DE79339C - Luftdruckbremse - Google Patents
LuftdruckbremseInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 20: Eisenbahnbetrieb.
JOSEPH LIPKOWSKI in PARIS. Luftdruckbremse.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 5. August 1893 ab.
Die Gesammtanordnung der selbsttätigen Luftdruckbremse ist durch die Fig. 1 und 2
(im Aufrifs und Grundrifs) der Zeichnung dargestellt.
Auf der Lokomotive (Fig. 1) befindet sich eine Pumpe A, die durch den Kesseldampf
angetrieben wird. Dieser Dampf wird aus dem Dome B durch ein Rohr C entnommen, durch
den von Hand mittelst der Stange E geöffneten oder geschlossenen Steuerungshahn D in die
Leitung F und durch diese in den Apparat G geleitet, welcher seinen Eintritt in die Pumpe A
selbsttätig regelt. Der, Austritt des Abdampfes geschieht in den Schornstein durch die Rohre J
und J1. Die Construction und die Wirkungsweise der Pumpe A und des Apparates G
sind in anderen Patentschriften beschrieben. Trotzdem sind diese Vorrichtungen in Fig. 1
dargestellt, um die Gesammtanordnung der Bremseinrichtung zu zeigen.
Die durch die Pumpe A geprefste Luft gelangt durch das Rohr K in den Behälter L,
worin sie auf einem Druck von 7 bis 8 Atmosphären erhalten wird. Von diesem Behälter L
tritt die noch immer unter einem Druck von 7 bis 8 Atmosphären stehende Luft durch die
Leitung M in das Druckminderungsventil N über. Dieses Ventil vermindert den Druck der
ihn durchziehenden Luft und läfst dieselbe mit einem gleichbleibenden Druck von 3 bis
4 Atmosphären durch den Bremshahn O in die Hauptleitung P eintreten.
Zwei Manometer m m1 zeigen den Luftdruck
im Behälter L und in der Leitung P an. Diese Hauptleitung erstreckt sich entlang des Zuges;
sie besteht aus Eisenrohren und zwischen den Wagen aus biegsamen Schläuchen P1 aus
Kautschuk, welche mittelst sogenannter symme- " trischer Kuppelungen P3 verbunden sind.
Die Hähne Q gestatten das Schliefsen der Leitung. Die Entnahme der Prefsluft aus der
Hauptleitung für die Bethätigung der Bremsen geschieht mittelst eines Dreiweghahnes R, welcher
im gewünschten Moment die Ausschaltung der Bremsapparate gestattet, ohne die Leitung
zu unterbrechen.
Nach ihrem Durchgange durch den Hahn R gelangt die Prefsluft durch die Leitung S zum
Bremsventil T, aus dem sie in die eigentliche Bremse U tritt.
Die Wirkungsweise der Bremse U in Verbindung mit ihrem Ventil T wird im Nachfolgenden
genau beschrieben:
.Gewöhnlich läfst man die Bremsklötze auf
die Räder des Fahrzeuges selbst wirken; bei vorliegender Bremse verwendet man aber besondere
Räder χ χ an den Achsen. Wie Fig. 5
im Aufrifs und Fig. 6 im Schnitt darstellt, sind diese Räder aus Gufseisen und bestehen aus
zwei Stücken yjr, welche, durch vier Bolzen ^ ^
vereinigt, sich um die Achse legen. Dieses gufseiserne Rad ist von einem ebenfalls zweitheiligen
Radkranze α α aus Gufsstahl umgeben.
Die beiden Reifen α α werden auf den gufseisernen Rädern mittelst Bolzen b b befestigt.
Ein so zusammengestelltes Rad wird auf der Achse mittelst zweier Keile c c, deren jeder
durch je zwei Schrauben dd niedergehalten wird, festgekeilt. Diese Schrauben dienen auch
dazu, die Räder χ auf der Achse genau concentrisch aufzubringen.
