DE86773C - - Google Patents

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DE86773C
DE86773C DENDAT86773D DE86773DA DE86773C DE 86773 C DE86773 C DE 86773C DE NDAT86773 D DENDAT86773 D DE NDAT86773D DE 86773D A DE86773D A DE 86773DA DE 86773 C DE86773 C DE 86773C
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    • DTEXTILES; PAPER
    • D03WEAVING
    • D03CSHEDDING MECHANISMS; PATTERN CARDS OR CHAINS; PUNCHING OF CARDS; DESIGNING PATTERNS
    • D03C3/00Jacquards
    • D03C3/24Features common to jacquards of different types

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  • Engineering & Computer Science (AREA)
  • Textile Engineering (AREA)
  • Treatment Of Fiber Materials (AREA)

Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
KLASSE 86: Weberei.
in NORWALK (V. St. A.).
Jacquard - Maschine.
Bei verschiedenen Mustergeweben, namentlich bei Damastgeweben, bei den Doppel- und bei den zusammengesetzten Geweben, wie z. B. bei den Kidderminster-Teppichen, bei bestimmten Gattungen von Möbelplüschen, bei Brüsseler und Tournayteppichen u. s. w. kann man die Kettenfäden als in Gruppen getheilt ansehen, innerhalb deren die gegenseitige Lage bei der Fachbildung insofern abhängig von einander ist, als das Ausheben des einen Theiles das in das Unterfachgehen des anderen Theiles bedingt. So würden z. B. bei den gemusterten Doppelgeweben, vielleicht einem Kidderminster-Teppich mit zwei Farben, die einzelnen Gruppen . aus vier Fäden zu bestehen haben, ein Faden würde allemal in das eine Fach, die übrigen drei in das andere Fach zu bringen sein. Bei den Brüsseler und den Tournay Teppichen wird immer nur eine Farbe für die Schauseite ausgewählt, die anderen Farben verbleiben im Gewebeinnern u. s. f. Bislang hat man nun entweder für jeden einzelnen Kettenfaden ein besonderes Element einer Jacquard-Maschine- angewendet, also für jeden einzelnen Kettenfaden eine Platine, eine Nadel und einen Punkt in der Jacquard-Kartenkette, oder man hat besondere Hülfsmaschinen, wie Damastmaschinen u. s. w., ausgeführt.
Zur Ersparung von Elementen in der Jacquard-Maschine bezw. zur Umgehung einer besonderen Hülfsmaschine wird . nun bei gruppenweise angeordneten Kettenfädenträgern folgendes neue Verfahren angewendet.
Jeder Kettenfaden wird nach wie vor an ein den Faden aushebendes Organ (Platine, Zampelschnur, Korde oder dergleichen) angeschlossen, aber sämmtliche zu einer Gruppe gehörenden Kettenfäden werden nur durch eine einzige Nadel beeinflufst, die alle diese Zugorgane gleichzeitig ablenkt, jedoch nach Bedarf der Musterung verschieden weit ablenkt, um die einzelnen die Gruppe bildenden Kettenfäden nach Mafsgabe des Musters in die richtige Theilung bei der Fachbildung zu scheiden. Während beim alten System die Nadel immer dieselbe Seitenablenkung der Platine verursacht, verschiebt man hier die einzelnen Nadeln nach Bedarf des Musters verschieden weit. Durch die verschieden weite Auslenkung erreicht man nun, dafs immer nur eine bestimmte Auswahl von Fäden der Fadengruppe in den Bereich des aushebenden Organs (des entsprechend umgestalteten Messers, Hebebodens oder dergleichen) gebracht und somit gehoben wird, während die anderen in ihrer Lage verharren bezw. bei den Doppelhubmaschinen gesenkt werden.
Verwendet man zu diesem Zweck die gewöhnliche Platine p, wie sie z. B. schematisch in Fig. 37 dargestellt ist, so mufs man natürlich ein abgetrepptes Messer m verwenden, dessen Nasen (Auskragungen, Zinken) oder Mitnehmer die darüber gestellten Platinennasen beim Emporsteigen mitnehmen, während die dazwischen liegenden zurückspringenden Theile (Passagen oder Durchlässe) die darüber ge-
stellten Platinen unberührt hindurchschlüpfen lassen. Für die Gruppe von je drei von einander in Abhängigkeit stehenden Platinen läfst sich das durch die in Fig. 37 gewählte Form des Messers m erreichen.
Sämmtliche Platinen P1 p2 p& werden gleichzeitig durch die Nadeln η betha'tigt. Wird die Nadel nicht durch das dagegen geschlagene Musterprisma ausgelenkt (Pfeil 1), so verharren die drei Platinen in der ausgezogenen Lage und folglich wird beim Emporsteigen des Messers nur die Platine ρλ gehoben und die Platinenp.2p3 bleiben im Unterfach. Wird die Nadel um eine Länge seitlich ausgelenkt, welche der Pfeilgröfse 2 entspricht, so nehmen die Platinen die punktirt angegebenen Lagen ein und es wird beim Aufsteigen des Messers die Platine p2 gehoben, P1 und p3 bleiben unten; wird endlich die Nadel η um einen Betrag seitlich verschoben, welche der Pfeillänge 3 entspricht, so werden die Platinen in die strichpunktirte Lage übergeführt und die Platinennase der Platine ρΆ wird über die Zinke. oder den Mitnehmer 3 des Messers geschoben, während die anderen beiden Platinennasen von p.y und Jj1 über Durchlässe des Messers zu stehen kommen; beim Aufsteigen des Messerkastens wird deshalb nur die Platine p3 gehoben, p.2 und ρλ bleiben unten sitzen. Im Messer sind, damit die federnd gespannten Platinen nicht seitlich ausrutschen können, Vertiefungen (Lager) angedeutet. Durch eine weitere vierte bezw. fünfte Verschiebung läfst sich ferner noch erreichen, dafs entweder sämmtliche Platinen nicht gehoben werden, oder auch bei entsprechender Messergestaltung sämmtliche Platinen gehoben werden. Ebenso läfst sich durch entsprechende Messergestaltung erreichen, dafs die x-Fäden in anderer Combination als ι und χ und 1 gehoben werden, so dafs z. B. immer zwei Fäden gehoben werden und die übrigen x-i nicht, oder dafs bei einer gröfseren Fadenzahl der Gruppen immer drei oder mehr gehoben werden, die anderen nicht u. s. w.
