Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung von Alkylamino(meth)acrylamiden
Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein kontinuierlich betriebenes Verfahren zur Herstellung von Alkylamino(nneth)acrylanniden (C) durch kontinuierliche Aminolyse von beispielsweise Methyl(meth)acrylat (A mit Ri = Methyl) mit Aminen (B) unter Freisetzung von Methanol (D mit Ri = Methyl) gemäß folgender Reaktionsgleichung:
R3
H2C = C — COOR1 (A) + R2NH2 (B)
RJ
H2C = C - CONHR2 (C) + R1OH (D)
wobei gilt:
R1 = linearer oder verzweigter Alkylrest mit 3 bis 10
Kohlenstoffatomen,
R3 bedeutet Wasserstoff oder die Methylgruppe
R2 steht für einen linearen, verzweigten oder cyclischen
Alkylrest, einen Arylrest, der auch mit ein oder mehreren Alkylgruppen substituiert sein kann, der lineare, cyclische oder
verzweigte Alkylrest kann eine Länge von 1 - 12 Kohlenstoffatomen aufweisen, und beispielsweise Methyl, Ethyl, Propyl, Isopropyl, Butyl, Isobutyl, tert. Butyl, Pentyl, Hexyl, Heptyl, Octyl, Isooctyl, Nonyl, Decyl, Undecyl bedeuten und kann gegebenenfalls durch
- NR3 R4 oder
- OR5
ein- oder mehrfach substituiert sein, dabei kann entweder R3 oder R4 die Bedeutung von Wasserstoff annehmen und wobei ferner gilt:
R3, R4 oder R5 können entweder gleich oder verschieden sein und eine Alkylgruppe mit 1 - 12 Kohlenstoffatomen darstellen, wie beispielsweise Methyl, Ethyl, Propyl, Isopropyl, Butyl, Isobutyl, tert. Butyl, Pentyl, Hexyl, Heptyl, Octyl, Isooctyl, Nonyl, Decyl, Undecyl oder Wasserstoff.
R2 kann ferner auch
[ (R6-0) n ] - R7
bedeuten, wobei gilt:
- R6 kann eine Ci-C4-Alkylgruppe sein, die auch verzweigt sein kann, wie beispielsweise Methyl, Ethyl, Propyl, Isopropyl, Butyl, Isobutyl oder tert. Butyl.
R7 kann die Methylgruppe oder die Ethylgruppe sein.
Als Amine kommen beispielsweise folgende Verbindungen in Frage:
Dimethylaminoethylamin, Diethylaminoethylamin, Dipropylaminoethylamin, Düsopropylaminoethylamin, Dibutylaminoethylamin, Disobutylaminoehtylannin, Dimethylaminopropylannin, Diethylaminopropylamin, Dipropylaminopropylamin, Düsopropylaminopropylamin, Dibutylaminopropylamin, Disobutylaminopropylamin, Dimethylaminobutylamin, Diethylaminobutylamin, Dipropylaminobutylamin, Düsopropylaminobutylamin, Dibutylaminobutylamin, Disobutylaminobutylamin, Methylamin, Cyclohexylamin, Dimethylaminohexylannin, Diethylaminohexylamin, Dimethylaminoneopentylamin.
Besonders bevorzugt ist neben Dimethylaminopropylannin, Dimethylaminoethylamin, Dimethylaminobutylamin, Dimethylaminopentylamin und Dimethylaminohexylamin.
Stand der Technik
In der Literatur sind viele diskontinuierlich durchgeführte Umesterungsverfahren (Batch-Umesterungsverfahren) in Verbindung mit unterschiedlichen Katalysatoren beschrieben.
Die Suche nach wirtschaftlicheren Verfahren führte zu der Auffindung von kontinuierlichen Umesterungsverfahren, bei denen die Edukte kontinuierlich zugeführt und die Produkte kontinuierlich abgeführt werden. Die kontinuierlichen Umesterungsverfahren haben gegenüber den diskontinuierlichen Umesterungsverfahren folgende Vorteile: Der Prozess ist leichter automatisierbar und kann mit reduziertem Personalbedarf betrieben werden, die Produktqualität ist besser reproduzierbar und weniger schwankend, die Anlagenkapazität erhöht sich aufgrund des Wegfalls des sequenziellen Abarbeitens der einzelnen Herstellungsschritte (Befüllen, Reaktion, Niedrigsiederabtrennung, Produktabtrennung, Entleeren). Der Prozess besitzt eine höhere Raum-Zeit- Ausbeute als ein Batch-Prozess.
