialien.
  • Diese Schwierigkeiten können . durch die Anwendung elektrischer Widerstandsöfen beseitigt werden. Die Widerstände sind unabhängig von dem zu behandelnden Material. Man hat in dieser Hinsicht drei Lösungen studiert und versucht Heizwiderstände beweglich und Gemisch von Oxyden und Kohle beweglich (französische Patentschrift 427o66); Heizwiderstände fest und Gemisch von Oxyden und Kohle beweglich . (französische Patentschrift 436789) und endlich Heizwiderstände fest und Gemisch von Oxyden und Kohle fest (französiche Patentschrift 437504) Die Widerstandsheizung wird in der Tat allmählich häufig angewendet und ist leicht regulierbar. Schwierig aber ist es feste, pulverförmige, teigige oder zusammengeballte Materialien durcheinanderzurühren, bis der gesamte Stickstoff aufgenommen ist, den sie aufzunehmen fähig sind, und der ein etwa 2 ooo mal größeres Volumen wie oben erwähnt besitzt. Oder man muß in unterbrochenem Betriebe arbeiten, wie in der Karborundindustrie, d. h. den Ofen und seinen Inhalt wieder erkalten lassen, um die dargestellten Stickstoffverbindungen fortzuschaffen, die Widerstände wieder in ihren ersten Zustand zu bringen und den Ofen wieder zu beschicken. Hieraus ergibt sich ein großer Aufwand an Handarbeit und große Wärmeverluste.
  • Auch sind, wenn die Mischung fester Materialien unter Umrühren fortgesetzt in Berührung mit den Heizwiderständen sich bewegt, diese sehr rasch mechanisch und chemisch aufgebraucht. Denn da diese Widerstände notwendigerweise ganz oder teilweise aus Kohle bestehen, sind sie wenig gegen mechanische Abnutzung widerstandsfähig, und da ihr Kohlenstoff heißer ist als der, den man mit dem Oxyd vermischt hat, versucht gerade die Kohle der Widerstandsheizung anstatt der des Gemisches chemisch zu reagieren, d. h. in Form als Kohlenoxyd zu verschwinden.
  • Unter Berücksichtigung dieses hat der Erfinder ein anderes Mittel für die elektrische Erhitzung eines Gemisches reduzierbarer Oxyde und Kohle in Gegenwart von Stickstoff gefunden. Dieses neue Verfahren besteht in der Benutzung eines hochgespannten Lichtbogens von der Art, wie man ihn für die Synthese von Stichoxyden anwendet, unter Anwendung von reinem oder mit reduzierenden Gasen wie Wasserstoff oder Kohlenoxyd gemischtem Stickstoff.
  • Der Lichtbogen erhitzt demgemäß einen Strom von Stickstoff oder eines stickstoffhaltigen Gases stark. Die erste Elektrode wird durch diesen Gasstrom gekühlt, der bei seinem Eintritt in den Ofen verhältnismäßig wenig warm ist, da er noch nicht an dem Bogen entlang gegangen ist oder ihn durchströmt hat, selbst wenn man ihn vorher in einem von dem festen oder gasförmigen, den Ofen verlassenden Stoffen erhitzten Wärmeaustauschern erhitzt hat. Dagegen wird aber die zweite Elektrode, wohin der Lichtbogen und der Gasstrom zugleich gehen, sehr stark erhitzt.
  • Diese zweite Elektrode wird aus einer Masse aus agglomerierter Kohle gebildet, die derart angeordnet ist, daß die Oxyd- und Kohlemischung unter der Wirkung der Schwere an der Seite oder in Berührung mit der erwähnten Elektrode derart vorbeigeht, daß die Strahlung oder der Kontakt dieser Elektrode mit der von dein, längs oder quer an dem Lichtbogen vorbeigeströmten Stickstoff mitgeführten Wärme mithilft, die Temperatur der Mischung bis zum notwendigen Grad zu erhöhen.
  • In der Tat weiß man, daß bei den Flammenbogenöfen, die man für die syntethische Darstellung von Stickstoffoxyden anwendet, ungefähr die Hälfte der erzeugten Wärme durch die Gase absorbiert wird und die andere Hälfte von der zweiten Elektrode.
  • Es ist klar, daß das Verhältnis der von der zweiten Elektrode absorbierten Wärme zu dem von den Gasen absorbierten mehr oder weniger schwanken wird, je nachdem der Gasstrom schwach oder stark ist, und je nachdem die Abkühlung der zweiten Elektrode durch die benaclibarten Stoffe außer den Gasen (Wasserstrom in den Stickoxydöfen, Oxyd- und Kohlemischung) stark oder schwach ist.
  • Die beigefügten Zeichnungen stellen schematisch und als Beispiel im Vertikalschnitt zwei Haupteinrichtungen der Ofen, die zur Ausführung des neuen Verfahrens benutzt werden können.
  • In der ersten Einrichtung (Fig. z) bewegt sich das Oxyd-Kohlegemisch in einer festen und vertikalen Reaktionskolonne, und der Lichtbogen wird in einer gleichfalls festen aber seitlichen horizontalen oder wenig geneigten Heizkammer für den Stickstoff gebildet.