Die Anwendung eigener Bremsenräder χ χ ermöglicht die Vereinfachung des Gestänges
und die Bremsung von zwei, drei oder vier Rädern desselben Fahrzeuges, wobei der durch
die Bremsklötze an beiden Seiten derselben Achse entwickelte Druck gleich erhalten bleibt.
Die Fig. 3 zeigt in der Ansicht die Gesammtanordnung der Bremseinrichtung von drei, die
Fig- 4 die von vier Achsen.
Die Fig. 9 stellt in der Draufsicht einen Bremscylinder mit seinem Ventil dar. Diese
Vorrichtungen stehen mit der Hauptleitung durch ein Rohr S, welches in dem Ausschalthahn
R der Bremse endigt, in Verbindung.
Der Bremscylinder ist im Aufrifs durch Fig. 7 in einem waagerechten Schnitt durch die
Fig. 8 dargestellt. Der die Stange V bethätigende Kolben ist doppelt; er besteht aus einem
grofsen Kolben L1 und einem kleinen IA Diese Kolben theilen den ganzen Bremscylinder
in drei Abtheilungen N1M1Q1. Die Abtheilung
N1 bildet den Vorrathbehälter, M1 den
Bremscylinder und Q1 den Laderaum. Die drei Abtheilungen stehen mit dem Umsteuerungsventil
T durch drei Kanäle n, m1 und q in
Verbindung.
Die Fig. 14 stellt einen Bremscylinder dar,
bei welchem der Kanal η nicht mit dem Apparate aus einem Stück gegossen, sondern durch
ein äufseres Rohr η ersetzt ist,' welches den
Behälter N1 unmittelbar mit dem Steuerungsventil T verbindet.
Die Fig. 13 zeigt eine Ausführungsform derselben Bremse, bei welcher der kleine Cylinder
Q.1, d. i. der »Laderaum« im Innern des Kolbens L2 angebracht ist.
Das Steuerungsventil wird an der Bremse durch den Flantsch g, Fig. 10 und 12, mittelst
der drei Bolzen g1, Fig. 8 und 11, befestigt.
Dieses Ventil T enthält einen Kolben P3, Fig. ι ο, welcher an beiden Enden Lederstulpen
a1 und b1 und einen Doppelschieber
T1 T2 trägt.
Am unteren Theile des Steuerungsventils befinden sich zwei biegsame Diaphragmen x1
und %, welche eine Klappe k tragen.
Die Fig. 11 ist ein senkrechter Schnitt, welcheT
den Schieberspiegel, die Anordnung der Kanäle m1, η und q, sowie die Ausströmung e
ersichtlich macht.
Die Fig. 12 ist ein Schnitt durch den Apparat
nach der waagerechten Linie 1-2, Fig. 11.
Die Fig. 10 ist ein Schnitt nach der gebrochenen Linie 3-4-5 der Fig. 12, in eine
Ebene ausgebreitet; aus derselben ist die Wirkungsweise des Apparates leicht ersichtlich.
Die Prefsluft gelangt von der Hauptleitung P, Fig. 9, durch das Verbindungsrohr S unmittelbar
in die Kammer K l des Bremsventils.
Der Raum zwischen den Diaphragmen x1
und ^ ist durch den inneren Kanal n\ Fig. 11,
welcher in der Oeffnung η endigt, fortwährend mit dem Behälter 2V1 in Verbindung.
Gleicherweise steht der Raum, welcher die Klappe k umgiebt, d. h. jener unterhalb des
Diaphragmas Z, durch die Kanäle m2 und m3
fortwährend mit dem Cylinder M1 in Verbindung.
Um die Wirkungsweise der Bremse U und des Ventils derselben zu beschreiben, wird dieselbe
während dreier Phasen betrachtet, und zwar:
ι. wenn der Zug in Bewegung ist,
2. beim Anhalten des Zuges, d. h. während der Wirkung der Bremsen,
3. beim Lösen der Bremsen.
i. Während der Zugbewegung.