Kontinuierliche Umesterungsverfahren sind bekannt.
EP 0 960 877 (Elf Atochem S.A.) beschreibt ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von Methacrylatestern von Dialkylaminoalkoholen. Man setzt Dialkylaminoalkohole mit im allgemeinen Methyl(meth)acrylat um und erhält das Dialkylaminoalkyl(meth)acrylat nach folgendem Verfahren:
Das Gemisch der Ausgangsstoffe (Methyl(meth)acrylat und Dialkylaminoalkohol) wird zusammen mit einem Tetraalkyltitanat als Katalysator (beispielsweise Tetrabutyl-, Tetraethyl- oder Tetra(2-Ethylhexyl)titanat) und mindestens einem Polymerisationsinhibitor (beispielsweise Phenothiazin, tert.-Butylcatechol, Hydrochinonmonomethylether oder Hydrochinon) kontinuierlich einem Rührreaktor zugeführt, wo bei einer Temperatur von 90 0C - 120 0C die Umsetzung zum Dialkylaminoalkyl(meth)acrylat bei gleichzeitigem kontinuierlichem Abzug des azeotropen Methyl(meth)acrylat/Methanol-Gemisches erfolgt. Das rohe Reaktionsgemisch (Rohester) wird einer ersten Destillationskolonne zugeführt, wobei man bei vermindertem Druck am Kopf der Destillationskolonne einen im wesentlichen katalysatorfreien Strom abzieht und im Sumpf der Destillationskolonne der Katalysator sowie wenig Dialkylaminoalkyl(meth)acrylat abgezogen werden. Der Kopfstrom der ersten Destillationskolonne wird dann einer zweiten Destillationskolonne zugeführt, bei der man unter vermindertem Druck am Kopf einen Strom von niedrigsiedenden Produkten mit wenig Dialkylaminoalkyl(meth)acrylat und im Sumpf einen Strom bestehend aus hauptsächlich Dialkylaminoalkyl(meth)acrylat sowie Polymehsationsinhibitor(en) abzieht, der einer dritten Destillationskolonne zugeführt wird. In der dritten Destillationskolonne wird unter vermindertem Druck eine Rektifikation durchgeführt, in der man am Kopf den gewünschten reinen Dialkylaminoalkyl(meth)acrylatester und im Sumpf im wesentlichen den Polymerisationsinhibitor oder die Polymerisationsinhibitoren abzieht. Der Sumpfstrom der ersten Destillationskolonne wird nach weiterer Aufreinigung mit Hilfe eines Filmverdampfers genauso in den Reaktor zurückgeführt wie der Kopfstrom aus der zweiten Destillationskolonne.
Dieses Verfahren verzichtet auf eine Entwässerung der Alkohole vor dem Einsatz, was zu einer verstärkten Desaktivierung des eingesetzten Tetraalkyltitanats infolge Hydrolyse bis hin zur Bildung unerwünschter Feststoffniederschläge führen kann. Weiterhin verfügt das Verfahren über den Nachteil, dass in der ersten Destillationskolonne der Katalysator im Sumpf bei relativ hohen Temperaturen thermisch beansprucht wird. Dies kann leicht zur Zersetzung des Katalysators führen.
Bei diesem Verfahren werden sowohl die nicht umgesetzten Edukte wie auch das Produkt insgesamt zweimal über Kopf rektifiziert. Dies erfordert sehr hohe Energiekosten und insgesamt 4 Rektifikationskolonnen, die zum Teil sehr groß dimensioniert sein müssen. Der Prozeß ist daher mit sehr hohen Investitions- und Betriebskosten belastet.
