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Längenmaßstab
Es ist bekannt, Längenmaßstäbe mit mehreren verschiedenen
Einteilungen zu versehen, so z. B. in der Weise, daß man auf einem Dreika'ntmaßstab
sechs verschiedene Einteilungen vorsieht, die verschiedenen Maßstabverhältnissen
entsprechen. Man ist jedoch hier praktisch auf diese Hächstzahl von sechs Einteilungen
beschränkt.
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Gegenstand der Erfindung ist es nun, einen Längenmaßstab mit veränderlicher
Teilung vorzuschlagen, bei dem es möglich ist, eine beliebige Anzahl von Teilungen
zur Zusammenarbeit mit einer einzigen Meßkante des Maßstabes zu bringen.
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Ein Nachteil der bisher bekannten Maßstäbe liegt nämlich auch noch
darin, daß es verhältnismäßig umständlich ist, aus den sechs Einteilungen die richtige
herauszusuchen, weil dazu nacheinander, insbesondere durch Umkehren des Maßstabes
und Vertauschen seiner Ränder von rechts nach links, an dem sechs verschiedenen
Kanten gesucht werden muß.
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Gemäß der Erfindung soll nun über einen gewöhnlichen Maßstab in Form
eines flachen Lineals, das aber keine Teilung aufweist, eine schlauchartige Umhüllung
gezogen werden, die vorzwgsweise durch Anbringen von Endanschlägen gegen seitliche
Verschiebung gesichert werden kann und in sich so biegsam ist, daß sie blei Drehung
um das Lineal straff über die Ablesekarte hinweggezogen wird. Man kann nun auf diese
Schlauchumhüllung eine Reihe von Ein teilungen nacheinander anordnen, die sich leicht
einstellen lassen.
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Dabei ist der Erfindungsgegenstand flach und gut unterzubringen, er
nimmt nicht miehr Raum ein als ein bekanntes Lineal.
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Auf der Umhüllung lassen sich mühelos die doppelte Zahl von Einteilungen
unterbringen wie,
bisher, und das Einstellen eines anderen Maßstabes
verursacht nicht annähernd die gleichen Schwierigkeiten wie bisher. Außerdem ist
die Meßgenauigkeit die gleiche insofern, als man für die Umhüllung einen geeigneten
Stoff wählt, der keinen großen Längenänderungen unterliegt wie ,die bisher bekannten
Maßstäbe.
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In weiterer Entwicklung der Erfindung kann man nun, sofern man eine
noch größere Anzahl von Maßstäben aufbringen will, an Stelle einer schlauchartigen
Umhüllung einen filmartigen Ablesestreifen verwenden, dessen Breite der Länge des
Maßstabes entspricht und- der auf zwei Spulen aufgebracht sein kann, von denen z.
B. die eine auf der Oberseite des Lineals und nahe der hinteren Kante untergebracht
ist, während die andere dahinter, d. h. also sofort hinter der hinteren Kante gelagert
ist. Man kann diese Spulen in an sich bekannter Weise auswechselbar ausbilden und
hat dadurch in gleicher Weise die Möglichkeit, baliebig viele Einteilungen zusammen
mit dem Lineal zu verwenden. Das gleiche gilt sinngemäß für die Schlauchumhüllung,
falls Wert darauf gelegt wird, die flache Form beizubehalten, wobei allerdings mehrere
Schlauchumhüllungen verwendet werden müßten als Ablesestreifen, die auf Spulen aufgewickelt
sind.
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Es ist nicht nur möglich, verschiedene voneinander völlig getrennte
Maßstäbe auf den ,Ablesestreifen aufzubringen, die allerdings am besten nach einer
gewissen Ordnung aufeinander folgen, sondern es empfiehlt sich, diese Maßstäbe untereinander
durch Kurvenschare zu verbinden, so daß auch jeder beliebige Zwischenmaßstab gewählt
werden kann. Dies bedeutet also, daß man irgendeine Kurvenschar um die Meßkante
herumziehen und jeden Ordinatenwert zur Längenmessung zum Längenvergleich oder zur
Einstellung einer festen Länge auf den Abstand zweier Kurvenschare voneinander in
der Ordinate einstellen kann.
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In dieser Form muß allerdings auch die Ordinate selbst am Rand oder
besser noch an beiden Rän dern mit ihren Werten angegeben sein, die dann jeweils
an der festen Kante eingestellt werden. Zur besseren Ablesung empfiehlt es sich
jedoch, eine Marke auf der iberen Seite des Lineals anzubringen, besser aber noch
zwei Marken, von denen jede an einem Ende des Lineals vorgesehen ist, die mit den
Abszissenwerten zusammenspielen.
