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Verfahren zur Herstellung von Nitrilen und gegebenenfalls Amiden aus
höhermolekularen Fett- und bzw. oder Harzsäuren Die Erfindung betrifft ein Verfahren
zur Herstellung von Nitrilen und gegebenenfalls Amiden höhermolekularer Fett- und
bzw. oder Harzsäuren mit wenigstens 8 Kohlenstoffatomen im Molekül.
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Nitrile und Amide dieser Art sind Substanzen von großer technischer
Bedeutung sowohl zum direkten Gebrauch wie als Ausgangsmaterial für die Herstellung
von entsprechenden primären aliphatischen Amiden, welche leicht durch Hydrierung
v on , Nitrilen gewonnen - werden können.
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Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren, durch welches es möglich
ist, auf einfachem Wege und mit großer Ausbeute die genannten Stoffe herzustellen,
wobei zu dessen technischer Durchführung nur ein einfacher Apparat erforderlich
ist und ein hochwertiges Produkt erzielt wird. Gemäß diesem Verfahren wird die entsprechende
Carbonsäure, vorzugsweise im Gegenstrom, mit überschüssigem gasförmigem Ammoniak
bei einer Temperatur behandelt, bei der die Carbonsäure noch flüssig ist. Es wird
angenommen, daß die Reaktion zwischen der Carbonsäure und dem Ammoniak zunächst
zur Bildung eines Ammoniumsalzes gemäß der folgenden Gleichung führt:
worauf das Salz thermisch zu Amid und Wasser
| RCOONH4 i. RCONH2 -f- H20 |
und das Amid in Nitril, Ammoniak und Säure
| a RCONH2 -+- RCOOH -1 RCN NI.; |
gespalten wird.
Zur Erzielung der größtmöglichsten Ausbeute kann
es vorteilhaft sein, die Carbonsäure und Ammoniak vorzugsweise kontinuierlich durch
eine Reihe von Carbonsäure und Nitril enthaltenden Einsätzen durchzuleiten. Dadi:e
Nitrile einen niedrigeren Siedepunkt haben als die Carbonsäuren und die Amide; werden
sie verdampft und zusammen mit dem Ammoniak durch die Einsätze in entgegengesetzter
Richtung zu der Säure geleitet.
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Bei der niedrigen Verdampfungstemperatur der Nitrile kann es gemäß
der Erfindung weiterhin angebracht sein, die erhaltenen Nitrile im Dampfzustand
aus der Reaktionszone zu entfernen und später den Dampf zu kondensieren. -Zweckmäßig
geschieht dies derart, daß man die Nitrile so schnell verdampft, wie sie gebildet
werden, eine Maßnahme, durch die die Schnelligkeit des Prozesses vergrößert wird.
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Da die aus der Reaktionszone entfernten Dämpfe neben Nitrilen auch
verdampfte, nicht in Reaktion getretene Carbonsäuren enthalten, kann es nach der
vorliegenden Erfindung weiterhin zweckmäßig sein, diese Dämpfe in einer Rektifizierzone
zu kondensieren und das Kondensat in die Reaktionszone zurückzuleiten. Es wird dadurch
ein äußerst reines Produkt erhalten und somit ein einfacher Weg zu einer möglichst
vollständigen Umsetzung der Carbonsäure gegeben.
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Es ist als Vorteil des Verfahrens gemäß der vorliegenden Erfindung
anzusehen, daß es nicht notwendig ist, einen besonderen Katalysator und die dabei
übliche umfangreiche Apparatur zu verwenden. Es kann jedoch manchmal zweckmäßig
sein, den aus der Reaktionszone entfernten Dampf über einen Dehydrierungskatalysator,
der zur Bildung von I\Titrilen aus nicht umgesetzter Carbonsäure dient, zu leiten.