EP 0 968 995 (Mitsubishi Gas Chemical Comp.) beschreibt ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von Alkyl(meth)acrylsäureestern unter Verwendung einer Reaktionskolonne. Die Umesterungsreaktion erfolgt dabei direkt in einer Destillationskolonne (d.h. Reaktor und Destillationskolonne zum Abzug des Methyl(meth)acrylat/Methanol-Azeotrops bilden einen Apparat), der die Ausgangsstoffe (Methyl(meth)acrylat und Alkohol) kontinuierlich zugeführt werden. Der notwendige Katalysator, hier ebenfalls bevorzugt eine Titanverbindung, befindet sich in der Destillationskolonne. Im Fall eines homogenen Katalysators wird der Katalysator in die Destillationskolonne kontinuierlich eindosiert. Die Verwendung von homogenen Katalysatoren in einer Destillationskolonne führt jedoch aufgrund eines Spüleffektes durch den flüssigen Rücklauf in der Destillationskolonne zu einem erhöhten Katalysatorbedarf sowie bei Auftreten eines
Katalysatorfeststoffniederschlags zur Verschmutzung der Kolonneneinbauten. Im Fall eines heterogenen Katalysators befindet sich der Katalysator in der Reaktionskolonne. Die Positionierung des Katalysators in der Destillationskolonne ist allerdings nachteilig, weil in der Destillationskolonne dann ein erhöhter Druckverlust auftritt und zusätzlich für die regelmäßige Reinigung der Destillationskolonne ein
sehr hoher Aufwand betrieben werden muss. Weiterhin können heterogene Katalysatoren beispielsweise infolge unerwünschter Polymerisation desaktivieren.
DE 4 027 843 (Röhm GmbH) beschreibt ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung N-substituierter (Meth)acrylsäureamide durch Aminolyse von Alkylestern der (Meth)acrylsäure mit aliphatischen und aromatischen Aminen. Die Reaktionstemperatur liegt bei > 150 0C, der Druck beträgt ca. 160 bar. Es wird ohne Katalysator gearbeitet.
CN 183 71 88 (Jiangsu Feixiang Chemical Co.) beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von N-((-3-dimethylamino)propyl)methacrylamid (DMAPMA) durch Umsetzung von Methylmethacrylat mit N,N-dimethyl-1 ,3-propandiamin zu N-(-3(-3- dimethylamino)propyl)-3-((dimethylamino)propyl)amino)-2-methylpropanamid (BDMAPA). BDMAPA wird in einem zweiten Reaktionsschritt bei 160 0C am Metall katalysator pyrolisiert und ergibt in 70 Gew.-%-iger Ausbeute ein DMAPMA mit einer Reinheit von > 97%. Das Verfahren wird als Batch-Verfahren beschrieben. Der Gehalt an Vernetzern ist recht hoch.
WO 2004/103952 (Röhm GmbH) beschreibt ein Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung von Alkylaminoacrylamiden durch Umsetzung von Alkylacrylaten mit hochsiedenden Aminen. Durch eine besondere Aufarbeitungstechnik werden bisher nicht erzielte Produktqualitäten erreicht. Weiterhin können sehr hohe Raum-Zeit- und Gesamt-Ausbeuten erreicht werden.
Aufgabe
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein kontinuierliches Verfahren zur Aminolyse von (Meth)acrylsäureestern zur Verfügung zu stellen, das die Nachteile der beiden vorgenannt beschriebenen Verfahren vermeidet. Weiterhin soll durch das neue Verfahren ein Produkt zur Verfügung gestellt werden, das in der Qualität besser ist als die bisher auf dem Markt befindlichen. Unter einer besseren Qualität wird ein geringerer Vernetzergehalt oder ein geringerer Gehalt an Additionsprodukten der Amine an die Doppelbindung des Ausgangsesters oder an die Doppelbindung des Produktamids verstanden.
Bisher auf dem Markt verfügbare Qualitäten der Alkylamino(meth)acrylamide weisen beispielsweise folgende Zusammensetzung auf:
N-3-Dimethylaminopropylmethacrylamid (Jiangsu Feixiang Chemical Co., erhalten im Mai 2008, Batch Nummer 2007/05/01 ) weist eine Reinheit von 98,4% und einen Vernetzergehalt von 1.730 ppm auf. Als Vernetzer wurde N-Allylmethacrylamid gefunden.
Es bestand also die Aufgabe, ein Verfahren zu entwickeln, das zu einem Alkylamino(meth)acrylamid mit deutlich geringerem Vernetzergehalt führt.