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Hierbei ist allerdings die Entfernung der Marken von der Kante in
der Weise zu berücksichtigen, daß die Beschriftung der Abszissenwerte auf den.
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Ablesestriefen um den gleichen Betrag verschoben wird, damit der an
der Marke eingestellte Wert an. der Kante gemessen wird.
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An Hand eines Beispiels sei die Bedeutung dieser erfindungsgemäßen
Vorrichtung erklärt: Das Lineal 1 ist an seinen Enden mit Marken 2 versehen, die
auf -den Endstücken 3 vorgesehen sin4.
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Die Endstücke dienen zur Führung eines Ablesestreifens 4, auf dem
teine Kurvenschar 5 aufgezeich net ist. Die Ordinatenwerte 6 sind an den Rändern
verzeichnet und die Parallelen 7 zu den Abszissen in gewissen Abständen durchgezogen,
um auch in dieser Hinsicht eine genaue Einstell'ung des Ablesestreifens gegenüber
der Meßkante 8 zu ermsöglichen.
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Das Nomogramm, das auf dem Ablesestreifen in diesem Beispiel dargestellt
ist, gibt die Gleichung s = v . t wieder, und zwar für den Maßstab einer besonderen
Landkarte, z. B. 1 : 100 000. Man kann den Streifen gegen andere auswechseln, die
entweder auf einen anderen Maßstab einer Landkarte oder auf einen anderen Geschwindigkeitsbereich
eines Flugzeuges eingestellt sind. Jedenfalls ist nunmehr die Ermittlting eines
der drei Faktoren an Hand der Karte äußerst einfach. Will man z. B. bei bekannter
Fluggeschwindigkeit und Flugdauer sowie Richtung, ausgehend von -einem Ausgangsort
auf der Landkarte, den Weg feststellen, den man zurückgelegt hat, so braucht man
lediglich die Geschwindigkeit durch Verdrehen des Ablesestreifens einzustellen,
bis der Geschwindigkeitswert der Marke gegenüberliegt, und man hat dann, angefangen
vom Nullwert, beim Ablesen der Flugzeit entsprechend der betreffenden Kurve im Nomogramm
sogleich die zurückgelegte Länge in dem Maßstab, der dem Ablesestriefen entspricht.
Man kann nun entweder, ausgehend vom Ausgangspunkt auf der Landkarte, unter Berücksichtigung
der Richtung den jeweiligen Ort feststellen, an. dem man sich befindet, oder man
kann in Kombination des Ableseggerätes mit einem zweiten Ablesegerät ebenEalls nach
der Erfindung einen zweiten Maßstab zu Hilfe nehmen, auf dessen Ablesestreifen die
verschiedenen Landkartenmaßstäbe aufgetragen sind. Stellt man nun auf diesen Maßstäben
die Einteilung 1 : 100 000 ein, so kann man durch Gegeneinanderhalten der beiden
Kanten der Maßstäbe lohne Bezug auf die Landkarte die Flugstrecke sogleich in Kilometer
ablesen, ohne jede Rechenoperation durchzuführen.
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In gleicher Weise kann man, wenn auf einer' Landkarte Abflugsort
und Aufenthaltsort sowie geradlinige Flugstrecke gegeben sind und außerdem die Flugzeit
festliegt, in entsprechender Weise die Geschwindigkeit ermitteln. Schließlich ist
es möglich, die voraussichtliche - Flugzeit bei gegebener Entfernung und Strecke
abzulesen.
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Es sei darauf hingewiesen, daß der Erfindungsgegenstand weiteste
Anwendung finden kann, und zwar nicht nur auf dem geschilderten Gebiet des Flugwesens,
sondern ganz allgemein überall dort, wo Gleichungen mit drei und mehreren Veraniderlichen
auf mechanischem Weg, d. h. durch Einstellung und ohne Rechziong zu lösen sind.
Die einfachen und raumsparenden sowie unempfindlichen Maßstäbe gemäß der Erfindung
sind also ein besonders vorteilhafter Ersatz für in Bücher zusammengebundene umfangreiche
und beim Gebrauch empfindliche Tabellen aller Art. Man kann ebenso, wie man von
einem Nomogramm in ein anderes und von diesem in ein drittes und viertes, z. B.
in der Wärmetechnik, überzugehen pflegt, diese Nomogramme anstatt in Buchform nunmehr
in Schlauch- oder Filmform bringen und sie über
die Kante des erfindungsgemäßen
Lineals hinwegziehen, sie also auf diese Weise nicht nur mit Landkarten, Buchnomogrammen
und derartigem, sondern auch untereinander verbinden und zur gegenseitigen Ablesung
bringen.