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Verfahren zur Abtrennung von wasserunlöslichen aliphatischen Dicarbonsauren
aus ihren Gemischen mit anderen wasserunlöslichen Stoffen Die Erfindung bezieht
sich auf ein Verfahren zur Abtrennung von wasserunlöslichen Dicarbonsäuren aus ihren
Gemischen mit anderen wasserunlöslichen Bestandteilen, wobei diese wasserunlöslichen
Bestandteile in besonderen Fällen auch andere Dicarbonsäuren sein können. Die erfindungsgemäß
abzutrennenden Dicarbonsäuren besitzen die allgemeine Zusammensetzung: Rx (C O O
H)2, wobei R einen organischen Rest vorzugsweise einen Kohlenwasserstoffrest, mit
x Kohlenstoffatomen und x eine ganze Zahl von 4 bis 35 bedeutet.
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Es wurde gefunden, daß man Dicarbonsäuren aus derartigen Gemischen
abtrennen kann, wenn man die Dicarbonsäuren mit heißen wäßrigen Lösungen von polycarbonsauren
Salzen, in denen die Carboxylgruppen der Polycarbonsäuren weitgehend, vorzugsweise
vollständig, neutralisiert sind, extrahiert und die Dicarbonsäuren aus der Lösung
abscheidet. Das Abscheiden kann mit besonderem Vorteil durch Abkühlen der Lösung
vorgenommen werden; dabei kristallisieren die freien Dicarbonsäuren aus.
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Bei den als Ausgangsmaterial dienenden Gemischen handelt es sich
um Gemische aus Dicarbon-
säuren mit Monocarbonsäuren oder anderen,
insbesondere nicht verseifbaren wasserunlöslichen Stoffen, wie z. B. Kohlenwasserstoffen,
Alkoholen, Aldehyden, Ketonen, aber auch mit Estern. Diese Gemische können in beliebiger
Weise erhalten sein, z. B. aus ungesättigten Fettsäuren bzw. deren funktionellen
Derivaten, die nach beliebigen Verfahren oxydativ zu Gemischen aus Mono- und Dicarbonsäuren
gespalten wurden. Die Spaltung kann dabei in einer Operation erfolgt sein, z. B.
durch Behandeln von ungesättigten Fettsäuren mit Salpetersäure, Chromsäure oder
Ozon. Man kann aber auch über Zwischenprodukte gehen, z. B. über die Epoxy-, Dioxy-
oder Halogenoxyderivate ungesättigter Fettsäuren, die man dann in bekannter Weise,
z. B. durch Alkalischmelze, in die entsprechenden Gemische von Mono- und Dicarbonsäuren
spaltet. Die zu verarbeitenden Gemische können aber auch nach anderen Verfahren
gewonnen sein, beispielsweise durch Oxydation von Kohlenwasserstoffen. Gemische
aus Mono- und Dicarbonsäuren sind auch durch katalytische Anlagerung von Kohlenoxyd
und Wasserstoff an Polyolefine sowie an ungesättigte Alkohole, Aldehyde oder Carbonsäuren
zugänglich. Die bei dieser Anlagerung gebildeten Aldehyde oder ihre Reduktionsprodukte
werden oxydiert und liefern so die genannten Gemische. Derartige Gemische können
außer Monocarbonsäuren oder an Stelle sron Monocarbonsäuren auch andere Stoffe,
wie z. B. Alkohole, Aldehyde, Ketone und Kohlen tsserstoffe, enthalten.
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Dies ist nur eine Aufzählung beliebiger Beispiele für den Ursprung
von Ausgangsmaterialien, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren verarbeitet werden
können; darüber hinaus sind aber auch alle anderen Gemische brauchbar, die aliphatische
Dicarbonsäuren enthalten.
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Das erfindungsgemäße Verfahren wird der Einfachheit halber zunächst
für das Arbeiten mit Lösungen von dicarbonsauren Salzen als Extraktionsmittel beschrieben.