Ferner sollen mit dem neuen Verfahren Amino(meth)acrylate mit möglichst wenig Aufwand und energetisch günstiger (d.h. kostengünstiger) hergestellt werden. Der Personalaufwand zur Bedienung der Anlage soll verringert werden.
Lösung
Gelöst werden diese sowie weitere im einzelnen nicht näher ausgeführte, jedoch aus der einleitenden Erörterung des Standes der Technik ohne weiteres erschließbare oder ableitbare Aufgaben durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1. Vorteilhafte Abwandlungen des erfindungsgemäßen Verfahrens werden in den auf Anspruch 1 rückbezogenen Ansprüchen unter Schutz gestellt.
Verfahrensbeschreibung
Das Verfahren ist schematisch in Figur 1 dargestellt.
Erläuterungen der Bezugszeichen Figur 1 :
1. Reaktionsapparat
2. Leichtsieder-Austrags-Destillationskolonne
3. Leichtsieder-Destillationskolonne
4. Roh-Kolonne
5. Rein-Kolonne
6. Katalysator- Voraktivierung
10. Katalysator-Feed
11. (Meth)acrylat-Feed
12. Amin-Feed
13. Leichtsieder-Austrag
14. Leichtsieder-Kreislaufstrom
15. Rohprodukt
16. Leichtsieder-Austrag
17. Niedersieder-Austrag
18. Reinprodukt
19. Hochsieder-Austrag
DSV = Dünnschichtverdampfer
Der (Meth)acrylatfeed Edukt (11 ) wird kontinuierlich einem geeigneten Reaktionsapparat (1 ) zugeführt, wobei sowohl ein einzelner Reaktionsbehälter als auch eine Kaskade von mehreren hintereinander geschaltenen Reaktionsbehältern eingesetzt werden kann. Eine solche Kaskade kann beispielsweise aus 2, 3, 4, 5, 6 oder gegebenenfalls mehreren einzelnen Reaktionsbehältern bestehen. In einer bevorzugten Ausführungsform wird eine Kaskade aus 3 hintereinander angeordneten kontinuierlich betriebenen Rührkesseln verwendet.
Der (Meth)acrylatfeed Edukt (11 ) kann auf verschiedene Weise erfolgen. Es ist zum Beispiel möglich, den Eduktstrom (11 ) nur dem ersten Reaktionsbehälter der Kaskade zuzuführen oder aber den Eduktstrom (11 ) in Teilströme aufzuteilen und diese Teilströme allen oder nur einigen der hintereinander geschalteten Reaktionsbehältern der Kaskade zuzuführen. Genauso ist es möglich, die Zuführung des Eduktstroms (11 ) über den Apparat (2) und/oder die Reaktionsapparate (1 ) vorzunehmen. Es kann vorteilhaft sein, den Eduktstrom (11 ) nur in den Apparat (2) zuzuführen oder in einer weiteren Ausführungsform den Eduktstrom (11 ) in Teilströme aufzuteilen, welche dann sowohl dem Apparat (2) als auch dem ersten oder gegebenenfalls mehreren Reaktionsbehältern der Kaskade zugeführt werden.
Es ist sinnvoll, dass alle Reaktionsbehälter einen Brüdenabzug zur Destillationskolonne (2) zur Entfernung des bei der Reaktion frei werdenden Alkohols besitzen.
Die Strömungsführung zu den Reaktoren und aus diesen heraus muss nicht zwangsläufig wie im Fließbild dargestellt erfolgen. Es hat sich in besonderen Ausführungsformen als vorteilhaft erwiesen, den Austrag eines Kessels der Kaskade in den jeweils nachfolgenden Kessel der Kaskade von unten einzuführen.
Das Amin (12) wird kontinuierlich der Destillationskolonne (2) zur Entwässerung zugeführt.
Das als Katalysator benötigte Tetraalkoxititanat (der Tetraalkoxititanat-Gehalt in Bezug auf eingesetzten (Meth)acrylester A beträgt bevorzugt 0,2 Gew.-% - 4 Gew.-%) wird wie der/die Polymerisationsinhibitor/en ebenfalls bevorzugt kontinuierlich in den Reaktionsapparat (1 ) zudosiert.