Bequemer läfst sich die neue Methode anwenden, wenn man das alte, bereits 1725 von Bouchon — einem Vorgänger Jacquard's — angewendete Verfahren benutzt, in den Zugorganen Verdickungen anzubringen, welche durch die Nadeln in oder aufser Bereich eines handartig fassenden Werkzeuges gebracht werden. Diese Abänderung ist in Fig. 38. zunächst schematisch dargestellt.
Der grundsätzliche Unterschied zwischen der gewöhnlichen Construction der Jacquard-Maschine und der im Nachfolgenden beschriebenen ist also der, dafs die Platinen ersetzt sind durch seitliche Verdickungen (Hervorragungen, Knoten u. s. w.) JJ1 jj2j?3, welche an den bei 22 die Kettenfäden k1 k0 ks tragenden Korden C1 C2 C3 befestigt sind. Es verschiebt nun die Nadel η die Korden direct seitlich in Schlitzen des Hochfachbodens -δ und bringt dadurch die Hervorragungen entweder in oder aufser Bereich von Mitnehmern des aufsteigenden Hochfachbodens B, es entspricht mithin der ■Hochfachboden den Messern der ursprünglichen Bauart, während der Platinenboden ersetzt erscheint durch die stützenden Federn 29. Wie man nun ohne Weiteres ersieht, wird durch die Verschiebung der mit ihren Schlitzen die Korden umfassenden Nadel η um die Länge 1 die Verdickung oder Perle P1 in den Bereich des Mitnehmers des Hebebodens gebracht, die anderen Perlen j?2 und p3 finden Durchlässe (ausgezogen "gezeichnete Kordenstellung); bei Verschiebung der Nadel um die Länge 2 (punktirt gezeichnete Kordenstellung) wird p2 einen Mitnehmer finden, die anderen (px undp3) Durchlässe; bei Verschiebung der Nadel um die Länge 3 (strichpunktirt gezeichnete Kordenstellung) findet p3 Stützung, P1 und p2 bleiben zurück.
In derselben Weise wie nun die gewöhnliche Jacquard-Maschine abgeändert werden kann, derart, dafs entweder mit Hochfach oder mit Tieffach, oder Hoch- und Tieffach (durch Anwendung von Hoch- und Tieffachböden oder Bretter) gebildet werden kann u. s. f., läfst sich nun auch die vorliegende Erfindung ausbauen, und es sollen für diese speciellen Fälle die besonderen Ausführungen der Jacquard-Maschine erläutert werden, und zwar unter der Voraussetzung, dafs man immer Gruppen von je fünf von einander abhängigen Kettenfäden hätte.
Es beziehen sich hierbei:
Fig. ι bis 11 auf eine Jacquard-Maschine, welche Hoch-, Mittel- und Tieffach, also Doppelfach erzeugt,
Fig. 12 bis 20 auf eine Jacquard-Maschine, welche abwechselnd Hoch- und Tieffach erzeugt,
Fig. 31 bis 36 auf eine Jacquard-Maschine, welche Hochfach hervorbringt, während
Fig. 37 und 38 schematische Darstellungen eines Elementes der neuen Jacquard-Maschine und
Fig. 21 bis 30 Charakterisirungen verschiedener mittelst der Jacquard-Maschine erzeugter Doppelgewebe sind.
Da aus dem allgemeinsten Fall die speciellen Fälle hervorgehen, soll der allgemeinste Fall zuerst beschrieben werden. '
Es ist dies derjenige (Fig. 1 bis 11), bei welchem aufser der mittleren Kettenfadenlage sowohl Hoch- als auch Tieffach zu erzeugen ist, bei welchem also zwei auslenkende Böden (an Stelle von Messerkästen) vorhanden sind, welche aus einer normalen Lage gehoben bezw. gesenkt werden, so dafs eine Fachbildung zu Stande kommt, wie sie bei broschirten Ge-
weben, Sammten, Teppichen u. s. w. vielfach auftritt, Geweben, bei welchen zweierlei Schufs oder Schufs- und Sammtnadeln u. s. w. einzutragen sind.
Diese Jacquard-Maschine (Fig. ι bis 5) stellt die Vereinigung von zwei einfachen Getrieben in einem Gestell dar, derart, dafs der Antrieb beider gemeinschaftlich ist, und die Bewegungen des einen von dem anderen abhängig gemacht sind, und zwar ist das eine Jacquard-Getriebe, welches Hochfach erzeugt, das mit dem Hochfachboden B (Fig. 5) arbeitende, das Jacquard-Getriebe, welches Tieffach bildet, das mit dem Tieffachboden B1 arbeitende.
A (Fig. ι bis 4) bezeichnet den Rahmen der dem Webstuhl hinzugefügten Jacquard - Maschine, B ist der lothrecht auf- und abschwingende Hebe- öder Hochfachboden, welcher die die Kettenfäden tragenden Korden stützt und welcher bei seinen Bewegungen mittelst Vorsprünge 1 auf beiden Seiten des Rahmens in den Nuthen 2 geführt wird. Zu seiner Bewegung sind an ihn senkrecht nach unten gerichtete Y-förmige Arme 3 angeschlossen (Fig. 1), welche sich auf die um .5 schwingenden Hebel 4 stützen. Die schwingende Bewegung wird den Hebelarmen 4 mit Hülfe der Curvenscheiben 6 ertheilt, welche auf der Querwelle 7 auf jeder Seite des Rahmens befestigt sind; die schwingende Bewegung der Arme 4 wird alsdann durch die Y-förmigen Arme 3 in die auf- und absteigende des Hochfachbodens B übersetzt. Die Curvenscheiben 6 sind so gestaltet, dafs sie den Boden B ausheben und dann wieder in seine normale tiefe Lage zurückführen, wo er alsdann verbleibt, während die verschiebbaren Jacquard-Nadeln ihre Arbeit vollführen, auch während der Tieffachboden B1 gesenkt und wieder in seine normale gehobene Lage zurückgeht. Der Arm 3 ist noch mit. einer Leitcurve γ ausgerüstet, welche Schaltbewegung verursacht.
