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Zahlreiche Verfahren sind vorgeschlagen worden, die umständliche, mit grossen Unannehmlichkeiten verbundene Handlöschung des gebrannten Kalkes auf mechanische Weise zu bewerkstelligen.
So ist es bekannt, Ätzkalk mittels Wassers zu Kalkhydrat oder auch zn Kalkmilch zu löschen. Auch wurde bereits Dampf zur Löschung des Kalkes verwendet. Aus der Herstellung der Kalksandsteine ist es ferner bekannt, vorher gepulverten Kalk mit Sand go- mischt mittels Wasser und hochgespanntem Dampf abzulöschen und so zu einem feuchten Kalksandmörtel aufzubereiten. Eine weitere bekannte Art der Kalklöschung besteht darin, dass der in oder auf einem beweglichen feinmaschigen Sieb befindliche gebrannte lialk der Einwirkung von Dampf ausgesetzt wird.
Diese Art der Kalklöschung, die, was die Verwendung von Dampf und die Erzielung eines trockenen Produktes anbelangt, einige Ähnlichkeit mit dem vorliegenden nachfolgend beschriebenen Verfahren zeigt, hat den grossen Nachteil, ein körniges Ka) hydrat zu liefern, das bei weitem nicht so voluminös und fein ist, wie das durch die Wasserlöschung erhaltene und deshalb ungleich weniger ergiebig ist als dieses.
Die Erzielung eines durchaus trockenen Hydrates ist deshalb nötig, weil nur ein trockenes Produkt fein gesiebt und von Fremdkörpern, ungebrannten Kalkteilen, Schlacken, sowie von eventuell schwer löschbaren Kalkteilen getrennt werden kann, die bei der weitern Verarbeitung des Kalkpulvers zu Kunststeinen und zu Mauermörtel ein Platzen der Steine bezw.
des Verputzes infolge der nachträglich eintretenden Löschung herbeiführen würden. Das vorliegende Verfahren weicht nun wesentlich von den bereits bekannten einerseits dadurch ab, dass die Wasserlöschung mit der Dampflöschung in einer ganz bestimmten Art kombiniert wird, sowie anderseits dadurch, dass der gebrannte Stückkalk einer Vorbereitung unterworfen wird, die die vollständige Löschung zu einem trockenen Pulver unter den besten Bedingungen erfolgen lässt ; gleichzeitig wird dadurch der ganze Prozess sehr beschleunigt und erleichtert. Die Hauptlöschung wird mit Wasser vollzogen und hierauf die vollständige Löschung des vorgelöschten zerkleinerten heissen Produktes mittels Dampf bewirkt, und zwar unter Bedingungen, die eine Kondensation von Dampf im Kalkbehälter ausschliessen.
Zu diesem Behufe wird der bei der Löschung entwickelte Dampf in nützlicher Weise dazu verwendet, den Kalkbehälter fortwährend auf einer die Kondensation im Innern desselben ausschliessenden hohen Temperatur zu halten. Durch das nachstehend beschriebene Verfahren wird die Löschung des Kalkes zu einem durchaus trockenen. höchst voluminösen, feinen und äusserst ergiebigen Kalkhydrat ermöglicht, das durch ein Feinsieb von allen möglicherweise vorhandenen Fremdkörpern getrennt und so im Zustand höchster Reinheit erhalten werden kann.
Eine Ausführungsform des Apparates zeigt die angefügte Zeichnung. Ein aus dünnem Eisenblech gefertigter, auf allen Seiten geschlossener horizontaler oder annähernd horizontaler Zylinder a trägt an seinem einen Ende einen Trichter b, mit welchem er mittels eines an Zapfen z drehbaren kleinen Kastens c aus Eisenblech in Verbindung gesetzt worden kann.
Dieser Kisenkasten wird entweder mit schlecht leitendem Material, Sägespänen, Asche u. s. w. gefüllt oder mit Dampf geheizt ; in letzterem Falle bewirkt man die Dampfzuleitung zweckmässig durch Einführung am einen Ende der Achse, die Ableitung am andern Ende derselben. d stellt eine einen als Verschluss dienenden kleinen Kasten festhaltende Schnappfeder mit Handgriff dar. In seinem unteren Teil ist der Zylinder a seiner ganzen Länge nach mit einer Welle e versehen, auf welcher Misch- und Transportsstlgel fangebracht sind. Diese Welle e ist in den Lagern g mittels der in entgegengesetztem Sinne drehbaren
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aus einem kleinen Eisenkasten gebildet werden, der entweder mit schlecht leitendem Material gefüllt oder mittels einer durch die Achse geführten Dampfleitung mit Dampf gefüllt wird.