Als Aminolysekatalysatoren können aber auch alle aus dem Stand der Technik bekannten Umesterungskatalysatoren eingesetzt werden. Als Katalysatoren kommen beispielsweise Zirkonacetylacetonat und weitere 1 ,3-Diketonate des Zirkons in Frage, ferner können Mischungen aus Alkalimetallcyanaten oder Alkalimetallthiocyanaten und Alkalimetallhalogeniden eingesetzt werden, ferner Zinnverbindungen, beispielsweise Dioctylzinnoxid, Erdalkalimetalloxide oder Erdalkalimetallhydroxide, wie beispielsweise CaO, Ca(OH)2, MgO, Mg(OH)2 oder Gemische aus den vorstehend genannten Verbindungen, ferner Alkalimetallhydroxide, Alkalimetallalkoxide und Lithiumchlorid und Lithiumhydroxid, es können auch Gemische aus den vorstehend genannten Verbindungen mit den vorstehend genannten Erdalkaliverbindungen und den Li-Salzen eingesetzt werden, Dialkylzinnoxide, wie beispielsweise Dioctylzinnoxid, Alkalimetallcarbonate, Alkalimetallcarbonate zusammen mit quartären Ammoniumsalzen, wie beispielsweise Tetrabutylammoniumhydroxid oder Hexadecyltrimethylammoniumbromid, ferner Mischkatalysatoren aus Diorganylzinnoxid und Organylzinnhalogenid, saure Ionenaustauscher, Phosphormolybdän-Heteropolysäuren, Titanal koholate, wie beispielsweise Isopropyltitanat, Chelatverbindungen der Metalle Titan, Zirkonium, Eisen oder Zink mit 1 ,3-Di-Carbonylverbindungen, Bleiverbindungen, wie beispielsweise Bleioxide, Bleihydroxide, Bleialkoxide, Bleicarbonate oder Bleisalze von Carbonsäuren. Besonders bevorzugt ist ein Katalysatorgemisch aus Dialkylzinnoxid und Alkyltitanat, beispielsweise Dioctylzinnoxid und Isopropyltitanat im Verhältnis ca. 2,5 : 1 (Gew.-%/Gew.-%).
Der Katalysator oder das Katalysatorgemisch wird in Mengen von 0,1 Gew.-% - 10 Gew.-%, bevorzugt 0,2 Gew.-% - 7 Gew.-%, jeweils bezogen auf das eingesetzte (Meth)acrylat, eingesetzt.
Als vorteilhaft hat sich eine Voraktivierung des Katalysators erwiesen (6). Dabei werden die Katalysatoren gemischt bzw. dispergiert, auf Temperaturen von 90 0C bis 120 0C erwärmt und für 2 bis 3 h gerührt, bis sich eine homogene, klare Lösung gebildet hat.
Geeignete Alkyl(meth)acrylate sind alle (Meth)acrylate mit einem linearen oder verzweigten Alkylrest mit 3 bis 10, bevorzugt 3 bis 6 und besonders bevorzugt 3 oder 4 Kohlenstoffatomen. Typische Beispiele hierfür sind Propyl(meth)acrylat, lsopropyl(meth)acrylat, n-Butyl(meth)acrylat, lsobutyl(meth)acrylat, 3- Methylbutyl(meth)acrylat, Amyl(meth)acrylat, Neopentyl(meth)acrylat, Hexyl(meth)acrylat, Cyclohexyl(meth)acrylat, Heptyl(meth)acrylat, n- Octyl(meth)acrylat, Ethylhexyl(meth)acrylat oder Decyl(meth)acrylat.
Als Amine können alle Verbindungen R2NH2 verwendet werden, deren Rest R2 aus 1 - 12, bevorzugt 2 - 8 oder besonders bevorzugt aus 2 - 4 Kohlenstoffatomen besteht. Beispiele für typische Strukturen und konkrete Verbindungen sind bereits zu Beginn dieser Anmeldung aufgeführt.
Es ist für den Fachmann des Gebiets weiterhin klar, das die Wahl der Ausgangsstoffe besonders vorteilhaft so erfolgt, dass mit dem Entfernen des Alkohols aus der Reaktionsmischung das Gleichgewicht auf die Seite der Produkte verschoben werden kann. Die Entfernung des Alkohols kann destillativ durch seinen im Vergleich zum verwendeten Amin niedrigeren Siedepunkt und/oder durch die Bildung eines Azeotrops erfolgen.
