DE3205877C2 - - Google Patents
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Description
Feuerfeste Borcarbid-Körper lassen sich ganz allgemein durch
Heißpressen oder Kaltpressen und Sintern herstellen.
Nach der US-PS 19 73 441 wird Borcarbid enthaltend ein oder
mehrere Carbid(e) - wie Siliciumcarbid - und ein Metall - wie
Nickel, Kobalt, Eisen oder Chrom - nach Vorformen bei einer
Temperatur von etwa 2200 bis 2300°C gesintert. In dem Pulvergemisch
macht Borcarbid ≧ 75% aus, während das oder die
restliche(n) Carbid(e) die verbleibenden ≦ 25% darstellen. So
läßt sich z. B. ein Sinterkörper aus 87% Borcarbid, 11%
Siliciumcarbid und 2% Eisen herstellen. Angaben zur Dichte des
Sinterkörpers werden nicht gemacht.
Aus Lange et al.: "Sintering Kinetics of Pure and Doped Boron
Carbide", Proceedings of the Fifth International Conference
of Sintering and Related Phenomena, University of Notre Dame,
South Bend, Indiana, 18. bis 20. Juni 1979 ist ein Kalt
preß-Sinterverfahren bekannt, bei dem Borcarbid der Korn
fraktionen 2 bis 5 µm und 0,03 µm mit unterschiedlichen Mengen
verschiedener Zusätze, wie Aluminiumfluorid, Nickel,
Eisen oder Kupfer gesintert wird. Das Borcarbid-Pulver und
die Zusätze werden mit einem temporären Bindemittel gemischt,
das Ganze zu Pellets gepreßt, diese wieder aufgemahlen und
das Pulver zu den gewünschten Gegenständen verpreßt, wobei
jeder Preßvorgang bei Raumtemperatur erfolgt. Die Gegenstände
werden dann bei Atmosphärendruck in Argon-Atmosphäre
gebrannt und gesintert.
Aus der US-PS 37 49 571 ist die Herstellung von Sinterkörpern
durch Kaltpressen und Sintern von Borcarbid mit Hilfe
eines Sinterhilfsmittels in Form von z. B. Aluminium bekannt.
Im Ausgangsgemisch soll das Aluminium 3 bis 15 Gew.-% betragen
und die Sintertemperatur liegt zwischen 1900 und
2200°C.
Darüber hinaus ist es aus der US-PS 40 81 284 bekannt, durch
Kaltpressen und Sintern Gegenstände aus 70 bis 90% Siliciumcarbid
und 30 bis 10% handelsüblichem Borcarbid - unter
Verwendung einer geringen Menge an temporärem Bindemittel -
herzustellen. Wird der Grünling in inerter Atmosphäre bei
2200°C gebrannt, so kann der Sinterkörper eine Dichte von
zumindest 85% und bis hinauf zu 99% der Theorie erreichen;
<30 Gew.-% Borcarbid führt jedoch nicht zu Produkten
mit einer Dichte von zumindest 85%.
Aus der US-PS 41 04 062 ist die Herstellung von hochdichten
feuerfesten Gegenständen aus Borcarbid durch Heißpressen bekannt.
Gemische von 70 bis 90 Gew.-% Borcarbid und 30 bis
3 Gew.- Aluminium einschließlich einer geringen Menge eines
temporären organischen Bindemittels wurden zuerst in üblichen
Stahlformen bei Raumtemperatur verpreßt und diese Rohlinge
dann in einer Graphit-Heißpreßform bei 1800 bis
2300°C unter einem Druck von 34,5 bis 69 bar verpreßt.
Die erhaltenen Dichten lagen bei 2,5 bis 2,54 g/cm³.
Aus der US-PS 37 65 300 ist das sogenannte Silicierungsverfahren
bekannt, wonach Borcarbid-Pulver,
enthaltend ein organisches temporäres Bindemittel, zuerst in
die gewünschte Form gepreßt, gegossen oder dergleichen wird.
