DE952935C - Verfahren zur Herstellung eines kolloiden, breiartigen Moorschlammes - Google Patents

Verfahren zur Herstellung eines kolloiden, breiartigen Moorschlammes

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DE952935C
DE952935C DEB28507A DEB0028507A DE952935C DE 952935 C DE952935 C DE 952935C DE B28507 A DEB28507 A DE B28507A DE B0028507 A DEB0028507 A DE B0028507A DE 952935 C DE952935 C DE 952935C
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Dr Raimund Berger
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Description

  • Verfahren zur Herstellung eines kolloiden, breiartigen Moorschlammes Durch die im folgenden beschriebene Erfindung wird die Herstellung eines Schlammbades aus lichst wasserfreien, zur Herstellung von Moorbädern geeigneten Stoffen oder Konzentraten davon angestrebt, um die Abgabe von Schlammmoorbädern. von den Moorlagerstätten unabhängig zu machen.
  • Bisher wurden Moorbäder in der Weise hergestellt, daß möglichst geologisch alte, huminsäurereiche Moorerde und Wasser etwa im Verhältnis 1 : 1 angeteigt wird, wobei man für ein Bad von 200 bis 3001 etwa 100 bis I5okg Moorerde bei nötigte. Hieraus ergibt sich, daß Moorbäder aus Preisgründen nur in der Nähe des Fundortes verabreicht werden können.
  • Nach den allgemeinen Anschauungen (vgl. z. B.
  • W. Benade, »Moore, Schlamme, Erden«, Verlag Steinkopff, Dresden I938, S.53, Zeile 10 bis 29, S. 64, Zeile 25 bis 35, S.65, Zeile bis 9, S.66, Zeile 39, 40, S. 67, Zeile I bis I4) ist die Wirkung des Moorbades an zwei charakteristische Eigenschaften gebunden: Erstens an die physikalische Eigenschaft, charakterisiert durch sein kolloiden Verhalten, hohe Homogenität, geringe Wärmeleit- fähigkeit und als Funktion seiner kolloiden Eigenschaft der geringe Wärmeaustausch durch Flüssigkeitsbewegung; zweitens an die chemischen Eigenschaften, charakterisiert durch die adstringierende Wirkung, welche von der sauren Reaktion in erster Linie von H2 04, A12 (SO,), und in zweiter Linie von dem sauren Charakter der Humussäure kommt.
  • Die medizinischen Badeanstalten der Großstädte verwenden aus den eingangs beschriebenen Kostengründen fast ausschließlich Moorbäder, welche hergestellt sind erstens durch Zusatz von einigen Kilo Moorerde zu 200 bis 3001 Badewasser, zweitens durch Zusatz von 100 bis I50g flüssigen Moorextrakt zu 200 bis 300 1 Badewasser. (Moorextrakte sind meist alkalische Auszüge aus huminsäurereichem Moor.) Blei diesem Vorgang werden die Huminsäuren abgebaut und gehen mit dunkelbrauner Farbe in Lösung (s. Dr. S.W. Souci, »Die Chemie des Mooresa, Enke-Verlag Stuttgart, 1938, S. 27 und 28).
  • Diesen so beschriebenen »Moorbädern« fehlt im Gegensatz zu den natürlichen Moorschlammbädern neben anderen Eigenschaften vor allem der »schlammartige« Charakter, der der Hauptträger der geringen Wärmeleitfähigkeit ist, weit er die Flüssigkeitsbewegung verhindert.
  • Die im folgenden beschriebene Erfindung entstand erstens aus der Beobachtung, daß die weltbekannten Bademoore (z. B Aiblinger Moor und Dachauer Moor) einen Gehalt von 89 bis g24)/o Hydratationswasser besitzen (Dr. S. W. Souci, »Die Chemie des Moores«, Enke-Verlag Stuttgart, S. 87, 88), zweitens aus dem Bestreben, ein ähnlich beschaffenes Bademoor wie das natürliche Bademoor aus einem wasserfreien Konzentrat zu erhalten.
  • Die direkte Trocknung der wasserhaltigen Moorerden führt zu keinem brauchbaren Ergebnis, weil die geologisch alten Moore (die hauptsächlich als Bademoore verwendet werden) bei der Trocknung ein völlig verändertes, irreversibles und wasserunlösliches Produkt liefern. Geologisch jüngere Moorerden, die getrocknet unter dem Namen Streutorf bekannt sind, nehmen im trockenen Zustand schwammartig Wasser auf, behalten aber den Charakter nasser Sägespäne und bilden kein gelartiges Produkt wie natürliche Moorerde.
  • Erfindungsgemäß werden getrocknete Moorerden, insbesondere Streutorf, weitgehend in kolloiden homogenen Zustand übergeführt, wenn man sie in Gegenwart von Wasser mit Alkalihydroxyden, Alkalibicarbonaten oder Alkalicarbonaten behandelte bei gleichzeitig starker mechanischer Feinverteilung des Breies, welche durch intensives Rühren, Zerquetschen oder Verreiben erreicht werden kann. Diese Überführung in den Gelzustand geht bereits langsam in der Kälte vor sich. Die Geschwindigkeit kann erheblich durch Temperaturerhöhung gesteigert werden, wobei man in Druckkesseln bis zu I500 und mehr gehen kann, wenn es die Eigenschaften des verwendeten Streutorfes erforderlich erscheinen lassen. Dieser Vorgang ist völlig überraschend, weil Streutorf chemisch gesehen etwas vollkommen anderes darstellt als Bademoore vom Typ des Aiblinger Moores und man bisher nur den Humussäuren in geologisch alten Mooren die Eigenschaft zugesprochen hat, Kolloide zu bilden.