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Da jedoch auf diesem Wege nur kleinere Mengen von Carbonsäuren umgesetzt
werden können, ist nur eine verhältnismäßig kleine Apparatur notwendig. Eine gewisse
Erhöhung der Umsätze in der Reaktionszone kommt dadurch zustande, daß in der Reaktionszone
nur eine geringere Menge an Carbonsäure zur Umsetzung vorhanden zu sein braucht,
als wenn die Säure aus der Rektifizierzone zurück in die Reaktionszone geleitet
würde.
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Wie oben erwähnt, wird in der Reaktionszone Amid als Zwischenprodukt
erzeugt. Amide sind ebenfalls wichtig und ein weiterer Vorteil des Verfahrens gemäß
der vorliegenden Erfindung ist darin zu sehen, daß es möglich ist, reine Amide parallel
mit der Produktion von Nitrilen zu erzeugen, da die durch die Reaktion zwischen
Carbonsäure und Ammoniak in der Reaktionszone gebildeten und nicht gemäß der Erfindung
zu Nitrilen umgesetzten Amide, abwärts in eine Abtrennzone geführt werden können,
welche frei von Nitrilen ist, abgesehen von den durch Zersetzung von Amiden in dieser
Zone gebildeten Nitrilen. Die Amide werden im unteren Teil der Abtrennzone gesammelt
und gegebenenfalls hier abgezogen. Die Amide in der Abtrennzone können jedoch auch
durch angemessenes Erhitzen in Nitrile übergeführt werden. Das Verfahren gemäß der
Erfindung sei im folgenden an Hand der Zeichnung beschrieben. In dieser zeigt schematisch
Fig. i eine Vorrichtung, mit deren Hilfe das Verfahren nach der vorliegenden Erfindung
durchgeführt wird, Fig. 2 einen Teil dieser Apparatur mit geringen Änderungen und
Fig. 3 eine abgeänderte Apparatur zur Ausführung des Verfahrens.
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-In der Apparatur gemäß Fig. i wird die Carbonsäure dem Turm 2o durch
die Leitung 21 Zugeführt. Der Turm ist mit Siedeeinsätzen und Destillierböden ausgerüstet.
Der Turm kann jede beliebige Größe und eine beliebige Anzahl von Einsätzen aufweisen.
Im allgemeinen sind in ihm drei Zonen zu unterscheiden. Die etwa in der Mitte des
Turmes gelegene Zone ist die Reaktionszone, in der die primäre Reaktion zwischen
Ammoniak und Carbonsäure stattfindet. Der obereTeil des Turmes kann als Rektifikationszone
betrachtet werden, in der die entstandenen Nitrile kontinuierlich von den Carbonsäuren
getrennt werden. In der unteren Abtrennzone werden die Säuren von den Amiden getrennt.
Das Ammoniak tritt in den Turm bei 23 ein. Die Amide können durch die Leitung 24.
abgeführt werden, während der Nitrildampf den Turm durch das Rohr 25 verläßt und
zu einem Kondensator 26 strömt, in dem das Nitril kondensiert wird. Gegebenenfalls
sind besondere Vorkehrungen getroffen für den Rückfluß durch das Rohr 27 in Verbindung
mit dem Nitrilauslaß 28. Feuchtigkeit und ein Überschuß an Ammoniak geht durch den
Auslaß 26a ins Freie. Gegebenenfalls kann eine Vorkehrung zur Wiedergewinnung des
überschusses an Ammoniak zwecks Rückführung in den Prozeß getroffen werden. Der
mittlere Teil, die Reaktionszone des Turmes, wird durch einen oder mehrere schematisch
dargestellte Heizkörper 29 erhitzt. Diese als Schlangen ausgebildeten Heizkörper
werden zweckmäßigerweise von einer Flüssigkeit durchströmt, welche im Dampfzustand
eingeführt wird und eine Kondensationstemperatur hat, die über der in der Reaktionszone
einzuhaltenden Temperatur liegt. Eine dafür geeignete Flüssigkeit ist z. B. eine
Mischung aus Diphenyl und Diphenyloxyd. Es können auch andere Wege zur Erhitzung
der Reaktionszone beschritten werden, z. B. können die Heizkörper mit Dampf oder
elektrisch erhitzt werden.
