DE80537C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Bindemittel für Leimfarben.
Bekanntlich wird der sogen. Tafelleim für alle gewerblichen Zwecke in generell wirkender
Weise hergestellt, nicht aber mit besonderer Berücksichtigung derjenigen Ansprüche,
welche der Maler an denselben hinsichtlich seiner Verwendbarkeit bei Ausführungen von
Leimfarbenanstrichen stellt.
Während es im Allgemeinen beim Leim auf möglichst grofse Bindekraft neben anderen,
mehr äufserlichen Eigenschaften ankommt, wird bei seiner Verwendung zu Leimfarbenanstrichen
verlangt, dafs er nicht nur grofse Bindekraft besitzt, sondern auch stark schleimig ist, um
die Leimfarbe leicht und gleichmäfsig auftragen zu können.
Da bisher ein diese Anforderungen erfüllender fester, harter Leim nicht existirte, suchte
man sich dadurch zu helfen, dafs man der mit gewöhnlichem Leim angerührten Wasserfarbe
einen Absud von irländischem Moos zusetzte, was aber nur auf Kosten der Bindekraft des
Leims geschehen konnte und aufserdem sehr zeitraubend war, weil Leim und Moos jedes
für sich aufgelöst bezw. gekocht und das Moos aufserdem noch durch ein Sieb getrichtert werden
mufste.
Vorliegende Erfindung bezweckt nun, einen festen, harten Leim herzustellen, welcher den
vom Maler gestellten Anforderungen voll entspricht, indem derselbe neben grofser Bindekraft
auch den nöthigen Schleimgehalt in sich vereint und dadurch sowohl das Anstreichen,
wie das Schabloniren, Liniiren, Decoriren etc. in einer vollendeten, bisher nicht bekannten
Weise ermöglicht. Das Verfahren zur Herstellung dieses Malerleims, ist folgendes:
Es wird möglichst fetthaltiger, thierischer Leim ca. 14 Stunden in kaltem Wasser aufgequellt
und, nachdem die aufgequellten Tafeln aus dem Wasser herausgenommen und in ein Kochgefäfs gebracht sind, so lange erhitzt, bis
das Ganze eine gleichmäfsig dickflüssige Masse geworden ist. Das zur Verwendung kommende
Quantum Wasser richtet sich nach der Ausgiebigkeit des Leims, im Allgemeinen kommen
auf 100 Gewichtstheile Leim im festen Zustande 200 Gewichtstheile Wasser. Alsdann
wird der aufgelöste Leim auf seinen Fettgehalt geprüft, indem man die Leimmasse bei nicht
über 90° C. ca. 30 Minuten ruhig stehen läfst,
worauf fast alle noch im Leim vorhandenen fetthaltigen Bestandtheile auf der Oberfläche
sich zeigen.
Einem mehr fetthaltigen Leim werden dann auf 300 Gewichtstheile ca. 3 Gewichtstheile
Cocusnufs- oder Stearinöl, einem sogen, mageren Leim dagegen.ca. 6 Gewichtstheile vorgenannter
OeIe zugesetzt. Erfahrungsgemäfs eignen sich nur diese beiden Oelsorten zur Herstellung
dieses Formleims, weil nur diese OeIe ohne Zuhülfenahme ätzender Stoffe (z. B. Pottasche,
Seifenstein etc.) sich innig mit der Leimmasse vermengen lassen; andere OeIe würden sich
vielleicht auf mechanischem Wege wohl vermengen lassen, aber nach dem Anrühren der
Leimfarbe an die Oberfläche kommen.
OeIe werden dem Formleim zugesetzt, um zu erreichen, dafs derselbe geschmeidiger und
das Abblättern der mit demselben zu bereitenden Farben nach dem Anstreichen auf Gyps-
und Kalkflächen vermieden wird.
Sobald sämmtliche öligen Bestandtheile sich mit dem Leim innig vermischt haben, was
durch häufiges Umrühren der Masse erreicht wird, läfst man die Leimlösung bis auf ca. 500C.
abkühlen und schüttet dann in dieselbe unter beständigem Umrühren nach und nach ca. 60
bis 70 Gewichtstheile Sago- oder Kartoffelmehl, wobei darauf zu achten ist, dafs die
Temperatur von 500 C. nicht überschritten wird, weil sonst das Mehl die ganze Masse
klumpig verdicken würde, so dafs man dieselbe nicht würde in Formen giefsen können. Das
Sago- bezw. Kartoffelmehl sind die schleimerzeugenden Stoffe, welche dem Maler den
bisher angewendeten Zusatz eines Absuds von irländischem Moos ersetzen sollen und dieses
auch in der vollkommensten Weise thun, ohne im Geringsten die dem letzteren anhaftenden
Nachtheile zu besitzen.
Der Schleimentwickelungsprocefs tritt dann ein, wenn der Maler die Formleimtafel beim
Auflösen zum Kochen bringt, was unter Anwendung einer verhältnifsmäfsig grofsen Menge
Wasser geschehen mufs. Es würde nicht möglich sein, solche bedeutende Menge Wasser
gleich bei der Mischung des Sago- bezw. Kartoffelmehls mit dem Leim anzuwenden, dafs
dadurch auch das Mehl aufgelöst wird, denn dieses Wasser müfste, um harte Tafeln herzustellen,
durch Trocknen wieder entfernt werden. Ein derartiger Trocknungsprocefs würde aber entweder zu kostspielig sein oder eine
solche lange Zeit in Anspruch nehmen,, dafs trotz aller eingemengten antiseptischen Hülfsmittel
sämmtliche Tafeln total schimmelig und unbrauchbar werden würden.
Nachdem sich die der Leimlösung zugesetzten Stoffe vollständig mit ersterer vermengt haben,
füllt man das Gemenge in Formen, läfst dasselbe erkalten und bringt es durch einen kurzen
Trocknungsprocefs in einen festen harten Zustand.
Die auf solche Weise hergestellten Tafeln werden vom Maler wie der bisher gebrauchte
Leim, nachdem dieselben in Wasser aufgequellt und gekocht worden sind, der mit Wasser angerührten
Farbe zugesetzt, ohne irgend welche fernere Zuthaten.
Während jedoch zur Auflösung von gewöhnlichem thierischen Tafelleim auf Y2 kg
nur ca. 2 1 Wasser genommen werden können, müssen zu dem gleichen Quantum dieses »Formleims«
etwa 4 I Wasser benutzt werden, um das Kartoffel- bezw., Sagomehl zu verkleistern.
Die Zubereitung der Anstrichfarbe ist die denkbar einfachste und die mit dem Zusatz
des Formleims versehene Farbe ist lange haltbar, während eine Farbe, welche andere den
Schleimgehalt ersetzende Stoffe, z. B. irländisches Moos, enthält, schon nach kürzester Zeit verdirbt und unbrauchbar wird.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Herstellung eines Leimfarben-Bindemittels, darin bestehend, dafs man Leim, der in etwa der doppelten Menge Wasser gelöst und mit einigen Procenten Cocos- oder Stearinöl versetzt ist, bei einer 500 C. nicht übersteigenden Temperatur mit Sago- oder Kartoffelmehl versetzt, dann in Formen giefst und trocknet.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE80537C true DE80537C (de) |
Family
ID=353077
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT80537D Active DE80537C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE80537C (de) |
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