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Die neue. technische Lehre stützt sich auf die Kenntnis, daß wäßrige
Lösungen der Disalze von Dicarbonsäuren in der Hitze freie Dicarbonsäuren aus ihren
Gemischen unter Bildung von Lösungen der Monosalze von Dicarbonsäuren herauslösen.
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Als Extraktionsmittel sind auch wäßrige Lösungen der Disalze von aromatischen
Dicarbonsäuren brauchbar. Gleichzeitig vorhandene wasserunlösliche Monocarbonsäuren
werden dabei praktisch nicht gelöst. Kühlt man die heißen Lösungen ab, so scheiden
sich nicht Salze, sondern freie Dicarbonsäuren aus, wobei in der- Mutterlauge Disalze
von Dicarbonsäuren zurückgebildet werden. Scheiden sich die gelösten freien Dicarbonsäuren
nicht vollständig ab, dann enthält die Mutterlauge teilweise neutralisierte Dicarbonsäuren.
Trotzdem kann die Mutterlauge als Extraktionsmittel in das Verfahren zurückgeführt
werden.
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Wasserlösliche Salze von Dicarbonsäuren sind die Salze einsäuriger
Basen, wie z. B. der Alkalien, insbesondere des Natriums oder Kaliums, die Salze
des Ammoniums und die Salze von Aminen. Als solche kommen bevorzugt Amine und Alkylolamine
in Frage, die organische Reste mit höchstens 3 Kohlenstoffatomen enthalten. Derartige
Verbindungen sind beispielsweise Mono-. Di- oder Trimethylamin, Mono-, Di- oder
Triäthylamin, Mono-, Di- oder Triäthanolamin, Propanolamine und außerdem quaternäre
Ammoniumbasen, wie z. B.
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Tetramethylammoniumhydroxyd oder Tetraäfflylolammoniumhydroxyd. Es
können auch Gemische aus Salzen verschiedener Basen angewandt werden.
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Die Extraktion der Dicarbonsäuren wird in an sich bekannter Weise
durchgeführt, indem man das zu extrahierende Gemisch mit dem Extraktionsmittel bei
erhöhter Temperatur in innige Berührung bringt und die beiden hierbei erhaltenen
Phasen voneinander trennt. In einfacher Weise läßt sich dies durch Mischen der wäßrigen
Lösung der Disalze von Dicarbonsäuren mit dem zu extrahierenden Gemisch, Absitzenlassen
des Extrakts und Trennen der Phasen durchführen. Die Schichtentrennung kann durch
Zentrifugieren des Gemisches oder andere geeignete Maßnahmen unterstützt werden.
Bei einer kontinuierlichen Durchführung des Verfahrens arbeitet man zweckmäßigerweise
unter Verwendung von Extraktionsapparaturen, beispielsweise von Kolonnen, Zentrifugen
u. dgl.
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Nach allen diesen Verfahren erhält man zunächst eine heiße Lösung
von Monosalzen der Dicarbonsäuren und einen von Dicarbonsäuren freien oder an Dicarbonsäuren
ärmeren Extraktionsrückstand.
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Die bei der Extraktion bevorzugt anzuwendenden Temperaturen liegen
im Bereich von 50 bis 1000.
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Sie können aber nach Bedarf auch über I00° hinaus, z. B. bis auf 2500
gesteigert werden. In allen Fällen ist im Extraktionsgefäß ein Druck aufrechtzuerhalten,
der ein Sieden des Gefäßinhaltes verhindert. Die zu wählenden Temperaturen richten
sich nach der Löslichkeit der dicarbonsauren Salze, insbesondere der dicarbonsauren
Monosalze, die wiederum von der Kettenlänge der zu verarbeitenden Säuren abhängig
ist.
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Das Abtrennen der freien Dicarbonsäuren aus dem Gemisch kann durch
Ausfällen mit Säure erfolgen. Zweckmäßiger ist es, den heißen Extrakt abzukühlen.