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Die folgende spezielle Beschreibung des Verfahrens befaßt sich mit
der Umsetzung der Stearinsäure als Beispiel. Es wird dabei vorausgesetzt, daß auch
andere geeignete Stoffe an deren Stelle verwendet werden können.
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Die flüssige Stearinsäure tritt durch die Leitung 21 in den Turm und
trifft mit dem aufwärts strömenden Ammoniak zusammen. Hierbei findet die oben geschilderte
Reaktion mit Ammoniak statt.
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Die Nitrile sieden bei niedrigerer Temperatur als die entsprechenden
Fettsäuren und die Fettsäuren bei niedrigerer Temperatur als die entsprechenden
Amide.
Die flüssige Säure, welche durch die Leitung 21 in den Turm
geleitet wird, gelangt in den von dem Einsatz 6o gebildeten Flüssigkeitsbehälter.
Wenn dieser Einsatz überläuft, fällt die Fettsäure auf den Einsatz 61 in einen zweiten
Sammelbehälter, danach auf den Einsatz 62 in einen dritten Sammelbehälter und so
fort durch die ganze Reaktionszone. Im Gegenstrom dazu strömt gasförmiges Ammoniak
kontinuierlich durch die Reaktionszone aufwärts. Das Ammoniak wird auf diese Weise
gezwungen, durch die Flüssigkeitsmengen in den Einsätzen 6.T, 63, 62, 61 und 6o
hindurchzuperlen. Bei der Berührung von Ammoniak mit flüssiger Fettsäure auf dem
Einsatz 64. entstehen bei der in der Reaktionszone herrschenden Temperatur Nitrile,
welche bei dieser Temperatur verdampfen und sich mit dem in Reaktion getretenen
Ammoniak aufwärts bewegen. In gleicher Weise kann in der Flüssigkeitsmenge im Einsatz
63 eine Reaktion zwischen der Säure und Ammoniak eintreten, wobei weiteres Nitril
erzeugt wird, das verdampft und nach oben mit dem überschüssigen Ammoniak abzieht.
In gleicher Weise tritt in den Flüssigkeitsbehältern 6?, 61 und 6o weitere Reaktion
ein unter Bildung weiterer Mengen von N itril, die hernach verdampfen.
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Bei diesem Verfahren durchlaufen die bei der Reaktion in dem niedriger
gelegenen Flüssigkeitsbehälter gebildeten Nitrildämpfe jeden Barüberliegenden Flüssigkeitsbehälter.
Hierbei wird die noch in flüssiger Phase befindliche Substanz heftig bewegt und
die Verteilung von Ammoniak in den Flüssigkeitsbehältern, durch welche auch die
N itrildämpfe hindurchtreten, erhöht. Auf diese Weise wird eine bessere Mischung
der Reaktionsstoffe, besonders in den höher liegenden Flüssigkeitsbehältern, erzielt.
Die Nitrildämpfe ziehen vom Einsatz 6o nach oben und treten in das Rektifizierungsgebiet
ein. Es ist unvermeidlich, daß hierbei etwas Fettsäure mitgerissen wird oder verdampft.
In dieser Rektihzierzone befindet sich eine zweite Reihe von Flüssigkeitsbehältern.
