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Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren'zur vollständigen Ausschliessung des Hopfens zwecks vollkommener Ausnutzung desselben in allen Fällen, wo ein mehr oder minder langes Erhitzen oder Kochen der mit dem Hopfen in Verbindung gebrachten Flüssigkeit stattfindet.
Das Verfahren soll insbesondere bei der Bierbereitung Anwendung finden, ist aber auch für andere Fälle anwendbar. Es ist bekannt, dass bis heute eine vollkommene Auslaugung der wertvollen Hopfenbitterstoffe, ätherischen Öle und dgl. des Hopfens nicht stattfindet, auch nicht in solchen Fallen, in denen man den Hopfen unter Druck kochte. Um eine gute Aufschliessung hervorzubringen, trieb man das Kochen unter Druck sogar häufig zu weit, und dies hatte Nachteile im Gefolge, denn es ergaben sich beispielsweise bei der Bierbrauerei stets unangenehme Geschmacks-
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nicht erzielen.
Die wertvollen Bitterstoffe werden nämlich von dem Zellengewebe des Hopfens so festgehalten, dass auch durch einen Kochprozess unter Druck eine genügende Aufschliessung nicht bewirkt werden kann.
Das Verfahren beruht auf der Erkenntnis, dass eine viel gründlichere Zerstörung der Zellengewebe des Hopfens stattfinden muss, als bisher durch Erhitzungsprozesse und mechanische Zerkleinerungsvorrichtungen herbeizuführen war. Das Wesen der Erfindung besteht darin, dass man das Gemisch aus Hopfendolden und Flüssigkeit aus einem Gefäss, in welchem es unter höherem Druck steht, in ein Gefäss hineinbefördert, in welchem die austretenden Gemischmengen ganz plötz. lich einem niederen Druck ausgesetzt werden.
Man verfährt hieLei so, dass man in dem ersten Gpfass das Gemisch ständig unter dem relativ höheren Druck hält, während das Ausströmen aus einer verhältnismässig kleinen mehr oder weniger weitgehend gedrosselten Entleerungsvorrichtung in den Raum relativ niederen Druckes stattfindet. Hiebei findet eine plötzliche Ausdehnung der Zellengewebe, deren Inneres ebenfalls von dem relativ höheren Druck erfüllt ist, statt, so dass die Zellengewebe gewissermassen explodieren und hiebei die Bitterstoffe frei werden. Bestanden also die bisherigen Verfahren darin. dass man bei höherer oder niedrigerer Temperatur
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Bei der Bierfabrikation speziell wird das Verfahren vorteilhaft unter Verwendung von destillierten, also karbonatarmen Wassers (d. h. Wasser, welches frei von kohlensauren Kalken oder Karbonaten ist), da sich herausgestellt hat, dass karbonatreiche Hopfenwürze das Bier in unzulassiger Weise färbt, insbesondere wenn ein Kochprozess der Hopfenwürze unter Druck stattfindet.
Die plötzliche Druckentlastung bewirkt ferner ein Trennen der Hopfenblütenblätter von den Stengeln, ohne dass das Blatt als ganzes (abgesehen von der Zerstörung der Zellen) verletzt wird, wie letzteres bei den bekannten Hopfenzerreissmaschinen der Fall ist. Dies ist bei der Bierfabrikation insofern von grossem Werte, als bei dem Trennen der gekochten Würze vor dem ausgebrauten Hopfen die Filterschicht gewahrt bleibt und die Seihsiebe nicht verstopft werden.
Eine vorteilhafte Ausführung des Verfahrens soll an Hand der Zeichnung für die Herstellung von Bier geschildert werden :
Bei a ist der Läuterbottich dargestellt, bei e die Läuterbatterie, b ist ein Hopfenmontejus bekannter Art, welcher mit einem Dams) mantel versehen ist, so dass eine Heizung stattfinden kann. Die Leitungen c, d führen zur \\ epfanne f und zur Maischepfanne g.
In dem Hopfenbehälter oder Hopfenmontejus b befindet sich die für einen Biersud erforderliche Hopfenmenge. Man lässt diesen Hopfen zunächst durch Vorderwürze oder durch Nachgüsse überrieseln, damit er in geeigneter Weise angefeuchtet wird. Die Rieselungsflüssigkeit wird durch die Leitungen c, d zur Würzepfanne f gepumpt. Nun schliesst man das Montejus unten ab und lässt die Vorderwürze oder die Nachgüsse sich im Montejus b ansammeln, bis die Hopfenmenge dickbreiig schwimmend ist.
Alsdann wird der Inhalt des Montejus indirekt durch Dampf bis zur Siedetemperatur erhitzt, nach Erfordernis gekocht, gewöhnlich ohne wesentlichen Überdruck, und schliesslich nach hermetischem Abschluss des Montejus in einer entsprechenden Zeit bei weiterer Zufuhr indirekten Dampfes bis auf die Temperatur von beispielsweise 115 bis my C gebracht und auf diese Temperatur eine Zeitlang unter dem resultierenden Drucke belassen.