Der Tieffachboden B1 wird ähnlich bewegt, er ist mit nach unten gerichteten Y-förmigen Armen 18 versehen, welche an die Schwingen 19 angebolzt sind; letzteren wird eine lothrechte Auf- und Abschwingung mittelst der unrunden Scheiben 20 ertheilt, welche zu beiden Seiten des Rahmens auf der Querwelle 7 sitzen. Auch die Arme 18 tragen Leitcurven 18a, von welchen aus die Schaltbewegungen eingeleitet werden. Im vorliegenden Falle sind die Scheiben 6 und 20 so gestaltet, dafs der Hoch- und Tieffachboden abwechselnd bethätigt werden.
Durch die Fachböden sind die kettentragenden Organe, die Korden, gezogen. Die Korden 23 bis 27 (Fig. ι bis 4) tragen bei 22 die Kettenfäden und sind unten in gewöhnlicher Weise durch die sogenannten Bleie 28 belastet. Sie werden bei 29 durch stützende Federn für gewöhnlich in ihrer mittleren Lage gehalten.
Entsprechend der eingangs erwähnten Gruppentheilung sind sie reihenweise angeordnet und trägt jede Korde nur zwei Verdickungen, Perlen, Knoten 30, 31, von welchen der erstere (30) im vorliegenden Falle unter dem Tieffachboden B1 angeordnet ist, während der letztere^ 1) über dem Hochfachboden sich befindet. Die Knoten sind von einer solchen Gröfse, dafs sie frei durch die Durchlässe 8a der Schlitze der Hebeböden hindurchschlüpfen, während sie aber zu dick sind, um durch die engeren Partien der Schlitze an den mit Mitnehmern versehenen Stellen hindurch zu können.
Die Korden werden nun durch den Jacquards Nadeln entsprechende Schieber ausgelenkt, welche in Folgendem gleichfalls als Nadeln, bezeichnet werden sollen. Sowohl unter dem Hochfachboden B, parallel mit demselben, als auch über dem Tieffachboden B1 ist je eine Reihe eigenartig geschlitzter Jacquard-Schiebernadeln C (Fig. 5) angeordnet, und zwar ist für jede Fadengruppe eine untere und eine obere Nadel vorgesehen. Die Nadeln sind an ihrem vorderen und hinteren Ende in dem Rahmen A (Fig. 4) gelagert und sie sind bestimmt, sich gegen den im Rahmen A montirten Mustercylinder D anzulegen, so dafs sie dann durch dessen Anschlag in ihrer Längsrichtung ausgeschoben werden und damit die Korden in gehöriger Weise auslenken.
Nach unten hin wird hierbei die regelrechte Lage des Harnisches gewahrt durch das Chorbrett 80 (Fig. ι bis 4).
' Entsprechend den beiden abwechselnd zur Wirkung kommenden Fachböden und Nadelsystemen sind auch zwei Mustercylinder D vorhanden, ein oberer und ein unterer, welche abwechselnd auf die Nadeln wirken. Die Nadeln müssen aber infolge dessen bei einem jeden Hube des Hoch- und Tieffachbodens von ihren bezüglichen Mustercylindern abgehoben werden und in dieser abgehobenen Stellung gehalten werden, während die Hebeböden in ihre normale Tief- und Hochlage zurückkehren und die Mustercylinder weiter geschaltet werden; alsdann müssen die Nadeln wieder freigelassen werden, so dafs sie sich unter Einwirkung der Feder mit ihren Spitzen in die Vertiefungen der Mustercylinder einsenken können. Ein für diese Bewegung der Nadeln geeigneter Mechanismus ist. in den Fig. ι bis 4 gezeigt.
Wie Fig. 4 erkennen läfst, gehen die Nadeln nahe an ihrem hinteren Ende .durch ein Querhaupt oder eine Traverse H hindurch, jedoch so, dafs sie sich auch unabhängig von der Traverse bewegen können, indem Federn 33 zwischen Traverse und Rahmen A eingeschaltet sind, welche die einzelnen Nadeln in Richtung gegen die Mustercylinder vortreiben, also genau so wie bei den gewöhnlichen Jacquard-Nadeln.
Die Traversen sind in Schlitzen 35 geführt und an Rahmenbügeln 37 angeschlossen, welche auf jeder Gestellseite angeordnet sind. Die vorderen Enden der Rahmen 37 sind gegabelt und haben Schlitze 38 und 39 (Fig. 1 und 2), in welche Zapfen 40 eingreifen, die an den oberen Enden der Hebel 41 sich befinden, welche auf beiden Gestellseiten vorhanden sind. Die Zapfen liegen für gewöhnlich an dem hinteren Ende der Schlitze an (s. Fig. 1). Die Hebel 41 sind in der Nähe ihrer Mitte um Gestellbolzen drehbar und an ihrem unteren Ende mit Stiften 42 ausgerüstet, deren vorderes Ende sich gegen die Leitcurven γ bezw. 18a der Y.- förmigen Arme 3 und 18 stützen. Die Stifte 42 sind in Büchsen 43 geführt, wobei sie durch die sie umschliefsenden Federn 43 immer gegen die Bahnen 3a und i8a angedrückt werden.
Durch diese Anordnung werden bei jeder Hebung bezw. Senkung des Hoch- bezw. Tieffachbodens die Stifte 42 durch die Leitcurven 3a und i8a vorwärts gedrückt und damit die oberen Enden der Hebel 41, im Sinne der Nadeln gesprochen, rückwärts getrieben, welche Bewegung mittelst der Rahmen 37 auf die Traversen H und damit auf die Nadeln übertragen wird, so dafs diese, wie nöthig, von ihren bezüglichen Mustercylindern, und zwar bei jedem Hub des Hoch- und des Tieffachbodens abgehoben, in dieser abgehobenen Stellung gehalten werden, während die Hebeböden in ihre normale Tief- und Hochlage zurückkehren und die Mustercylinder weiter geschaltet werden, worauf die Nadeln wieder freigelassen werden, so dafs sie sich unter Einwirkung der Federn wieder mit ihren Spitzen in die Vertiefungen der Mustercylinder einsenken können.
