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Verfahren zum Glühen von Drähten und Seilen für Kabel und isolierte
Leitungen, vorzugsweise aus Aluminium Drähte und Seile für Kabel oder isolierte
Leitungen müssen genügend weich sein, vor allem damit das fertige Kabel ausreichend
flexibel ist.
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Es ist daher üblich, die Drähte für Kabel und Leitungen vor dem Verseilen
und Isolieren zu glühen. Eine Ausnahme bilden nur Drähte und Seile für besonders
zugfeste Kabel und Freileitungen. Es ist ferner bekannt, Litzen aus einer Anzahl
dünner, harter Drähte zu verseilen bzw. zusammenzuwürgen und dann zu glühen.
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Das Glühen der Drähte vor der Weiterverarbeitung im Kabel- oder Leitungswerk
hat den Nachteil, daß die Drähte in den Isolier- und Verseilmaschinen bei der unvermeidlichen
Zugbeanspruchung mehr oder weniger gedehnt werden. Die damit verbundene Durchmesserverringerung
ist besonders bei hochwertigen Fernsprechkabeln bedenklich, weil die Durchmesserverringerung
nicht gleichmäßig ist und die zu einer Gruppe gehörenden Adern eine unterschiedliche
Durchmesserverringerung und damit Widerstandsdifferenzen erhalten können.
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Widerstandsdifferenzen entstehen beispielsweise bei Aluminiumdrähten
auch durch ungleichmäßiges
Glühen, -d. h. etwa dadurch, daß die
Temperatur im Glühofen an verschiedenen Stellen nicht gleich ist. Dieser nur schwer
vermeidbare Fehler führt auch zu Unterschieden in der Weichheit der Drähte, die
sich bei der Verseilung zu Fernsprechadergruppen ebenfalls schädlich auswirkt.
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Erfindungsgemäß werden die beschriebenen Schwierigkeiten dadurch vermieden,
daß die Leiter elektrischer Kabel oder isolierter Leitungen mit einer gegen hohe
Temperaturen empfindlichen Isolation erst geglüht 'werden, nachdem sie isoliert
und gegebenenfalls zum teilweise oder ganz fertigen Kabel verarbeitet sind.
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Die Erfindung beruht auf der Erkenntnis, daß es möglich ist, die für
Kabel und Leitungen üblichen Metalle, vorzugsweise Aluminiumdrähte, im isolierten
Zustand auszuglühen, ohne daß die Isolation nennenswerten Schaden leidet.
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Zur Durchführung des Erfindungsgedankens wird ferner die in der Kabeltechnik
wenig beachtete Erscheinung herangezogen, daß die Temperatur des Entfestigungsbeginns
um so niedriger liegt, je höher der Reckgrad des zu entfestigenden Drahtes ist.
Nach einer besonderen Ausführungsform der Erfindung werden also die Drähte, welche
erst im isolierten Zustand geglüht werden sollen, besonders hart gezogen.
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Die Versuche zur Durchführung des Erfindungsgedankens haben gezeigt,
daß harte Aluminiumdrähte bereits bei Temperaturen von etwa aoo° in Bruchteilen
einer Minute genügend weich gemacht werden können. Eine derartige kurzzeitige Wärmebeanspruchung
schadet aber beispielsweise einer Papier- oder Kautschukisolation durchaus nicht.
Man kann sogar mit der Temperatur beispielsweise bei trockener Papierisolation von
Fernsprechkabeln ohne Schaden noch wesentlich höher gehen, d. h. auf 3oo bis q.oo°,
und dafür gegebenenfalls die Glühzeiten auf Sekunden oder Bruchteile von Sekunden
beschränken.
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Es ist zwar schon bekannt, fertig isolierte Adern in Fernsprechkabeln
durch Stromdurchgang zu erwärmen, und zwar zum Ausgleich von Kapazitätsdifferenzen
an Fernsprechkabeln mit Kupferleitern. Abgesehen davon, daß dieses Verfahren, seinem
Zweck entsprechend nur an einzelnen Adern einer Fernsprechadergruppe ausgeführt
werden soll, wurde der Effekt der vorliegenden Erfindung schon deshalb nicht erreicht,
weil das bekannte Verfahren ausschließlich an bereits geglühten Drähten angewandt
worden ist.
