AT17450B - Verfahren zur Vorbereitung von Wolle oder anderen aus Keratin bestehenden Fasern. - Google Patents

Verfahren zur Vorbereitung von Wolle oder anderen aus Keratin bestehenden Fasern.

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   Österreichische PATENTSCHRIFT   Nr.   17450. DR. ALBERT KANN IN   PASSAIC, N. J.   (V. ST. A.). 
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   Es war bis jetzt unmöglich, auf Schafwolle oder eine andere aus Keratin bestehende Faser, z. B. Rosshaar bei der Operation des Waschens, Färbens und Druckens kaustische Alkalien oder andere einigermassen   starkor alkalisch reagierende   Substanzen heiss zur Anwendung zu bringen, ohne die Faser zu schädigen und zu schwächen und man benutzt dort, wo Alkalien angewendet worden müssen, meist nur lauwarme Lösungen von Seife, Soda und Ammoniumcarbonat u. s. w. Sogar längeres Kochen in neutralem Wasser ist geeignet, die Wolle zu schädigen (siehe Knecht, Rawson &   Loewenthal, Handbuch   der Färberei", Berlin 1895, Band   I,   S.   100   und 104). 



   Es wurde nun gefunden, dass man durch eine geeignete Behandlung der genannten Fasern, insbesondere auch der Wolle, diese so verändern kann, dass sie, ohne in ihren sonstigen Eigenschaften geschädigt zu werden, eine Behandlung mit stärkeren und   heisseren   
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 reits Aldehyde, insbesondere auch Acetaldehyd zur Desinfektion von tierischen Haaren und auch Formaldehyd in Verbindung mit Alkalien zum Gerben von   Leder vorgeschlagen, eine   solche Verwendung für die   Vorbohandlung von Wollo u. dgl.   ist dagegen neu. 



   Behandelt man Schafwolle (oder eine andere aus Keratin bestehende Faser, also überhaupt die Haare der Tiere) mit   Formaldehyd (H C 0 H)   durch längere Zeit in der Kälte oder viel besser in der Wärme, oder mit   Formaldehyddampf   (es genügt für die Behandlung in der Hitze auch die kürzere Einwirkung einer verdünnteren   Lösung) und lässt man   dann die Faser zweckmässig trocknen, ohne sie vorher zu waschen, so wird dieselbe dadurch ganz bedeutend unempfindlicher gegen die Einwirkung starker Basen in der Wärme gemacht, wie z.

     B.   gegen kaustische Alkalien, kohlensaure Alkalien,   Schwefelalka1ieIi,   Erdalkalien   etc.,   sowie auch gegen die Einwirkung von Wasserdampf und gegen längeres   Kochen   in neutralem Wasser, während die sonstigen gewerblich verwertbaren Eigenschaften im ganzen nicht vermindert werden. 



   Die Faser wird durch alle diese Reagenzien dann bedeutend weniger geschwächt und verkilrzt sich auch nicht. Es wird dies sofort ersichtlich, wenn man einen Faden unpräparierter   (gewöhnlicher)   Wolle und einen Faden mit Formaldehyd präparierter Wolle   in Ätznatronlösung aufzulösen   versucht, der erstere wird bereits völlig gelöst sein, während die präparierte Wolle noch deutlich ihre Struktur zeigt. Die mit Formaldehyd behandelte Faser färbt sich auch mit vielen Farbstoffen langsamer und mit manchen auch mit anderen Nuancen als gewöhnliche Wolle.   Schen eine 0#03% starke kalte Formaldehydlösung   ist imstande diese Wirkungen auszuüben, wenn sie lange Zeit zur Einwirkung gelangt. 



   Man kann eine neutrale oder schwach saure   Formaldehydlösung   anwenden. Formaldohyd zersetzt sich zwar in alkalischen Lösungen zu Ameisensäure und Methylalkohol, man kann aber Formaldehyd auch in einer schwachen alkalischen Lösung zur Anwendung bringen, vorausgesetzt, dass der Formaldehyd Zeit hat, einzuwirken. Wenn man, nachdem man die Wolle   mit Formaldehyd vorbehandelt 11at, der   nachher angewendeten starken alkalischen Lösung noch etwas Formaldehyd zusetzt, so ist dies manchmal von Vorteil. 