Die Schaltvorrichtung der Mustercylinder ist gleichfalls aus Fig. 1 bis 4 zu erkennen. Jeder Mustercylinder ist mit einem Schaltrade 5 1 versehen, zu welchem der Schaltkegel 53 auf der Schwinge 52 befestigt ist, die sich lose auf der Radachse dreht. Das Ende der Schwinge 52 ist mit einem Zapfen 54 versehen, welcher in den Schlitz 55 greift, der sich in dem einen Ende der Schubstange 56 befindet, die ihrerseits mit dem anderen Ende an den Hebel 41 angebolzt ist, so dafs, wenn dieser letztere ausschwingt, die Mustercylinder mittelst der Schalträder um eine Theilung weiter geschaltet werden.
Für das öfters wünschenswerthe Rückwärtsschalten der Mustercylinder ist ein zweites Schaltrad vorgesehen, welches durch den an 58 sitzenden Schaltkegel 59 bethätigt wird, wenn der Weber an der Schnur 60 zieht, die über die Leitrolle 61 läuft. Von der Schnur 60 ist die Schnur 62 derartig abgezweigt, dafs mit dem Einlegen des Schaltkegels 59 ein Ausheben des Kegels 53 verbunden ist, und umgekehrt.
Für die Kuppelung der die Ketten führenden Korden mit den Hebeböden ist, wie eingangs aus einander gesetzt wurde, ein verschieden weites Auslenken der Nadeln durch ihre Mustercylinder nöthig.
Dies kann entweder erreicht werden durch eine verschiedene Tiefe der Löcher in den Mustercylindern, die wie gewöhnlich immer gleich weit ausschwingen, oder durch eine ver-. schiedene Weite der Löcher in den Mustercylindern bezw. in den darüber gehängten Musterkarten, gegen deren Umfang sich dann sich verjüngende Nadelköpfe bis zur Berührung anlegen.
Die verschiedene Tiefe der Löcher in den Mustercylindern mufs jedoch auch den Mustern entsprechend leicht regelbar zu verändern sein. Dies läfst sich durch Einsetzen passender Zwingen I2a von verschiedener Tiefe (Fig. 11) in die Löcher 12 des Mustercylinders -D erreichen, wobei die Tiefe »Null« durch Einsetzen voller Stopfen 120 in das Loch 12 erzielt wird.
Eine andere Lösung derselben Aufgabe ist in Fig. 17 dargestellt.
Der Mustercylinder D hat die Löcher 12 wie zuvor, aber jedes Loch ist mit einer flachköpfigen Schraube i2b ausgerüstet, deren Kopf denselben Durchmesser hat wie das Loch. Durch weiteres oder geringeres Einschrauben des Schaftes hat man es in der Hand, die Vorwärtsbewegung der entsprechenden Nadeln zu vergröfsern oder zu verringern.
Fig. 36 zeigt die letzte der oben angedeuteten Ausführungsformen des Mustercylinders D.
Dieser hat wiederum Löcher, alle von derselben Weite und Tiefe, anstatt aber Zwingen oder Schrauben in die Löcher einzubringen, wird über dem Cylinder eine Musterkarte oder .ein Musterriemen D1 hinweggehängt, welcher mit reihenweisen Durchlochungen 12C ausgestattet ist, die aber je nach den zu webenden Musterungen von. verschiedenem Durchmesser sind. In diese Oeffnungen treten wiederum die Nadeln ein, wobei aber die Tiefe des Eindringens abhängt von der Gröfse des Riemenloches und der Gestaltung des hinteren Endes der Nadel. Das Ende der Nadel ist zu diesem Zwecke mit einem Kopfe versehen, welcher eine Folge von Stufen c aufweist; die Stufen sind gleich hoch, aber von verschiedenem, nach innen zu wachsendem Durchmesser, so dafs zwischen je zwei Stufen eine Schulter, ein Anschlag entsteht. Es ist nun ersichtlich, dafs, wenn die volle Karte der Nadelspitze gegenüber kommt, diese sich aufsetzt, dafs, wenn ein Karten- oder Riemenloch von kleinstem Durchmesser der Nadel C gegenübersteht, die Nadelspitze in das Loch eindringt, bis die erste Schulter sich auf die Riemen- bezw. Kartenoberfläche aufsetzt. Wird das nächst
gröfsere Loch der Nadel gegenüber gebracht, so sinkt diese bis zur zweiten Schulter ein ü. s. w. . Statt der abgestuften Köpfe können gebotenenfalls jedoch auch kegelförmige Enden verwendet werden. Immer bestimmt aber die Gröfse der Karten- oder Riemenlöcher das Vorwärtsdringen der Nadeln; das Vorwärtsdringen der Nadeln ist aber wiederum dafür mafsgebend, welche Farbe oder welche bestimmte Fadengattung der Kette ins Oberbezw. Untergefach gebracht wird, wie eingangs angedeutet würde und im Nachfolgenden noch näher aus einander gesetzt werden soll.
In der Einleitung ist bereits dieses Zusammenwirken zwischen Nadeln, Korden und Fachboden bei der Fachbildung für das neue Verfahren im allgemeinen angedeutet worden. Es soll nun aber eingehender für die combinirte Hoch- und Tieffachmaschine (oder Auf- und Niederzugsmaschine, wie sie auch wohl genannt wird) erläutert werden, und zwar für den gewählten Fall, dafs immer Gruppen von je fünf verschiedenen Kettenfäden - vorhanden sind (verschieden άέτ Farbe und auch der Gattung pach), von welchen immer je ein nach Mafsgabe des Musters bestimmter Faden in das eine Fach gebracht wird, während die übrigen vier im Mittelfach verharren. In diesem Falle werden die Kettenfäden in Bündel geschieden, von welchen jedes einen Faden von jeder Farbe enthält, diese fünf verschiedenen Fäden werden dann je in einen Spalt (ein Rohr) des Rietblattes eingezogen, jeder der Kettenfäden ist jedoch durch ein Maillon 22 des ketten-.führenden Organs, hier die Litzen der Korden 23, 24, 25, 26, 27 hindurchgezogen, welche nun durch den Hoch- und Tieffachboden gehoben und gesenkt werden.