Die Prefsluft, welche sich beständig in der Hauptleitung P befindet, strömt durch das
Rohr S, Fig. 9, in die Kammer K1, Fig. 10.
Der Kolben P3 und sein Schieber T1 T2
werden durch die Feder R1 emporgehoben
und befinden sich in der in Fig. 10 gezeichneten Stellung.
Die Prefsluft strömt von K1 durch die Löcher A1Zc2 in die Kammer K2, drückt die
Lederstulpen α x und b' nach einwärts und
dringt, da sie die Oeffnungen m1 und q unbedeckt
findet, durch η unmittelbar in den Behälter N1, durch m in den Cylinder M1 und
durch q in den Laderaum Q1.
Nachdem die drei Kammern TV1, M1 und Q1,
Fig. 8, dieserart mit Luft gefüllt sind, befinden sich die Kolben L1 und L2, Fig. 8, im Gleichgewicht
und die Feder R 2 erhält die Stange V
in der der vollkommen gelösten Bremse entsprechenden Stellung.
2. Wirkungsweise der Bremse während des Bremsens.
Alle selbstthätigen Luftdruckbremsen und auch die vorliegende wirken unter dem Einflüsse
einer mehr oder minder starken Druckabnahme in der Hauptleitung, welche durch den Lokomotivführer dadurch hervorgerufen
wird, dafs er zu diesem Zwecke den Bremshahn öffnet und die Luft aus der Hauptleitung
•■in einer der erforderlichen Druckabnahme entsprechenden
Menge entweichen läfst.· Die Wirkungsweise des Bremsventils T ist nun
folgende:
Die Kammern K1 und K2 desselben (Fig. 10)
sind in unmittelbarer Verbindung mit der Hauptleitung.
i. Abschnitt. Die durch den Lokomotivführer
hervorgerufene Druckabnahme überträgt sich daher unmittelbar auf K1 und K'2. Der
Lederstulp a1 legt sich infolge dessen an die
Wandung des Steuerungsventils, und der Unterschied des Druckes der Prefsluft auf die beiden
Seiten des Kolbens P3 veranlafst ein Herab-
sinken desselben, wobei die Feder R1 zusammengedrückt
wird.
Der Kolben P3 wird in seiner Bewegung durch die Gegenfeder Rs begrenzt. In dieser
ersten Stellung des Kolbens P3 setzt der Schieber T1 die Oeffnung q in Verbindung
mit der Ausströmung e, während der Schieber jT2 die Oeffnung m1 noch freiläfst. Die
im Laderaum Q.1, Fig. 8, enthaltene Prefsluft entweicht daher sofort ins Freie durch die
Oeffnungen q e, wodurch das Gleichgewichtder Kolben L1 und L2 gestört wird. Diese
verschieben sich, die Feder i?2 zusammendrückend
und das Gestänge so lange verschiebend, bis die Bremsklötze fest an den
Rädern anliegen.
Bei dieser Bewegung der Kolben L1 und L2
wird der Kolben L1 versuchen, die im Cylinder M1 enthaltene Luft zusammenzupressen;
da die Oeffnung m1 durch den Schieber T2
jedoch noch unbedeckt ist, so befindet sich der Cylinder M1 durch die Kanäle m1 und η
in Verbindung mit dem Behälter N1 und die Luft des Cylinders M1 wird durch den Kolben
L1 in den Behälter N zurückgedrückt.
Es ist leicht ersichtlich, dafs Dank dieser Anordnung während der ganzen Dauer der
Verschiebung des Gestänges kein Luftverbrauch im Cylinder M1 stattfindet und man nur die
im Laderaum Q1 befindliche Luftmenge verbraucht; deshalb wurde der Durchmesser dieses
Raumes für diese bezw. nebensächliche Arbeit sehr genau bestimmt.