   Eine Eigenschaft der mit Formaldehyd behandelten Wolle, die zu deren Kennzeichnung dienen kann, ist es   eiucti,   dass sie, wenn sie mit verdünnter Salzsäure erwärmt und nachher 
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    Man kann daher auch so arbeiten, dass man Wolle zuerst mit einer Formaldehyd lösung zusammenbringt und dann die alkalische Lösung zugibt. Oder man kann die Formaldehydlösung schon von vornherein schwach alkalisch halten und kann dann nachher deren Temperatur erhöhen bis zu einem Punkte, bei dem gewöhnliche Wolle angegriffen wurde. 



  Endlich kann man auch zu der von vornherein schwach alkalischen Formaldehydlösung dann nachher noch weitere Mengen von alkalischer Lösung zufügen, u. zw. in solchem Masse, dass gewöhnliche Wolle bei einer so stark alkalischen Behandlung leiden würde. 



  Dieses Verfahren des Unempfind1ichmachens der Schafwolle gegen die Einwirkung von Alkalien soll gestatten, bei den nachfolgenden Operationen als Färben, Drucken, Waschen und Bleichen viel stärker alkalisch reagierende Stoffe wie Ätzalkalien, Schwefelalkalien, kohlensaure und kieselsaure Alkalien und Erdalkalien in stärkeren Konzentrationen bei längerer Einwirkungsdauer und bei höherer Temperatur zur Anwendung zu bringen, als dies bis jetzt ohne Schädigung der Faser möglich war. 



  Solche Operationen sind z. B. : Das Färben der Schafwolle mit Schwefelfarbstoffen und Schwefelnatrium in alkalischer Lösung. Das Färben von Halbwolle (Schafwolle und Baumwolle) in alkalischer Lösung. Die Wollwäsche der rohen Schafwolle mit heisser Sodalösung, statt wie bisher mit lauwarmer Seife und Soda vorzunehmen. Die Verwendung von Alkalien im Wolldruck als Enlevage und Reservage. Die Vermeidung von Stockflecken beim Walken. Die Verhinderung des Gelbwerdens weisser Stellen beim Dämpfen im Schafwolldruck. Das Waschen von Wolle, ähnlich dem der Baumwolle, ohne dass sie sich verkürzt. Das Färben von Halbwolle mit auf der Faser erzeugten Azofarbstoffen. Das Bleichen   
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 wollstoffen, z.

   B. bei der Fleckenreinigung von   Kleidern lässt   sich das Verfahren anwenden, indem man die betreffenden Zeugo zuerst mit Formaldehyd behandelt und dann an Stelle der teueren und   feuergefährlichen     Benzolbohandlung einfach   mit Alkalien behandelt. 



   Im folgenden sind einige Beispiele zur Ausführung des Verfahrens gegeben. 



   A. Für Wolle. 



   I. Färben der Wolle mit Schwefelfarbstoffen in alkalischer Lösung. Die Wolle oder Halb wolle wird mit einer zirka eigen Lösung von Formaldehyd mehrere Stunden heiss behandelt und dann getrocknet. 



   Dann wird die Wolle um ein besseres Anfärben zu gestatten, zweckmässig mit Wasser gewaschen, dem etwas   Ammoniak   zugesetzt ist und dann mit   Schwefelfarbstoffen,   z. B. mit Cachou de Laval, in alkalischer Lösung gefärbt. 



   50 9 Wolle färbt man in einem Bade, bestehend aus 6 g Cachou de Laval,
10   g     Schwefelnatrium,   4 g Soda gelöst in 800 cm3 Wasser durch 1 Stunde bei zirka 900 C. 



  Das Farbbad wird nicht erschöpft. Auch wenn das nachfolgende Auswaschen der Wolle kein gründliches ist, wird die Faser nicht geschädigt. 



   Hinsichtlich der mit Formaldehyd behandelten Wolle sei bemerkt, dass sie sich bedeutend schneller und intensiver mit Schwefelfarbstoffen und auch überhaupt mit den verschiedensten anderen Farbstoffen anfärben lässt, wenn man die Wolle vor oder nach der Behandlung mit Formaldehyd oxydiert oder chlort. 



   Man verfährt z. B. in der Weise, dass man die Wolle durch eine mit Salzsäure angesäuerte Lösung von Chlorkalk (Spec. Gewicht 1-0035) durchzieht und dann ausquetscht und trocknet. 



   Die Eigenschaft der Unempfindlichkeit gegen Alkalien wird durch eine solche Behandlung nicht nachteilig beeinflusst. 