Der Hebeboden B (Fig. 5) ist hierzu mit Schlitzen von sich ändernder Breite versehen, welche an ihren erweiterten Stellen (den Durchlässen oder Passagen) so breit sind, dafs die Organe, welche die Kettenfäden führen, hier also die Korden, ungehindert hindurchgehen können, während die engen Stellen durch in den Schlitz hineinragende Vorsprünge oder Auskragungen (Lager, Lagerpunkt oder Mitnehmer) so stark verengt sind, dafs sie die dazwischen gelangenden Korden durch deren Verdickungen mit sich heben.
Für fünftheilige Maschinen ist nun der Hochfachboden B (Fig. 5) am zweckmäfsigsten mit vier Schlitzen 8, 9, 10 und 11 ausgerüstet, deren jeder Erweiterungen oder Durchlässe 8a und engere Theile oder Mitnehmer 8b aufweist, welche aber so in einander übergehen, dafs den betreffenden Korden ein ungehindertes Hindurchschlüpfen von der einen nach der anderen Seite ermöglicht ist. Der Schlitz 8 ist im vorliegenden Falle mit zwei Mitnehmerstellen 8b und drei Erweiterungen oder Durch lässen 8a ausgerüstet; der Schlitz 9 dagegen hat nur eine Mitnehmerstelle 8b und zwei Durchlässe 8a, der Schlitz 10 ist dem Schlitz 9 ähnlich gestaltet, aber etwas langer wie dieser, und der Schlitz 11 weist nur einen einfachen Durchlafs 8a und eine Mitnehmerstelle 8b auf. Diese Schlitze sind, natürlich in parallelen Reihen quer über dem ganzen Hochfachboden angeordnet.
Die hierzu gehörigen Nadeln C sind jede mit einer Reihe von Schlitzen 13, 14, 15 und 16 versehen, welche mit den Schlitzen in dem Hochfachboden nach Anzahl und Richtung übereinstimmen, und welche wiederum von verschiedener Länge sind. (Statt Nadeln mit Schlitzen können auch gewöhnliche Drahtnadeln mit einer entsprechend angeordneten Reihe von Augen angewendet werden.)
Der Tieffachboden B1 hat genau dieselbe Gestalt wie der Hochfachboden, ebenso sind die Nadeln für ihn dieselben, wie für den Hochfachboden.
Die Kettenträger oder die Korden 23 und 24 gehen nun, wie in Fig. 5 gezeigt ist, durch die Schlitze 13 des oberen und des unteren Nadelsatzes und durch die Schlitze 8 des Hoch- und Tieffachbodens, die Korde 25 passirt nur durch den Schlitz 14 der Nadeln und 9 der Böden, während die Korde 26 durch die Schlitze 15 der Nadeln und 10 der Böden und die Korde 27 durch die Schlitze 16 der Nadeln und 11 der Böden einpassirt ist. Die bezügliche Lage der Kettenträger oder Korden 23 bis 27 in den Schlitzen 8 bis 11 des Hoch- und Tieffachbodens bestimmt dabei, welch eine Korde beim nächsten Spiel des Bodens gehoben oder gesenkt wird; hierbei ist zu beachten, dafs, wenn auch immer nur eine Korde jeder Serie auf einmal gehoben oder gesenkt wird, doch verschiedene Korden in den über einander befindlichen Schwesterreihen zu derselben Zeit bewegt werden können.
Die Querverschiebung der Korden wird nun durch die Nadeln C hervorgerufen, deren Längsausschiebung durch die verschiedene Tiefe der Zwingen I2a der bezüglichen Mustercylinder in der oben beschriebenen Weise beeinflufst wird.
Die verschiedenen Lagen, welche die durch die Schiebenadel verschobenen. Korden einnehmen können, sind in Fig. 6 bis 10 wiedergegeben, worin jedoch nur die Elemente für den Tieffachboden -B1 dargestellt sind. Die verschiedene Weite der Schlitze im Boden und in den Nadeln ist hierbei durch Folgendes angedeutet worden: volle Stege sind durch Schraffur als Querschnitt wiedergegeben, Durchlässe durch schwarze Ausfüllung, Mitnehmerstellen durch die weifs gelassenen Flecke.
Wenn die Spitzen der Schiebenadeln C auf einen vollen Stopfen 120 des Mustercylinders
stofsen, verbleiben sie in ihrer weitesten Rechtsstellung. In dieser Stellung befinden sich die etwas nach rechts angelenkten Korden 23 (Fig. 6) an der Mitnehmerstelle 8b des Schlitzes 8 (weifs gezeichnet) im Tieffachboden, so dafs, wenn dieser nach unten ausschwingt, der Knoten 30 an Korde 23 durch die Mitnehmerstelle mit nach unten genommen wird und dadurch der an die Korde 23 angeschlossene Kettenfaden ins Unterfach gebracht wird. Wenn die Nadel, wie in Fig. 7 gezeigt ist, in dem Mustercylinder eine Zwinge i2a von der geringst tiefen Sorte vorfindet, wird die Nadel um das entsprechende Stück sich nach links weiter bewegen und dadurch wird die Korde 24 in die Lage ausgelenkt, wo die zweite Mitnehmerstelle des Schlitzes 8 sich befindet, so dafs der Knoten 30 der zweiten Korde 24 durch den abwärts gehenden Boden gefafst wird. Fig. 8 läfst erkennen, dafs für die zweittiefste Sorte von Zwingen die dritte Korde gezogen wird; Fig. 9, in welcher Art die vierte Korde und Fig. 10, in welcher Art die fünfte Korde der Reihe gezogen wird.