Als Polymerisationsinhibitoren kommen beispielsweise Hydrochinon, 4- Hydroxy-2,2,6,6-tetra-methylpiperidinooxyl oder auch Bis(2-
methoxycarbonylpropyl)sulfid oder Hydrochinonmonomethylether in Verbindung mit Sauerstoff in Frage.
Das eingesetzte Amin kann Wasser enthalten. Die Menge an Wasser im eingesetzten Amin liegt zwischen 50 und 500 ppm (0,05 - 0,005 Gew.-%). Das Amin wird vor dem Eintreten in den Reaktionsapparat bevorzugt über die Destillationskolonne (2) destillativ entwässert. Dabei wird das im Amin enthaltene Wasser über Kopf abgezogen. Zur Vermeidung einer Verunreinigung des Niedersieder-Austrags (13) mit dem eingesetzten Amin erfolgt die Aufgabe des Amins bevorzugt im unteren Teil der Destillationskolonne (2). Das eingesetzte Amin kann auch auf andere Art und Weise entwässert werden:
- durch eine vorgeschaltete Entwässerungs-Destillationskolonne oder
- durch Behandlung mit einem Entwässerungsmittel, wie beispielsweise ein Molekularsieb, oder
- durch ein Membrantrennverfahren, wie beispielsweise eine Pervaporation.
Die Entwässerung ist daher bedeutsam, da das im Amin enthaltene Wasser zur irreversiblen Schädigung des Katalysators (z.B. Tetraalkyltitanat) im Reaktor führen kann. Das im Amin enthaltene Wasser führt zur Bildung von Nebenprodukten und ist daher strikt zu vermeiden. Durch diesen Entwässerungsschritt vermeidet man die Hydrolyse des Katalysators und die damit entstehenden Kosten durch erhöhte Katalysatoreinsatzmengen und durch Probleme mit Feststoffniederschlägen. Außerdem wird die Reinheit des Produktes durch einen verringerten Anteil an Nebenprodukten erhöht.
Die Umsetzung erfolgt im Reaktionsapparat (1 ) bei einer Temperatur im Bereich zwischen 80 0C und 180 0C Je nach Stoffsystem und Betriebsdruck. Bevorzugt
ist der Temperaturbereich zwischen 110 0C und 160 0C. Zur Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit wird der bei der Reaktion frei werdende Alkohol über die Destillationskolonne (2) aus dem Reaktionsgemisch, gegebenenfalls auch als Azeotrop mit dem Alkohol abgezogen (13). Dies kann sowohl bei atmosphärischem Druck, bei Überdruck oder bei Unterdruck erfolgen. Die Reaktionsmischung, welche größtenteils aus dem Produkt- Alkyl(meth)acrylamid, nicht umgesetztem (Meth)acrylat und Amin sowie geringen Mengen Alkohol, dem Katalysator, den Polymerisationsinhibitoren und einem Anteil an Nebenprodukten besteht, wird nach ca. 0,5 - 3 Stunden Reaktorverweilzeit (bevorzugt ist eine Verweilzeit von 1 - 2 Stunden) einem kontinuierlich betriebenen Fallfilmverdampfer (5) zugeführt. Die Brüden des Fallfilmverdampfers (5) werden einer Niedrigsieder-Destillationskolonne (3) zugeführt. Dort erfolgt bei vermindertem Druck, bevorzugt im Bereich von ca. 1 mbar - 500 mbar, die Abtrennung der in Bezug auf das Produktamid niedrigsiedenden Komponenten, vorwiegend Produktalkohol und nicht umgesetztes Edukt-(Meth)acrylat und -Amin. Diese werden über den Kopf der Destillationskolonne (3) abgezogen und in den Reaktorbereich oder in die Destillationskolonne (2) zurückgeführt (14). Durch diesen Kreislaufstrom wird ein hoher Umsatz bezogen auf die Edukte und den gesamten Prozess erzielt.