2. Abschnitt. Sobald das Bremsgestänge verschoben ist und sich unter der Einwirkung
der durch den Lokomotivführer in der Hauptleitung und in den Kammern K1 und K2
hervorgerufenen stärkeren Druckverminderung befindet, sinkt der Kolben P3 ganz herab,
wobei er die Feder Rs zusammendrückt. In dieser Stellung legt sich die Schneide i des
Kolbens P3 fest auf das Leder h des Bodens und sperrt auf diese Weise die Hauptleitung
vollständig ab; der Schieber T1 erhalt die Verbindung des Laderaumes Q.1 mit der Ausströmung
e beständig aufrecht, aber der Schieber T2 hat die Oeffnung m bereits geschlossen
und dadurch den Cylinder M1 vom Behälter Nx
getrennt.
3. Abschnitt. Erst nach den beiden vorhergehenden Abschnitten beginnt die Wirkung des
Bremsenfestlegers, bestehend aus der Combination der beiden Diaphragmen x'1 und % mit
der Klappe k.
Wie bereits vorher erwähnt, ist es die Luft der Hauptleitung, welche auf die obere Fläche
des Diaphragmas x1 wirkt, während der Raum
zwischen x1 und ^ beständig mit dem Behälter
N1 durch den Kanal n\ Fig. 11, und
die Unterseite des Diaphragmas % mit dem Cylinder M1 durch die Kanäle m2, Fig. 10
und ii, in fortwährender Verbindung steht.
Während der Bewegung des Zuges hatte die Prefsluft im Behälter N1 im Cylinder M1
und in der Leitung in K1 denselben Druck; die beiden Diaphragmen λ:1 und \ waren im
Gleichgewicht und die Feder i?4, sowie, der
Druck der Prefsluft auf die Klappen k haben letztere fest auf ihren Sitz geprefst. Während
der beiden eben beschriebenen Abschnitte der Bremsung war die in der Leitung erzeugte
Druckabnahme nicht stark genug, dafs die Differenz des Luftdruckes auf die beiden Diaphragmen
λ:1 und ^ den Widerstand der Feder Ri hätte überwinden können.
Erst nach der Ingangsetzung der in den beiden ersten Abschnitten beschriebenen Apparate
und einer Erhöhung der Druckabnahme in der Leitung heben sich die Diaphragmen, indem sie die Feder R4 zusammendrücken
und auch die Klappen k von ihrem Sitz abheben; die im Cylinder M1 enthaltene Luft
entweicht ins Freie und die Druckdifferenz der Luft im Behälter N1 und jener im Cylinder M1
bestimmt die Bremskraft.
Da die Fläche des Diaphragmas x1 ca. dreimal
gröfser ist als jene von ^, so ist es klar, dafs die Klappe k so lange abgehoben bleibt,'
bis die im Cylinder M1 erzeugte Druckabnahme genau dreimal gröfser ist als jene, welche der
Lokomotivführer in der Hauptleitung und in der Kammer K1 erzeugt hat.
Man ersieht hieraus, dafs die im Cylinder hervorgerufenen Druckabnahmen von den in
der Leitung erzeugten abhängen, d. h. dafs der Lokomotivführer jeden gewünschten Grad der
Bremskraft leicht erhalten kann.
Diese Anordnung gestattet aufserdem, die Bremse zu bethätigen und an Prefsluft in der
Leitung zu sparen, da man durch eine in der Leitung erzeugte Druckabnahme von 1Y2 Atmosphären
eine vollkommene Druckabnahme im Cylinder, d. h. die gröfstmögliche Bremskraft erhält.
3. Lösen der Bremsen.
Um die Bremsen zu lösen, bringt der Lokomotivführer den Bremshahn in die der Zugbewegung entsprechende Stellung und die Prefsluft
des Behälters L der Lokomotive (Fig. 1) erfüllt wieder die Hauptleitung.