Der Rohling wird dann in Berührung mit metallischem Silicium
auf z. B. 1600°C erhitzt, wodurch der Borcarbid-Körper mit
Siliciumschmelze imprägniert, das temporäre Bindemittel verkokt
wird und das Silicium mit dem Kohlenstoff zu Siliciumcarbid
reagiert. Der erhaltene Sinterkörper besteht dann
aus 50 bis 80% Borcarbid, 45 bis 10% Siliciumcarbid und
3 bis 35% Silicium (Reaktionssintern).
Abgesehen davon, hat man auch bereits Gegenstände aus Siliciumcarbid
durch Heißpressen eines Gemischs von Siliciumcarbid-
Pulver und Aluminium-Pulver hergestellt (US-PS 38 36 673).
Die Herstellung von Gegenständen aus Borcarbid erfolgte nach
C. A., Band 94, 1981, Seite 291, Referat 94: 51825w durch
Heißpressen eines Borcarbid-Pulvers, welches mit Ethylsilicat
überzogen worden ist. Damit erreicht man Körper mit einer
Dichte von 2,38 g/cm³.
Aufgabe der Erfindung ist es nun, Borcarbid-Formkörper hoher
Verschleißfestigkeit, hoher Dichte und hoher Härte bei
gleichzeitig guter Zähigkeit herzustellen. Ausgehend von
Sinterkörpern aus Borcarbid mit einem Gehalt an bis zu 10 Gew.-%
Aluminium und einer Dichte von zumindest 85% der Theorie,
d. h. der Dichte, die sich aus der jeweiligen Zusammensetzung errechnet,
wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß neben dem Borcarbid
40 bis 2 Gew.-% Siliciumcarbid - bezogen auf Bor- und Silicium
carbid - enthalten sind. Die Herstellung der erfindungsgemäßen
Sinterkörper geschieht, indem die beiden Carbide und Alumi
nium in Pulverform zusammen mit einem temporären Bindemittel
gemischt, das Gemisch kaltgepreßt und der grüne Preßling
drucklos bei 1800 bis 2300°C gesintert wird. Man kann
aber auch das Gemisch der Carbid-Pulver in einer mit Aluminium
ausgekleideten Mühle mit Mahlkörpern aus Aluminium mahlen
und das dann so erhaltene Gemisch - wie oben - verarbei
ten.
Ein siliciumcarbidhaltiger Borcarbid-Körper nach der Erfindung
weist nicht nur die angestrebte Dichte von zumindest
85% der Theorie, vorzugsweise von zumindest 94% der Theorie,
auf, sondern erweist sich gegenüber einem analogen Sinterkörper
aus nur Borcarbid nach dem Stand der Technik hinsichtlich
der beiden wesentlichen Eigenschaften Härte und Zähigkeit
als überlegen. In der Feuerfestindustrie ist es nur zu
gut bekannt, daß steigende Härte eines Produkts im allgemeinen
mit einer zunehmenden Sprödigkeit verbunden ist. Über
raschenderweise konnte jedoch festgestellt werden, daß durch
die erfindungsgemäße Maßnahme, nämlich in einen Borcarbid-
Körper eine bestimmte Menge an Siliciumcarbid einzubauen,
die Härte zunimmt, ohne daß dies auf Kosten der Zähigkeit
geht, ja sogar daß die Härte des erfindungsgemäßen Sinterprodukts
über der von Sinterkörpern aus nur Borcarbid - oder
nur Siliciumcarbid - liegt und gleichzeitig die Zähigkeit des
erfindungsgemäßen Sintermaterials gegenüber den bekannten
Produkten verbessert ist. Diese Erscheinung steht im Gegensatz
zu der allgemeinen Kenntnis der Fachwelt, die dahin
geht, daß mit zunehmender Härte die Zähigkeit abnimmt, also
die Sprödigkeit zunimmt.
Um diese überraschende Festigkeitssteigerung deutlich zu
machen, werden im folgenden die Meßwerte der Knoop′schen
Härte unter einer Last von 1000 g mit variierenden Anteilen
an Siliciumcarbid im Borcarbid angegeben.