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Alsdann montejuiert man das Gemisch durch die Rohrleitungen h, i in die Wnrzepfanne oder in ein anderes Gefäss, wobei aber der auf die Hopfenftüssigkeit ausgeübte Druck konstant oder annähernd konstant gehalten wird. Sämtliche in dieser Hopfennüssigkeit schwimmenden Teile nehmen also an diesem Druck teil, bis der Hopfenbehälter entleert ist. An der Stelle, wo die Hopfenflü88igkeit aus dem verhältnismässig engen Rohre i in die Würzepfanne f übertritt, entsteht eine plötzliche äussere Druckentlastung, welche zur Folge hat, dass der in den Hopfen- zellen aufgespeicherte Druck ein Zerreissen (Explodieren) dieser kleinsten Hopfenteilchen hervorbringt.
Tatsächlich kommen infolge dieser plötzlichen Druckentlastung die Hopfenteile, als Stengel, Blätter, Körner usw. getrennt, und zwar mit zersprengten Zellen aus dem Rohr i heraus, ohne dass die Blätter als solche in zu kleine Teile zerrissen sind. Da die zersprengten Zellen nunmehr die Bitterstoffe und Harze nicht mehr festhalten, so gehen diese vollkommen in die Bierwürze über, und es findet dadurch eine vollkommene Aufschliessung zwecks vollständiger Nutzbarmachung des Hopfens statt.
Als sehr vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn man in dem Hopfenmontejus b nicht von vornherein die ganze für einen Biersud erforderliche Hopfenmenge unterbrachte, sondern das Verfahren zwei-bis dreimal wiederholte, indem man nacheinander mit der Hälfte bzw. mit einem Drittel der Hopfenmengen operierte.
Der Druck, welchen man auf dieHopfenfüssigkeit ausüben muss. hängt, von der Beschaffenheit des Hopfens ab und damit die bei diesem höheren Druck angewendete Temperatur Bei Hopfen von gewöhnlichen Eigenschaften reichte, wie bereits erwähnt, einDruck aus, der, falls er durch Erhitzung der Hopfenflüssigkeit hervorgebracht wird, einer Temperatur von etwa 115 bis 12C01 C entspricht.
Eine zweite Ausführungsform besteht darin, dass das H (lpfenflüssigkeitsgemisch bis zur
Siedetemperatur oder unter die Siedetemperatur erhitzt und nach Erfordernis lange ohne über druck erhitzt wird. Nach Beendigung dieser Kochzeit wlrd das Montejus hermetisch geschlossen und die indirekte Dampfbeheizung abgestellt.
Nun wird ein Gemisch von Dampf- und Luftdruck oder Drucklaft oder ein anderer gas- förmiger Druck von entsprechendem Überdruck bzw. von entsprechender Temperatur auf die hopfenflüssigkeitsoberflache gesetzt, wodurch die Temperatur der Flüssigkeit selbst nicht erhöht. der Überdruck aber auf das gesamte Flüssigkeitsgemisch übertragen wird.
Dadurch wird beim Entleeren des Montejus dieselbe Wirkung erzielt, als wenn die Auf- schliessung des Hopfens unter natürlichen Überdrucke erzielt wurde. Das Verfahren eignet sich besonders gut für solche Hopfensorten, welche nicht bis zur Siedetemperatur erhitzt werden
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ausgelaugten Flüssigkeit nicht leiden soll. In diesen Fällen kann man auch so verfahren, dass man im Montejus b nur atmosphänsciien Druck verwendet (aJsu keinen Cberdruck). Die Entleerung des Gemisches aus Hopfen und Flüssigkei in das Gefäss f findet dann aben bei Vakuum statt, d. h. im Gefäss f befindet sich ein Unterdruck (niedriger als Atmosphärendruck).
Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist dieser, dass das Nachdunkeln der den Hopfen
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schreitens der Siedetemperatur in der Hopfenflüssigkeit erst gar nicht mit in Lösung gehen.
Natürlich kann das Verfahren auch mit solchen Hopfenauslaugungsprozessen verbunden werden, bei denen die Flüssigkeit mehrmals im Kreislauf durch das Montejus hiudurcbgeführt wird, um die Hopfenaufschliessung und Auslaugung bis aufs äusserste betreiben zu können.
Das Verfahren kann dazu dienen, um eine möglichst konzentrierte Auslaugmigsnüssigkeit herzustellen, welche alle wertvollen Bestandteile des Hopfens enthält. Diese Flüssigkeit kan falls die Auslaugung des Hopfens nur mit Wasser erfolgte, als Zusatzprodukt, z. B. bei der Bier-
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1. Verfahren zur Aufschliessung des Hopfens, insbesondere zur Bierbereitung, dadurch gekennzeichnet. dass die den Hopfen enthalende Hopfenflüssigkeit während der Entleerung des Hopfens aus einem Gefäss (Montejus) uh t relativ höherem Druck gehalten wird und dass erst an der Ausflussstelle eine plötzliche Druckentlastung stattfindet, durch welche die Zellengewebe des Hopfens zerstört und die an dieselben gebundenen Extraktstoffe freigelegt werden.