Wie in Fig. z gezeigt, läßt man kondensiertes N itril in den oberen Teil der Rektifikationszone
durch Leitung 27 zurückfließen. Während aus der Reaktionszone Dämpfe, die
Nitrile und eine gewisse Menge an Fettsäuren enthalten, nach oben durch die Flüssigkeitsbehälter
geleitet werden, und zwar im Gegenstrom zum Nitril, werden die Fettsäuren mit einem
höheren Siedepunkt als dem des INTitrils selektiv kondensiert. Der am Kopf der Rektifikationszone
ankommende angereicherte Dampf besteht im wesentlichen aus reinem Nitril. Die Flüssigkeitsbehälter
innerhalb dieser Zone enthalten einen in Richtung zum oberen Teil der Zone zunehmenden
Anteil an Nitril und einen abnehmenden Anteil an Fettsäure. Säure, welche aus der
Reaktionszone heraus mitgerissen wurde, wird schnell kondensiert und aus der Rektifikations7one
in die Reaktionszone zurückgeführt. Das im oberen Teil des Turmes angereicherte
Nitril wird in Dampfform durch das Rohr ?5 abgeleitet. Die verdampften INTitrile
werden nach der Kondensation in 26 zum Teil als Flüssigkeit gewonnen und
zu einem anderen Teil durch die Leitung 2; dem oberen Teil des Turmes als Rückfluß
zugeführt.
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Bei dem geschilderten Verfahren bilden sich in der Reaktionszone des
Turmes auch Amide. Nicht alles Amid wird jedoch unmittelbar in Nitril umgewandelt.
Das Verhältnis vonAmid, Nitril und Fettsäure hängt teils von der Temperatur in der
Reaktionszone und der Zeit der Einwirkung der zugeführten Wärme ab. Da die Amide
höhere Siedepunkte als die entsprechenden Nitrile und Fettsäuren haben, fließen
sie in den Flüssigkeitsbehältern innerhalb des Turmes abwärts. Die Amide enthalten
jedoch noch gewisse Säuremengen, die nicht an der Reaktion teilgenommen haben, sowie
N itril und andere hochsiedende Substanzen des Ausgangsstoffes: und diese Mischung,
hauptsächlich A,mide und Fettsäuren, strömt in den Flüssigkeitsbehältern innerhalb
der Abtrennzone im Gegenstrom zum aufsteigenden Ammoniakstrom, wobei die Fettsäure
und die wenigen noch vorhandenen Nitrile von den Amiden getrennt werden.
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Auch die durch weiteren Zerfall von Amiden gebildeten Fettsäuren und
N itrile werden auf demselben Weg nach oben gebracht. Auf diese Weise enthalten
die Flüssigkeitsbehälter in der Abtrennzone aufeinanderfolgend gegen den Unterteil
der Zone hin einen immer größeren Anteil an Amiden und einen immer kleineren Anteil
an Fettsäure.
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Die sich am Boden ansammelnden, im wesentlichen in reiner Form vorliegenden
Amide können entweder kontinuierlich oder in gewissen Zeitabständen durch den Auslaß
.I abgezogen werden. Eine selbsttätige Pegelregelung 3, irgendeiner geeigneten
Bauart kann angewendet werden, um eine gewünschte Menge flüssiger Amide am Boden
des Turmes zu halten. Am Boden des Turmes ist eine Heizvorrichtung 30 zur
Beheizung der Abtrennzone zusätzlich zu der von der Reaktionszone kommenden Hitze,
falls es notwendig werden sollte, hier eine gewünschte Temperatur einzuhalten. Die
Temperatur in der Abtrennzone braucht nur so hoch zu sein, daß Fettsäure in Gegen-,vart
des eingeführten Ammoniaks verdampft. Das am Boden des Turmes eintretende Ammoniak
verdampft die Fettsäure schon bei niedriger Temperatur, als wenn kein Ammoniak zugegen
ist. In der Abtrennzone des Turmes wird die Temperatur bei der Herstellung von Stearinsäurenitril
im Durchschnitt auf etwa 300°' gehalten, eine Temperatur, die hoch genug ist, um
die Stearinsäure ohne Verdampfen des Stearinamids sieden zu lassen.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ist infolge der Einführung von
Ammoniak und seiner Tendenz, die Schmelzpunkte der Fettsäure oder ihrer Amide in
dem Turm zu erniedrigen, zu beachten, daß die Stearinsäure bei 297° und Stearinamid
bei 32i° siedet.