Weiter ist erkennbar, dafs, wenn irgend eine der Korden 23, 24, 25, 26 oder 27 durch die Nadeln so ausgelenkt ist, dafs sie durch die Mitnehmer der diesbezüglichen Schlitze 8, 9, 10 und 11 im Hoch- oder Tieffachboden gefangen wird, die übrigen Korden sich in den erweiterten Theilen der Schlitze, .in den Durchlässen 8a befinden, so dafs diese bei der nächsten Bewegung in den Schlitzen des Hochoder Tieffachbodens frei passiren können, so dafs also nur eine Korde von jeder Fünferreihe auf einmal gehoben und gesenkt wird.
Die relative Anordnung der schiebenden Nadelstege und der Mitnehmerstellen in den Hebeböden kann z. B. nach genau denselben Grundsätzen ermittelt werden, wie die Theilung für die Nonienschieber zum Ablesen von Untertheilungen an Mafsstäben u. s. w., derart also, dafs, wenn die Korde 23 vor ihrem Mitnehmer steht, die Korde 24 ein Untertheil Von ihrem Mitnehmer entfernt steht, Korde 25 zwei Untertheile, Korde 26 drei Untertheile und Korde 27 vier Untertheile von ihren bezüglichen Mitnehmern entfernt sind. Damit die Korden nur in der gewünschten Stellung mitgenommen werden, sind vor bezw. hinter den Mitnehmern Durchlässe angeordnet.
Bei der ersten Korde 23 ist hierbei nur noch der Kunstgriff gebraucht, um einen Schlitz in der Nadel und dem Hebeboden zu sparen, dafs sie für die Anfangsstellung etwas nach rechts ausgelenkt ist, so dafs sie für alle anderen Lagen frei nach unten hängen kann, während für die letzte Korde 27 der Schlitz 11, wie leicht einzusehen, nur auf einer Seite des Mitnehmers einen Durchlafs zu haben braucht.
Die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Mitnehmern und den Durchlässen werden sich natürlich je nach der Anzahl der Korden in einer Reihe und je nach der Anzahl der Kettenfäden ändern, welche gleichzeitig in das Oberfach gebracht werden sollen.
Das Arbeiten der soeben vollständig beschriebenen combinirten Hoch- und Tieffachmaschine oder Auf- und Niederzugmaschine, wie sie wohl auch genannt wird, ist kurz zusammengefafst folgendes: Angenommen, dafs der Hoch- und Tieffachboden sich in ihren normalen Lagen befinden und die Nadeln durch ihre zugehörigen Mustercylinder in die für die Fachbildung nöthige Stellung, geschoben worden sind, wird der Hochfachboden B und damit eine bestimmte Korde aus jeder Kordenreihe 23 bis 27 gehoben. Mit den* Korden werden die zugehörigen Kettenfäden ins Oberfach gebracht, so dafs nun ein Schufsfaden oder eine Sammtnadel eingetragen werden kann. Gleichzeitig mit dem Heben des Hochfachbodens werden beide Nadelsätze von ihren Mustercylindern abgehoben und der untere um eine Theilung weiter geschaltet. Wenn nun der Hochfachboden wieder gesenkt worden ist, können die Nadeln sich wieder gegen ihre bezüglichen Mustercylinder anlegen, hierauf wird der Tieffachboden gesenkt, wodurch wieder je eine bestimmte Korde aus jeder Kordenreihe mit gesenkt und damit die zugehörigen Kettenfäden ins Unterfach, auf die untere Seite des Gewebes gebracht werden, in welches Fach dann wieder ein Schufs bezw. eine Sammtnadel eingetragen wird. Gleichzeitig mit dem Senken des Tieffachbodens, werden die Nadeln von den Mustercylindern abgehoben und dann der obere Mustercylinder um eine Theilung geschaltet, während der untere stehen bleibt. Hierauf wiederholt sich das gesammte Spiel von Anfang an.
Sind, wie in der soeben beschriebenen Jacquard-Maschine für Hoch- und Tieffach je ein besonderer Fachboden mit zugehörigem Nadelholz und Mustercylinder vorhanden, so können, weil als kettenführende Organe Korden, also biegsame Elemente verwendet sind, beide Theile der combinirten Maschine unter sinngemäfser Ausbildung der Betriebsmechanismen auch gleichzeitig gebraucht werden, derart also, dafs ein Doppelfach erzeugt wird; natürlich wird hierbei bei der Mustergebung eine gewisse Abhängigkeit der beiden Gewebeseiten zu berücksichtigen sein.
Weitere Specialfälle ergeben sich durch Weglassung eines der beiden Fachböden mit seinem Zubehör und durch die Verschmelzung der beiden Fachböden.
In den Fig. 31 bis 36 ist eine einfache Hochfachmaschine oder Aufzugsmaschine dargestellt, welche also nur Hochfach bildet.
Diese Maschine hat dementsprechend nur einen Hochfachboden, einen einfachen Mustercylinder und einen Satz von Schiebenadeln; der gesammte Mechanismus ist im wesentlichen derselbe, wie er oben für die combinirte Auf- und Niederzugsmaschine beschrieben worden ist, und die Thätigkeit der einzelnen Organe dürfte ohne Weiteres verständlich sein. Abweichend davon ist nur, dafs die Verschiebung der Nadeln hervorgerufen wird durch einen Mustercylinder mit dem oben erläuterten (Fig. 36) Musterriemen oder einer Musterkarte, die mit verschieden grofsen Löchern ausgerüstet ist.
Durch die Fig. 12 bis 20 endlich ist eine Maschine gekennzeichnet, welche einen einfachen Fachboden besitzt, der abwechselnd aus seiner mittleren Lage gehoben und gesenkt wird, also eine Maschine, welche abwechselnd mit Hoch- und Tieffach arbeitet. In diesem Falle tragen die kettentragenden Organe, in vorliegendem Beispiel also die Korden, auf beiden Seiten des Bodens Verdickungen, Knoten. Die Maschine hat aber trotzdem nur einen einfachen Mustercylinder mit einem einfachen Nadelsatz. Die Anordnung und Wirkung bleibt aber im allgemeinen dieselbe, wie sie oben beschrieben worden ist.
In diesem Falle ist zu beachten, dafs der Mustercylinder bestimmt, ist, das Fach für beide Seiten des Gewebes, welche verschieden sein können, auszulesen, also derart, dafs die Löcher 12, welche im Mustercylinder rund herum in Reihen angeordnet sind, in der einen Reihe z. B. die Zwingen für die erste Fachbildung der oberen Seite des Gewebes, in der folgenden dann die Zwingen für die erste Fachbildung der unteren Seite des Gewebes eingesetzt sind und so abwechselnd fort.