Sobald der der Zugbewegung entsprechende Luftdruck in der Leitung und in den Kammern
K1 und K2 des Steuerungsventils (Fig. 1 o)
wieder hergestellt ist, schliefst die Feder Ri die
Klappe k, die Federn R1 und i?3 heben den
Kolben P3 und bringen die Schieber T1 und T2
in die in Fig. ι ο dargestellte, der Zugbewegung entsprechende Stellung.
In dieser Stellung geben die Schieber T1 und T2 die Oeffnungen m1 und q frei und die
Prefsluft des Behälters N1 erfüllt sofort den Cylinder Ai1 und den Laderaum Q1, was ein
aufserordentlich rasches Lösen der Bremsen ermöglicht, da das Gleichgewicht der Wirkung
der Luft auf die Kolben L1 und L2, Fig. 8, sofort hergestellt wird, worauf die Feder R2
das Lösen der Bremsen bewirkt.
Sobald dies geschehen, stellt die noch durch die Leitung kommende Luft im Behälter N1,
dem Cylinder Ai1 und dem Laderaum Q1 den
der Zugbewegung entsprechenden Anfangsdruck von 4 Atmosphären her; um das Lösen der Bremsen zu bewirken, genügt es jedoch,
diesenDruck nur in der Hauptleitung herzustellen. Die Wirkungsweise der durch die Fig. 13 und 14
r dargestellten Ausführungsformen ist mit jener der eben beschriebenen vollkommen identisch
und sind für die gleichen Theile dieselben Buchstaben beibehalten worden.
Das Steuerungsventil ist für die verschiedenen Ausführungsformen dasselbe.
Die Wirkungsweise der eben beschriebenen Bremse beruht auf der Theilung der Wirkung
der geprefsten Luft während des Bremsens in zwei getrennten Abschnitten; in dem ersten
wirkt sie auf einen kleinen Kolben, welcher ausschliefslich dazu bestimmt ist, die vollkommene
Verschiebung des Gestänges, d. i. das Laden der Bremsen zu bewirken, im zweiten wirkt sie auf den grofsen Kolben und liefert
die zur Bremsung, d. i. zum Anhalten de.s Fahrzeuges nöthige Kraft.
Hierbei ist zu bemerken, dafs die Luft nicht früher auf den grofsen Kolben wirkt, als bis
das Gestänge durch den kleinen Kolben vollkommen verschoben ist.
Dieselbe Aufgabe kann auch in einer anderen Weise gelöst werden, welche durch die Fig. 1 5
bis 17 dargestellt ist. Die Fig. 15 und 16
stellen den Bremscylinder im Verticalschnitt und Grundrifs dar, während die Fig. 17 das
Bremsventil in einem verticalen Schnitt zeigt.
Bei dieser Anordnung geschieht die Bewegung des Gestänges durch den kleinen Kolben
L2 des Laderaumes Q1, ohne dafs sich der grofse Kolben vom Platze rührt. Der
Kolben ist aus einem hohlen Stahlgufscylinder gebildet, dessen Oberfläche tiefe kreisförmige
Rillen zeigt. Die im gewünschten Augenblick in diese Rillen r1 eingreifenden Zähne des.
Riegels t verhindern den Rückgang des Kolbens L2 im Augenblick, da der grofse Kolben
i1 die Bremskraft entwickelt.
Im Nachstehenden werden die drei Abschnitte :
1. der Zugbewegung,
2. des Festlegens der Bremse während des Anhaltens des Zuges und
3. des Lösens der Bremsen nach einander erläutert.
i. Während der Zugbewegung.
Die Prefsluft gelangt aus der Hauptleitung in die Kammer K1 des Steuerungsventils, strömt
nach K2, drückt den Lederstulp a1 nach einwärts
und gelangt durch die zwischen den Lederstulpen α1 und b1 liegende Oeffnung m2
in den Kanal mx und in den Cylinder M1.