  • Daß diese Erfindung nichts zu tun hat mit der an sich bekannten Tatsache, daß Humussäuren durch Alkalien unter Abbau gelöst werden, zeigen folgende Reaktionen: I. Kleine Zusätze von Natriumbicarbonat zu Streutorf in wäßriger Suspension zeigen einen pn-Wert von 7 (also ausgesprochen neutral); trotzdem ging die Homogenisierung einwandfrei vonstatten; 2. Calciumhydroxyd mit Streutorf in wäßriger Suspension zeigte bei 200 einen pgWert von über lo (also stark alkalisch); trotzdem zeigte dieser Versuch nicht den geringsten Unterschied gegenüber einer Behandlung ohne Chemikalien, also ohne zusätzliche peptisierende Tendenz; 3. Kochsalz mit Streutorf in wäßriger Suspension zeigte einen pH-Wert von 6 (also praktisch neutral, jedoch auf der sauren Seite); auch hier ergab sich keine Veränderung in Richtung eines Gelzustandes.
  • Der Versuch 2 zeigt nämlich, daß die Alkalität nicht allein ausschlaggebend ist, was man bei der Auflösung von Huminsäuren stets erwartet.
  • Versuch 3 zeigt, daß im Überschuß vorhandenes Natriumiön allein ohne Alkalität auch keinen Effekt erzielt.
  • Würde inan trotzdem noch annehmen wollen, daß dieser Effekt auf der bekannten Tatsache beruhe, daß sich Huminsäuren in schwachen Alkalien lösen, so wäre immer noch der Übergang der ungelösten Substanz in kolloidem Zustand unerwartet, zumal die Menge alkalilöslicher Huminsäure in den Streutorfen so gering ist, daß sie kaum dazu ausreicht, die gesamte Masse tiefbraun zu färben.
  • Die erfindungsgemäß!e Umwandlung von wäßrigem, sägespäneartigem (Streu-)Torf in eine Gelform, welche dem natürlichen Bademoor sehr ähnlich ist, kann etwa folgendermaßen durchgeführt werden: 100 kg getrockneter Streutorf, 2000 kg Wasser, 10 kg kalzinierte Soda werden bei 600 C 8 Stunden intensiv durchgerührt. Dabei geht das Aussehen des hellbraunen Streutorfes in eine tiefbraune Masse über, die äußerlich dem Aussehen tiefbrauner, geologisch alter huminsäurereicher Moore völlig gleichkommt.
  • Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, daß die Menge der färbenden Substanz eine unverhältnismäßig geringere ist als bei den üblichen (geologisch alten) Bademooren. Die Menge der färbenden Substanz ist so gering, daß es hier nicht zu einer festhaftenden Anfärbung der Haut kommt, auch die bei den Bademooren lästige Verschmutzung unter den Finger- und Zchennägeln sowie in den Hautfalten bleibt ohne Bedeutung.
  • Die physikalischen Eigenschaften des Streutorfes - ursprünglich sägespänartig, faserig, völlig unkolloid und nach kurzem Stehen absetzend -gehen über in ein weiches schmiegsames Gel von besserer Homogenität, als man dies von Bademooren her gewöhnt ist. In dem Brei sind mitunter noch geringe Mengen unaufgeschlossener holzfaserähnlicher Substanz vorhanden, die aber für sich allein kaum mehr erfaßbar und auspreßbar sind.
  • Während ursprünglich der im Wasser sich absetzende Streutorf etwa 5 Gewichtsteile Wasser aufnimmt, läßt sich durch das beschriebene Verfahren der Wassergehalt auf 20 bis 25 Gewichtsteile anreichern, wobei das Wasser so fest gebunden wird, daß es auch nach wochenlangem Stehen nicht absetzt.
  • Das Verfahren läßt sich noch in der Weise verbessern, daß man dem fertigen Gel Schwefelsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Natriumbisulfat, Aluminium- oder Eisensulfat in abgemessener Menge zusetzt, um ihm den PH Wert, die chemische Zusammensetzung und die chemische Wirkung von medizinisch bewährtem Naturmoor zu geben; es können z. B. 200 kg erfindungsgemäß hergestelltem Moorgel 3 kg Eisensulfat zugesetzt werden.
  • Es ist sogar möglich, an Stelle von oder gemischt mit den genannten Chemikalien hochwertiges irreversibles humussäurereiches Naturmoor zuzusetzen, welches schon in geringen Mengen einen Neutralisationseffekt hervorruft. In allen diesen Fällen wird der Kolloidcharakter des Kunstmoores nicht merklich gestört.
  • Beispiel 200 kg erfindungsgemäß hergestelltem Moorgel werden 50 kg Aiblinger Naturmoor (ungetrocknet), oder 200 kg erfindungsgemäß hergestelltem Moorgel werden 2 kg Aluminiumsulfat und 4 kg Aiblinger Naturmoor (ungetrocknet) zugesetzt.