Wenn hierbei der Hebeboden abwechselnd gehoben und gesenkt werden soll, so mufs er in jeder ausgelenkten Stellung eine Zeit lang verharren, um zu ermöglichen, dafs der Schützen das Fach passirt, während er auch andererseits in der mittleren Stellung eine Ruhepause aufweisen mufs, um die Nadelverschiebung durch die Mustercylinder zu ermöglichen. Hierzu läfst sich z. B. folgender Mechanismus verwenden (Fig. 14, 18 bis 20):
An dem Hebeboden B sind seitlich die Heberahmen 70 (Fig. 14 und 18) angeschlossen, welche unten mit Curvennuthen 71 ausgerüstet sind, in welche Stifte oder Rollen 72 hineinragen. Die Rollen 72 befinden sich auf der Stirnfläche der Räder 73, welche auf die Querwelle 74 aufgekeilt sind (Fig. 20). Die Bewegung wird dem Rade 73 mittelst des Rades 75 ertheilt, welches iri geeigneter Weise von einer Webstuhlwelle aus in die nöthige Umdrehung versetzt wird. Die Heberahmen sind hierbei durch Steine jf in Rahmennuthen 78 (Fig. 12) geführt.
Die Gestalt der Curvennuth 71 ist nun derart, dafs beim gleichmäfsigen Drehen von 73 sich die Bewegungsphasen von dem Hebeboden B wie folgt gestalten. Zuerst wird der Boden aus seiner mittleren Lage gehoben, wodurch Fach für die obere Seite des Gewebes gebildet wird, in welches der nöthige Schufs eingetragen wird. Hierauf wird der Boden in seine mittlere normale Lage übergeführt und bleibt dort, während die Korden seitlich durch den Nadelmechanismus ausgelenkt werden. Der Boden wird dann nach unten gezogen und bildet damit das Fach für die untere Seite des Gewebes. In dieser Lage verbleibt der Boden, bis der Unterschufs eingetragen ist, hierauf wird er in die mittlere Lage zurückgeführt und behält diese Lage bei, bis die Korden aufs Neue durch den Nadelmechanismus ausgewählt sind, für. das nächste Oberfach.
Die Fig. 12, 14 und 19 zeigen ferner einen hierfür entsprechend umgeänderten Bewegungsmechanismus für die Auslösung der Nadeln und für die Schaltung des Mustercylinders. Die Nadeln sind wieder, wie oben beschrieben, in einem Querhaupte verschiebbar gelagert, mit Bunden 81 versehen, gegen welche sich wie gewöhnlich die Federn des Nadelfederhauses anlegen. Das Querhaupt H trägt beiderseits die Arme 82, welche durch die Schwingen 83 (Fig. 12) erfafst und bewegt werden. Die Einleitung der Bewegung geschieht mittelst der Rollen 84 wieder durch eine entsprechend gestaltete Curvennuth 85 der Scheibe 86 (Fig. 19), welche gleichfalls auf die Querwelle 74 aufgekeilt ist. Die Curvennuth ist so ausgemittelt, dafs das Nadelquerhaupt nur gestattet, die Nadeln zur Anlage an den Mustercylinder zu bringen, wenn der Boden in seiner normalen, mittleren Stellung sich befindet.
Der Mustercylinder wird wieder in ähnlicher Art geschaltet, wie Fig. 12, 14 und 19 erkennen lassen. Der in Fig. 12 links gezeichnete Hebel 83 versetzt mittelst einer Schubstange 56 die Schaltvorrichtung 54, 53, 52 in Thätigkeit.
Wie aus dem vorstehend Gezeigten ersichtlich ist, läfst die Erfindung aufserordentlich mannigfache Verwendungsarten zu, besonders gut eignet sie sich namentlich für das Weben von DoppelstofFen mit zwei vollständig verschiedenen Schauseiten, gleichgültig ob hierbei beide Seiten als Flor- oder als glatte Gewebe ausgebildet sind, oder ob nur die eine Seite glatt und die andere als florige ausgebildet ist. Der letztere Fall ist in den Fig. 21 bis 28 gezeichnet, während Fig. 29 ein auf beiden Seiten mit Noppen versehenes Gewebe und Fig. 30 ein auf beiden Seiten glattes Gewebe darstellt. Die Bindungsarten erhellen hierbei aus Folgendem:
In dem in Fig. 21 bis 28 verdeutlichten Fabrikat' sind fünf Figuren bildende oder
Musterkettenfäden a a1 a- as fl4 von verschiedener Farbe bezw. Charakter verwendet. Je nach der Bauart der Jacquard-Maschine kann natürlich die Zahl der Kettenfäden, welche eine Gruppe bilden, auch eine andere sein. Diese Musterkettenfäden sind in Gruppen quer über den Stoff vertheilt und werden zwischen jede Gruppe von Musterkettenfäden noch zwei Binde- oder Grundkettenfäden b b1 eingeschaltet, um mit den Grundschufsfäden den das Ganze dicht zusammenhaltenden Grund zu bilden. Die Grund- oder Bindeschufsfäden d d1 werden in der für Doppelgewebe üblichen Weise von Zeit zu Zeit in das Fabrikat zwischen den Musterschufsfäden derart eingetragen, dafs der Bindeschufsfäden d auf der oberen Gewebeseite bindet, der Bindeschufs d1 auf der unteren; beide werden dann durch das Anschlagen des Blattes gleich viel vorgetrieben, so dafs sie senkrecht über einander zu liegen kommen. Aufserdem können noch Füllschufsfäden e für die untere Gewebeseite angewendet werden, welche nach den Bindeschufsfäden eingetragen und angeschlagen werden. Die Bindekettenfäden werden zweckmäfsigerweise durch Schäfte bethätigt.