Dabei scheiden sich, sofern man weit genug abkühlt, so viel Dicarbonsäuren aus der
Lösung aus, bis die noch in der Lösung vorhandenen Dicarbonsäuren praktisch vollständig
als Disalze vorliegen. Hierbei ist das Temperaturintervall, um das abgekühlt wird,
von der Löslichkeit der verschiedenen, in der Lösung befindlichen Salze und von
der Konzentration der angewandten Disalzlösung abhängig. In dem Maße, wie beim Abkühlen
der Lösung die Konzentration an Monosalzen durch Ausscheiden von freien Dicarbonsäuren
sinkt, steigt auch die Konzentration des Disalzes an. Je nach der angewandten Dicarbonsäure,
der Konzentration der Disalzlösung und den Temperaturbedingungen kann nun der Fall
eintreten, daß die Löslichkeitsgrenze der Disalze unterschritten wird und daß außer
freien Dicarbonsäuren auch Disalze von Dicarbonsäuren abgeschie-
den
werden. Diese Salze lassen sich zwar aus der verunreinigten Dicarbonsäure durch
Auswaschen mit Wasser entfernen, jedoch ist es vorteilhaft, die Abscheidung von
Disalzen aus der Lösung durch Wahl entsprechender Arbeitsbedingungen von vornherein
zu verhindern. Hierzu gehört das Arbeiten in einem entsprechend geringeren Konzentrationsbereich,
die Verwendung leichter wasserlöslicher Dicarbonsäuren als Extraktionsmittel und
bzw. oder das Arbeiten mit Disalzlösungen, die verschiedene Kationen enthalten.
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Verwendet man als Extraktionsmittel Lösungen der Salze von Polycarbonsäuren,
die drei und mehr Carboxylgruppen im Molekül enthalten, sind die für das Arbeiten
mit Salzen von Dicarbonsäuren gültigen Angaben sinngemäß åuf Polycarbonsäuren mit
drei und mehr Carboxylgruppen im Molekül zu übertragen. Es ist daher in keinem Fall
erforderlich, als Extraktionsmittel die Salze der gleichen Dicarbonsäuren zu verwenden,
die man aus ihren Gemischen extrahieren will. Die in Form ihrer Salzlösungen als
Extraktionsmittel verwandten Polycarbonsäuren können eine andere Molekulargröße
und auch eine andere Zahl von Carboxylgruppen im Molekül besitzen. Ein Abweichen
von den für Salze von Dicarbonsäuren gemachten Angaben ist insofern möglich, als
man nicht immer vollständig neutralisierte Salze der Polycarbonsäuren zu verwenden
braucht; es genügt, wenn man die Polycarbonsäuren so weit neutralisiert, daß eine
ausreichende Wasserlöslichkeit erzielt wird.
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Dies ist meist der Fall, wenn wenigstens zwei der im Molekül vorhandenen
Carboxylgruppen neutralisiert sind. Auch hier stellt sich der Gehalt an nicht vollständig
neutralisierten Polycarbonsäuren meist beim Ausscheiden der gelösten Polycarbonsäuren
nach den gewählten Konzentrations- und Temperaturbedingungen zwangläufig ein.
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In einem vorliegenden Fall kann man sich leicht durch Aufnahme der
beschriebenen Löslichkeitsdiagramme die erforderliche Kenntnis über die Löslichkeitsverhältnisse
verschaffen.
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Die als Extraktionsmittel dienenden Lösungen der Salze von Polycarbonsäuren
reagieren etwa neutral bis schwach sauer. Mit steigendem Gehalt der in diesen Extraktionsmitteln
gelösten Dicarbonsäuren reagieren die Lösungen saurer; beim Ausscheiden der gelösten
Säuren durch Abkühlen nähert sich der p-Wert wieder dem ursprünglichen Wert. Die
pn-Werte derartiger Lösungen liegen im Bereich von 7,5 bis 4-; überschüssige freie
Basen sollen nicht vorhanden sein.