Claims (3)

  1. PATENTANSPRÜCHE: I. Verfahren zur Herstellung eines kolloiden, brei artigen Moorschlammes, dadurch gekennzeichnet, daß eine Aufschlämmung von Streutorf in Wasser mit geringen Mengen von Natriumhydroxyd, Natriumcarbonat oder Natriumbicarbonat oder den entsprechenden Kaliumverbindungen versetzt wird, daß diese Mischung mechanisch, z. B. durch Rühren,-durchgearbeitet und daß gegebenenfalls die Temperatur des Moorschlammes erhöht wird, und zwar gegebenenfalls im Autoklav unter Druck.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch I, dadurch gekennzeichnet, daß der fertige Moorschlamm durch Zusatz saurer Stoffe, z. B. Schwefelsäure, Natriumbisulfat, Aluminiumsulfat, Eisensulfat, Ameisensäure oder Essigsäure, auf de-n p-Wert und die chemische Zusammensetzung der Naturinoore eingestellt wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch I, dadurch gekennzeichnet, daß dem fertigen Moorschl>-nl irreversibles, d. h. Naturmoor, welches sich nach dem Trocknen nicht wieder in den Zustand des ursprünglichen Moorschlammes zurückführen läßt, ungetrocknetes Naturmoor, und zwar humussäurereiches Moor für sich allein oder im Gemisch mit sauren Stoffen, wie Schwefelsäure, Natriumbisulfat, Aluminiumsulfat, Ameisensäure oder Essigsäure, zugesetzt wird.
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