Die Prefsluft drückt hierauf den Lederstulp b1 nach einwärts und gelangt durch den Kanal η
unmittelbar in den Behälter N1.
Der Einrücker A[ und der Laderaum Q1,
Fig. ι 5 und 16, stehen mit der Ausströmung e
durch die Kanäle ν q und den Muschelschieber T1, Fig. 17, in Verbindung; unter diesen
Umständen erhält die Feder R'2 den Kolben L2
und das Gestänge in der Lösestellung und die Feder R5 den Riegel t gesenkt.
2. Wirkungsweise der Bremse während
des Bremsens.
1. Abschnitt. Die in der Hauptleitung,
d. h. in den Kammern K1 und K2 des Steuerungsventils
erzeugte Druckabnahme veranlafst den Kolben P3, nach abwärts zu sinken, wobei
die Feder R1 zusammengedrückt wird.
Der Kolben P3 stöfst dann an die Feder i?3; in dieser. Stellung hat der Schieber T1 die
Oeffnung q freigegeben, und die Luft des Behälters N1 strömt in den Laderaum, stöfst den
Kolben L2 zurück, prefst die Feder R2 zusammen
und verschiebt das Gestänge.
2. Abschnitt. Sobald das Gestänge verschoben ist, wird die in der Leitung erzeugte
Druckabnahme stark genug, dafs die Feder R3 zusammengedrückt werden kann. Der KoL·
ben P3 beendet seinen Niedergang, und der Schieber T1 giebt die Oeffnung ν frei. Die
Luft des Behälters gelangt demnach unmittelbar durch ν in den Einrücker A1, drückt auf
das Kolbendiaphragma L3, hebt den Riegel t und bringt die Zähne dieses Riegels mit den
Rillen des Kolbens L2 in Eingriff.
3. Abschnitt. Erst in diesem Augenblick beginnt der aus den Diaphragmen x1 und ^
und der Klappe k bestehende Bremsenfestleger zu wirken; seine Wirkungsweise ist in jeder
Hinsicht mit jener des vorherbeschriebenen Steuerungsventils (Fig. 10, 11' und 12) vollkommen
gleich und die im Cylinder M1 erzeugten Druckabnahmen bestimmen wie beim vorhergehenden
Bremscylinder die Bremskraft.
Man wird bemerken, dafs sich bei dieser Anordnung der Kolben L1 fast gar nicht bewegt,
wenn das Gestänge durch den Kolben L2 verschoben wird, d. h. die Bremse geladen
und sich der Kolben L2, durch den Riegel t zurückgehalten, nicht mehr zurückbewegen kann.
Diese EigenthUmlichkeit ermöglicht es, den am Ende des Kolbens L1 angebrachten Lederstulp
durch ein Lederdiaphragma zu ersetzen,
Claims (1)
- welches eine vollkommene Dichtheit sichert und keinerlei Beaufsichtigung bedarf.3. Wirkungsweise der Bremse während des Lösens.Die Prefsluft, welche der Lokomotivführer zwecks Lösens der Bremsen in die Hauptleitung eintreten läfst, stellt in dieser den 'Anfangsdruck her. Die Feder -R4 schliefst hierauf die Klappe k und die Federn R1 und R3 heben den Kolben P3 und den Schieber T1. Dieser Schieber stellt hierauf die Verbindung zwischen dem Einrücker A1 und der Ausströmung durch die Kanäle ν und e her. Die Luft des Einrückers entweicht, und die Feder Rs senkt den Riegel t. ■ Hierauf setzt der noch weiter aufsteigende Schieber T1-1 die Röhre q mit der Ausströmung e, Fig. 17, in Verbindung, und die im Laderaum enthaltene Luft entweicht ins Freie. Die Feder R2, Fig. 15, treibt hierauf den Kolben L2 zurück und bringt das Gestänge in die Stellung gelöster Bremsen.Die von der Leitung kommende Prefsluft stellt im Behälter und im Cylinder den Anfangsdruck wieder her.In Fig. 18' ist der durch das Rohr S bewirkte Anschlufs des Ventilgehäuses T an die