Da die Musterkettenfäden in Gruppen angeordnet sind und, falls die beiden Gewebeseiten vollständig unabhängig von einander sein sollen, es nur möglich ist, immer blos zwei Fäden von jeder Gruppe zur Bildung der sich gegenüberliegenden Noppen oder Rippen zu verwenden, ist es nöthig, die übrig bleibenden Musterkettenfäden auf einen Raum so klein wie möglich zusammenzudrücken, soll das Erzeugnifs nicht dem Einwände der Durchsichtigkeit zwischen den Noppen oder Rippen und der nicht genügenden Compactheit ausgesetzt sein. Aus diesem Grunde ist noch das aus den beiden Kettenfäden b b1 bestehende Grundkettensystem zwischen die Gruppen der Musterkettenfäden eingeschoben, um mit den Grundschufsfäden dd1 zu binden, welche in der gleichen Absicht auf der oberen und unteren Seite eingetragen werden. Die Bindekettenfäden passiren zu diesem Behufe über den Bindeschufs auf der oberen Seite, dann wenden sie sich zwischen den Bindefäden nach unten, umschlingen den unteren Bindeschufs und steigen wieder in ihre normale Ebene der Musterkettenfäden hinauf, wo sie über den weiter hinzugefügten Schufsfäden flott liegen, welche durch die übrig bleibenden Kettenfäden gebunden werden. Es dürfte einleuchten, dafs durch diese Einbindung eines Paares gleichzeitig durch einen Kettenfaden gebundene Grundschufsfäden (Fig. 28) sie möglichst dicht zusammengetrieben werden, dichter, als es möglich sein würde, wenn man die Bindekette über den Bindeschufs erst auf der einen Gewebeseite und dann über den nachfolgenden Schufs auf der entgegengesetzten Gewebeseite passiren liefse.
Will man Florgewebe erzielen, so wird, wenn einer der Musterkettenfäden α al u. s. w. durch den Jacquard-Mechanismus in das Oberfach ausgelenkt ist, eine Sammtnadel oder Draht ρ (Fig. 22) zwischen ihn und die übrigen vier Kettenfäden eingetragen, um die Noppe 1 zu bilden. Hierauf kehrt der ausgelenkt gewesene Kettenfaden auf seinen Platz zu den übrigen Musterkettenfäden zurück, und es kann nun ein Faden von verschiedener Farbe oder verschiedenem Charakter in das Unterfach gebracht werden, in welches Fach dann zwischen den ausgelenkten und den übrigen Mustefkettenfäden ein Füllschufs e von gemischter Farbe eingetragen werden kann. Der gesenkte Musterkettenfaden und der Bindekettenfaden b werden dann gehoben, so dafs Bindeschufsfäden d dazwischen eingetragen werden kann, wonach er wieder unter die Unterseite des Gewebes gezogen wird, um den Bindeschufsfäden d1 einzubinden; der Bindekettenfaden kehrt dann auf seinen Platz zwischen die Musterkettenfäden zurück und das Blatt wird angeschlagen. Während der vorgeschriebenen Vorrichtungen laufen natürlich die drei übrigen Musterkettenfäden der betreffenden Gruppe und die Bindekettenfäden, welche nicht gebraucht werden, flott durch das Fabrikat hindurch. Diese nöthigen Fachbildungen wiederholen sich nun in gewünschter Weise durch das ganze Stück, wobei die Bindekettenfäden b b1 in der beschriebenen Form durch die Bindeschufsfäden d d1 gebunden werden, wie es Fig. 22 und 25 noch klar erkennen lassen.
Es mag noch einmal betont werden, dafs, wenn einer der Musterkettenfäden auf die obere Gewebeseite gebracht worden war, er selbst oder irgend ein anderer der übrig gebliebenen Musterkettenfäden dann in das Unterfach gebracht werden kann; hierin weicht die Erfindung namentlich von jenen Constructionen ab, bei welchen die Musterfäden immer paarweise von verschiedener Farbe angeordnet sind, und bei welchen, wenn der eine Faden in das Oberfach geht, der andere Faden des Paares ins Unterfach wandert i um so dasselbe Muster1 auf beiden Seiten, nur in verschiedenen Farben zu erhalten.
Ferner können bei der vorliegenden Erfindung Pol- oder Sammtnadeln ρ auf beiden Gewebeseiten eingelegt werden, so dafs doppelflorige Gewebe erzielt werden, wie sie durch den Längsschnitt Fig. 29 gekennzeichnet sind, ebenso wie nur einfache Füllschufsfäden auf beiden Seiten eingetragen werden können, so dafs man ein glattes Doppelgewebe erzielt, wie es der Schnitt Fig. 30 charakterisirt.
Es mufs ferner noch hervorgehoben werden, dafs die Einrichtung auch sehr gut als Damastmaschine verwendet werden kann zum Ersatz der Vorderschäfte oder Tringles u. s. w., indem
die (fünf oder acht) je ein Quadrat des Damastes bildenden Kettenfäden als je eine Gruppe Kettenfäden aufgefafst und durch je eine Nadel des Mustercylinders dirigirt werden können. Die Kettenfäden sind zwar hier nach Farbe und Stärke vollständig gleich und nur durch die Reihenfolge zur Fachbildung innerhalb eines Quadrates als verschiedenen Charakter habend zu bezeichnen.
Ein vollständig reines Fach läfst sich in allen den erläuterten Fällen leicht durch verschieden hohes Einstellen der Kordenknoten oder durch Schrägstellen der Böden oder durch Ausschwingen der Böden um eine besondere Drehachse, wie bekannt, erreichen.

Claims (1)

  1. Patent-Anspruch:
    Eine Jacquard - Maschine mit gruppenweise angeordneten Kettenfäden trägern, bei welcher behufs Verminderung der arbeitenden Elemente je eine Nadel eine ganze Gruppe oder Reihe von kettenführenden Organen bethätigt, die in der Gruppe derartig von einander abhängig verbunden sind, dafs das Ausheben des einen Gruppentheiles das in das Unterfachgehen des anderen Theiles bedingt, sofern diese nach Mafsgabe des Musters zu erfolgende Theilung mittelst einer Nadel hervorgerufen wird, die zu diesem Zwecke verschiedene Längsverschiebung erhält.
    Hierzu 2 Blatt Zeichnungen.
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