Das im Ablauf des Fallfilmverdampfers (5) anfallende mit Katalysator, Polymerisationsinhibitor und hochsiedenden Nebenprodukten noch verunreinigte Roh-Amid (15) enthält vorzugsweise > 80 Gew.-% Produktamid und wird zur Aufarbeitung einer weiteren Vakuumdestillationsstufe, welche im bevorzugten Druckbereich zwischen 0,1 und 200 mbar arbeitet, zugeführt. Hier erfolgt die destillative Abtrennung des reinen Produktamids als Kopfprodukt.
Die im Prozeß gebildeten Nebenprodukte stellen in Bezug auf das Eduktamin und das Edukt-(Meth)acrylat hochsiedende Komponenten dar und gelangen somit als Verunreinigung in das Produktamid, wodurch die Produktqualität deutlich gesenkt wird. Dieses Problem kann dadurch gelöst werden, dass man zur Abtrennung des Produktamids vom Katalysator und den
Polymerisationsinhibitoren sowie den hochsiedenden Nebenprodukten einen Apparat mit schonender Filmverdampfung wie (5) einsetzt. Als geeignete Apparate sind hierfür Fallfilm-, Dünnschicht- und Kurzwegverdampfer bekannt.
An die Herstellung der Alkylamino(meth)acrylamide kann sich gegebenenfalls noch eine Reindestillationsanlage anschließen, die auch unter vermindertem Druck, beispielsweise bei 500 - 0,1 mbar, betrieben werden kann. Dies ist insbesondere dann erforderlich, wenn eine besonders gute Abtrennung der im Prozess gebildeten, hochsiedenden Nebenkomponenten erfolgen soll. Im erfindungsgemäßen Verfahren wird eine zweistufige Aufarbeitung eingesetzt, um einen niedrigen Vernetzergehalt zu erreichen. In der Vorlauf-Destillation wird das Rohprodukt (15) aufgeheizt und auf eine Kolonne im Kopf dosiert, um Leichtsieder (16) abzutrennen. Der entgaste Feedstrom wird auf eine zweite Kolonne (4) in der Mitte aufgetragen, um Niedersieder (17) abzutrennen. Das niedersiederfreie Zwischenprodukt wird in einer dritten Kolonne (5) aufgetragen und das Produkt (18) über Kopf destilliert, um die Hochsieder im anfallenden Sumpf (19) abzutrennen.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird durch nachfolgendes Beispiel näher erläutert, ohne darauf beschränkt zu sein.
Beispiel: Kontinuierliche Aminolyse zu Amino(meth)acrylamid
Zur kontinuierlichen Herstellung von N-Dimethylaminopropylmethacrylamid wurde dem 1. Reaktionskessel 200 kg/h präaktivierter Katalysator-Feed mit einem Anteil von 2,0 Gew.-% Isopropyl-Titanat 5,0 Gew.-% Dioctylzinnoxid der Destillationskolonne (2) und 144 kg/h N-Dimethylaminopropylamin (DMAPA) zudosiert. Die Präaktivierung wurde bei 1100C für 2h in einem Rührkessel durchgeführt. Weiterhin floss dem 1. Reaktionskessel über die Destillationskolonne (2) der Kreislaufrückstrom vom Kopf der Niedrigsieder-
Destillationskolonne kontinuierlich zu (400 kg/h mit der Zusammensetzung 70 Gew.-% Eduktmethacrylat sowie Methanol, DMAPA und Nebenprodukte. Das molare MMA: DMAPA-Verhältnis im Reaktorzulauf betrug 1 ,8 : 1. Weiterhin liefen die in der Destillationskolonne (2) vom Methanol befreiten Brüden der Rührkessel über den Kolonnensumpf dem 1. Reaktionskessel zu. Unter diesen Reaktionsbedingungen (Druck ca. 500 mbar) stellte sich eine Reaktionstemperatur von 138 0C im 1. Reaktionskessel ein. Die Reaktionstemperatur im 2. und 3. Reaktionskessel betrug 143 bzw. 155 0C. Der Destillat-Abzug der Destillationskolonne (2) betrug 110 kg/h. Der Ablauf des 1. Reaktionskessels lief in den 2. Reaktionskessel und der Ablauf des 2. Reaktionskessels lief in den 3. Reaktionskessel. Bei einer Verweilzeit von insgesamt ca. 150 min. wurden am Ablauf des 3. Reaktionskessels folgende Anteile der Komponenten bestimmt:
MMA 43 Gew.-%
DMAPA 4,86 Gew.-%
Aminoamid 35 Gew.-%
Die Brüden der einzelnen Reaktionskessel wurden kontinuierlich der Destillationskolonne (2) zugeführt.