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Umgekehrt kann selbstverständlich der Effekt eines Ausgleichs von
Kapazitätsdifferenzen oder von Betriebskapazitätsschwankungen durch unterschiedliche
Strombelastung der verschiedenen Leiter eines Kabels bei der Durchführung der vorliegenden
Erfindung mit erreicht werden.
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Bei der Herstellung von Fernsprechkabeln wird man beispielsweise.
so vorgehen, daß man - wie üblich - die für eine Gruppe bestimmten Adern aus einem
Ring in ein und demselben Isoliermaschinengang herstellt und die Gesamtlänge nach
der Fertigstellung durch Stromdurchgang ausglüht. Während bei dem Glühen. des blanken
Ringes beispielsweise im Töpfglühofen infolge der unvermeidlichen Temperaturdifferenzen
merkliche Unterschiede im Zustande des Leiters an verschiedenen Stellen auftreten
können, wird durch den Stromdurchgang längs der Gesamtader eine gleichmäßige Durchglühung
garantiert. Wegen der kurzen Belastungszeiten spielt die unterschiedliche Wärmeisolation
beispielsweise der inneren und äußeren Windungen der Aderspule keine Rolle.
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Man kann aber auch die Adergruppe zunächst fertigstellen und dann,
beispielsweise bei Hintereinanderschaltung der vier Drähte, mit Strombelastung auf
der Gruppentrommel oder aber auch erst im fertigverseilten und gegebenenfalls verbleiten
und armierten Kabel glühen.
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Eine besondere Anwendungsform des Erfindungsgedankens ist die Kombination
dieses Glühverfahrens mit dem an sich bekannten Trocknungsverfahren an Fernsprechadergruppen
oder fertigen Kabelseilen.
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Bei Anwendung des Glühverfahrens am fertigen Vierer ermöglicht der
dadurch verbundene Trocknungseffekt eine leichtere Vormessung der Kapazitätswerte
des Vierers.
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Das Glühen der Leiter im fertigen Kabelseil bringt das gesamte Kabel
in kürzester Zeit auf eine zum Trocknen geeignete Temperatur, die nach Aufhören
des Glühprozesses durch einen an sich bekannten ermäßigten Stromdurchgang oder durch
Wärmezufuhr von außen für die Durchführung der Trocknung aufrechterhalten werden
kann. Die bisher üblichen Trocknungszeiten werden durch diese beschleunigte Anwärmung
des Kabels wesentlich verkürzt.
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Die Anwendung des Verfahrens für Fernsprechkabel kann kontrolliert
und gesteuert werden durch Messung der Streckgrenze der durch Stromdurchgang geglühten
Einzeladern und erforderlichenfalls durch unterschiedliche Einstellung der Stromstärke
für eine Gruppe bestimmter verschiedener Einzeladern derart, daß die Streckgrenzen
gleich werden.
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Auch für Starkstromkabel findet das beschriebene Verfahren mit Vorteil
Anwendung, und zwar vorzugsweise bei Starkstromkabeln mit kleinen Querschnitten,
die bekanntlich bei ihrer Herstellung in der Maschine besonders leicht reißen.
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Abgesehen davon, daß nach dem beschriebenen Verfahren das ausgeglühte
Seil in der Maschine wesentlich stärker beansprucht werden kann, läßt sich auch
ein weicheres Seil herstellen, als wenn die Einzeldrähte vorher geglüht werden,
da ja durch den Verseilungsprozeß und durch die beim Isolieren usw. auftretenden
mechanischen Beanspruchungen bereits wieder eine Härtung der vorher weich geglühten
Drähte eintritt.
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Es ist zwar, wie dben erwähnt, bekannt, verseilte Litzen nach der
Verseilung im blanken Zustande im Ofen zu glühen. Das gilt jedoch nur für dünne
Litzen, welche im aufgewickelten Zustand im Ofen geglüht werden können, nicht aber
für Starkstromkabelseile, die zum Glühen im Ofen zu stark sind.
Das
Verfahren kann sinngemäß auch für andere Metalle als für Aluminium - beispielsweise
Zink, Kupfer und Eisen - angewendet werden.