Die Härte der erfindungsgemäßen Formkörper kann also nicht
über der Härte eines borcarbidhaltigen Siliciumcarbid,
sondern auch über der Härte von reinem Borcarbid liegen.
Die Knoop′sche Härte von reinem Siliciumcarbid beträgt
etwa 1960.
Es ist also außerordentlich überraschend, daß bei den
erfindungsgemäßen Körpern bei steigenden Anteilen an Siliciumcarbid
die Härte derartige Werte erreichen kann, ohne daß
dies jedoch auf Kosten der Zähigkeit geht, so daß derartige
Gegenstände nicht - wie erwartet - bis zur Unbrauchbarkeit
verspröden.
Wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren das Pulvergemisch
bei etwa 2200°C gebrannt, so findet ein echtes Sintern
unter Bildung einer beschränkten Menge des Eutektikums von
Bor- und Siliciumcarbid statt.
Es gibt mehrere Theorien zur Erklärung der Verdichtung von
Borcarbid, enthaltend Zusätze von 0,75 bis 10% Aluminiumfluorid,
Nickel, Kupfer und Eisen. Nach der oben angeführten
Literaturstelle spielen in der Verdichtung covalent gebundener
Feststoffe, wie Siliciumcarbid und Borcarbid, mehrere
Phänomene eine Rolle bei dem Versuch, diese Stoffe allein oder
mit Hilfe von Sinterhilfsmitteln zu sintern.
Die Verdichtung führt angeblich zu einer Korngrenzenenergie
und punktförmigen Fehlstellen und Wanderungserscheinungen.
Es wird auch angenommen, daß das Sintern von Borcarbid in
zwei frühen Stufen, einer mittleren Stufe und einer späteren
Stufe stattfindet, wovon jede unterschiedliche Transportmechanismen
hat. Diese Theorien lassen sich gegebenenfalls
auch auf das erfindungsgemäße Verfahren anwenden.
Die oben nach der Erfindung anzuwendenden Bereiche für die
Mischung sind relativ breit. Bevorzugt wird jedoch ein Ausgangsgemisch
mit etwa 87 Gew.-% Borcarbid, etwa 10 Gew.-%
Siliciumcarbid und ∼3 Gew.-% Aluminium. Ein derartiges Gemisch
sintert unter entsprechenden Bedingungen zu einer Dichte
von 2,41 g/cm³ und darüber, entsprechend zumindest 94%
der Theorie.
Wird optimale Dichte angestrebt, so ist die Korngröße der
einzelnen Pulver zu berücksichtigen. Die Korngrößenverteilungen
werden im Hinblick auf maximale Verdichtung gewählt;
dies ist bekannt. Eine sehr geeignete Kombination von Korn
fraktionen ist die mit einer mittleren Korngröße von etwa
9 µm für Borcarbid und etwa 2,5 µm für Siliciumcarbid. Das
Aluminium wird vorzugsweise eingebracht durch Vermahlen eines
Gemischs von Borcarbid und Siliciumcarbid in einer Aluminiummühle
mit Aluminium-Mahlkörpern. Man kann das Aluminium jedoch
auch pulverförmig zusetzen und mit den zwei anderen
Pulvern in einem inerten Mahlmedium, wie Isopropylalkohol,
mahlen. Das Pulvergemisch wird dann zur Entfernung des Mahl-
Hilfsmittels getrocknet.
Dem Gemisch der Pulver wird eine geringe Menge eines temporären
Bindemittels zugesetzt, wofür die üblichen Stoffe,
wie 3 Gew.-% einer 1%igen Methylcellulose-Lösung, angewandt
werden können.
Diese Masse wird nun in eine übliche Stahlform gefüllt und
bei Raumtemperatur auf möglichst hohe Dichte verpreßt.
Zweckmäßigerweise werden hierfür Preßdrücke von 207 bis
414 bar angewandt. Zur weiteren Verdichtung des Rohlings wird
dieser nach dem Entformen isostatisch gepreßt, und zwar
unter dem höchstmöglichen isostatischen Druck, den die Anlage
zuläßt. Im allgemeinen ist ein Druck von 2070 bar
geeignet.