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Bei der Verarbeitung von Dicarbonsäuregemischen hat es sich gezeigt,
daß sich Dicarbonsäuren mit der kürzesten Kettenlänge bzw. mit der höchsten Acidität
in der als Extraktionsmittel verwandten wäßrigen Lösung anreichern. Dies ist zu
beachten, wenn man Extraktionsmiftellösungen von Salzen solcher Polycarbonsäuren
verwendet, die eine geringere Acidität besitzen als die zu extrahierenden Dicarbonsäuren.
In diesem Fall würden sich die zu extrahierenden Dicarbonsäuren in der Extraktionsmittellösung
anreichern und die zunächst als Extraktionsmittel verwendeten Polycarbonsäuren aus
der Lösung verdrängen.
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Die Löslichkeit von Carbonsäuren vergleichbarer Molekülstruktur hängt
von der Molekulargröße und von der Zahl der im Molekül vorhandenen Carboxylgruppen
ab. Es ist daher möglich, daß eine niedermolekulare Monocarbonsäure in Wasser besser
löslich ist als eine Dicarbonsäure. Auf derartige Gemische ist das erfindungsgemäße
Verfahren selbstverständlich nicht anwendbar.
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Das Verfahren kann auch dazu benutzt werden, Dicarbonsäuren fraktioniert
zu extrahieren oder abzuscheiden. Die fraktionierte Extraktion der Dicarbonsäuren
aus den erfindungsgemäß zu verarbeitenden Gemischen kann durch mehrfache Extraktion
der Gemische mit frischem Extraktionsmittel oder durch Änderung der Temperatur wähfend
der Extraktion oder andere Maßnahmen erreicht .werden. Die fraktionierte Abscheidung
wird z. B. durch langsames Abkühlenlassen der Lösung von Dicarbonsäuren in dem Extraktionsmittel
und Abtrennen der jeweils abgeschiedenen Dicarbonsäuren erreicht. Nach diesen oder
ähnlichen Verfahren ist es auch möglich, Dicarbonsäuregemische zu trennen, die außer
Dicarbonsäuren keine weiteren Gemischbestandteile enthalten.
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Es ist zwar bekannt, Dicarbonsäuren aus ihren Gemischen mit Monocarbonsäuren
mit Hilfe von Lauge auszuwaschen. Dabei ist es aber nicht zu verhindern, daß sich
auch Monocarbonsäuren lösen, die nach dem Ausfällen der gelösten Säuren durch Behandeln
mit Petroläther oder anderen Lösungsmitteln entfernt werden müssen. Bei der erfindungsgemäßen
Verwendung wäßriger Lösungen der Disalze von Dicarbonsäuren ist es nicht erforderlich,
die Menge des Disalzes genau auf die Menge der vorhandenen Dicarbonsäure abzustimmen;
man kann sogar Überschüsse an Disalzlösung verwenden, ohne daß Monocarbonsäuren
neutralisiert und mitgelöst werden, was vor allen Dingen für das Arbeiten mit Gegenstromextraktoren
wertvoll ist.
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Der anzuwendende Überschuß richtet sich nach dem gewünschten Extraktionsgrad
und nach der Wirksamkeit der zur Extraktion verwandten Extraktionsapparatur. Es
ist ohne weiteres möglich, einen Uberschuß anzuwenden, der beispielsweise bis zum
25fachen des theoretisch Notwendigen geht.
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Meist wird man aber im Bereich des I- bis Iofachen des theoretisch
Notwendigen arbeiten.
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Will man fraktioniert extrahieren, so kann man bis auf das o,2fache
des theoretisch Notwendigen herabgehen. Unter der theoretisch notwendigen Menge
wird I Mol vollständig neutralisierter Dicarbonsäure je Mol freier Dicarbonsäure
verstanden. Werden Salze von Polycarbonsäuren mit drei oder mehr Carboxylgruppen
im Molekül als Extraktionsmittel benutzt, so können in dem als theoretisch notwendig
bezeichneten Mengenverhältnis Verschiebungen eintreten, die sich nach der Löslichkeit
partieller Neutralisationsstufen. der Polycarbonsäuren richten. Im allgemeinen arbeitet
man in diesen Fällen aber so, daß im heißen Extrakt 80 bis 400/0 der insgesamt vorhandenen
Carboxyl-
gruppen in neutralisiertem Zustand vorliegen.