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Die in dem Turm einzuhaltenden Temperaturen sind von der Art der eingeführten
Fettsäure abhängig. Bei Verwendung von Stearinsäure werden die Reaktionszonenerhitzer
29 einer Temperatur von etwa 3oa° gehalten. Diese Temperatur liegt unter dem Siedepunkt
der Stearin.säure unter
gewöhnlichem Außendruck bei Abwesenheit
von Ammoniak. In Gegenwart von Ammoniak verdampft jedoch ein geringer Teil der Stearinsäure,
bevor sie mit Ammoniak in Reaktion getreten ist, um als erstes Produkt das entsprechende
Ammoniumsalz zu bilden.
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Der obere Teil des Turmes wird auf einer Temperatur von etwa 275°
gehalten. Diese Temperatur ist niedrig genug, die Stearinsäuredämpfe in der Rektifizierzone
zu kondensieren, aber hoch genug, um das Nitril im Dampfzustand zu halten. Es liegt
also eine kontinuierliche Rektifizerung der in die Rektifikationszone eintretenden
Mischung von Nitrildämpfen und Stearinsäuredämpfen vor. Die Stearinsäure fließt
aus der Rektifizierzone in die Reaktionszone zurück.
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Wie oben beschrieben, reichert sich zeitweilig Sterainsäureamid in
der Reaktionszone an. Dieses Amid fließt zusammen mit der nicht in Reaktion getretenen
Fettsäure abwärts in die Abtrennzone, die z. B. auf einer Temperatur von etwa 300°
gehalten wird.
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Wie ebenfalls bereits beschrieben, wird unter diesen Bedingungen die
in der Abtrennzone angefallene Fettsäure unter Zurücklassung des Stearinamids aufwärts
in -die Reaktionszone gedrückt. Auf diese Weise wird nach dem Verfahren des vorliegenden
Patents eine kontinuierliche Erzeugung von Nitrilen und Amiden ermöglicht.
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Wenn jedoch allein Nitril das gewünschte Produkt ist, kann der Ausläß
am Boden des Turmes geschlossen werden. Das in der Abtrennzone gesammelte Amid setzt
sich kontinuierlich unter Bildung von Nitril und Fettsäure gemäß der angezogenen
Gleichung an. Beide Substanzen gelangen in die Reaktionszone, wobei das Nitril schließlich
aus der Reaktionszone und aus dem Turm wandert.
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In diesem Falle arbeitet der Turm als N itrilproduzent ohne Gewinnung
von Amid. Das Amid sammelt sich am Boden des Turmes in solcher Menge, daß die Umsetzung
in Nitril automatisch verläuft.
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Es ist also, wenn nur Nitril hergestellt wird, die Abtrennzone ohne
besonderen Zweck. Infolgedessen kann dieser Teil fortgelassen werden, wenn keine
Amide gewünscht werden.
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Die Rektifizier-, Reaktions- und Abtrennabschnitte können natürlich
von der in Fig. r gezeigten Form weit abweichen. Erforderlichenfalls können verschiedene
Kammern oder Türme an Stelle eines einzigen Turmes, wie aüs Fig. r zu ersehen ist,
Verwendung finden.
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In Fig.2 ist eine andere Ausführungsform der Reaktionszone schematisch
dargestellt. Hier sind Einsätze 35 vorgesehen, welche einzelne Stufen bilden, die
als Flüssigkeitsbehälter gestaltet sind. Flüssigkeit wird aus dem unteren Teil des
Turmabschnitts durch die Leitung 36 abgezogen. Von einer Pumpe 37 wird sie dem Erhitzer
38 zugeleitet und dem oberen Teil des Abschnitts durch die Leitung 39 wieder
zugeführt. Dem Erhitzer kann Wärme durch eine Mischung aus Diphenyl- und Diphenyloxyddampf
zugeführt werden, welche bei der gewünschten einzuhaltenden Temperatur kondensiert
werden. Natürlich können auch andere wärmeerzeugende Mittel angewendet werden. Nach
diesem abgeänderten Verfahren wird innerhalb der Reaktionszone die Flüssigkeit in
beträchtlicher Menge abwärts geleitet und durch die Zirkulation eine innige Berührung
zwischen der Flüssigkeit und dem aufwärts steigenden Ammoniak erzielt.