  • Die Reaktionskolonne A B ist aus übereinandergesetzten Teilen aus agglomerierter Kohle in der Mittelpartie, die zur lebhaften Weißglut gebracht wird, und aus weniger feuerfesten Materialien in den oberen und unteren Teilen gebildet. Diese Kolonne ist in eine Masse C D aus Holzkohle oder kleinen Petrolkoksstücken oder Jeder anderen möglichst isolierenden Substanz eingesetzt; diese isolierende Masse wird selbst von einem Mauerwerk G aus feuerfestem Material umgeben, und dieses Mauerwerk seinerseits ist von einer dichten metallischen Umhüllung (die nicht dargestellt ist) umgeben.
  • Die verschiedenen Teile der Kolonne A B bilden eine Art Schacht, in welchem das Gemisch der reduzierbaren Oxyde und Kohle unter dem Einfiuß der Schwere kontinuierlich oder diskontinuierlich herabfällt.
  • Z. B. können die verschiedenen Teile der Kolonne AB einfach eine mehr oder minder zylindrische oder parallelopipedische Röhre mit glatten inneren Wänden bilden, die man mit dem Oxyd- Kohlegemisch anfüllt und bei der man das zeitweise Herabsinken durch Entnahme unten bewirkt, um den unteren, schon in Stickstoffverbindungen übergeführten Teil abzuziehen, während oben eine entsprechende Menge des Oxyd-Kohlegemisches nachgefüllt wird.
  • Als ein Beispiel für das kontinuierliche Arbeiten können die verschiedenen Teile, wie in Fig. I gezeigt, beispielsweise wie folgt angeordnet sein: Eine Reihe beiderseitig angebrachter Hindernisse bewirkt das kaskadenförmige Hinabgleiten der Oxyd-Kohlemischung in geringem aber beständigem Abfluß, deren Teilchen mit einer großen Menge Stickstoff stark erhitzt, diesen beim Vorbeistreichen rasch aufnehmen.
  • Der mittlere Teil M N der Kolonne A B besteht aus agglomerierter Kohle, die die zweite Elektrode darstellt und zeigt eine runde Öffnung na n. Die andere Elektrode S T, die aus Metall oder aus agglomerierter Kohle bestehen kann, befindet sich an der äußersten Ecke des Heizraumes E F für den Stickstoff. Man führt den Stickstoff in diesen Raum derart ein, daß der Lichtbogen unter Drehung von S bis zur Öffnung m n geblasen wird. Um die Drehbewegung des Lichtbogens auszuführen, kann man z. B. den Stickstoff in seinen Heizraum durch eine oder mehrere S benachbarte Öffnungen einführen, die schief oder auch senkrecht zu der Elektrode S T angeordnet sind. Der Stickstoffstrom nimmt von selbst eine wirbelnde Bewegung an, die er dem Lichtbogen mitteilt. Man kann selbstverständlich von allen anderen in der Stickoxyddarstellüng bekannten Anordnungen Gebrauch machen, um einen elektrischen Lichtbogen schnell drehen zu lassen.
  • In der zweiten hier als Beispiel angegebenen Anordnung (Fig. 2) bewegt sich das Oxyd-Kohlegemisch in der Richtung von A nach B im Innern eines leicht geneigten Rohres, das eine langsame Drehbewegung um seine Achse ausführt. Passende Vorsprünge - die nicht dargestellt sind - tragen zum Umrühren der Materialien bei. Der Lichtbogen wird in das Innere des Rohres selbst eingeblasen, das gleichzeitig in seinem vorderen Teile Heizraum für den Stickstoff und in dem mittleren Teil Reaktionsraum ist. Der hintere Teil dient zum Temperaturaustausch zwischen den durch die Reaktion erzeugten Gasen und dem Oxyd-Kohlegemisch, das sich dem Reaktionsraum zu bewegt.
  • Die erste Elektrode S T ist in der Rohrachse gelagert und elektrisch sorgfältig isoliert. Die zweite Elektrode MN besteht aus einem Ring aus agglomerierter Kohle; dieser Ring ist entweder gleich den benachbarten Ringen oder dicker mit besonderen Vorsprüngen m n versehen, die so angeordnet sind, daß sie vom Lichtbogen berührt werden. Anstatt einfacher Vorspränge kann man jede andere geeignete Vorrichtung anwenden, die z. B. durch diametrale Stäbe oder Massen aus agglomerierter Kohle irgendwelcher Formen gebildet sein kann, die aber kein Hindernis weder für die Bewegung der vorwärts strömenden Gase noch für die Bewegung der vorrückenden festen 'Materialien bilden. Was nun die notwendigen Organe betrifft, um deu elektrischen Strom von der zweiten Elektrode nach der Ofenwandung zu leiten, so gibt es keine Schwierigkeit, da es sich nur um schwache Intensitäten handelt und da sich der ganze Ofen dreht und vom selben Potential und infolgedesssen aus Elektrizität leitenden Materialien gebaut sein muß.