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Arbeitet man aber bei Temperaturen oberhalb I00°, so können auch
größere Mengen freier Carboxylgruppen vorhanden sein.
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Beispiel 1 Dieses Beispiel dient zur Demonstration der Löslichkeitsverhältnisse
beim Auskristallisieren von Dicarbonsäuren aus den Lösungen ihrer Monosalze. Zu
diesem Zweck wurden I00° heiße Lösungen der Mononatriumsalze von Sebacinsäure, Dekandicarbonsäure
und Brassylsäure verschiedener Konzentration hergestellt und langsam auf Zimmertemperatur
abkühlen gelassen. Die ausgeschiedenen Kristalle wurden scharf abgesaugt und ohne
weiteres Nachwaschen getrocknet. Das Nachwaschen des Filterrückstandes unterblieb,
um nicht gegebenenfalls mitausgeschiedene Salze ~ zu entfernen und so eine größere
Reinheit des Filterrückstandes vorzutäuschen. Aus dem analytisch bestimmten Natriumgehalt
der getrockneten Säure wurde der Gehalt an dicarbonsaurem Dinatriumsalz, die Reinheit
der erhaltenen freien Säure und der Alkaliverlust der Disalzlösung errechnet. Die
für die untersuchten Systeme festgestellten Werte sind in den Fig. I bis 3 (Kurvenblättern)
in Abhängigkeit von der Konzentration der angewandten Monosalzlösung, angegeben
in Prozent Dicarbonsäure, aufgetragen. Bei allen untersuchten Säuren zeigt sich,
daß die Menge der ausgeschiedenen Kristalle über einen mehr oder weniger großen
Konzentrationsbereich nahezu konstant bleibt. In diesem Bereich ist auch die ausgeschiedene
Dicarbonsäure sehr rein, wobei zu bedenken ist, daß die Dicarbonsäure noch mit den
in der Mutterlauge befindlichen Salzen behaftet ist. Die- Reinheit kann wesentlich
verbessert werdenj wenn man den Kristallkuchen auf dem Filter nachwäscht, eine bei
praktischer Durchführung des Verfahrens selbstverständliche Maßnahme. An dem Punkt,
da die Menge der ausgeschiedenen Dicarbonsäure msit steigender Konzentration der
Lösung anzusteigen beginnt, sinkt die Reinheit der ausgeschiedenen Kristalle und
steigt der Alkaliverlust an. Durch diese einfache Prüfung ist es ohne weiteres möglich,
die für ein gegebenes Dicarbonsäuregemisch günstigsten Arbeitsbedingungen festzustellen.
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Beispiel 2 Es wurden solche Mengen Brassylsäure und Trinatriumzitrat
in heißem Wasser gelöst, daß stöchiometrisch Mononatriumbrassylaf und Dinatriumzitrat
vorlagen. Die Lösung wurde bis auf Zimmertemperatur abgekühlt und die ausgeschiedene
Brassylsäure, wie im Beispiel 1 beschrieben, abgetrennt und auf ihren Reinheitsgrad
untersucht.
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In der Fig. 4 (Kurvenzeichnung) ist der Reinheitsgrad in Abhängigkeit
von der Brassylsäurekonzentration der heißen Lösung aufgetragen Bei den geringen
Brassylsäurekonzentrationen erklären sich die etwa 4,5 O/o Verunreinigungen durch
anhaftende Mutterlauge, die absichtlich nicht ausgewaschen wurde.
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Beispiel 3 Die im Beispiel 2 beschriebenen Versuche wurden mit Brassylsäure
und dem Disalz aus Brassylsäure und Dimethylammoniumhydroxyd wiederholt. Die freie
Säure und das Salz wurden in solcher Menge in heißem Wasser gelöst, daß in der Lösung
stöchiometrisch das Monosalz aus Brassylsäure und Dimethylammoniumhydroxyd vorlag.