Der kaltgeformte Gegenstand wird zur Entfernung des Lösungsmittels
aus dem temporären Bindemittel getrocknet - im Falle
der Methylcellulose-Lösung bei etwa 70°C - und dann in einem
Graphit-Induktionsofen bei 1800 bis 2300°C gebrannt. Um
eine chemische Zerstörung des Borcarbids und/oder Siliciumcarbids
zu verhindern, erfolgt das Brennen in einer Atmosphäre,
die gegenüber diesen Stoffen inert ist; bevorzugt
hierfür wird Argon.
Die Erfindung wird an folgendem Beispiel weiter erläutert.
270 g Borcarbid mit einer mittleren Korngröße von etwa 9 µm
und 30 g Siliciumcarbid mit einer mittleren Korngröße von
etwa 2,5 µm wurden in eine mit Aluminium ausgekleidete Kugelmühle
eingebracht und mit 12,7 mm Aluminiumkugeln und
500 cm³ Isopropylalkohol gemahlen. Die Mühlenauskleidung und
die Mahlkörper waren hochreines Aluminium. Die Mühle lief
über Nacht, dann wurde das Material aus der Mühle ausgetragen
und 16 h bei 70°C getrocknet. Das Gemisch von Borcarbid
und Siliciumcarbid hatte 3 Gew.-% Aluminium aufgenommen.
Etwa 3 Gew.-% einer 1%igen Methylcellulose-Lösung wurden
dem Pulvergemisch als temporäres Bindemittel zugesetzt. In
einer Stahlform wurden nun vier Prüfkörper 50 · 50 · 9,5 mm
einem Preßdruck von 107 bis 414 bar ausgesetzt. Unmittelbar
danach wurde unter einem Druck von 2070 bar isostatisch verpreßt
und der Preßling über Nacht bei 70°C getrocknet. Dieser
wurde dann in einem üblichen Graphit-Induktionsofen in
Argon-Atmosphäre bei 2150°C gebrannt.
Die Prüfkörper zeigten einen Gewichtsverlust von 2 bis 3%
und eine Schrumpfung (linear) von 10 bis 14%. Die Dichte
des Sinterkörpers lag zwischen 2,4 und 2,42 g/cm³, entsprechend
etwa 94% der Theorie.
Claims (6)
1. Feuerfeste Sinterkörper hoher Verschleißfähigkeit aus
Borcarbid, enthaltend bis zu 10 Gew-% Aluminium, mit einer
Dichte von zumindest 85% der Theorie,
gekennzeichnet durch
einen Gehalt an 40 bis 2 Gew.-% Siliciumcarbid, bezogen auf
Bor- und Siliciumcarbid.
2. Sinterkörper nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß er eine Dichte von zumindest 94% der Theorie besitzt.
3. Sinterkörper nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß er etwa 87 Gew.-% Borcarbid, etwa 10 Gew.-% Silicium
carbid und etwa 3 Gew.-% Aluminium enthält und eine Dichte
von etwa 2,41 g/cm³ aufweist.
4. Verfahren zur Herstellung der Sinterkörper nach
Anspruch 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß man ein Gemisch von Borcarbid, Siliciumcarbid und Aluminium
pulver der entsprechenden Mengen mahlt, mit einem gelösten temporären
Bindemittel kalt preßt und den grünen Preßling nach
Entfernen des Lösungsmittels für das temporäre Bindemittel
drucklos bei 1800 bis 2300°C sintert.
5. Abwandlung des Verfahrens nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß man das Gemisch von Borcarbid und Siliciumcarbid in einer
mit Aluminium ausgekleideten Mühle mit Mahlkörpern aus Aluminium
mahlt, mit einem gelösten temporären Bindemittel kalt preßt und
den grünen Preßling nach Entfernen des Lösungsmittels für das
temporäre Bindemittel drucklos bei 1800 bis 2300°C sintert.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß man Borcarbid mit einer mittleren Korngröße von etwa
9 µm und Siliciumcarbid mit einer mittleren Korngröße von
etwa 2,5 µm verwendet.
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