   II. Wollwäsche mit stärkeren Alkalien. Rohe Schafwolle wird mit Formaldehyddampf behandelt oder mit zirka   40/oiger Formaldehydlösung   mehrere Stunden erhitzt und dann getrocknet.   Hiernach   erfolgt die Wäsche zur Entfernung des Wollschweisses (Wollfettes) mit einer zirka   0-40/oigen   Lösung von Ätznatron bei zirka 400 oder einer zirka   10/eigen   Sodalösung bei ungefähr   900   C. 



    - B. Für andere keratinhaltige Fasern.   



   Als Beispiel für die Behandlung anderer aus Keratin bestehender Fasern sei das 
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Wenn man ein Gewebe, dessen Kette aus Baumwolle und dessen Schuss aus Rosshaar besteht, bei   950- 100O   C mit einer   0'8"/oigen Ätznatronlösung 11/'g   Stunden lang behandelt, 

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 so findet eine derartige Schwächung im Schuss statt, dass das Rosshaar den grössten Teil seiner Festigkeit verliert ; die Baumwolle wird nicht angegriffen. Behandelt man aber dasselbe Gewebe eine Stunde lang   heiss   und zwei Stunden kalt mit einer   ligen   Formaldehydlösung, so findet bei der Nachbehandlung mit   Átznatronlösung   keinerlei Schwächung statt. 



     C.   Für Kunstwolle. 



   Hellermachen (Abziehen) von dunkler Kunstwolle (Shoddy). 



   1.. Kunstwolle wird mit einer ¸% igen Formaldehydlösung eine Stunde gekocht, 
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 wolle hell ist, was sechs Stunden und langer dauern kann. Manchmal ist es zweckmässig, nach etwa zweistündigem Kochen eine frische Sodalösung (eine   10/oige)   zu verwenden, der man eine geringe Menge (einige Tropfen) Formaldehyd zugegeben hat. 



   2. Kunstwolle wird mit einer Lösung, welche 1/20/0 Formaldehyd und   l/o   Soda enthält, eine Stunde bei 600/0 C behandelt und hernach eine Stunde gekocht. 



   3. Kunstwolle wird mit einer Lösung, welche 1/20/0 Formaldehyd und 10/0 Seife enthält, eine Stunde gekocht, dann 10/0 Soda zugegeben und nochmals eine Stunde gekocht. 



   4. Kunstwolle wird eine Stunde mit einer   gigen Formaldehydlösung gekocht,   hernach herausgenommen und direkt in eine 10/oige Sodalösung getan und darin gekocht. Dieser Sodalösung setzt man von der   Formaldehydlösung   (in der die   Kunstwolle   zuerst behandelt wurde) von Zeit zu Zeit etwas zu. Man kann ohne Schaden für die Wolle so zwölf Stunden und länger kochen. 



   Manchmal ist es auch nötig, ein weiteres 10/0 Soda hinzuzufügen. 



   An Stelle von Formaldehyd können auch andere Aldehyde treten, doch hat sich letzterer als am zweckmässigste erwiesen. 



   PATENT-ANSPRÜCHE : 
1. Verfahren zur Vorbereitung von Wolle oder anderen aus Keratin bestehenden Fasern, dadurch gekennzeichnet, dass diese Faserstoffe vor der Behandlung mit alkalischen Flüssigkeiten der Einwirkung von   Formaldehydlösung   oder Formaldehyddampf ausgesetzt werden, wodurch erzielt wird, dass konzentriertere und heissere Alkalilösungen als bisher zur Anwendung kommen können.

Claims (1)

  1. 2. Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man die genannten Faserstoffe zuerst mit einer Formaldehydlösung zusammenbringt und dieser die alkalische Lösung, mit welcher die Faserstoffe nachträglich behandelt werden sollen, unmittelbar zusetzt, ohne die Aldehydlösung vorher zu entfernen.
    3. Eine Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch l, dadurch gekennzeichnet, dass man die genannten Faserstoffe in eine schwach alkalische Formaldehydlösung bringt und erhitzt.
    4. Eine weitere Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch ge- kennzeichnet, dass man die genannten Faserstoffe in eine schwach alkalische Formaldehyd- lösung bringt und die Nachbehandlung mit Alkali durch Zusatz weiterer Mengen von alkalischen Lösungen fortsetzt.
AT17450D 1903-02-07 1903-02-07 Verfahren zur Vorbereitung von Wolle oder anderen aus Keratin bestehenden Fasern. AT17450B (de)

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