Fig. 5 (Kurvenzeichnung) zeigt die Abhängigkeit der Reinheit der ausgeschiedenen
Brassylsäure von der Brassylsäurekonzentration in der heißen Lösung. Auch hier zeigt
sich, daß die Brassylsäure bei niedrigen Konzentrationen, bis zu etwa 70/0 in der
heißen Lösung, in einer hohen Reinheit von etwa 970/0 ausgeschieden wird. Steigt
die Konzentration der Brassylsäure in der heißen Lösung an, so fällt die Reinheit
auf etwa 85°/o ab, um über einen langen Konzentrationsbereich konstant zu bleiben.
Bei einer technischen Arbeitsweise könnte man beispielsweise die Brassylsäure bei
hoher Konzentration extrahieren und dann durch Behandeln mit heißem Wasser oder
auf andere Weise reinigen.
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Beispiel 4 Dieses Beispiel zeigt die Brauchbarkeit der Lösungen von
Salzen verschiedener Dicarbonsäuren als Extraktionsmittel. Es wurden heiße wäßrige
Lösungen von freier Sebacinsäure und von Dinatriumsalzen der in der Tabelle angegebenen
Dicarbonsäuren hergestellt, wobei die Sebacinsäure und die Dinatriumsalze der Dicarbonsäuren
in äquivalenter Menge angewandt wurden.
| Konzentration Reinheit |
| der der freien PH der heißen der |
| Dinatriumsalze Sebacinsäure Lösungen der Sebacin- |
| in in Gewichts- Monosalze säure |
| prozent (in °i'O) |
| Oxalsäure.... 3,8 4,6 bis 4,9 97 |
| Bernsteinsäure 4,3 4,6 bis 4,9 97 |
| Adipinsäure . . 4,5 4,9 97 |
| Phthalsäure . . 5,5 nicht gemessen 99 |
| Sebacinsäure . 4,5 5,5 95 |
Beispiel 5 Als Ausgangsmaterial dienten 5500 g eines Dicarbonsäure - Fettsäure --Gemisches,
das durch Ghromsäureoxydation ungesättigter Fettsäuren hergestellt worden war und
aus dem-kürzerkettige Monocarbonsäuren bis zu einer Siedetemperatur von I300/2 mm
Hg abgetrennt worden waren. Der Dicarbonsäuregehalt betrug etwa 80°/o; die vorhandenen
Dicarbonsäuren bestanden im wesentlichen aus Brassylsäure.
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Zur Herstellung der wäßrigen Lösungen der Dialkalisalze wurden I000
g des Ausgangscarbonsäuregemisches bei 950 mit einer Lösung von I60 g Natriumhydroxyd
in 301 Wasser verrührt. Diese Maßnahme wurde sofort mit der ersten Extraktion
verburden,
indem die Dispersion noch I5 Minuten lang weitergerührt wurde. Nach Abstellen des
Rührers und Trennen der Schichten durch Absitzenlassen wurde die wäßrige Phase von
der öligen getrennt. Beim Abkühlen auf Zimmertemperatur kristallisierten freie Dicarbonsäuren
aus. Diese wurden abgenutscht, auf- der Nutsche einmal mit Wasser aufgeschlämmt
und wiederum abgesaugt. Das Filtrat des Waschwassers wurde von der Mutterlauge getrennt
aufgefangen.
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Die so erhaltene Lösung von dinatriumcarbonsauren Salzen diente als
Extraktionsmittel für die weiteren Extraktionen. Es wurden zunächst 2000 g des Ausgangscarbonsäuregemisches
in Portionen zu 500 g in der Weise -extrahiert, daß je 500 g mit der gesamten Menge
an Mutterlauge zusammengebracht und wie oben beschrieben verarbeitet wurden. Die
Extraktionsrückstände der bisherigen Extraktionen wurden vereinigt und wiederum
in Portionen zu etwa 500 g unter Verwendung der angefallenen Mutterlauge extrahiert.