Das Kondenswasser wird durch das andere Ende der Achse abgeleitet. Femer ist der Zylinder a noch mit einer durch den Hahn p regulierbaren und mit brauseartigen öffnungen versehenen Wasserleitung q versehen ; r stellt eine mittels Ventil verschliessbare Dampfleitung dar. Bemerkt sei nooh, dass sich im oberen Teile des erwähnten Trichters b ein bewegliches weitmaschiges Sieb x befindet, dem mittels geeigneter Vorrichtungen Bewegung erteilt werden kann ; der Trichter b ist durch einen an Scharnieren befestigten Deckel t'staubdicht verschliessbar. Den Zylinder a umgibt, durch einen Zwischenraum s
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durch die Klappe k, sowie derjenige durch die Fallklappe c soll möglichst vollständig sein.
Die Arbeitsweise mit diesem Apparat ist nun folgende :
Nach dem Auffüllen einer bestimmten, immer gleich grossen Charge gebrannten Kalkes auf oder in das bewegliche Sieb x werden Klappe c und Deckel v verschlossen, hierauf das Sieb in Bewegung versetzt und der Kalk mit der zu seiner Löschung ungefähr nötigen, vorher berechneten Menge Wassers besprengt. Nach kurzer Zeit hat sich der Kalk teilweise gelöscht, d. h. er ist in ein Gemenge von feinem Pulver und Stücken zerfallen, deren Grösse selbstredend von der gewählten Maschenweite des Siebes abhängt. Durch die Bewegung des Siebes fällt dieses heisse Gemenge auf die Klappe c.
Ist dies geschehen, so wird vorerst das Ventil FEZ geöffnet, bis Dampf in kleiner Menge aus dem Rohr il austritt ; hierauf öffnet man die Verschlussklappe c, während man bei geschlossenem Schieber M gleichzeitig durch Antreiben der Rolle i resp. lt don Misch- und Transportssugeln abwechselnd Vorwärts-und Rückwärtsbewegung erteilt.
Her Kalk wird so (bei geschlossener Klappe k) in den Zylinder a entleert und sehr intensiv gemischt, wobei die Löschung bereits ziemlich
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des mit Brauseöffnungen versehenen Rohres q dem im Behälter befindlichen vorgelöschten Kalk zugeführt werden. Der beim Löschen sich entwickelnde Wasserdampf ist genötigt, vor seinem Austritt bei u nach Passieren der Öffnung m den ganzen Zylinder a zu umhüllen. Entweicht aus der Öffnung M kein Dampf mehr, so lässt man mittels der Dampfleitung r trockenen Dampf in solcher Menge in a eintreten, dass derselbe mit Kondenswasser vermischt eben noch schwach aus u austritt.
Von Zeit zu Zeit wird nun der Inhalt von a gemischt, indem man bei geschlossener Dampfleitung r und geschlossenem Schieber n die Misch- und Transportflügel abwechselnd vorwärts und rückwärts laufen lässt ; das Schliessen der Dampfleitung und des Schiebers ist nötig, weil sonst durch die Bewegung der Mischflügel das äusserst feine, vollkommen trockene Kalkhydrat in den Mantelraum getrieben und dort als allerdings leicht entfernbare Kruste abgelagert würde.
Ist die Löschung durch abwechselndes Mischen und Zuführen von Dampf zu Ende geführt, so entleert man den Kalkbehälter durch den Stutzen l mittels Anlassens der Scheibe i ; das Kalkhydrat wird mittels eines Becherwerkes einer Siebmaschine zugeführt, welche die allenfalls vor- handenen Teile ungebrannten Kalkes ausscheidet. Die ganze Operation des Löschen lässt sich unter Vermeidung jeglicher Staubbildung durchführen und nur ganz grobe Versehen sind imstande, die zu erzielende vorzügliche Qualität des Produktes zu gefährden.
Es ist einleuchtend, dass das oben beschriebene Prinzip der Löschung auch unter Verwendung gespannten oder überhitzten Wasserdampfes angewandt werden kann : im ersteren
Falle konstruiert man den äussern Zylinder als Druckkessel, der dampfdicht verschliessbar ist.
Es empfiehlt sich sowohl bei Verwendung von gespanntem als ungespannten Dampfe denselben in überhitztem Zustande zu benützen, da die Temperatur des Mantelraumes mindestens derjenigen des Kalkbehälters gleichkommen soll ; man kann den Mantelraum aber auch auf eine höhere Temperatur als diejenige des Kalkhehälters erhitzen ; letztere soll aber mindestens der Temperatur des in den Kalkbehälter eingeführten Dampfes gleich sein.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von trockenem Kalkhydratpulver durch Ablöschen von Ätzkalk mit Wasser und Dampf, dadurch gekennzeichnet, dass die mit Wasser unvollständig durchgeführte Löschung mit heissem Wasserdampf unter Vermeidung der Kondensation des
Dampfes zu Ende geführt wird.
2. Verfahren zur Herstellung von trockenem Kalkhydrat nach Ansprach l, dadurch gekennzeichnet, dass der teilweise gelöschte Kallk dem Löschbehälter in zerkleinertem, heissen
Zustande zugeführt wird.