Der Ablauf des 3. Reaktionskessels lief kontinuierlich dem Dünnschichtverdampfer einer Niedrigsieder-Kolonne zu, in der nicht umgesetztes DMAPA, MMA und Methanol als Destillat (400 kg/h) abgezogen und als Kreislaufrückstrom der Destillationskolonne (2) wieder zugeführt wurden. Der Sumpf-Auslauf des Dünnschichtverdampfers der Niedrigsiederkolonne betrug 240 kg/h und hatte die Zusammensetzung: ca. 90 Gew.-% Produktamid, 0,1 Gew.-% DMAPA, einen größeren Anteil hochsiedender Komponenten und Spuren der Reaktanten.
Das Rohprodukt wird anschließend in einer zweistufigen Destillation aufgearbeitet.
Vorlauf-Destillation:
Das hergestellte Rohprodukt (ca. 90 Gew.-% Produktamid) wird über eine Rohrleitung chargenweise in den Vorlagebehälter gefördert. Dort werden Stabilisatoren zugesetzt.
Mittels Pumpe gelangt das Produkt, durch einen Erhitzer aufgeheizt, auf den Kolonnenkopf. Die abgetrennten Leichtsieder (16) werden, soweit möglich kondensiert und einer thermischen Verwertung zugeführt. Nicht kondensierbare Anteile werden in der Gaswaschanlage in Schwefelsäure absorbiert.
Der entgaste Feedstrom wird in die Mitte der zweiten Kolonne aufgebracht und dort durch einen Verdampfer von Niedersiedern (17) befreit. Die anfallenden Niedersieder werden kondensiert und ebenfalls thermisch verwertet.
Hauptlauf-Destillation:
Das „niedersiederfreie Produkt" wird gesammelt und über einen Vorwärmer in die dritte Kolonne gegeben. Das Reinprodukt (18) wird über Kopf gezogen, im Dephlegmator fast vollständig kondensiert und in den Reinprodukttank überführt.
Nicht kondensierte Anteile werden im nach geschalteten Kondensator verflüssigt und thermisch verwertet.
Die Hochsieder werden im Sumpf des zweiten Verdampfers abgezogen und einer thermischen Verwertung zugeführt (19).
Das erfindungsgemäße Verfahren führt zu einem Produkt (N-3- Dimethylaminopropylmethacrylannid) mit einer Reinheit von > 98 %, im Beispiel 98,9 %, und einem Gehalt von unter 600 ppm, insbesondere 500 ppm, besonders bevorzugt unter 400 ppm, im Beispiel 240 ppm Vernetzer. Als Vernetzer wurde N-Allylmethacrylamid gefunden (Analytik per GC).
Polymerisationsversuch
Rezeptur: Lösungspolymerisat von N-3-Dimethylamino- propylmethacrylannid, 15 Gew.-%ig in n-Butylacetat Bedingungen: 0,30 Gew.-% 2,2'-Azobis-(lsobutyronithl), bez. auf
Monomer, 18 h bei 70 0C im Wasserbad Erfindungsgemäßes Produkt: enthält bereits 240 Gew.-ppm N-Allyl-methacrylamid
(Vernetzer); Vergleich 1 bis 4: durch Addition mit N-Allylmethacrylamid wird das erfindungsgemäße Produkt auf den entsprechenden
Vernetzergehalt eingestellt,
Durch die Vergleichsversuche sollte herausgefunden werden, welche Menge an Vernetzer N-Allylmethacrylamid im Monomer signifikante Auswirkungen in der Anwendung (Polymerisation) zeigt.
Der Vergleich mit dem in Handel erhältlichen Produkt zeigt deutlich, daß der Vernetzergehalt beim Produkt, erhältlich nach dem erfindungsgemäßen Verfahren, wesentlich geringer ausfällt.
Bereits bei 600 ppm Vernetzer wird bei der Polymerisation beginnende Gelbildung beobachtet, bei 1000 ppm geliert der Ansatz komplett.