  • Die Vorteile des neuen Verfahrens im Vergleiche zuder elektrischen Widerstandsbeheizung sind beträchtlich und offensichtlich.
  • Es genügt, die Teile, die die Bewegung der Oxyd-Kohlemischung regeln, aus agglomerierter Kohle ohne jede Vorsorge für eine elektrische Isolierung herzustellen. Die erste Elektrode ist das einzige Organ, das eine sorgfältige elektrische Isolierung verlangt; da aber diese Elektrode keine großen Intensitäten zu leiten hat, und da sie leicht zu kühlen ist, bietet ihre elektrische Isolierung keine Schwierigkeit. Kurz, die feuerfesten Auskleidungen für die Verhinderung von Wärmeverlusten brauchen nicht aus Karborund oder Stickstoffverbindungen hergestellt zu werden, sondern einfach aus poröser Kohle, etwa Holzkohle oder Petrolkoks, die man mit Hilfe eines Bindemittels,' z. B. Natronwasserglas oder einfach Teer, in Brikettform bringt.
  • Bei dem neuen Verfahren kann man für den elektrischen Lichtbogen die meisten der sehr zahlreichen Anordnungen nutzbar machen, die in der Industrie der synthetischen Stickoxyde ausgeführt oder vorgeschlagen worden sind, wie besonders für Formänderungen, Verlängerungen, Wirbelungen, welche durch magnetische Felder oder Gasströme erhalten werden, die durch den Bogen - erhitzt werden sollen, aber mit den beiden sehr bedeutenden Vereinfachungen, die sich ergeben, einerseits daraus, daß die Elektroden aus agglomerierter Kohle und nicht durchaus notwendig aus Metall bestehen können,- wodurch ihre energische Kühlung durch Wasser in Wegfall kommen kann und dem Bogen eine große Beständigkeit gibt, und andererseits daraus, daß man nicht eine schnelle Abkühlung der überhitzten Gase herbeiführen muß, was eine ganz spezielle und wichtige Bedingung in der Industrie der Stickoxyde ist. Die große Beständigkeit der Lichtbogen erlaubt relativ niedere Spannungen anzuwenden, z. B. einige Hunderte Volt.
  • Man kann gleichfalls bei dem vorliegenden Verfahren die verschiedenen Anordnungen anwenden, die in all den Industrien, in denen man von elektrischen oder nicht elektrischen Öfen Gebrauch macht, bekannt und schon benutzt worden sind und die zum Teil die Wärme wiedergewinnen lassen, die die festen oder gasförmigen zurückbleibenden Stoffe oder die gewonnenen Stoffe mit sich führen.
  • Die Erfindung ist nicht beschränkt auf die Darstellung von Stickstoffverbindungen. Das neue Verfahren kann für die Darstellung aller einfachen oder zusammengesetzten Körper angewendet werden, die ihre Entstehung einer Reaktion bei hoher Temperatur von festen Körpern auf gasförmige Körper verdanken, sofern wenigstens diese letzteren reduzierend wirken, infolgedessen die Massen aus agglomerierter Kohle bei hoher Temperatur nicht angreifen, die die wesentlichen Organe des Ofens bilden.
  • Die Verwendung eines elektrischen Lichtbogenofens zur Durchführung von Gasreaktionen ist an sich aus der Patentschrift 228539 bekannt; bei diesem wird als untere Elektrode eine Schüttung ungeformter Kohle angewendet und die ausschließlich in Reaktion zu bringenden Gase werden durch diese Kohlenschicht durchgeleitet.
  • Diese aus Koksstücken bestehende Elektrode hat also lediglich den Zweck, die durch sie hindurchströmenden Gase zu erhitzen und soll durch Aufschütten neuer Kohle wieder in dem Maße erneuert werden, wie sie sich abnutzt.

Claims (2)

  1. PATENTANSPRÜCHE: x. Verfahren zur Herstellung von Stickstoffverbindungen durch Erhitzen eines Gemisches von Oxyd und Kohle in Gegenwart von Stickstoff, wobei das Reaktionsgemisch unter dem Einfluß der Schwere in einem senkrechten oder geneigten, festen oder beweglichen Rohr aus feuerfestem Material sich bewegt, während das stickstoffhaltige Gas in entgegengesetzter Richtung strömt, dadurch gekennzeichnet, daß man als Wärmequelle einen hochgespannten, elektrischen Lichtbogen benutzt,. der zwischen einer stangenförmigen, durch den Gasstrom gekühlten Elektrode und der Innenwand des Rohres gebildet wird.
  2. 2. Schachtofen zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch x, dadurch gekennzeichnet, daß er nahe seinem unteren Ende durch eine Seitenöffnung, durch die der überhitzte Stickstoff in den Schacht eintritt, mit einem Heizraum in Verbindung steht, in dem senkrecht zur Achse des Schachtes der Lichtbogen brennt.
DE1912322285D 1912-08-13 1912-08-13 Verfahren zur Herstellung von Stickstoffverbindungen Expired DE322285C (de)

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