Hauptleitung P dargestellt.Patenτ-Ansprüche:ι . Eine Luftdruckbremse, gekennzeichnet durch zwei die Bremsstange (V) bethätigende und den Bremscylinder (U) in drei Kammern (N1 M1 Q1) theilende, ungleich grofse Kolben (L1 L2) in Verbindung mit einem die Prefsluft aus der Hauptleitung (P S) empfangenden Steuerungsventil (T)1 von welchem aus die eingelassene Prefsluft durch drei Kanäle (n m1 q) in genannte Kammern gelangt, und welches derart eingerichtet ist, dafs im ersten Stadium der Druckabnahme der Ventilschieber (P3) die in der Aufsenkammer (Q1) des kleinen Kolbens (L2) enthaltene Prefsluft nach aufsen zum Entweichen bringt, wodurch der in dieser Kammer geführte kleinere Kolben (L2) durch die Prefsluft der den grofsen Kolben (L1) umgebenden Kammern (N1 M1) verschoben und hierdurch das Anlegen der Bremsklötze an die Räder bewirkt wird, und im weiteren Verlaufe der Druckabnahme durch Sinken des Schiebers erst die den grofsen Kolben (L1) umgebenden Kammern (N1 M1) von einander trennt und sodann die zwischen den beiden Kolben befindliche Kammer (M1) in Verbindung mit der Aufsenluft tritt, wodurch die in dieser Kammer enthaltene Prefsluft entweicht und die Prefsluft der Aufsenkammer (N1) des grofsen Kolbens (L1) durch Einwirkung auf den Kolben (L1) das Festziehen der Bremsen bewirkt.
Eine Luftdruckbremse der durch Anspruch 1. geschützten Art, gekennzeichnet durch einen in einem Ventilgehäuse angeordneten, unter dem Druck von Federn (R1 R3) stehenden Kolben-Doppelschieber (P3 T1 T2), durch dessen Verschiebung zuerst die Aufsenkammer (QV des kleinen Kolbens (L2) mit der Aufsenluft in Verbindung gesetzt 'Wird, und hierauf die den grofsen Kolben (L1) umgebenden Kammern ^iV1 M1) von einander getrennt werden, worauf alsdann eine die nach aufsen führende Oeffnung der zwischen den beiden Kolben (L1L2) befindlichen Kammer (M1) unter dem Einflüsse einer Feder(R^) schliefsende Klappe^, welche mit zwei Diaphragmen (x1 %), deren Zwischenraum mit der äufseren Kammer (N1) des grofsen Kolbens in Verbindung steht, verbunden ist, bei fortgesetzter Druckabnahme oberhalb des Diaphragmas (χλ) durch die · Prefsluft der ,Kammer (N1) gehoben wird und die Luft aus der zwischen den Kolben (L1L2) befindlichen Kammer (M1) ins Freie entweichen kann.
Eine Ausführungsform der in Anspruch 1. gekennzeichneten Luftdruckbremse, darin bestehend, dafs die auf die Bremsstange (' V) wirkenden Kolben (L1 L2) sich unabhängig von einander bewegen können, und der mit der Bremsstange verbundene kleinere Kolben (L%) nach seiner Arbeitsleistung (Anlegen der, Bremsklötze) durch einen mittels Luftdruck verschiebbaren und vom Hauptsteuerventil (T) gesteuerten Sperrriegel (t) mit dem gröfseren Kolben (L1) zum Festziehen der Bremsen verbunden wird (Fig. 15 bis 17).Hierzu 3 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE79339C true DE79339C (de) |
Family
ID=351984
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT79339D Expired - Lifetime DE79339C (de) | Luftdruckbremse |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE79339C (de) |
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- DE DENDAT79339D patent/DE79339C/de not_active Expired - Lifetime
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