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Zur weiteren Erläuterung diene noch ein Ausführungsbeispiel. Beispiel
9oo kg Ochsentalg und 225 kg Ammoniak werden stündlich einem Reaktionssturm mit
acht Einsätzen zugeleitet. Die Temperatur der Reaktionszone wird auf 3r5° gehalten,
die Temperatur im Oberteil des Turmes auf 275'0. Von den abgehenden Dämpfen werden
450 kg stündlich als Rückfluß in den Turm zurückgeleitet. Der Umsetzungsgrad zu
flüssigem Fettsäurenitril beträgt 75 bis 8o %.
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Bei Verwendung anderer Fettsäuren kann das Verfahren das gleiche sein,
obwohl die Turmtemperaturbedingungen für jede Säure andere sein können. Die Reaktionszone
muß eine Temperatur aufweisen, bei der Nitrile aus der Reaktionsmischung abdestillieren.
Die Abtrennzone muß eine Temperatur haben, bei der Fettsäure in Gegenwart von zugeführtem
Ammoniak verdampft wird. Die Rektifizierzone verlangt eine Temperatur, bei der Fettsäuredampf
in wesentlicher Menge kondensiert wird, während gleichzeitig die Nitrile verdampfen:
Die in der Reaktionszone stattfindende Umsetzung erfolgt hauptsächlich in flüssiger
Phase, obgleich infolge der Gegenwart von Ammoniak ein Verdampfen der Fettsäuren
stattfindet. Die verdampfte Fettsäure wird jedoch in der Rektifizierzone kondensiert
und in flüssiger Phase zur Reaktion mit Ammoniak, wieder in die Reaktionszone zurückgeführt.
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Es ist wesentlich, Ammoniak in die Reaktionszone im stoechiometrischen
Überschuß über die Fettsäure einzuführen. Es ist vorteilhaft, wenn die Menge
des Ammoniaks wenigstens das zweifache und vorzugsweise das fünffache der theoretisch
errechneten Menge beträgt.
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Der Ausgangsstoff kann irgendeine höhere Fettsäure, wie Stearin-,
Palmitin-, Öl-, Linol- oder Laurinsäure oder eine Mischung solcher Säuren sein,
wie man sie durch Hydrolyse natürlicher Öle, wie Sojabohnen-, Baumwollsamen-, Talg-
oder Fischöl usw., erhält. Es können auch Harzsäuren, wie sie in Tallöl oder Tallöl-Fettsäure-Mischungen
oder Tallöl selbst enthalten sind, Verwendung finden. Es ist jedoch vorteilhaft,
daß die Fettsäureanteile der zur Verwendung kommenden Ausgangsstoffe einen engen
Siedepunktbereich aufweisen, so daß Nitrile eines Anteils nicht von Fettsäuren oder
Amiden anderer Anteile zurückgehalten werden und damit der Fortgang des Verfahrens
beeinträchtigt wird.
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Vorzugsweise sind als Ausgangsstoffe solche geeignet, die durch Hydrolyse
natürlich vorkommender
Cle gewonnen werden, wie z. B. Sojabohnenöl
oder Baumwollsamenöl, wobei durch Destillation der Säuren in bekannter Weise Fraktionen
erhalten werden können, die einen höheren Anteil an Fettsäuren mit einem engen Siedebereich
aufweisen.
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In der vorhergehenden Beschreibung waren zur Erklärung und zum besseren
Verständnis der Verhältnisse in den einzelnen Zonen diese scharf abgegrenzt. Es
muß aber gesagt werden, daß auch eine beträchtliche Überdeckung der Zonen stattfinden
kann. Es können z. B. bei Verwendung anderer Fettsäuren die Temperaturen und anderen
Bedingungen sowie die Zonengrenzen innerhalb des Turmes verschieden sein, ebenso
bei Verwendung von Fettsäuregemischen. Wenn also auf eine Reaktionszone hingewiesen
wird, wird darunter der Teil verstanden, in welchem die Reaktion unter den Bedingungen
des Verfahrens vor sich geht. Eine bestimmte Angabe des Teils des Turmes ist dabei
nicht nötig.