Dann wurden weitere 2500 g des Ausgangsfettsäuregemisches in Portionen von je 500
g in der beschriebenen Weise verarbeitet. Auch die Restöle der zweiten Extraktionsserie
wurden vereinigt und in Portionen von etwa 500 g in beschriebener Weise extrahiert.
Die in den zahlreichen Extraktionen ausgeschiedenen Dicarbonsäuren wurden vereinigt
und hatten nach dem Trocknen einen Reinheitsgrad von 97 bis 98 O/o.
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Durch nochmaliges Auswaschen mit Wasser konnten hieraus praktisch
reine Dicarbonsäuren hergestellt werden.
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Aus 5500 g Dicarbonsäure-Fettsäure-Gemisch wurden 3850 g Brassylsäure
und 850 g Fettsäure erhalten. In der verbliebenen Mutterlauge, die für weitere Extraktionen
Verwendung finden kann, waren 680 g Dicarbonsäure in Form des SE)inatriumsalzes
enthalten. Der Verlust ist zum größten Teil auf wiederholt entnommene Proben zurückzuführen.
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Beispiel 6 30 1 einer technischen Ölsäure, die 7 Gewichtsprozent
Dicarbonsäuren, vorzugsweise Sebacinsäure enthielt, wurde bei go0 mit 30 1 einer
7,50/oigen Dinatriumadipatlösung kräftig verrührt.
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Aus dem Rührgefäß lief das Gemisch heiß in eine Vollmantelzentrifuge
(Tellerseparator). In dieser wurde das Gemisch in eine ölige Phase und eine wäßrige
Phase getrennt, die neben einem Überschuß von Dinatriumadipat das Mononatriumsalz
der Dicarbonsäuren enthielt. Nach langsamem Abkühlen der Lösung auf Zimmertemperatur
wurde die dabei ausgeschiedene Sebacinsäure abfiltriert, wobei I560 g Dicarbonsäuren
mit einer Reinheit von 98% erhalten wurden. Die beim Abtrennen der ausgeschiedenen
Dicarbonsäuren angefallene Mutterlauge wurde erneut zur Extraktion der in der Ölsäure
noch zurückgebliebenen Dicarbonsäuren verwandt. Nach Ausscheiden der Dicarbonsäuren
wurde die Mutterlauge noch dreimal in der beschriebenen Weise verarbeitet, und es
gelang, go0/a der in der säure enthaltenen Dicarbonsäuren zu gewinnen.
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Beispiel 7 40 1 eines technischen Oleins, das 7 Gewichtsprozent Dicarbonsäuren,
hauptsächlich Sebacinsäure, gelöst enthielt, wurden bei go0 mit einer bei 200 gesättigten
wäßrigen Natriumoxalatlösung im Gegenstrom extrahiert. Hierzu wurde eine Podbielniakextraktionszentrifuge
benutzt. Das Extraktionsmittel wurde in der 4- bis 5fachen Gewichtsmenge des zu
extrahierenden Oleins angewandt. Der aus der Zentrifuge austretende wäßrige Extrakt
wurde abgekühlt und die ausgeschiedenen Dicarbonsäuren in beschriebener Weise gewonnen.
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Dabei fielen 2 7IO g Dicarbonsäuren an, die nach einmaliger Wäsche
mit I 1 Wasser einen Reinheitsgrad von über 98 0/o hatten. Die extrahierten Fettsäuren
waren praktisch frei von Dicarbonsäuren.
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Beispiel 8 Die im vorigen Beispiel beschriebene Lösung von Dicarbonsäuren
in Olein wurde in einer Podbielniakzentrifuge mit der 3fachen Menge einer 9,20/oigen
wäßrigen Lösung von Dinatriumsebacat bei 80 bis go0 extrahiert. Bei einem einmaligen
Durchgang wurden etwa 80°/o der in der Ölsäure gelösten Sebacinsäure gewonnen.