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Fig.3 zeigt schematisch eine veränderte Ausführungsform der Apparatur,
bei der der Rektifikationsabschnitt gemäß Fig. i durch eine Katalysatorkammer ersetzt
ist. Hier ist der Turm d.o mit Einsätzen 41 versehen, die den früher beschriebenen
ähneln. Von dem Reaktionsabschnitt des Turmes führt eine Leitung .a2 in die Katalysatorkammer
4.1. Diese wird aus einer Mehrzahl von zylindrischen Rohren gebildet, deren Enden
mit den Kammern 46 und 47 in Verbindung stehen. Im Innern dieser Rohre ist ein geeigneter
Dehydrierungskatalysator, z. B. Aluminiumoxyd, befestigt. Für die Erhitzung dieser
Katalysatorkammer wird eine geeignete Erhitzerflüssigkeit, z. B. eine Mischung aus
Diphenyl und Diphenyloxyd, in Dampfform in die Zwischenräume zwischen den Rohren
.a.5 durch den Einlaß .IS eingeführt und dann in flüssiger Form durch den Ausgang
49 abgezogen. Es ist selbstverständlich. daß auch andere Katalysatorkammerformen
bekannter Art verwendet werden können.
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Bei dieser abgeändertenApparatur wird die Fettsäure durch ein Rohr
5o in den Turm qo eingeleitet, wo sie abwärts durch eine Reihe von Einsätzen läuft,
während gleichzeitig Ammoniak wie im Beispiel der Fig. i nach oben strömt.
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Hierbei tritt die beschriebene Reaktion zwischen der Fettsäure und
dem Ammoniak ein, welche eine Mischung aus Nitril, Am,id, Wasser und nicht von der
Reaktion erfaßter Fettsäure ergibt. Infolge der Wärmezufuhr werden Wasser und Nitril
rasch verdampft und durch die Leitung 42 weggeführt. Da hier keine nennenswerte
Rektifikation stattfindet, kann eine gewisse Menge von Fettsäuren und Amid zusammen
mit Nitril in Dampfform fortgeführt «erden. Wenn diese Dampfmischung in die Katalysatorkammer
44 eintritt und in Kontakt mit dem Katalysator kommt, wird sowohl die Fettsäure
wie das Amid in Nitril umgewandelt. Durch die Heizflüssigkeit wird in der Katalysatorkammer
eine für die Reaktion in flüssiger Phase geeignete Temperatur von 3i5° aufrechterhalten.
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Die Temperatur der Reaktionszone im Turm d0 soll bei den angewandten
Druckbedingungen über der Siedetemperatur des N itrils liegen, jedoch unter
370', vorzugsweise unter 315' . Die restlichen, die Kammer 44 verlassenden
Nitrildämpfe werden in der Kammer 5, kondensiert. Die Feuchtigkeit und ein
L'berschuß von Ammoniak werden nach außen geleitet. Wie bei der ersten Apparatur
beschrieben, können geeignete Vorkehrungen getroffen sein, um die überschüssige
Aminoniakmenge wiederzugewinnen und in den Arbeitsprozeß zurückzuführen.
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Werden Amide nicht als Nebenprodukt gewünscht, ist die untere oder
Abtrennzone des Turmes nicht erforderlich und kann, wie bereits beschrieben, weggelassen
werden.
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Die Apparatur gemäß Fig. 3 ist besonders brauchbar bei der Verwendung
von Ausgangsstoffen, welche Gemische von Fettsäuren mit den verschiedensten Siedepunkten
darstellen.
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Das Verfahren kann auch Verwendung finden für Fettsäuremischungen,
die durch Hydrolyse von natürlichen Ölen erhalten wurden.